Entschuldigung und verhaltener Jubel

Jörg Schneider. Augsburg.
Der Jubel über diesen ersten 05-Sieg der neuen Bundesligasaison fiel verhalten aus. Die Spieler des FSV Mainz 05 verzichteten darauf, das 3:1 vor 26.115 Zuschauern beim FC Augsburg wie sonst üblich auf dem Platz zu feiern. Das üble Foul von José Rodriguez in der Nachspielzeit gegen Dominik Kohr, der danach ins Krankenhaus musste, überwog die Freude über diesen insgesamt souveränen und mit viel Fußball-Qualität zustande gekommenen Sieg, der die ersten drei Punkte brachte. Der 05-Trainer entschuldigte sich später offiziell beim FCA und kündigte interne Sanktionen an gegen den offenbar übermotivierten Spanier, der kurz zuvor eingewechselt worden war. Die Stimmen zum Spiel.

„Ich möchte mich in aller Form im Namen von mir, der Mannschaft und des gesamten Vereins entschuldigen“, sagte Martin Schmidt zu Beginn der Pressekonferenz. Das üble Foul von José Rodriguez an dem Augsburger Mittelfeldspieler Dominik Kohr hatte alle geschockt. Die 05er genauso wie die Augsburger. „Das war eine unnötige Aktion. Ihr könnt alle sicher sein, dass ich das mit dem Spieler bespreche. Das ist nicht Mainz 05. Das ist irgendetwas anderes, was nicht auf den Platz gehört. Das war falscher Ehrgeiz. Das wird eine entsprechende Strafe geben. Wir werden das sanktionieren.“ Offenbar war der spät eingewechselte Rodriguez, der in den vergangenen Wochen seinen Frust über seine Nichtnominierung im Kader offenbar zu deutlich nach außen getragen haben soll, komplett übermotiviert in die letzten Minuten der Partie gegangen.

Der 05-Trainer war ansonsten natürlich sehr zufrieden mit der Gesamtleistung seiner Mannschaft, die früh in Führung gegangen war, in einer Passivitätsphase in der zweiten Halbzeit den Ausgleich kassiert hatte, postwendend wieder in Führung gegangen war und noch einen drauf gelegt hatte. Der erste Sieg in der neuen Bundesligasaison tat gut, nach den vergangenen Spielen, in denen die Mainzer jedesmal einen Vorsprung verspielt hatten. „So etwas kann sich festsetzen in den Köpfen, deshalb war dieser erste Sieg unheimlich wichtig für die Psyche. Wir haben jetzt schon acht Tore in drei Spielen erzielt. Das zeigt, dass die Offensive passt. Die Defensive werden wir mit Sicherheit stabilisieren und unser Zentrum weiter verdichten. Das wird sicher noch ein paar Spiele dauern, aber wir sind auf einem guten Weg. Ich muss dem Team heute ein großes Kompliment machen. Wir wollten gewinnen, haben das von Anfang an gezeigt mit unserer Aggressivität und damit, dass wir den Ball gut haben laufen lassen. Zwei der drei Einwechselspieler haben uns geholfen. Das brauchen wir. Die physische Widerstandskraft war da. Wir werden diesen Weg weiter gehen, den wir eingeschlagen haben.“

Man erkennt's an den Gesichtern, dass Yunus Malli (links) und Giulio Donati (3. von rechts) lieber nicht so genau hingesehen hätten. "Das darf nicht passieren", sagte Donati, "das gehört nicht auf den Platz." Foto: imagoGiulio Donati war nach dem Rodriguez-Foul als erster an der Unfallstelle. „Ich habe dem Schiedsrichter noch gesagt, da reicht auch die Gelbe Karte. Wie man das so macht im Spiel. Dann aber habe ich die Verletzung gesehen, und mir sind die Tränen in die Augen geschossen. Das darf nicht passieren. Das gehört nicht auf den Platz“, sagte der Rechtsverteidiger, der in Augsburg erneut eine starke Leistung zeigte.

Harald Strutz kündigte an, dass der Verein dem FCA in den nächsten Tagen auch offiziell sein Bedauern über diesen Vorfall ausdrücken werde. Zum Spiel sagte der 05-Präsident: „Das war heute nötig und wichtig. Vor allen Dingen die Art und Weise, wie die Mannschaft hier diese Aufgabe gelöst hat, war sehr souverän. Bis auf die Phase mit dem Ausgleichstor. Danach haben sie sich jedoch die Souveränität sofort zurückgeholt. Das war wichtig für die Mannschaft, die sich ja auch noch finden muss. Wir gehen nun mit einem ganz anderen Gefühl in die schwere Woche und das Spiel in Bremen.“

Das Team sei zunächst sehr souverän aufgetreten, dann bis zur Pause solide und sei danach etwas eingeschlafen, erklärte Rouven Schröder. „Nach dem 1:1 hatten wir aber wieder richtig hohe Qualität. Direkt im Gegenzug die Führung zu machen, das wünscht man sich natürlich. Wir haben sechs neue Spieler auf dem Platz gehabt und keinerlei Substanzverlust gespürt. Das ist wichtig, denn dadurch verstehen die Spieler auch, wenn sie in diesen Wochen mal rausrotieren. Wir haben einen Kader, der funktioniert“, erklärte der Sportdirektor.

Dirk Schuster war nach dem 1:3 die personifizierte Enttäuschung. „Das hatten wir uns komplett anders vorgestellt“, sagte der FCA-Coach. „In der ersten Hälfte haben wir kein gutes Spiel gemacht. Nach dem Rückstand war sofort eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Wir waren hibbelig, ungenau im Passspiel, unruhig, haben die falschen Ansätze gewählt und den Mainzern die Bälle oft direkt wieder in den Fuß gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir den Druck erhöht, hatten Chancen. Was aber dann nach dem verdienten 1:1 passiert ist, gefällt mir gar nicht. Im eigenen Stadion in einer solchen Situation 120 Sekunden später ausgekontert zu werden, das war ein richtiger Schock für uns. Die Mainzer hatten die reifere Spielanlage. Wir waren sehr naiv und stehen nun mit leeren Händen da.“

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