Einmal Torjäger, immer Torjäger

Jörg Schneider. Marbella.
Nur die wenigsten Anhänger des FSV Mainz 05 kennen Emil Berggreen. Kaum ein Außenstehender hat den Mittelstürmer, der vor einem Jahr von Eintracht Braunschweig an den Bruchweg gewechselt war, bisher zu Gesicht bekommen. Jetzt hat der 23-jährige Däne seine Leidenszeit abgeschlossen, hat Verletzungen, Rückschläge und eine scheinbar nicht enden wollende Reha-Phase überwunden und arbeitet in der Vorbereitung des Bundesligisten intensiv und ehrgeizig am Comeback. „Mein Ziel ist, in der Rückrunde zu spielen und wieder Tore zu machen. Nach diesem Gefühl sehnt man sich als Stürmer. Ich glaube auch, dass man die Fähigkeiten, die man als Torjäger hat, nicht verlernt. Auch nicht nach einer langen Verletzung“, sagt der Mittelstürmer.

verletzung und Rückschläge überwunden, gutes Deutsch gelernt, Emil Berggreen fühlt sich integriert bei Mainz 05 und will so schnell wie möglich mit Vollgas angreifen. Foto: Jörg SchneiderFast ein Jahr lang war der Mann für die Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Trainingsbesucher am Bruchweg stellten immer wieder mal die Frage nach Emil Berggreen. Ist der Stürmer noch da? Was macht der Däne, der einen solch miserablen Start hatte in seiner neuen Umgebung? Der 23-Jährige hat geschuftet, sich herangekämpft in unendlichen Stunden im Reha-Zentrum und im Kraftraum, in einsamen Laufrunde im Stadion. Anfang 2017 ist Berggreen nun erstmals seit seinem Wechsel von Eintracht Braunschweig im Januar 2016 zum Bundesligisten Teil der Trainingsgruppe des FSV Mainz 05. Im Trainingslager von Marbella arbeitete der hochaufgeschossene Angreifer für jeden sichtbar am Comeback. In der Hoffnung, dass diese neue Jahr besser wird als das abgelaufene.

Das war schon ein sportliches Drama, das sich um den jungen Dänen abgespielt hat. Mit einer Verletzung aus der Reha zu seinem neuen Klub gewechselt. Zwei Spezialeinheiten am Bruchweg absolviert, dann das Aus und die Entscheidung, eine Operation am Knie ist notwendig, um entstandene Schleimbeutel zu glätten. Erneute Reha. Rückschläge. Wieder verletzt. Erneutes Herankämpfen. Und Immer mit dem sehnsuchtsvolle Blick auf die Kollegen auf dem Trainingsplatz und in den Spielen in der Opel Arena. Und dabei immer im Hinterkopf, ja eigentlich gekommen zu sein, um das zu tun, was die 05-Verantwortlichen mit dieser Verpflichtung bezweckten: um Tore zu schießen. „Es war natürlich keine schöne Zeit“, sagte Berggreen jetzt in Marbella. „Du kommst in einen neuen Verein, willst dich zeigen und musst direkt operiert werden. Das hat alles länger gedauert als erwartet. Dann kamen Rückschläge und direkt wieder eine Verletzung. Es hätte nicht schlechter laufen können.“

Der 23-Jährige hofft, dass er nun einen Schlussstrich unter das Kapitel gezogen hat. „Ich habe schon länger keine Schmerzen mehr. Mir geht es richtig gut. Ich hatte keinen Rückschlag mehr. Normalerweise war ich noch nie sehr geduldig, aber nach diesem Jahr muss man lernen geduldig zu sein. Irgendwann jedoch ist es jede Woche besser geworden, deswegen freue ich mich jetzt, dass ich wieder etwas Fußball spielen kann.“ Im Trainingslager zwar zunächst nur eingeschränkt. Die Grundlagen-Ausdauer stand im Vordergrund. Weitere Laufrunden und Stabilisationsprogramme. Immerhin aber auch schon einige Spielformen und Passübungen. „Ich muss jetzt einfach noch ein wenig länger Geduld haben. Ich kann eigentlich schon alles mitmachen. Ich kann sprinten, schießen, springen und warte nur auf das letzte Go. Zweikämpfe sind noch nicht erlaubt, aber alles andere mache ich mit. Das Gefühl mit dem Ball ist wieder da. Ich fühle mich bereit. Ich mache viele Passformen. Der nächste Schritt ist als freier Mann mitzuspielen im Training, dann als Wandspieler. Ich möchte spätestens in sechs Wochen dann richtig Vollgas geben und wieder spielen“, sagte der Stürmer.

