Ein schwieriges Puzzle für den 05-Trainer

Jörg Schneider. Mainz.
Yoshinori Muto, der sich eine dicke Erkältung eingefangen hat, macht den Verantwortlichen beim FSV Mainz 05 noch ein paar Sorgen im Hinblick auf die Aufstellung für das Auswärtsspiel am Samstag beim FC Bayern München. Sollte der Japaner tatsächlich ausfallen, wird der 05-Trainer in der Offensive improvisieren müssen, da auch Kenan Kodro verletzt nicht zur Verfügung steht. Allerdings hat Sandro Schwarz etliche Optionen mit schnellen Konterstürmern im Angriff und ist auch im zentralen Mittelfeld inzwischen wieder ganz gut aufgestellt, falls der angeschlagene Danny Latza nicht einsatzfähig sein sollte. Die nullfünfMixedZone gibt einen Überblick.

Ob der erkältete Yoshinori Muto am Samstag einsatzfähig ist im Auswärtsspiel bei den Bayern, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Foto: Ekkie VeyhelmannAufstellungstechnisch gibt es noch ein paar dicke Fragezeichen vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt am Samstag in der Allianz Arena. Vor allen Dingen im Angriffszentrum hat der Trainer des FSV Mainz 05 noch Sorgen. Denn Yoshinori Muto droht im Auswärtsspiel beim FC Bayern München auszufallen, was alleine schon schlimm genug wäre, aber auch Kenan Kodro, der die zentrale Stürmerposition einnehmen könnte, steht nicht zur Verfügung. Der Bosnier plagt sich mit einer Sprunggelenkverletzung herum. Muto hat sich eine dicke Erkältung eingefangen, hat zuletzt nicht trainieren können und bangt um seinen Einsatz in dieser Partie beim Rekordmeister.

„Wir müssen die bleibenden Trainingseinheiten abwarten und schauen, was geht“, sagte Sandro Schwarz am Donnerstag in der Spieltags-Pressekonferenz. Den Angriffs-Notstand will der 38-Jährige jedoch nicht ausrufen. „Wir wissen, wie wichtig Yoshi ist für unser Spiel, aber wir wissen auch, wie der Kader aufgestellt ist. Wir haben da mehrere Möglichkeiten.“ Robin Quaison könne auf der Neuner-Position spielen, ebenso wie Karim Onisiwo aus einem anderen Profil heraus. Was diesen beiden 05-Profis an reiner Mittelstürmer-Qualität abgeht, könnten sowohl der Schwede als auch der Österreicher mit Tempo ausgleichen, was möglicherweise in München verstärkt ein Thema werden wird. Denn, dass die Mainzer dort oft den Ball haben und aus dem eigenen Spielaufbau von hinten heraus den Mittelstürmer suchen werden und in Szene setzen, ist eher unwahrscheinlich. Die bisherigen guten Ergebnisse in der Arena kamen immer mit optimaler Abwehrarbeit und schnellen, zielstrebigen Umschaltzügen zustande.

„Wir müssen gucken, wie es sich entwickelt bis Samstag“, sagt Schwarz, der bei allen aufstellungstechnischen Überlegungen für München immer auch schon die Partie am Mittwoch nächster Woche zu Hause gegen die TSG Hoffenheim im Blick hat. „Wir haben drei Spiele in einer Woche vor uns. Das ist auch ein Argument für die Aufstellung“, sagt der Trainer, der gegen die Bayern, die TSG und schließlich gegen Hertha BSC jeweils eine topfitte und starke Mannschaft  auf den Platz bringen will. „Wir müssen abwägen, wie wir das Puzzle zusammensetzen.“

Quaison und Onisiwo als Optionen

Offensiv hat Schwarz ohnehin etliche Optionen mit Quaison und Onisiwo, mit Viktor Fischer, der wieder fit ist und auf seinen Einsatz brennt, mit Levin Öztunali, der maßgeblichen Anteil hatte am Sieg gegen Bayer Leverkusen, ebenso wie Pablo De Blasis. Und auch das bisherige Sorgenkind Jairo Samperio ist mit in der Verlosung. Der Spanier habe die Situation nach seinem geplatzten Vereinswechsel gut angenommen. „Er hat im Training wieder seine Qualitäten gezeigt, hat wieder ein Lächeln im Gesicht und ist auch komplett in der Mannschaft integriert“, betont Schwarz und stellt klar: „Jairo ist eine klare Option für den Kader, sogar für die Startformation.“ Er wolle sich aber offen lassen, ob er den Offensivmann schon am Samstag in München oder dann zu Hause gegen die Hoffenheimer bringe. Das gilt ebenso für Alexandru Maxim, der gegen Leverkusen wegen einer Grippe fehlte und seit Dienstag wieder im Mannschafstraining ist. Der Zehner habe sehr gute Trainingseinheiten im Zweikampfverhalten absolviert. Vor allen Dingen in den Schwerpunktübungen eins gegen eins, drei gegen drei, sechs gegen sechs, die im Hinblick auf das notwendige Zweikampfverhalten gegen die Bayern in dieser Woche das Thema Nummer eins waren am Bruchweg. „Alex ist mit seiner Kreativität und seiner fußballerischen Qualität natürlich eine Option für unser Spiel. Wann es so sein wird, von Anfang an oder später, müssen wir dann sehen.“

