„Dortmund zahlt das Doppelte“

Jörg Schneider. Mainz.
Bei der 0:2-Niederlage gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden war Abdou Diallo noch nicht dabei. Der französische Neuzugang war nach der Vertragsunterzeichnung noch einmal heim nach Monaco geflogen, wird aber am Montag am Start sein, wenn der FSV Mainz 05 sein Trainingslager in Grassau am Chiemsee bezieht. Rund fünf Millionen Euro musste Rouven Schröder für den U21-Nationalspieler hinblättern. Zu Beginn der Verhandlungen hätten jedoch deutlich höhere Zahlen auf dem Tisch gelegen. Das Arrangement, so der Sportvorstand, sei nur möglich geworden, weil der Profi trotz erheblich lukrativerer Angebote nur nach Mainz habe wechseln wollen.

Den ersten Block der Sommer-Vorbereitung hat Sandro Schwarz mit seinem Kader nun abgeschlossen. Zwei Wochen Arbeit, die im Zeichen der Grundlagenausdauer stand und viele der Dinge, die der Trainer des FSV Mainz 05 künftig vom Spiel des Bundesligisten erwartet, deutlich erschwerte. Kräftezehrende Trainingseinheiten, die zwar alle geforderten Inhalte abdeckten, die aber aufgrund ihrer Intensität die gewünschte Spielweise und das, was die 05er fußballerisch anstreben, noch relativ diffus erscheinen lässt. Das hat sich in den bisherigen drei Testspielen gezeigt. Nach zwei Siegen gegen Regionalligisten gab es am Samstag beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden eine 0:2-Niederlage.

Abdou Diallo, fünfter Neuzugang des FSV Mainz 05, schlug offenbar lukrativere Angebote aus, weil der Franzose in Mainz die bessere Entwicklungs-Perspektive sieht. Foto: ImagoSchwarz war nicht sonderlich angetan von der Vorstellung seiner Mannschaft im Nachbarschaftsduell. Doch der Coach sah die Gründe, die dazu führten und hat keine grundsätzlichen Probleme erkannt im aktuellen Stadium der Vorbereitung. Der 38-Jährige gibt sich nach wie vor sehr optimistisch, was die Entwicklung des Kaders betrifft. „Wir können das richtig einordnen. Wir sind in unserem Fahrplan drin“, sagt der Trainer. „Dass unsere Art von Fußball nach zwei Wochen noch nicht fließend ist, wir nicht herkommen und einen Gegner, der schon mehr im Wettkampfrhythmus ist als wir, an die Wand spielen, ist klar. Ich habe aber das Gefühl, dass wir trotzdem komplett auf Linie sind.“ Schwarz schickte zudem in Wiesbaden eine Mannschaft ins Rennen, die hochbelastet war, am Vormittag noch trainiert und vor allem am Vortag viel getan hatte. „Wir haben sehr intensiv trainiert, hatten am Freitag zwei schwere Platzeinheiten zum Thema Gegenpressing. Das hat man schon gemerkt. Ich hätte mir gewünscht, das man es in der einen oder anderen Situation nicht so sieht, aber man hat es leider gesehen.“ Für den Trainer sind jedoch auch solche Negativerlebnisse wichtig. Sie zeigen, was in den kommenden Wochen bis zum Pflichtspielstart zu tun ist. Da gibt es genügen Ansatzpunkte.  „Unser Spiel in die Spitze muss zielstrebiger werden, schneller nach vorne, nicht so behäbig. Wir müssen unser Anlaufverhalten besser abstimmen, brauchen korrekte Abläufe, bessere Vorwärtsverteidigung, mehr Zweikampfschärfe.“  

