Durchsetzungsvermögen gefragt

Jörg Schneider. Mainz.
Das 2:2 gegen den SC Freiburg hat aufgezeigt, wo es beim FSV Mainz 05 offensiv derzeit etwas stockt. Die Mannschaft von Kasper Hjulmand hat gegen tief stehende und enge Verteidigungsreihen Probleme Chancen zu erarbeiten und im Strafraum in gefährliche Abschlusspositionen zu kommen. Der 05-Trainer beklagt das mangelnde Durchsetzungsvermögen besonders in seiner Offensivabteilung. Und arbeitet mit den 05-Profis im Training hart an Verbesserungen.

05-Stürmer Jairo: Im Moment fehlt das Durchsetzungsvermögen. Foto: Imago Zwölf Spieltage hat der FSV Mainz 05 in der Bundesliga absolviert und sich auf einem ordentlichen Mittelfeldplatz eingereiht. Vieles ist in Ordnung, vieles funktioniert im Team von Kasper Hjulmand. „Wir haben zwei Spiele von zwölf verloren. Es ist nicht leicht gegen uns zu spielen. Wir haben Selbstvertrauen“ sagt der 05-Trainer. „Die Entwicklung bis jetzt ist gut. Viele Spieler fühlen sich jetzt wohler im eigenen Ballbesitz, als das anfangs der Fall war.“

Und doch muss Hjulmand feststellen, dass seine Mannschaft, vor allem seine Offensivspieler, sich schwer dabei tun, den nächsten Schritt zu gehen. Einen Schritt, der dringend gemacht werden muss, denn die Qualitäten der 05er haben bisher zwar sehr oft zum Punktgewinn geführt. Doch das Team braucht Erfolge, um sich zu etablieren. Und dafür braucht es Torchancen und Treffer. „Unser Problem ist im Moment, Chancen zu machen“, sagt der Däne. Das zeigte sich beim 2:2 gegen den SC Freiburg sehr deutlich.

Bis in den Bereich vor dem gegnerischen Strafraum sieht es gut aus, was die 05er auf dem Platz treiben. Gutes Passspiel, viele Verlagerungen, aber am Sechzehner stockt das Ganze. In den Strafraum finden die 05er zu wenig hinein. Auch, weil von außen kein Druck entsteht. Gegen die Freiburger hat der Trainer es nachher mit einer Raute versucht, hat Shinji Okazaki mit Sami Allagui einen zweiten Stürmer zur Seite gestellt. Und immerhin, einmal funktionierte das Unternehmen Torchance. Als Johannes Geis den Ball in die Tiefe spielte, Okazaki sich im Dribbling durchsetzte, von der Grundlinie nach innen spielte, wo am zweiten Pfosten Stefan Bell hineingrätschte, dass 2:2 erzielte und den Punkt rettete.

„Schnelligkeit im Kopf, Qualität in den Beinen“ sagt Hjulmand. Das sind Dinge, die schon im Training tief verinnerlicht sein sollen. In der Einheit am Dienstag waren diese Themen Gegenstand der einzelnen Spielformen. Tiefenläufe, immer wieder Sprints in die Tiefe, Freilaufverhalten. „Wenn es die Situation gibt im Ballbesitz, dass kein Druck da ist vom tiefstehenden Gegner auf den Ball, dann müssen immer zwei Leute von uns in jeder Situation sofort in die Tiefe starten.“

Der erste Pass soll flach ins Zentrum kommen

Das Schema ist eigentlich ganz simpel und wird intensiv geübt. Der erste Pass aus der Abwehr heraus soll nach Möglichkeit flach nach vorne ins Mittelfeldzentrum gespielt werden. Dann folgt der Pass nach außen, die seitliche Sprintbewegung, die Positionserarbeitung. In der Mitte sollte dann die Post abgehen in die Tiefe. Und dann geht es um die kollektive Bindung, um den Übergang zum konkreten Angriff auf Tor. Und vor allen Dingen geht es ums Durchsetzungsvermögen. „Wir brauchen einfach Spieler in diesen Positionen, die sich durchsetzen. Wir haben zu wenige Situationen, in denen unsere Spieler eins gegen eins etwas machen“, sagt der 05-Trainer und zählt auch den Schuss von der Strafraumgrenze aus dazu.

Jonas Hofmann war in den ersten Spielen bis zu seiner Verletzung einer, der den Offensivzweikampf suchte und führte, mit Zug zum Strafraum und zum Tor. Okazaki bietet ständig die Laufwege an, bewegt sich viel, geht ins Dribbling, muss jedoch oft den Alleinunterhalter geben. Doch im Strafraum wartet der Stürmer zu oft vergeblich auf den richtigen Pass.

Noch zu stark fixiert auf die Kugel und zufrieden mit dem Ballbesitz: Filip Djuricic. Foto: Jörg SchneiderJairo und Filip Djuricic haben das Potenzial, um die Forderungen des Trainers umzusetzen. Beide Neuzugänge haben jedoch noch ihre Probleme mit der Anpassung. Daran, permanent zu arbeiten, stets konzentriert zu sein, immer in der Aufgabe zu bleiben, wie Ex-05-Trainer Thomas Tuchel das immer bezeichnete. Solange sie auf dem Platz stehen. Nach vorne genauso wie nach hinten. „Sie sind nicht weit weg, aber noch fehlt da etwas“, sagt der Trainer. Hjulmand sagt aber auch: „Offensivspieler müssen sich einfach durchsetzen können. Dabei bleibt es.“

Dennoch weiß der Däne, dass beide Profis viel Training, Bundesligapraxis und Anleitung brauchen, um in diesem  Prozess Fortschritte zu machen. „Jairo ist jung, er muss sich an eine Liga gewöhnen, in der das Tempo immer hoch ist, in der es viel Kraft braucht und es im Spiel keine Pausen gibt.“ Die Spiele in Spanien seien mit wenigen Ausnahmen doch eher von Tempowechseln geprägt. „Da gibt es immer wieder Phasen, in denen es ruhig zugeht und dann wieder mit Explosivität“, sagt der 05-Coach. In den Bundesligaspielen dagegen gebe es permanente Aktion.

„Wenn wir von ihm erwarten, dass er sich von Beginn an durchsetzt, ist das vielleicht etwas zu viel. Er braucht seine Zeit. Trotzdem muss ein Spieler, der in der Mannschaft steht, etwas mehr daraus machen.“ Djuricic wolle viel machen, spiele jedoch etwas zu viel mit dem Ball und zu wenig gegen das Tor, wie es Hjulmand nennt. „Wenn er den nächsten Schritt machen will, muss er sich offensiv mehr durchsetzen und nicht zufrieden sein mit seinem Ballspiel.“ Pässe in die Tiefe spielen, Chancen kreieren und selbst in den Strafraum gehen, Zug zum Tor entwickeln.

Das sind die Aufgaben, die sich den 05-Profis im täglichen Training am Bruchweg und in den kommenden Begegnungen stellen. Da ist bei allen 05-Profis viel Luft nach oben. Bei den Offensivkräften sowieso, aber auch bei den Außenverteidigern, die bislang wenig Wirkung vom Flügel erzielen. „Wir haben bisher in jedem Spiel diese Möglichkeiten gehabt, mehr aus unserem Spiel zu machen, aber es ist noch längst nicht gut genug“, betont der Däne.

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