Ein Wettbewerb weniger

Christian Karn. Fürth.
Mit einer uninspirierten Leistung hat sich der FSV Mainz 05 aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Die 05er führten 1:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth, hatten auch eigentlich alles unter Kontrolle, ließen sich aber in der Schlussphase zweimal überrumpeln und verloren 1:2 gegen den fußballerisch auch nicht besseren, hinten aber etwas stabileren Zweitligaklub. Immerhin mussten sie in ihrer fünften englischen Woche binnen knapp zweier Monate nicht auch noch durch eine Verlängerung.

SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 2:1 (0:0)

Mittwoch, 26. Oktober 2016, 5.975 Zuschauer.

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Heidinger, Franke, Caligiuri, Narey - Hofmann - Berisha, Kirsch (75. Dursun), Zulj (90+2. Rapp), Freis (90+3. Tripic) - Sararer.
Reserve: Funk, Gießelmann, Djokovic, Davies. Trainer: Ruthenbeck.

FSV Mainz 05: Lössl - Brosinski, Bungert, Hack, Bussmann (90+2. Balogun) - Rodríguez (86. Serdar), Gbamin - Öztunali (63. Córdoba), Malli, Onisiwo - de Blasis.
Reserve: Huth, Bell, Jairo, Halimi. Trainer: Schmidt.

Schiedsrichter: Winkmann (Kerken).

Tore: 0:1 Córdoba (68., Malli), 1:1 Sararer (78., Berisha), 2:1 Berisha (90., Nachschuss nach Schuss von Dursun).

Gelbe Karten: Zulj - Hack.

Das Triple wird der FSV Mainz 05 schon einmal nicht gewinnen, nach Berlin fährt er durchaus, aber schon in einem Monat zum Bundesligaspiel und Ende Mai nicht noch einmal. Und es wird sich in den kommenden Tagen sicherlich ergründen lassen, ob die Belastung dreier Wettbewerbe möglicherweise doch zu viel ist für diesen Bundesliga-Mittelklasseklub mit seinen erheblichen Personalsorgen; zumindest wirkten die 05er kein bisschen frisch bei der sinnlosen, bei der unglücklichen, aber auch uninspirierten 1:2-Pokalniederlage bei der SpVgg Greuther Fürth.

Es war eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz als beim Bundesligaspiel in Gelsenkirchen. Jonas Lössl war übrig, Gaetan Bussmann war übrig als einziger Verteidiger, außerdem Jean-Philippe Gbamin, Levin Öztunali, Yunus Malli. In Form war keiner von ihnen, auch die sechs Neuen (Daniel Brosinski, Niko Bungert und Alex Hack hinten, José Rodríguez im Mittelfeld, Karim Onisiwo und Pablo de Blasis in der Offensive) wirkten nicht frisch und erst recht nicht eingespielt. So war es vor allem in der ersten Hälfte das Spiel von Jhon Córdoba, das Spiel, in dem man sah, wie unverzichtbar der Kolumbianer ist. De Blasis und Onisiwo wechselten sich als Mittelstürmer ab, waren aber beide nicht der Angreifer, den die Mainzer brauchten. Sie hatten vorne keine Anspielstation, keinen, der den Ball für Nachrücker hätte halten können, keinen, zu dem man hätte flanken können. Das Resultat: immerhin 2:2 Torschüsse in der ersten Hälfte.

Die Fürther hatten den ersten Abschluss, einen Schuss von Sebastian Freis, der nach Doppelpass mit Sercan Sararer das lange Eck treffen wollte, aber der Ball drehte sich weg, war dadurch harmlos. Die wenigen Zuschauer in Fürth mussten darauf bis zur 17. Minute warten. Gleich darauf wehrte der Fürther Ersatztorwart Sascha Burchert eine Freistoßflanke von Malli schlecht ab, boxte den Ball Hack ans Hinterteil, keiner kam so recht dran, um einen Nachschuss zu probieren. Erst in der 24. Minute gab es daher einen ersten Distanzschuss von Onisiwo, der von linksaußen das lange Eck deutlich verfehlte. Mallis Flachschuss in der 28. Minute aus ähnlicher Position war harmlos; hätte der Zehner den gleichen Ball im gleichen Winkel, aber etwas kürzer in den Raum gespielt, hätte de Blasis ihn womöglich frei vor dem Torwart erreicht. So war's ein schöner Ball für Burchert. In der 37. Minute probierte Benedikt Kirsch nochmal etwas aus, aber der Schuss sah gefährlicher aus, als er war.