Auf Daniel Brosinski wartet in München eine Menge Arbeit gegen die rechte Bayern-Seite mit Joshua Kimmich und Arjen Robben. Foto: Ekkie Veyhelmann Im zentralen Mittelfeld hoffen die 05er auf die Rückkehr von Danny Latza, der sich beim Heimsieg an der Wade verletzt hatte und zur Pause ausgewechselt worden war. Latza trainiert inzwischen wieder mit dem Team. Er gehe davon aus, dass alles gut gehe, sagt der Trainer. Wenn nicht, hat Schwarz dennoch Möglichkeiten, die Doppelsechs zu besetzen. Fabian Frei hat bisher alle Spiele bestritten. Jean-Philippe Gbamin wartet auf sein Comeback und ist, wie Schwarz, betont eine Option sowohl für die Sechserposition, als auch je nachdem als Innenverteidiger im bevorstehenden Bundesliga-Dreierpack.

Und da ist ja dann auch noch Suat Serdar, der mit seinem beherzten Auftritt in der zweiten Halbzeit gegen Leverkusen das Signal zur Wende im Spiel gab. „Wir wussten immer, dass Suat extrem aktiv ist und sehr energiegeladen Fußball spielt, was er gegen Leverkusen sehr gut gemacht hat. Mit einer solchen Leistung qualifizierst du dich immer für mehr“, sagt der 05-Trainer. „Suat hat seine Qualitäten komplett eingebracht. Er ist ein Paradebeispiel für Entwicklung aus dem U-Bereich im Verein. Er ist definitiv komplett drin in dieser Mannschaft.“

Bleibt noch die Frage, mit welcher Grundaufstellung die 05er bei den Bayern ihr Glück versuchen. Erneut mit der Dreier-/Fünferkette wie im Heimspiel oder doch mit der herkömmlichen Formation im 4-2-3-1 mit den notwendigen taktischen Positions-Anpassungen? „Leverkusen war keine Testphase für Bayern München“, sagt Schwarz. Für die Dreierreihe gebe es ein Pro und ein Contra. Die Vorteile: „Mehr Beine in der Abwehrarbeit, die seitlichen Abstände sind enger und kompakter, man ist zügig in den Positionen drin und hat eine Absicherung gegen Konter“, zählt der Coach auf. „Wenn du es richtig spielt, gibt es nicht viele Contras.“ Doch ein Manko gibt’s doch aufgrund der zu erwartenden Bayern-Formation. Wenn die Münchner im 4-3-3 spielen, haben sie drei Spieler im Zentrum, einen Sechser und zwei Achter. Mit einem 5-2-3 dagegen hätten die 05er in der Mitte nur zwei Sechser. Das könnte problematisch werden. „Vielleicht muss man aber einfach Dinge in Kauf nehmen“, sagt Schwarz, der dennoch darüber nachdenkt, im Zentrum eine zusätzliche, zweikampfstarke Sicherung einzubauen. Ebenso wichtig wird sein, die Außenbahn dicht zu machen. Gegen Joshua Kimmich und Arjen Robben wolle man nicht offen dastehen. Oder auf der anderen Seite gegen Franck Ribéry/Kingsley Coman und Rafinha. „Man muss von der Grundordnung her immer sehen, welche Spieleranzahl man in gewissen Räumen hat“, erklärt der 05-Trainer.

Beim 2:2 im vergangenen Jahr und zuvor beim 2:1-Sieg der Mainzer in München zeichnete das Team jeweils eine enorme Effizienz aus. „Wir wollen das vorher nicht groß thematisieren“, sagt Schwarz. „Ich halte es schwierig vom Kopf her zu sagen, wir kriegen dort maximal drei Chancen und davon muss eine sitzen. Der Ansatz muss sein, dass wir gut verteidigen müssen und aus den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, Torchancen erspielen und erlaufen. Im Optimalfall wollen wir viele Torchancen haben. Sich selbst zu begrenzen, taugt nichts. Wir haben im Heimspiel drei Tore gemacht aus unterschiedlichen Strukturen heraus und mit unterschiedlichen Torchancen. Ich denke, unser Zutrauen ist da gewachsen.“

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