Eine deutliche Ansage

Jörg Schneider. Gelsenkirchen.
Der Trainer des FSV Mainz 05 hat mit seiner Kader-Nominierung im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 die Hierarchie beim Bundesligisten kräftig durcheinander gewirbelt. Mit der Maßnahme, drei Spieler aus dem Nachwuchs-Leistungszentrum anstelle arrivierter Profis auf die Bank zu nehmen, setzte Martin Schmidt ein deutliches Zeichen. „So muss Ausbildungsfußball aussehen. Wir haben die jungen Spieler als Nachschub. Sie sollen nicht nur hören, dass wir von Perspektive sprechen. Sie sollen diese Perspektive auch sehen“, betonte der 05-Coach.

Martin Schmidt schickte Philipp Klement in der Schlussphase ins Spiel. Der 23-Jährige bedankte sich mit einer bemerkenswerten Leistung. Foto: ImagoDie Ansage war deutlich und schon mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl für einige der älteren und erfahrenen Profis beim FSV Mainz 05. Der Trainer des Bundesligisten setzt verstärkt auf den Nachwuchs im eigenen Klub. Martin Schmidt nominierte bei der 1:2-Niederlage der 05er beim FC Schalke 04 drei Spieler aus dem Nachwuchs-Leistungszentrum im 18er-Spielkader und verhalf einem davon sogar zu seinem Bundesligadebüt in der Schlussphase. Philipp Klement empfahl sich mit seinem Kurzauftritt in der Veltins Arena für weitere Einsätze. Auf der Bank saß zudem Alexander Hack als Reserve-Innenverteidiger. Und weil Christoph Moritz wegen Krankheit als Ersatzmann auf der sechs ausfiel, übernahm der A-Jugendliche Suat Serdar dessen Bankplatz.

„Bei Philipp war es an der Zeit, dass er seine Chance bekommt. Suat hat sich in der Vorbereitung als Sechser in den Vordergrund gespielt und wird jetzt mitgenommen“, sagt Christian Heidel und fügt hinzu. „Ich finde es super, dass der Trainer das macht. Dafür sind die jungen Spieler da. Sie haben enorm aufgeholt.“ Natürlich sei das eine Ansage, betont der 05-Manager. „Das zeigt, dass der Wettbewerb bei uns brutal eng ist.“ Die Entwicklung der jungen Spieler stehe im Vordergrund. Deshalb habe der Klub auch nur dem Wechsel von Ja-Cheol Koo zum FC Augsburg zugestimmt. „Wir wussten, was wir auf dessen Position hinten dran haben.“ Klement dürfte nun einen entscheidenden Schritt gemacht haben als Anwärter auf die Koo-Rolle.

Auch Hack in den Startlöchern

Schmidt betont zudem, dass er bei einem anderen Spielstand auch Alexander Hack ins Rennen geworfen hätte. Dann, wenn die 05er eine Führung oder einen Punktgewinn hätten verteidigen müssen. Die Hierarchie im 05-Kader hat der 05-Trainer damit jedenfalls heftig durcheinandergewirbelt. Henrique Sereno, als Nummer drei auf der Innenverteidiger-Position geholt, wird einiges tun müssen, um seinen Anspruch erfüllen zu können. Gonzalo Jara und Niki Zimling, das macht diese Bankbesetzung deutlich, spielen in Schmidts Überlegungen derzeit keine Rolle. „Sie stehen in der Hierarchie hinten dran“, bestätigt der Coach unumwunden. „Sie trainieren gut, aber die Jungen haben sich jetzt in den Vordergrund gespielt.“

Sowohl Jara als auch Zimling seien sich des Rankings bewusst gewesen. „Sie haben von uns gesagt bekommen, dass sie wechseln können. Sie wussten, was los ist“, betont der Schweizer. Die beiden Profis entschieden sich fürs Bleiben – möglicherweise auch wegen fehlender Angebote. Profi-Schicksal im Leistungssport. „Selbstverständlich ist das ein Zeichen“, sagt Schmidt. „Ich will das in Mainz wirklich anstoßen. So muss Ausbildungsfußball aussehen. Wir haben die jungen Spieler als Nachschub. Sie sollen nicht nur hören, dass wir von Perspektive sprechen. Sie sollen diese Perspektive auch sehen. Man verbessert sich nur, wenn man diese Perspektive sieht. Die müssen wissen, was wir von ihnen in der Bundesliga verlangen.“

Das Nachwuchs-Trio in Gelsenkirchen auf die Bank zu setzen, sei keinesfalls als Goodwill-Aktion zu verstehen. „Hack und Klement haben sich ihren Kaderplatz über starke Trainingsleistungen und in den U23-Spielen sportlich erkämpft“, sagt der Schweizer. Das gelte auch für den noch jüngeren Suat Serdar, der sich als Sechser eingereiht habe. „Moritz konnte nicht dabei sein, also ist dann Suat dran.“

Auf Jhon Cordoba, den neuen Mittelstürmer aus Kolumbien, hat der 05-Trainer im Übrigen aus Vorsichtsgründen in Gelsenkirchen verzichtet. Der Neuzugang sei nach den Reisestrapazen muskulär etwas verspannt gewesen. „Er hat solche Muskelpakete, die waren nach der zweitägigen Rückreise aus Kolumbien nicht richtig gelöst. Da wollten wir kein Risiko eingehen.“ Cordoba sollte in Ruhe zu Hause trainieren und sich nun gezielt auf die Partie am Freitagabend in der Coface Arena gegen die TSG Hoffenheim vorbereiten.

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