Ein Projekt, das etwas Geduld erfordert

Daniel Bongartz. Evian.
Eine Halbzeit lang durfte Yoshinori Muto im Testspiel des FSV Mainz 05 in Albertville die ersten Erfahrungen mit dem europäischen Fußball machen und die Unterschiede zu der Art zu spielen feststellen, die der Neuzugang des FSV Mainz 05 aus seiner Heimat Japan gewöhnt ist. Der erste Eindruck: Technisch greift der Neuzugang zur ganz feinen Klinge, macht die unerwartesten Dinge am Ball und ist schnell. Körperlich muss der 23-Jährige erheblich an Stabilität zulegen. Ein Projekt, das sicherlich etwas Geduld braucht.

Die Journalisten und Kamerateams aus Japan waren im Dutzend in den Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1992 gepilgert. Yoshinori Muto ging in Albertville erstmals in einem ernstzunehmenden Testspiel für den FSV Mainz 05 an den Start. Und das Interesse in Japan ist groß an dem Star. Die Beobachter mussten jedoch 45 Minuten warten, bis Muto ran durfte.

Als Rechtsaußen hatte der Neuzugang sofort etliche gute Szenen. Muto schlug einige für den Gegner überraschende Haken, führte den Ball schnell und eng am Fuß, zeigte Drehungen und Wendungen, die sein Gefahrenpotenzial vor dem gegnerischen Tor andeuteten. Fußballerisch sah das sehr gut aus. Doch wenn’s hart zur Sache ging, dann fehlte dem Japaner doch die körperliche Robustheit. Die Stabilität im Oberkörper, um sich des Gegenspielers im Zweikampf zu erwehren, um den Körper reinzustellen in der Aktion. Die Spieler des letztjährigen Fünften in Frankreich von AS St. Etienne erteilten dem Neu-05er in dieser Hinsicht eine gewisse Lehrstunde, boten Anschauungsmaterial, was der Japaner vom europäischen Fußball zu erwarten hat. Das Projekt Muto wird eine gewisse Geduld erfordern. Wie Christian Heidel sagt, hat der Klub in jedem Fall diese Geduld. „Wir erwarten nicht, dass er sofort Tore schießt und die Sterne vom Himmel spielt“, sagt der 05-Manager in Evian. „Seitdem er hier ist, hat er uns positiv überrascht. Das wichtigste ist, dass er in der Gruppe gut aufgenommen worden ist. Er muss das Vertrauen finden, in dieser Gruppe Fußball zu spielen. Das geht nicht in einer Woche.“

Fußballerisch sei das 100 Prozent, was der Japaner anbiete. „Das andere kommt Schritt für Schritt. Muto hat keinen Druck  hier. Der kommt für ihn aus Japan. Dort herrscht der Rummel um ihn. Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, betonte Heidel. „Muto wird keine Probleme haben, sich in Mainz zu integrieren. Dennoch wird es eine Entwicklung.“In Albertville bereitete Muto zwei 05-Chancen vor. Die größte davon mit einer Flanke von rechts für Niko Bungert, die der Mainzer Kapitän aus kurzer Distanz knapp über die Latte beförderte.

Im Video-Interview im Mannschaftshotel sprach Yoshinori Muto darüber, was er so alles verbessern muss.

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