Doetz: Keine überhastete Personaldiskussion

Jörg Schneider. Mainz.
Der dienstälteste Präsident der Bundesliga hat seine Konsequenzen aus der monatelangen Debatte um seine Person gezogen: Harald Strutz erklärte am Freitagmorgen, dass er in der nächsten Mitgliederversammlung nicht wieder für das Amt des Vereinsvorsitzenden kandidieren werde. Damit überraschte der 67-Jährige auch seine Vorstandskollegen, die am Mittag eine eigene Erklärung nachschoben. „Harald Strutz gebührt unser Respekt für seine Entscheidung, die für ihn nach 28 Jahren an der Spitze des 1. FSV Mainz 05 sicher keine einfache war. Mit dieser nimmt er dem Verein den in der Öffentlichkeit gewachsenen Druck im Hinblick auf die anstehenden Zukunftsfragen“, sagte Vize Jürgen Doetz.

Die Ära Harald Strutz endet nach 28 Jahren: Der amtierende 05-Präsident tritt bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wahl des Vereinsvorsitzenden an. Foto: Ekkie VeyhelmannHarald Strutz hat einen Schlussstrich unter die monatelange Debatte um seine Person gezogen und gehandelt. Der Präsident des FSV Mainz 05 zog am Freitagmorgen überraschend die Konsequenzen und verzichtet auf eine weitere Amtsperiode als 05-Chef. Die Erklärung, die der Klub im Namen seines Vorsitzenden am Morgen veröffentlichte, war kurz aber unmissverständlich: „Im Interesse meiner Familie und im Interesse des Vereins Mainz 05 habe ich den Entschluss gefasst, zur Wahl des Vereinsvorsitzenden von Mainz 05 bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr zu kandidieren. Bis dahin werde ich die Umstrukturierung des Vereins weiter verantwortungsvoll begleiten und mich für die Gründung einer Fanabteilung einsetzen.“ Damit überraschte der 67-Jährige auch seine Vorstandskollegen. Denn dieser Schritt von Strutz war offenbar nicht vorher abgesprochen und auch nicht Resultat einer Vorstandssitzung. Die sollte turnusmäßig erst wieder am Montag stattfinden.

Ob der immens angestiegene öffentliche Druck den 05-Chef letztlich zu dieser Reaktion gezwungen hat oder aber auch die Versuche seitens der Vorstandsmitglieder, Strutz diesen Weg nahezulegen, darüber kann nur spekuliert werden. Rouven Schröder, Sportdirektor und Vorstandsmitglied, hatte sich am Donnerstag in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg auf Nachfrage zu dieser Thematik geäußert, war aber eher kryptisch geblieben, wenngleich eine Tendenz unüberhörbar war: „Es ist schon so, dass man jeden Tag diese Dinge liest und hört. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich beschäftige mich nicht damit. Es ist grundsätzlich wichtig, dass wir intern den richtigen Weg einschlagen. Und dass der Verein über allem steht. Es geht nicht um einzelne Personen. Es geht um Mainz 05. Es müssen die richtigen Entscheidungen für den Verein getroffen werden“, erklärte der 41-Jährige. Peter Arens, der 05-Vize, der gemeinsam mit Strutz seit 1988 den Weg an der Spitze des Vereins gemeinsam beschritt, hatte nach dieser Pressekonferenz im Gespräch mit der nullfünfMixedZone seine Sorge um die Lage des Klubs und um dessen Ruf bekräftigt. Er habe mit seinem Weggefährten darüber gesprochen, dass die Stimmung in dieser Stadt gegen ihn sei, sagte Arens. „Im Moment ist unser kompletter Ruf in Gefahr, auch bei den Sponsoren, die sich nicht in einem Klub mit einem negativen Image engagieren wollen.“

Ob sich Harald Strutz nun aufgrund der Faktenlage zu diesem Schritt entschlossen hat, um größeren Schaden von den 05ern abzuwenden, ob er dem Drängen der Kollegen nachgegeben oder ob letztlich die Diskussionen für ihn und seine Familie nicht mehr erträglich waren, bleibt derzeit offen. Der Präsident war nach Auskunft der 05-Pressestelle für Nachfragen nicht verfügbar.

In der vergangenen Woche hatten sich die Vorwürfe gegen Strutz, dessen hohe Aufwandsentschädigung und das zusätzliche Beraterhonorar von insgesamt 24.000 Euro pro Monat ohnehin schon heftig kritisiert worden war, noch einmal zugespitzt. Vor allen Dingen, nachdem „Pentahotels“, einer der Premium-Sponsoren des Bundesligisten, sein Engagement zum Ende der laufenden Saison aufgekündigt hatte. „Die Gruppe der Pentahotels hat das Engagement zum Saisonende gekündigt, da wir anhaltend negative Rückmeldungen aus unserem Geschäftskundenumfeld in Zusammenhang mit der Vereinsführung erhalten haben und es zu mehreren Situationen gerade mit Präsident Harald Strutz kam, in denen wir uns als langjähriger Sponsor nicht angemessen behandelt gefühlt haben“, zitierte die FAZ einen Sprecher des Unternehmens, fügte aber gleichzeitig hinzu: „Wir haben dem Verein bereits mit der Kündigung signalisiert, unter einer neuen Führung unser Engagement wieder in alter Form und mit selbigem Umfang aufzunehmen. Das Engagement war für uns immer auch eine Herzensangelegenheit.“ Auch Hauptsponsor „Kömmerling“ äußerte sich öffentlich in diversen Medien und drückte eine gewisse Besorgnis angesichts der zunehmend negativen Schlagzeilen aus. Peter Mrosik, der geschäftsführende Gesellschafter des global operierenden Fenster-Produzenten, erklärte: „Wir vertrauen darauf, dass die Gremien von Mainz 05 zu einer Lösung finden werden, die die beste Option für den Verein darstellt.“

Strutz hat nun diese Lösung vorweggenommen. Der 05-Vorstand hat unterdessen die Entscheidung von Strutz, sich bei der kommenden Mitgliederversammlung nicht mehr für das Amt des Vereinsvorsitzenden zur Wahl zu stellen, in einer Stellungnahme kommentiert. „Harald Strutz gebührt unser Respekt für seine Entscheidung, die für ihn nach 28 Jahren an der Spitze des 1. FSV Mainz 05 sicher keine einfache war. Mit dieser nimmt er dem Verein den in der Öffentlichkeit gewachsenen Druck im Hinblick auf die anstehenden Zukunftsfragen“, erklärte Vizepräsident Jürgen Doetz. „Wir werden seine Entscheidung und ihre Konsequenzen für Mainz 05 intern im Vorstand in aller Ruhe und Sachlichkeit erörtern, aber wir werden keine überhastete Personaldiskussion anstoßen. Vor uns liegen noch arbeitsreiche Wochen und Monate, die wir gemeinsam mit Harald Strutz im Sinne des 1. FSV Mainz 05 angehen wollen. Der Verein wird dann auch einen geeigneten Anlass finden, ihn für seine herausragenden Verdienste für Mainz 05 zu würdigen.“

  

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