Doppel-B genießt vollstes Vertrauen

Jörg Schneider. Mainz.
Eine funktionierende Abwehrreihe ohne den Kapitän? Das hätte sich vor ein paar Monaten kaum jemand vorstellen können. Nikolce Noveski, in den vergangenen Jahren der Leistungsträger schlechthin in der Defensive, stand in dieser Saison jedoch nur ein einziges Mal auf dem Spielberichtsbogen. Trotzdem gehört die Abwehr des FSV Mainz 05 mit zum Besten, was die Bundesliga derzeit zu bieten hat. Das liegt nicht zuletzt an den herausragenden Leistungen von Stefan Bell und Niko Bungert. Das Innenverteidiger-Duo ist beim neuen Cheftrainer gesetzt. Und das wird auch so bleiben.

Schwerstarbeit mit Übersicht: Niko Bungert und Stefan Bell (rechts) haben mit ihren starken Leistungen großen Anteil am Gesamterfolg der 05er. Das Innenverteidiger-Duo ist beim Trainer gesetzt. Foto: ImagoNach acht Spieltagen steht der FSV Mainz 05 bekanntlich auf einem überragenden dritten Platz in der Bundesliga. Das ist kein Zufall, wie die bisherigen Zahlen der Mannschaft von Kasper Hjulmand belegen. Die Abwehr der Mainzer gehört mit zum Besten, was die Liga derzeit zu bieten hat. Nur Tabellenführer FC Bayern München (zwei Gegentore) und Verfolger Borussia Mönchengladbach (vier) haben bessere Werte. Die 05er teilen sich mit sieben Gegentoren Platz drei in dieser Statistik mit der TSG Hoffenheim  und dem 1. FC Köln.

„Wir haben eine sehr starke Verteidigung“, sagt Kasper Hjulmand. „Das war nicht nur beim 2:1 gegen den FC Augsburg so. Die ganze Mannschaft verteidigt in Serie sehr gut. Wir können feststellen: Die Verteidigung hat bisher unsere Punkte geholt.“ Zum Vergleich: In der vergangenen Saison kassierten die Mainzer in den ersten acht Begegnungen 17 Gegentreffer und belegten damit Platz elf.

Nikolce Noveski: Im Schnitt 31 Spiele pro Saison

Neben der souveränen Torhüterleistung von Loris Karius ist die Mainzer Abwehrstärke vor allem der Verdienst des herausragenden Innenverteidiger-Duos. Stefan Bell und Niko Bungert haben mit ihren Vorstellungen Tatsachen geschaffen, die sich vor ein paar Monaten kaum jemand vorstellen konnte. Eine Mainzer Abwehr ohne den Kapitän? Ohne Nikolce Noveski, der in den vergangenen fünf Spielzeiten im Schnitt 31 Spiele pro Saison absolvierte und der Leistungsträger schlechthin war in der 05-Defensive?

Philipp Wollscheid (links) und Nikolce Noveski müssen sich vorerst hinten anstellen. Foto: Jörg SchneiderDer 35-Jährige zog sich beim Saisonstart in Paderborn einen Bänderanriss im Knie zu und muss sich, inzwischen wieder genesen und ins Mannschafstraining zurückgekehrt, im Moment erst einmal hinten anstellen. Noveskis jüngere Partner haben das Kommando übernommen. Bell hat alle acht Partien komplett bestritten, Bungert musste einmal wegen Verletzung pausieren. Das Duo hat sich fest etabliert und organisiert in Verbindung mit den Außenverteidigern Daniel Brosinski und Junior Diaz sowie dem sowohl außen als auch innen einsetzbare Gonzalo Jara einen gut funktionierenden Defensivverbund, der den Gegnern noch nicht sonderlich viele Großchancen zugestanden hat.

„Vor allen Dingen unsere Innenverteidiger sind sehr, sehr gut“, sagt der 05-Trainer. „Sie arbeiten extrem viel und haben großes Selbstvertrauen. Bell und Bungert haben eine starke Entwicklung genommen und große Leistungen abgeliefert.“ Der Däne macht keinen Hehl daraus, dass er auch weiterhin auf das Doppel-B setzt. Bell und Bungert genießen das absolute Vertrauen des Trainers auf den Innenverteidiger-Positionen. Daran wird sich so schnell nichts ändern.

Innenverteidiger mit Startelfqualitäten

„Es wäre schwierig jetzt zwei Innenverteidiger, die so gut gespielt haben, dem Gegner kaum Tore und Chancen gegeben haben, rauszunehmen. Es gibt keinen Grund, dies zu verändern“, betont der Däne. Eine schwierige Situation für Noveski, der sich nun in einer Rolle wiederfindet, die dem Routinier seit Jahren unbekannt ist. Aber auch für Philipp Wollscheid, der vom Champions-League-Klub Bayer Leverkusen kam und sich große Chancen auf einen Stammplatz ausgerechnet hatte. Den aber wie Noveski eine Verletzung zurückgeworfen hat. „So ist es manchmal im Fußball. Sie müssen immer weiter trainieren“, sagt Hjulmand,  „Bestleistungen im Training bringen, bereit sein.“

Für den Trainer ist diese Situation natürlich optimal. Hjulmand verfügt über vier starke Innenverteidiger, die alle über Startelfqualitäten verfügen. Je nach taktischer Ausrichtung kommt mit Jara, der bisher ebenfalls überzeugende Auftritte hinlegte, ein fünfter dazu. „Die Konkurrenzsituation bei uns ist sehr groß“, sagt der Däne, „aber es kann auch schnell eine neue Situation eintreten.“ Verletzungen oder Platzverweise sind immer möglich.

Dass sich seine Abwehrleute bislang in einer solch guten Verfassung präsentieren und ihre Form abrufen, liegt nach Ansicht Hjulmands nicht alleine an der Erfahrung, die Bungert und Bell mittlerweile in der Bundesliga auszeichnet, sondern auch an der intensiven, akribischen Arbeit mit Defensivcoach Flemming Pedersen und Torwarttrainer Stephan Kuhnert. „Flemming und Kuhni arbeiten sehr viel mit den Torhütern und der Abwehrkette“, betont der 42-Jährige. Im Training gehe es ständig darum, die richtige Position zu finden, an den Abständen zu feilen, viele Details herauszuarbeiten, wie die Körperstellung in den einzelnen Abwehraktionen. Dazu gibt es immer wieder bewegte Bilder in den Sitzungen mit den einzelnen Mannschaftsteilen. „Wir zeigen oft Szenen mit der ganzen Mannschaft, aber auch mit der Abwehrkette und dem Mittelfeld. Dabei zeigen wir nicht nur gute Szenen, sondern auch falsches Positionsspiel und solche Dinge“, erklärt der Coach. „Individuelle Fehler brauche ich niemand vorführen. Es geht darum aufzuzeigen, wie es sein soll. Die Spieler müssen sehen, was organisatorisch falsch war.“

Eine Arbeit, die fruchtet. Der Erfolg der Mannschaft in der Bundesliga basiert auf konsequenter und konzentrierter Defensivarbeit. Zwischen dem, was die 05er auf diesem Gebiet aktuell aufführen und den Gegentorfestivals in den Europa- und DFB-Pokalspielen vor dem Saisonstart liegen Welten.

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