Ein Spiel Sperre für Bussmann

Jörg Schneider. Mainz.
Acht Tore zum Auftakt: Mit seiner Heimspiel-Premiere hat der FSV Mainz 05 an diesem zweiten Spieltag der Bundesliga schon mal den Vogel abgeschossen und für Aufsehen gesorgt. Wenn auch das 4:4 nach 4:1-Fühgrung gegen die TSG Hoffenheim eher als Enttäuschung verbucht werden muss. Unterdessen hat das DFB-Sportgericht Gaetan Bussmann für ein Spiel gesperrt für dessen Aktion gegen Andrej Kramaric. Was übersetzt mehr oder weniger bedeutet, dass der Platzverweis für den Franzosen zu hart war.

Alle Versuche von Gaetan Bussmann selbst, Giulio Donati, Stefan Bell und Jonas Lössl, den Schiedsrichter umzustimmen, scheiterten. Bussmann sah Rot und ist nun für ein Spiel gesperrt. Foto: imagoDas Sportgericht des DFB hat Gaetan Bussmann am Montag für ein Spiel gesperrt. Ärgerlich für den Franzosen, denn die Entscheidung der Verbands-Juroren ist quasi ein Freispruch zweiter Klasse und signalisiert durch die Blume, dass man beim DFB der Einschätzung von Schiri Markus Schmidt nicht folgen mochte. Wäre die Aktion des Mainzer Linksverteidigers wirklich eine Notbremse gewesen, wie vom Unparteiischen gepfiffen, dann hätte Bussmann für zwei Spiele gesperrt werden müssen, weil das Foul kein Tor nach sich zog. Die Rote Karte gegen Bussmann war dennoch zweifellos die Schlüsselszene des Spiels. Auch wenn die Chance nach prächtigem Konter von Jhon Cordoba in eine ähnliche Kategorie fiel. Der Mittelstürmer hatte nach prächtigem Diagonalball von Giulio Donati im Strafraum das 5:1 auf dem Fuß, verzog aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Ein fünfter Treffer mitten hinein in die Hoffenheimer Druckperiode hätte wahrscheinlich alles zum Guten wenden können für die 05er. So aber kreuzte Andrej Kramaric die Laufbahn des Mainzer Linksverteidigers, lief Bussmann in den Weg und stolperte wohl über die Füße des Franzosen. Schmidt zog Rot. Notbremse. Eine Entscheidung, die später sogar der Gegner anzweifelte (Julian Nagelsmann: „Diese Rote Karte muss man nicht geben“), weil Donati noch hätte eingreifen können, der aber auch Markus Schmidts Assistenten nicht widersprachen. Das Unheil nahm seinen Lauf, die 05-Profis verspielten den vermeintlich sicheren 4:1-Vorsprung und mussten am Ende froh sein, die Heimspielpremiere in der Opel Arena gegen die TSG Hoffenheim nicht noch verloren zu haben.

„Natürlich war das ausschlaggebend“, sagte Fabian Frei später. „Der ganze Angriff der Hoffenheimer war jedoch nicht gut verteidigt von uns. Das wissen wir.“ Der Schweizer spekulierte nachher darüber, was passiert wäre, wenn Bussmann nicht hingegangen wäre, den TSG-Stürmer hätte laufen lassen. „Dann hätte es wahrscheinlich ein Tor gegeben zum 4:2, aber wir wären immer noch elf gegen elf gewesen. Ich denke, in Komplett-Besetzung hätten wir den Vorsprung über die Zeit gerettet.“ Eine andere Variante wäre die gewesen, Bussmann hätte Kramaric erst im Strafraum gefoult. Nach der neuen Regel in dieser Saison hätte der Schiri Elfmeter verhängt, dem 05-Verteidiger jedoch nicht wie bisher die Rote Karte gezeigt, sondern nur Gelb. Auch in diesem Fall hätten die Mainzer vollzählig weiterspielen können. Nützt alles nichts. Passiert ist passiert. Jetzt müssen die Mainzer möglichst schnell aufarbeiten, was da passiert ist, denn am Donnerstag steht in der Opel Arena schon der Auftakt der Gruppenphase in der Europaliga an. Und die Beobachter der AS Saint-Etienne auf der Tribüne dürften genügend Erkenntnis-Material mitgenommen haben nach Süd-Frankreich aus dieser Partie.

