Eine sehr reife Leistung von Serdar

Jörg Schneider. Mainz.
Die Leistungssteigerung, die dem FSV Mainz 05 in der zweiten Halbzeit einen am Ende souveränen 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen ermöglichte, hatte viel mit dem beachtlichen Auftritt von Suat Serdar zu tun. Der 20-Jährige gab mit seiner Präsenz, seiner aggressiven Zweikampfführung quasi die Initialzündung für seine Mitspieler und machte mit seinem Treffer zum 3:1 den Deckel drauf auf den ersten Saisonerfolg der Mannschaft. „Man möchte nach so einem Spiel ungern einen Spieler herausheben, trotzdem kann man Suat Serdar heute vielleicht wirklich mal herausstellen“, sagte Rouven Schröder. „Das war eine sehr reife Leistung.“

Nervös sei er gewesen, sagte Suat Serdar nach den Feierlichkeiten im Stadion im Anschluss an den 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen und strahlte dabei über das ganze Gesicht. Die Fans hatten den 20-Jährigen auf den Zaun komplimentiert, zusammen mit Abdou Diallo, dem anderen Youngster im Team des FSV Mainz 05, der wie Serdar maßgeblich dafür verantwortlich zeichnete, dass die 05er ihren ersten Saisonerfolg nach Hause brachten. Der französische Innenverteidiger besorgte die 2:1-Führung mit einem wuchtigen Kopfball, der Mittelffeldspieler machte mit seinem feinen Tor zum 3:1 den Sack zu.

Umjubelter Youngster: Suat Serdar, der Torschütze zum 3:1, mit Vorbereiter Levin Öztunali und Leon Balogun. Foto: Ekkie Veyhelmann Das mit der Humba, sagte Serdar anschließend, müsse man wohl noch mal üben. Der Sechser, der seine dritte Saison bei den 05-Profis bestreitet, stand erstmals nach einem Sieg auf dem Zaun. „Es war ein schönes Erlebnis. Ich wusste, was zu tun war, habe es dem Abdou noch erklärt und habe es dann aber selber falsch gemacht“, gestand der Spieler. Serdar wiederholte beim Buchstabieren zur Sicherheit das M in der Humba. Den feiernden Anhänger war’s egal.

Dass der U21-Nationalspieler die traditionelle Sieger-Zeremonie anstimmen durfte, lag nicht alleine an seinem feinen Schuss zum 3:1, aufgelegt von Levin Öztunali. Das Mainzer Eigengewächs war zweifelsohne derjenige, der entscheidenden Anteil daran hatte, dass sich die 05er in der zweiten Hälfte zu einer derart starken Leistung aufschwangen. Serdar kam nach der Pause ins Spiel für Danny Latza, dessen Wadenprobleme nach der überragenden Rettungstat gegen Kevin Volland, die einen 0:2-Rückstand verhindert hatte, einen weiteren Einsatz verhinderten. Serdar stürzte sich von der ersten Sekunde mit maximaler Energie und Bereitschaft in jeden Zweikampf, eroberte Bälle, gewann die Duelle, holte die zweiten Bälle und erwies sich als der dringend benötigte „aggressive Leader“, animierte damit seine Kollegen zu mehr Schärfe in der Vorwärtsverteidigung. Mit jedem gewonnenen Zweikampf, mit jeder gelungenen Aktion wuchs das Zutrauen der 05er in ihr Spiel. Die in der ersten Hälfte so ballsicheren und dominanten Leverkusener hatten dem letztlich nicht genügend entgegenzusetzen.