Trotz der langen Abwesenheit vom Team ist Berggreen integriert im Kader. „Ich fühle mich auf keinen Fall als Neuzugang. Auf dem Platz, klar, aber nicht in der Gruppe“, betonte er. „Der ganze Verein hat mich sehr gut behandelt in der ganzen Zeit. Ich habe mich immer unterstützt gefühlt. Die Reha war sehr gut.“ Und Berggreen ist ehrgeizig, will schnellstmöglich zeigen, dass der Verein ihn zurecht verpflichtet hat. „Ich denke, es haben sich viele Leute über diese Verletzung Gedanken gemacht. Ich muss aber sagen, ich hatte nie schlechte Gedanken. Ich bin noch jung, ich will hart trainieren und habe noch viele Ziele, die ich erreichen möchte. Ich setze mir allerdings zunächst kein konkretes Ziel. Ich will zu allererst spielen in der Bundesliga.

05-Reha-Trainer Axel Busenkell war in den vergangenen Monaten der wichtigste Ansprechpartner für den Rekonvaleszenten. „Axel hat viel und richtig gut gearbeitet mit mir“, erklärte Berggreen. Nicht nur körperlich. Der Däne hat im abgelaufenen Jahr sehr gut Deutsch gelernt und ist einer der ganz wenigen ausländischen Profis im Kader, der inzwischen in der Lage ist, Mediengespräche in fließendem Deutsch zu führen. „Wir haben in der Reha immer versucht, nur Deutsch zu sprechen. Axel war so etwas wie mein Sprachlehrer. Als ich seinerzeit nach Braunschweig kam, konnte ich die Sprache gar nicht. Jetzt klappt’s ganz gut. Es geht aber auch recht schnell, wenn man hier wohnt“, sagte der 05-Profi.

Zehn Zweitligatreffer in 26 Spielen hat Emil Berggreen für Eintracht Braunschweig erzielt. Das letzte im Dezember 2015 beim 2:0-Sieg der Mannschaft von Torsten Lieberknecht in Sandhausen. Danach folgte die langwierige Verletzung, und es war vorbei mit dem Spielen und dem Tore schießen. „Ich habe in meinem letzten Spiel vor meiner Verletzung getroffen. Es wäre natürlich toll, wenn ich in meinem ersten Spiel für Mainz 05 ebenfalls treffen könnte“, beschrieb Berggreen im Trainingslager seine Comeback-Wünsche. „Mein  Ziel ist, in der Rückrunde zu spielen und wieder Tore zu machen. Nach diesem Gefühl sehnt man sich als Stürmer. Ich glaube auch, dass man die Fähigkeiten, die man als Torjäger hat, nicht verlernt. Auch nicht nach einer langen Verletzung.“

Martin Schmidt und die 05-Kollegen hoffen dies auch. Berggreen soll dem Mainzer Angriff neue Optionen geben, soll entweder zusammen mit Jhon Cordoba eine Doppelspitze in der Offensive bilden oder als Alternative für den Kolumbianer parat stehen. Variationen und Einsatzmöglichkeiten für einen Stürmer gibt es viele. Doch der Weg zurück ins Geschäft und der Einstieg in die Bundesliga ist hart beschwerlich. Das weiß auch Berggreen. „Für mich wäre es auch in Ordnung, zunächst in der zweiten Mannschaft anzufangen, um wieder reinzukommen und Spielpraxis zu kriegen“, betonte der Mittelstürmer.

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