„Unser Problem nach dem Platzverweis war, dass wir gar nicht mehr rausgekommen sind hinten und sie vorne sehr viel Präsenz hatten. Dann wird es schwierig zu verteidigen“, sagte Frei. „Dass wir wenigstens noch das 4:4 halten konnten, nehmen wir als positives Zeichen mit für Donnerstag. Jetzt müssen wir nach vorne gucken und es besser machen. Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Es fehlt uns noch ein bisschen was, aber ich sehe nicht schwarz für uns, auf keinen Fall.“

Man müsse dieses Spiel differenziert betrachten, erklärte Stefan Bell nachher. „Das Spiel elf gegen elf haben wir gewonnen. Leider haben wir nach dem Platzverweis zu schnell das 4:2 gefangen und auch danach nicht mit letzter Konsequenz verteidigt. Wir waren immer einen Schritt zu spät. Erst am Sechzehner, dann außen. Insgesamt haben wir uns in dieser Phase zu leicht ausspielen lassen“, betonte der Innenverteidiger. „Mich stört es am meisten, dass es überhaupt zu der Platzverweis-Situation kommen konnte. Ohne Not, aus einem stehenden Spiel heraus, plötzlich in eine solche Geschichte reinzugeraten, das ist dann der große Fehler. Anschließend hatten wir die Phase zwischen der 65. und 85. Minute, in der wir zu stark unter Druck waren und in der die Tore gefallen sind.“ Besonders bitter sei das 4:4 gewesen. „Das fällt aus einer Ecke heraus, die wir eigentlich schon verteidigt haben und mit drei gegen eins außen im Strafraum stehen. Es ist brutal, wie hässlich dann so ein Tor fällt.“ Christian Clemens schoss beim Klärungsversuch Kramaric an, der Ball prallte Adam Szalai vor die Füße, der ganz cool durch die Beine von 05-Keeper Jonas Lössl vollstreckte. „Ein typisches Adam-Tor, ein klassisches Strafraum-Stürmer-Ding. Genau wie bei der EM, wo er sich reinfallen lässt und den Torwart mit dem Außenrist tunnelt.“ Wobei der 25-Jährige Abwehrchef nicht einmal die beiden hochaufgeschossenen und kantigen TSG-Mittelstürmer Szalai und Sandro Wagner als die größte Bedrohung und als Grund für die Gegentorflut ausmachte. „Klar, die Hoffenheimer sind offensiv sehr stark und haben abgewichste Leute vorne. Das Problem war jedoch eher, dass wir die Bälle aus dem Halbfeld nicht verteidigt haben und nicht die Weitschüsse.“

Trotz des Ärgers über den verspielten Vorsprung und die verlorenen Punkte im eigenen Stadion tendierte Bells Resümee ins Positive. „Als Fazit muss man sagen: In Gleichzahl waren wir absolut wettbewerbsfähig, offensiv wie defensiv. Nach vorne hat es bei uns sehr gut funktioniert mit elf gegen elf. Wir hatten eine sehr gute Chancenverwertung und haben bis zur Roten Karte auch ordentlich verteidigt“, sagte der Innenverteidiger. Einmal habe man gepennt, was zum ersten Gegentor durch Wagner geführt habe. „Da war Unordnung drin bei uns hinten. Danach hatten wir aber wieder alles unter Kontrolle. Auch noch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Mit einem Mann weniger war es dann nicht mehr gut. Ich nehme aber mal an, dass dies nicht so oft vorkommen wird.“ Positiv sei auch die Tatsache gewesen, dass sein Team das 4:4 schließlich über die Zeit gebracht habe. „Und wir die Partie in den Schlussminuten sogar wieder ausgeglichen gestalten konnten mit einigen Umschaltaktionen, obwohl wir ein Mann weniger waren.“

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