Erfahrungen im Neuland

Jörg Schneider. Rotherham.
Das 3:0 gegen Lazio Rom am Bruchweg war der einzige Sieg, der dem FSV Mainz 05 in seiner Testspielserie gegen internationale Konkurrenz gelungen ist. Beim letzten Härtetest vor dem DFB-Pokal verschenkte der Bundesligist beim englischen Zweitligisten Rotherham United ein eigentlich sicheres Erfolgserlebnis. Ungeachtet dieser 1:2-Niederlage sind die 05-Profis davon überzeugt, gut gerüstet nach Cottbus zu fahren. „Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl. Wir wissen, wie wir dort spielen müssen“, sagt Abwehrchef Stefan Bell.

Vier Testspiele gegen ausländische Klubs hat der FSV Mainz 05 in den vergangen Wochen bestritten. In den Duellen mit drei renommierten Erstligisten aus Frankreich und Italien sowie der Partie am Wochenende beim englischen Zweitligisten sollte sich die Mannschaft von Martin Schmidt frühzeitig an Wettkampfhärte und Widerstände, aber auch an künftige Prinzipien und Notwendigkeiten im eigenen Spielvortrag gewöhnen, um gut vorbereitet in die erste Runde des DFB-Pokals und anschließend in die neue Spielzeit starten zu können. Die Ergebnisse dienen nicht dazu, dass das neuformierte Team von großer Euphorie begleitet seine siebte Bundesliga-Saison in Folge angeht. Doch das stört die Verantwortlichen nicht weiter. Der 05-Trainer legte gesteigerten Wert auf Inhalte und Erkenntnis-Gewinne, kalkulierte dabei bewusst Niederlagen ein, um Fortschritte zu erzielen. Das ist nach Ansicht des Schweizers gelungen.

Daniel Brosinski musste sich in England nicht nur auf die körperliche Gangart des Gegners einstellen, sondern auch darauf, dass der Schiedsrichter vieles durchgehen ließ, was in Deutschland als Foul gepfiffen wird, Foto: René VigneronEin 1:1-Unentschieden gegen AS St. Etienne, ein überzeugender 3:0-Sieg vor eigenem Publikum gegen AS Rom, eine heftige 1:5-Klatsche gegen AS Monaco und nun zum Abschluss der Vorbereitungszeit die 1:2-Niederlage bei Rotherham United. Das ist die Bilanz dieser Testspielserie. Und obwohl der Ärger über diese unnötige Pleite in England unmittelbar nach dem Abpfiff groß war in den Reihen der 05-Profis, hatte gerade diese jüngste Partie beim unbequemen Zweitligaklub, mit etwas Abstand betrachtet, aufbauenden Charakter für die Spieler. Denn das, was den 05ern in Rotherham widerfuhr, dürfte doch viel Ähnlichkeit mit dem gehabt haben, was dem Bundesligisten am Sonntag in Cottbus blüht.

Diese Partie noch zu verlieren, sei ein bisschen billig gewesen, meinte Stefan Bell. Der Innenverteidiger, der sich mit konstant guten Leistungen in der Vorbereitung zum eindeutigen Abwehrchef aufgeschwungen hat, ärgerte sich gewaltig, hob allerdings auch schnell die heilsame Wirkung des Geschehens hervor. „Wir haben uns zweimal leicht auskontern lassen. Daraus sollten wir lernen“, sagte der 23-Jährige nachher. „Wenn man aber die letzte Viertelstunde ausklammert, war es ein gutes Spiel von uns. Wir hatten ziemlich viel Ballbesitz und sind vor allem in der zweiten  Halbzeit gut damit umgegangen. Wir haben gut gespielt, waren dominant, haben mehr und mehr den Ball laufen lassen, nur nicht die Tore erzielt und uns am Ende das Ergebnis selbst kaputt gemacht.“

Bell rätselte, ob es die Konzentration gewesen sei, die gefehlt habe oder die Kraft. „Es waren jedenfalls einfache Fehler, die man einfacher abstellen kann als alles andere. Ich denke, es war gut, dass wir heute solche Konter bekommen haben.“ Und nicht am Sonntag im Pokal-Erstrundenspiel  in Cottbus. Dort, so Bell, rechne er damit, dass sich vieles auf einem ähnlichen Level abspielen werde. Bei einem Gegner, der dem Favoriten mit aller macht die Stirn bietet, der aus einer klaren Defensivstrategie heraus, mit großer Lauf- und Kampfbereitschaft, sehr körperbetontem Spiel seine Möglichkeiten sucht.

„Das wird dort bestimmt so laufen, wie hier in der ersten Halbzeit. Dass sie tief stehen, uns den Ballbesitz lassen. Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl. Wir haben gesehen bis zum 1:1, wie wir spielen müssen gegen Cottbus, um wenig Chancen zuzulassen. So müssen wir dort die Sache angehen“, sagte Bell.

Die Partie in Rotherham sei für viele im Team eine neue, wichtige Erfahrung gewesen, erklärte Daniel Brosinski. „Mal auf einen Gegner zu treffen, der mit viel körperlicher Robustheit und mit einer harten Gangart zu Werke geht. Und das Ganze vor dem Hintergrund, dass der Schiri sehr viel laufen lässt. Das war dem einen oder anderen bei uns so nicht bekannt. Auch für mich war das ziemlich viel Neuland.  Das sind wir so aus Deutschland nicht gewohnt“, erklärte der Rechtsverteidiger. „Da denkst du, da kommt ein Pfiff, aber es geht weiter. Das ist der Unterschied. Davon lebt das Spiel der Engländer. Da brauchten wir etwas Anlaufzeit, um uns darauf einzustellen.“

Trotzdem habe die Mannschaft das sehr ordentlich gemacht  gegen einen Gegner, der 90 Minuten sehr tief gestanden und  die Räume eng geschlossen gehalten habe. „Sie haben versucht, mit körperlicher Präsenz ins Spiel zu kommen. Doch die Niederlage kam nur durch Fehler von uns zustande, die wir nun analysieren und einordnen müssen.“  Daraus werde sein Team die Lehren ziehen. „Rotherham kam nicht übers Spielerische. Sie haben oft versucht, über die zweiten Bälle zu kommen“, so der Rechtsverteidiger. Energie Cottbus werde sicherlich auf ähnliche Weise seine Möglichkeiten suchen. „Die werden uns 90 Minuten lang das Leben schwer machen, werden mit Mann und Maus verteidigen und auf ihre Chancen hoffen. Das wird ähnlich wie in England. Die hoffen auf Fehler von uns, um Chancen zu kriegen. Von daher war das hier trotz der Niederlage eine sehr gute Erfahrung für uns.“

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