Das alles wird Gegenstand der Arbeit im Trainingslager sein. Ab Montag schlägt der Bundesligist sein Quartier in Grassau am Chiemsee auf. Dann geht’s ans Eingemachte. „Der Kader ist gut aufgestellt. Jetzt gilt es, die ganzen Dinge zu strukturieren, im Abwehrverhalten und in der Vorwärtsverteidigung die Dinge zu optimieren“, so Schwarz, der in Wiesbaden noch auf insgesamt zehn verletzte oder angeschlagene Spieler verzichtete, die nun nach und nach ins Programm einsteigen sollen. Mit dabei dann auch der vorläufig letzte Neuzugang. Abdou Diallo ist nach der Vertragsunterzeichnung noch einmal zurück nach Monaco geflogen, hat am Montag dann seinen ersten Arbeitstag beim neuen Klub. Der 21-jährige Innenverteidiger, U21-Nationalspieler von AS Monaco, ist die fünfte Neuerwerbung,  die Rouven Schröder an Land gezogen hat.

Anfangs deutlich höhere Zahlen auf dem Tisch

Ein Transfer, der sich nicht ganz einfach gestaltete, wie der 05-Sportvorstand in Wiesbaden bestätigte. Denn die Konkurrenz, die um den Spieler buhlte, war groß und kräftig. Die 05er sollen angeblich Feyenoord Rotterdam sowie die italienischen Klubs aus Genua und Florenz ausgestochen haben. „Diallo war bei uns schon länger ein Thema. Es geht dann immer darum, wann der Punkt gekommen ist, dass man das Gespräch konkret sucht“, erklärt Schröder. „Wir hatten jetzt die Möglichkeit ins Gespräch reinzukommen. Das war lange nicht so klar, dass man da eine Chance bekommt. Auch aufgrund der Vereine, die an ihm drin waren, die namhafter waren als wir. Als wir die Chance gesehen haben, haben wir nicht lange überlegt. Innerlich waren wir sowieso alle überzeugt von dem Spieler. Wir haben sehr schnell gehandelt und vor Ort verhandelt. Ausschlaggebend war letztlich die große Bereitschaft des Spielers, zu uns zu wechseln, obwohl es Angebote gab, die deutlich lukrativer waren.“ Intensives Scouting und ein Tipp zur rechten Zeit, dass Diallo auf dem Markt sei, führten zum Ziel. „Man muss dann schnell sein in allen Bereichen“, sagt Schröder, der auch die auf den ersten Blick sehr hohe Ablösesumme von rund fünf Millionen Euro erklärt.

„Wenn wir das Geld nicht hätten, würden wir es nicht machen“, sagt der Sportvorstand. Diallo sei ein französischer Nationalspieler, habe auf dem internationalen Markt Begehrlichkeiten geweckt. Ähnlich wie vor einem Jahr Jean-Philippe Gbamin, der in einer vergleichbaren Ablöse-Kategorie gelegen habe. „Die Entwicklung ist so, die Spieler auf diesem Level haben international diesen Wert. Jetzt kriegst du aber noch solche Spieler zu diesem Preis“, sagte Schröder. „Dortmund oder Gladbach zahlen für solch junge Spieler das Doppelte, weil die Vereine größer sind. Am Anfang lagen aber auch hier deutlich höhere Zahlen auf dem Tisch.“ Diallo selbst sah in Mainz die bessere Perspektive und größere Entwicklungschance. „Der Spieler wollte nur zu uns, also musste sich der Klub mit uns arrangieren. Wir müssen da kreativ sein und solche Dinge tun, wir können aber nur in unsere Schublade greifen.“  

Die hohe Ablösesumme will der Trainer dem neuen Mann allerdings nicht als Rucksack auf die Schultern packen. „Man muss ihm wie allen Neuzugängen schon Zeit geben, weil es schon eine bestimmte Art ist, wie wir spielen wollen“, betonte Schwarz. Auch der Franzose wird diesen Anpassungsprozess und die Umstellung auf eine neue Liga, einen neuen Klub durchlaufen. „Diallo ist hat eine starke Persönlichkeit, viel körperliche Präsenz“, so Schwarz, der die Stärken des Franzosen mit senegalesischen Wurzeln im Spielaufbau, in dessen Vorwärtsverteidigung und Geschwindigkeit sieht. „Er ist ein Linksfuß mit guter Passqualität, der auch außen spielen könnte. Wir brauchen den Konkurrenzkampf auf allen Positionen.“

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