Ein Testspiel gegen den Frust

Jörg Schneider. Mainz.
Die beiden Niederlagen zu Beginn dieser Bundesligasaison haben dazu geführt, dass im Umfeld des FSV Mainz 05 eine Stimmung entstanden ist, in der bereits vieles wieder in Frage gestellt wird. „Es ist ganz wichtig, dass wir hier in Mainz alle Mann positiv nach vorne schauen. Wir wollen erfolgreich Fußball spielen und Punkte holen“, sagt Rouven Schröder. „Wir ärgern uns, aber wir sind Stehaufmännchen und sagen jetzt erst recht. Wir brauchen keine Endzeitstimmung, sondern positive Gedanken, die nach vorne gerichtet sind.“ Das Testspiel heute Abend (18 Uhr) bei den Würzburger Kickers, in dem Jean-Philippe Gbamin sein Comeback gibt, soll als erster Stimmungsaufheller dienen.

Schlechter hätte es nicht laufen können zu Beginn der neuen Bundesligasaison für den FSV Mainz 05. Zwei Niederlagen, die nicht hätten sein müssen. Platz 16. Ein klassischer Fehlstart, der zur Folge hat, dass die positive Grundstimmung im Umfeld des Klubs schon wieder zu bröckeln beginnt. Wenn man sich die Kommentare in den sozialen Netzen ansieht, dann gilt das genauso für den Bonus, mit dem der neue 05-Trainer in diese Runde gestartet ist. Sandro Schwarz weiß das und versucht mit einer klaren Haltung und viel Arbeit dagegenzusteuern. „Wir hätten es angenehmer haben können. Es ist extrem frustrierend, weil wir das ganz anders auf der Rechnung hatten. Nach der 0:1-Niederlage in Stuttgart waren wir sehr frustriert und sehr ärgerlich. Doch wir schauen vorwärts“, sagte der 38-Jährige in einem Pressegespräch in dieser Länderspielpause.

Auch Rouven Schröder appelliert an die 05-Anhänger, nicht direkt alles in Frage zu stellen. „Es ist ganz wichtig, dass wir hier in Mainz alle Mann positiv nach vorne schauen. Wir wollen erfolgreich Fußball spielen und Punkte holen“, erklärt der Sportvorstand. „Wir ärgern uns, aber wir sind Stehaufmännchen und sagen jetzt erst recht. Wir brauchen keine Endzeitstimmung, sondern positive Gedanken, die nach vorne gerichtet sind.“

Diese Haltung proklamiert Schwarz ebenfalls. „Wir müssen als Mainz 05 mit solchen Situationen umgehen können. Denn sie sind normal und kommen immer wieder vor. Auch wenn es echt ärgerlich ist und wir liebend gerne Spiele gewinnen. Das geht nicht, wenn wir die Köpfe hängen lassen und sagen, wo soll das alles hinführen. Wir müssen die Entwicklung weiter vorantreiben, die Leistung immer wieder abfordern, dann gewinnen wir auch Spiele“, betont der 05-Coach, der die jüngste Vorstellung seiner Mannschaft bis ins Kleinste analysiert hat. „Wir haben ein klares Bild, warum wir die Ergebnisse nicht gezogen haben. Wir habe eine gute bis sehr gute Defensivleistung geboten, das darf man nicht vergessen. Das ist unsere Basis. In Stuttgart war aber auch klar zu sehen, dass es Räume gab, und wir die Umschaltmöglichkeiten einfach haben liegen lassen. Dann entsteht so ein negativer Eindruck. Vieles ist im Keim stecken geblieben. Wir haben das Ganze sehr kritisch analysiert, aber wir haben auch die Dinge, die wir gut und ordentlich gemacht haben, den Spielern anhand von Bildern gezeigt.“

Ein Tick mehr Konsequenz

Schwarz ist der Ansicht, dass die Leistungen gegen Hannover und in Stuttgart mit einem Tick mehr Konsequenz zu einem Ergebnis hätten führen können. „Die Elfmetersituationen dürfen wir in der Analyse auch nicht vergessen. Trotzdem wissen wir, dass wir im Offensivspiel vieles besser machen müssen und werden. Die Spieler selbst sind verärgert, so muss das auch sein. Wir müssen insgesamt mit Fehlern besser umgehen, eine bessere Reaktion darauf zeigen, weil man Fehler im Spiel nie ganz abstellen kann. Wir müssen mutiger werden in der offensiven Umschaltung, mit mehr Leuten nach vorne kommen. Da sind alle in der Verantwortung. Auch die Außenverteidiger müssen in der Umschaltung mehr mit nach vorne sprinten.“ Daran hatte es im Spiel beim VfB gehapert. „Das, was wir im Training an Qualität zeigen, gilt es auf den Platz zu bekommen, wenn es um Punkte geht“, sagt Schwarz.

Jean-Philippe Gbamin gibt heute Abend im Testspiel der 05er bei den Würzburger Kickers sein Comeback nach längerer Verletzungspause. Foto: Ekkie VeyhelmannVor allem das Offensivspiel ist ins Stocken geraten. Nach der Stuttgart-Niederlage kamen Stimmen auf, die forderten, dass der 05-Trainer mit zwei Stürmern spielen sollte, um mehr Torgefahr heraufzubeschwören. „Das ist immer der Klassiker“, sagt Schwarz. „Wenn du keine Tore schießt, denkt jeder, du musst noch einen Stürmer mehr bringen. In Stuttgart haben wir von der Anordnung her im 4-2-3-1 gespielt. Wenn du dir das anguckst, kannst du aber auch schnell auf die Idee kommen, da stehen drei Stürmer vorne und nicht nur einer. Zwei Flügelstürmer mit Robin Quaison und Levin Öztunali sowie einem zentralen Stürmer Yoshi Muto. Wenn du 4-4-2 spielst, hast du auf den Bahnen eher defensiv geschulte Spieler, dann hast du vorne nur zwei Stürmer. Wir hatten in beiden Spielen jeweils genügend Offensivspieler auf dem Platz.“

Insgesamt acht Nationalspieler des Klubs sind derzeit auf Länderspielreise. Deshalb macht sich die Aufstellung für das Testspiel heute Abend bei den Würzburger Kickers fast von selbst. Die Partie beim Zweitliga-Absteiger wird um 18 Uhr in der Flyer Alarm Arena angepfiffen und findet im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Würzburger Stadion statt. „Alle, die da sind, kriegen Einsatzzeiten. Wie lange, das müssen wir von der Belastungssteuerung noch sehen“, sagt der 05-Trainer. Die Begegnung sei nicht nur ein Testspiel, in dem alle spielen dürften, „sondern wir wollen im Wettkampf-Rhythmus bleiben und eine Leistung abrufen, die wir danach analysieren können. In Würzburg muss da einiges davon umgesetzt werden, damit wir uns ein besseres Gefühl holen im Hinblick auf das nächste Bundesligaspiel. Der erste Schritt, um die Situation anzunehmen, wie sie ist und sie in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Im Spiel gegen die Kickers gibt Jean-Philippe Gbamin sein Comeback. Der französische Sechser ist nach längerer Verletzungspause wieder fit und soll nun testen, ob er schon eine Option für das nächste Bundesligaspiel zu Hause gegen Bayer Leverkusen sein kann. „Gbamin ist bereit für einen Einsatz. Die Partie ist ein Gradmesser für ihn, wie er drauf ist. Er hat schon im Training wieder eine sehr gute Ausstrahlung und Präsenz“, sagt Schwarz.

 

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