Ein junger, erfahrener Defensivallrounder

Christian Karn. Mainz.
Mainz 05 macht's wie Borussia Dortmund und interessiert sich verstärkt für junge Spieler, die früh Profi geworden sind. In dieses Muster passt auch der neueste Zugang: Der 20-jährige französische Juniorennationalspieler Jean-Philippe Gbamin, der für das defensive Mittelfeld geholt wurde, aber auch als Innen- und Rechtsverteidiger eingesetzt werden kann, hat für den Racing Club Lens bereits fast hundert Profispiele absolviert. Der gebürtige Ivorer unterschrieb einen Vertrag für die kommenden fünf Jahre und soll angeblich 3,5 Millionen Euro gekostet haben.

Jean-Philippe Gbamin

* 25. September 1995 in San-Pédro/Elfenbeinküste, 186 cm.

Bisherige Vereine: US Saint-Quentin (2005/06), OS Aire-sur-la-Lys (2006/07), RC Lens (2007-16).

Spiele und Tore: 33/0 in der Ligue 1, 58/3 in der Ligue 2 für Lens, 20/2 für französische Juniorennationalmannschaften (U18 bis U21).

Der FSV Mainz 05 hat sich defensiv noch einmal verstärkt. Vom französischen Zweitligisten Racing Club Lens kommt der gebürtige Ivorer und französische Juniorennationalspieler Jean-Philippe Gbamin zu den 05ern, angeblich für eine Ablöse von 3,5 Millionen Euro.

Mit der Verpflichtung des Defensivallrounders setzen die 05er den Trend zu einer sehr jungen Mannschaft fort. "Wenn wir sehen, wie der BVB gerade einkauft, sehen wir die Entwicklung auf dem Markt", erklärt Rouven Schröder; von den bisher sechs Neuzugängen Thomas Tuchels sind immerhin zwei schon 25 Jahre alt, die anderen vier 18 bis 22 Jahre. "Auch wir schauen uns nach Spielern um, die früh Profis geworden sind", sagt der 05-Sportchef, "die aus einer sehr guten Nachwuchsschule kommen, die schon eine gewisse Reife und Erfahrung haben." José Rodríguez ist so ein Spieler, auch Gbamin, der erst Ende September 21 Jahre alt wird, aber nebst etlichen U18- bis U21-Länderspielen auch schon 58 Mal in der zweiten und 33 Mal in der ersten französischen Liga gespielt hat.

Jean-Philippe Gbamin lieferte sich bereits harte Duelle mit Topspielern, hier mit dem französischen Torschützenkönig und Nationalspieler Alexandre Lacazette. Jene Partie gegen Olympique Lyon gewann er mit RC Lens 1:0. Foto: imagoGbamin, der aus der ivorischen Hafenstadt San-Pédro stammt, spielte seit seinem zehnten Lebensjahr für nordfranzösische Klubs, seit 2007 bereits in der Jugend des einstigen französischen Meisters aus Lens. Mit 17 Jahren debütierte Gbamin im Zweitligateam - bei einem 0:7 gegen En Avant Guingamp, das den neuen 05-Torwart Jonas Lössl erst ein Jahr später verpflichtete, wurde der Verteidiger eingewechselt, als das Fiasko längst fest stand. So etwas wie ein Stammspieler war der Neu-Mainzer schon kurz nach seinem 18. Geburtstag: Im Aufstiegsjahr 2013/14 verpasste Gbamin nur acht Partien, 20 Mal stand er in der Startelf der "Sang et Or", meist als Rechtsverteidiger, hin und wieder auch im defensiven Mittelfeld.

In der Ligue 1 behielt der junge Defensivallrounder seine Rolle - wohl auch ein bisschen gezwungenermaßen. Wegen finanzieller Ungereimtheiten, angerichtet vom aserbaidschanischen Investor, musste der Racing Club lange auf die Erstligalizenz warten, erhielt sie am Ende, durfte aber im Sommer und Winter keine Neuzugänge holen; die Aufstiegsmannschaft wurde mit weiteren Junioren aufgefüllt und war chancenlos, stieg als Tabellenletzter ab. In der folgenden, nun abgelaufenen Saison, verpasste Gbamin wegen einer Verletzung die ersten zwölf Spiele komplett, wurde im dreizehnten spät eingewechselt, war ab dem vierzehnten Spiel immer in der Startelf, meist über 90 Minuten, häufiger im defensiven Mittelfeld als im Abwehrzentrum.

Die 05er sehen Gbamin vor allem als Sechser. "Wir freuen uns aber darüber, dass wir ihn auch als Innenverteidiger einsetzen können", sagt Schröder, "zur Not auch als Rechtsverteidiger. Bei seiner Spielweise ist es für uns sehr spannend, sein enormes Potenzial als defensiver Mittelfeldspieler weiterzuentwickeln." Der 05-Sportchef beschreibt seinen Neuzugang als "aggressiv, dynamisch, physisch sehr präsent", mit 1,86 Metern habe er eine gute Größe fürs Mittelfeld, aber auch für die Abwehr.

In Mainz wird Gbamin mit Rodríguez, dem momentan angeschlagenen Danny Latza, Fabian Frei und Suat Serdar um die beiden Plätze in der Doppel-Sechs konkurrieren. Sein Vertrag läuft bis 2021.

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