Sandro Schwarz gestand später ein, wenn Latza nicht verletzt hätte passen müssen, hätte der Trainer Serdar nicht gebracht. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt des Spiels. So aber wurde aus einem unglücklichen Umstand ein äußerst glücklicher. „Man möchte nach so einem Spiel ungern einen Spieler herausheben, trotzdem kann man Suat Serdar heute vielleicht wirklich mal herausstellen“, sagte Rouven Schröder nachher. „Wir haben immer gesagt, Suat steht mit seiner Art Fußball zu spielen wie kaum ein Zweiter für Mainz 05. Dass ihm dann nach dieser Leistung der Ball noch so über den Schlappen rutscht und vom Innenpfosten reingeht, das ist einfach schön. Der Junge hat viele wichtige Zweikämpfe gewonnen, vor allem einen sehr wichtigen mit der Gelben Karte bestritten, wo er die Kontersituation unterbunden hat. Das war eine sehr reife Leistung“, betonte der Sportvorstand.

Ganz andere Körpersprache

„Suat mit seiner Dynamik und seiner Aggressivität war natürlich ein wichtiger Faktor“, sagte der 05-Trainer. „Und dass er dann noch das dritte Tor macht, war super und die Entscheidung. Ich muss aber auch sagen, dass die anderen sich ebenso gesteigert haben. Fabian Frei hatte in der zweiten Halbzeit derart viele Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte, das war großer Sport. Alle haben in der zweiten Hälfte besser verteidigt. Auch Levin Öztunali ist bis zum Schluss auf der Bahn mitmarschiert“, erklärte Sandro Schwarz. Die Körpersprache der 05-Profis war nach dem schönen Spielzug zum Ausgleich mit Yoshinori Mutos akrobatischem Tor eine ganz andere als zuvor. Auf den Außenbahnen starteten nun Giulio Donati und der an diesem Tag auffallend aktive und wirkungsvolle Daniel Brosinski mehr und mehr ihre Tiefenläufe. Öztunali, der einen schleppenden Start erwischt hatte und dem anfangs wenig gelungen war, fand ebenso wie Pablo De Blasis mehr Zutrauen, rückte stärker ein, war am Ende an beiden Führungstreffern beteiligt und legte De Blasis zudem noch die Chance zum 4:1 auf, die der Leverkusener Torhüter gerade so vereitelte. Und auch die beiden anderen Einwechselspieler, Karim Onisiwo und Robin Quaison, passten sich diesem Niveau an.

Die Mainzer steigerten ihre Quote der gewonnenen Zweikämpfe auf über 60 Prozent. Das Selbstvertrauen stellte sich bei den 05ern Zug um Zug ein. „In dieser zweiten Halbzeit hat man gesehen, was Sandro Schwarz spielen will“, kommentierte ein Journalist auf der Pressetribüne den Auftritt. Der 20-jährige Serdar, der vor neun Jahren von Hassia Bingen ins Mainzer Nachwuchszentrum gewechselt war, schien jedenfalls die Initialzündung für diese Wandlung der gesamten Mannschaft im zweiten Durchgang gegeben zu haben. „Dass er dann noch das 3:1 erzielt, freut uns alle“, sagte Schröder. Daniel Brosinski hatte sich beherzt gegen alle Leverkusener Verteidiger von links im Strafraum durchgesetzt, den Ball abgeschirmt und zu Öztunali befördert, der mit dem Rücken zum Tor die Gegner weghielt und für Serdar auflegte, der von der Strafraumlinie Maß nahm und dabei Glück hatte, dass Admir Mehmedi den Ball noch abfälschte. „Der sollte aber auf jeden Fall dahin in die Ecke“, sagte der 05-Spieler selbstbewusst. „Es war heute ein Anfang. Wir schauen jetzt positiv nach vorne.“ Was sowohl für die Mannschaft, als auch für Serdar selbst gilt. Der Jüngste im Team hat mit dieser Vorstellung bewiesen, dass er eine wichtige Option auf der Sechserposition sein kann. „Ich war etwas angeschlagen von der Woche bei der U21, aber wenn der Trainer mich aufstellt, ist alles gut. Ich bin für alles offen, was kommt. Ich werde jede Woche weiter alles geben, so, wie ich es auch in der Vorbereitung gemacht habe. Am Ende entscheidet der Trainer“, betonte der Torschütze. „Und wenn ich von der Bank komme, versuche ich die Leistung zu bringen, so wie heute.“

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