Es war kein gutes Spiel bis zur Halbzeit. Die Mainzer hatten hinten alles im Griff, kamen aber nicht durch die Abwehr der Fürther, die in ihrem 4-1-4-1 hinten alles zustellten, dabei auch keine großen Herausforderungen bekamen. Hack, der Innenverteidiger, hatte die Freiräume, um in der Fürther Hälfte das Spiel aufzuziehen, verlor zwangsläufig immer mal wieder einen Ball, konnte sich das aber leisten, weil die Fürther nicht in die Konter kamen. Bungert als einzige Absicherung knapp in der eigenen Hälfte und der eine oder andere Sprint der Kollegen zurück an den eigenen Strafraum reichten in diesen Situationen aus.

Onisiwo hatte nach der Halbzeit die erste gute Möglichkeit. Es sah ein bisschen nach Abseits aus, als die 05er im Strafraum den Ball zum Österreicher durchquetschen, war aber keins. Der Torschuss aber verpasste das lange Eck. Nach einer halben Stunde kam schließlich Córdoba ins Spiel. Und hatte in der 68. Minute den Platz im Strafraum, um einen Eckball von Malli an den Innenpfosten zu köpfen - 1:0 für die Mainzer. Viel besser wurde es dadurch aber immer noch nicht. Zwar konnten die 05er zum Strafraum hin das Spiel etwas besser kontrollieren, aber die nächste Torchance brachten sie einfach nicht zustande. Statt dessen glichen die Fürther aus: Bungert spielte im Aufbau einen Fehlpass, immerhin in einen ungefährlichen Raum, aber trotz zahlreicher Anwesenheit schafften die 05er es nicht, den Angriff zu stellen: Mit einem Querpass zu Sararer und dessen Doppelpass mit Veton Berisha verlagerten die Fürther das Spiel ganz auf die andere Seite, Jonas Lössl vermochte den Block nicht rechtzeitig zu bauen, Sararer schoss das 1:1 (78.).

Da ist es passiert: Zwei Bälle hatten die 05er abwehren können, den Schuss von Berisha nicht mehr. Und Fürth führt. Foto: imagoDer Mainzer Konter kam sofort, er hätte das Spiel reparieren können. Malli spielte rechts hinaus zu Córdoba, der hatte eine freie Schussbahn, verfehlte das kurze Eck nur knapp (80.). Dann kam eine Flanke von de Blasis durch zu Onisiwo, für den der kurze Pfosten möglicherweise etwas zu nah, der Winkel etwas zu spitz war - Burchert sprang in die Schussbahn, die zu erwarten war, und verteidigte so das 1:1 (81.).

Es war die letzte Möglichkeit der Mainzer. Die Fürther hatten noch eine und nutzten sie: Berisha, der Rechtsaußen, kam nicht weit von der Eckfahne an Bussmann vorbei, Bungert grätschte die Flanke weg, Lössl hielt den Schuss des eingewechselten Stürmers Serdar Dursun, aber Berisha war schon wieder da und gegen den Nachschuss hatten die Mainzer keine Chance mehr. 1:2 in der 89. Minute. Leon Balogun kam zwar noch als Brechstange, um den Ausgleich zu erzwingen, aber daraus wurde nichts. Der Pokal ist früh zu Ende für die 05er, die immerhin nicht auch noch durch die Verlängerung mussten. Und in weniger als 72 Stunden geht es schon wieder in der Bundesliga weiter, und dann im Europapokal, und dann wieder in der Bundesliga.

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