„Einen richtigen Schuss gelandet“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit der Verpflichtung des Rechtsverteidigers Giulio Donati von Bayer Leverkusen wird sich die in Bewegung geratene Struktur in der Abwehr des FSV Mainz 05 weiter verändern, der Konkurrenzkampf zunehmen. Martin Schmidt jedenfalls ist begeistert von diesem Transfer des Profis mit stattlicher Champions-League-Erfahrung. Dass ein solcher Spieler für den Klub überhaupt zu kriegen sei, zeige welchen Stellenwert Mainz inzwischen habe, betont der 05-Trainer.

Giulio Donati hat zwei Trainingseinheiten mit seinem neuen Team absolviert. Der 05-Trainer ist begeistert vom neuen Rechtsverteidiger. Foto: Jörg SchneiderZwei Trainingseinheiten hat Giulio Donati inzwischen absolviert mit dem Kader des FSV Mainz 05. Und der italienische Rechtsverteidiger, den der Bundesligist vom Konkurrenten Bayer 04 Leverkusen bis 2019 verpflichtete (über die Ablösesummen schweigen sich die Vereine aus, die Spekulationen liegen zwischen einer und fünf Millionen Euro), hat offenbar sofort einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Martin Schmidt jedenfalls ist regelrecht begeistert von dem 25-Jährigen mit reichlich Champions-League-Erfahrung. Vor allem darüber, dass es Christian Heidel überhaupt gelungen ist, den Mann nach Mainz zu lotsen.

„Diese Verpflichtung ist eine Riesengeschichte für uns“, sagte Schmidt in der Medienrunde am Bruchweg. „Dass so ein Spieler überhaupt für uns zu haben ist, der in der Champions-League und den kompletten Herbst über für Bayer in der Bundesliga gespielt hat, ist eine Wertschätzung für uns. Das zeigt, dass Mainz in der Außendarstellung gewachsen ist und welchen Stellenwert wir inzwischen haben.“ Als bekannt geworden sei, dass die Leverkusener wegen Donati gesprächsbereit seien, habe man sich von Mainzer Seite aus sofort um den 25-Jährigen gekümmert. „Da war bald klar, dass es passt. Er kommt aus einer ähnlichen Spiel-Philosophie und hat diese ganzen Prinzipien, dieses Vorwärtsverteidigen, Pressen, Umschalten nach Balleroberung drin, teilweise besser als manche bei uns“, betonte der Trainer.

Die ersten Trainingseindrücke bestätigten dies. „Er ist sofort integriert. Auch teamintern. Das ist ein Hammertyp, sehr umgänglich, ein leidenschaftlicher Typ. Der will kicken und hat leuchtende Augen, wenn man ihm was erklärt.“ Donati sei einer, der sich schon nach ein paar Wochen in der Kabine so darstelle, als sei er seit Jahren dabei. Der Italiener spreche deutsch, die Integration laufe schon. „Er ist ein Pfundskerl neben dem Platz. Auf dem Rasen mache ich mir gar keine Sorgen“, sagte Schmidt. „Wenn er uns sportlich weiter hilft, dann haben wir wirklich einen richtigen Schuss gelandet. Einen Mann mit dieser Erfahrung, wenn wir den nicht holen, dann würden wir etwas falsch machen.“

Mit Donati wird sich wahrscheinlich die ohnehin in Bewegung geratene Struktur in der Mainzer Abwehr weiter verschieben. Zum Rückrunden-Auftakt in Ingolstadt musste Niko Bungert wegen Trainingsrückstands in der Vorbereitung seinen Stammplatz an Leon Balogun abgeben. Bungert hat sich unterdessen beim Spielersatz-Training in Mainz eine Leistenverletzung zugezogen, ist wieder für drei Tage raus aus der täglichen Arbeit und wird wohl auch am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach hinten anstehen müssen. Balogun und Alexander Hack sind die Kandidaten für den Platz neben Stefan Bell.

Links hat sich Gaetan Bussmann mit einer bemerkenswerten kämpferischen Verteidigerleistung für weiter Aufgaben empfohlen. Der Franzose, der ein halbes Jahr Anlaufzeit benötigte, ist der Gewinner der 05-Vorbereitung. „Gaetan hat Pierre vorläufig mal rausgedrückt“, sagte der 05-Trainer nach der 0:1-Niederlage in Ingolstadt, wo Bengtsson gar nicht im Kader gestanden hatte. Kampf, Leidenschaft, Mut und Emotion zeichneten Bussmanns Bundesligadebüt aus. „Er hat bestätigt, dass er auf dem Weg ist, ein guter Linksverteidiger in der Bundesliga zu werden“, erklärte der 05-Trainer. Kompromisslos, cool und resolut sei Bussmann aufgetreten, wenn auch manchmal noch zu ungestüm und ungenau im Spiel nach vorne. Doch das galt für andere Kollegen mit wesentlich mehr Bundesligaeinsätzen im Kreuz ebenso. Bengtsson sei natürlich enttäuscht gewesen, habe aber im Training sofort eine Reaktion gezeigt und bestätigt, dass der Schwede um seinen Platz kämpfe.

Nun kommt Donati hinzu, der zunächst einmal Daniel Brosinski attackiert. „Ich will das gar nicht nur auf eine Person fixieren“, sagte Schmidt. „Der Druck auf die gesamte Defensive steigt. Da sind wir oft zu wenig konsequent  auf den Außenbahnen gewesen und haben zu viele Tore gekriegt über die Seiten.“ Jetzt habe man einen richtigen Fachmann zusätzlich als Außenverteidiger geholt, der natürlich den Zweikampf mit Brosinski eröffne. „Doch Brosi kann auch eins weiter vorne spielen. Das hat er schon gezeigt. Vielleicht kann er auch mal links spielen.“ Was dem Schweizer gefällt: „Jetzt haben wir zwei Viererketten, die sich gewaschen haben. Das ist fast eine Luxus-Situation für Mainz 05.“

Noch hat Donati allerdings kein grünes Licht für ein Heimdebüt am Freitagabend in der Coface Arena. Der Italiener sei beim 1:1 der Leverkusener am Wochenende in Hoffenheim auf die Schulter gefallen. Man werde zur Sicherheit nochmal Bilder machen lassen und sich mit den Leverkusener Team-Ärzten kurzschließen. Wenn die keine Bedenken hätten, sei das klare Ziel, Donati im Kader gegen Gladbach zu haben. Ob der neue Mann dann auch gleich spielt? „Mal sehen, wie er weiter trainiert bis dahin“, sagte der 05-Coach.

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