„Die Ziele gehen uns nicht aus“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit sieben Punkten aus den drei Begegnungen dieser Englischen Woche hat sich der FSV Mainz 05 im Vorderfeld der Tabelle eingerichtet und behauptet Platz fünf. 40 Punkte nach 25 Spieltagen - das gab es in der Bundesliga erst zweimal. „Wir machen momentan wirklich sehr vieles gut“, sagt Martin Schmidt. Wo das hinführt in dieser Saison? „Man hat gesehen, dass wir auch noch viel Arbeit vor uns haben und dass die Punkte nicht von alleine kommen. Darum heißt es weiterarbeiten, dann schauen wir mal“, erklärt Fabian Frei.

Nach dem glorreichen Sieg in München mag sich für viele das 0:0 zu Hause gegen den SV Darmstadt 98 zunächst einmal etwas enttäuschend angefühlt haben. Die Aussicht, mit einem weiteren Erfolg und 42 Punkten den vierten Platz in der Bundesliga angreifen zu können, war doch sehr verlockend. Es hat nicht funktioniert. Und dennoch überwog bei den Beteiligten nachher die Zufriedenheit. Denn die Profis des FSV Mainz 05 verschenkten in diesem Derby in der Coface Arena nicht etwa aufgrund eigener Überheblichkeit oder einer schwachen Leistung leichtfertig wertvolle Punkte. Die Mainzer mussten hart arbeiten und kämpfen für dieses Unentschieden. Sie mussten dauerkonzentriert einen Gegner bearbeiten, der mit einer hervorragenden Defensivorganisation, mit allen Feldspielern seine Hälfte verbarrikadierte, kein Risiko einging und sich in der Abwehr keine schwerwiegenden Fehler erlaubte. Der dazu auf die Gelegenheit zum schnellen Umschalten wartete und mit seiner Spielweise meist bemüht war, Standardsituationen zu provozieren. Auf diese Art und Weise hat sich der Aufsteiger zur drittbesten Auswärtsmannschaft der Liga entwickelt und die Punkte geholt, die noch ausreichen, um nicht auf einem Abstiegsplatz zu stehen.

Mit ihren sonst so gefürchteten Standardsituationen ging für die Darmstädter in Mainz gar nichts. Hier erwarten Fabian Frei, Yunus Malli, Jairo und Pablo De Blasis (von rechts) einen Freistoß von Tobias Kempe. Die 05er haben sich dieser Aufgabe gestellt, haben das Ganze läuferisch und kämpferisch kontrolliert, bei den Standardsituationen rein gar nichts anbrennen lassen und dabei wenigstens phasenweise ein vernünftiges Spiel aus eigenem Ballbesitz heraus aufgezogen. Die Chancen waren da, um die Partie zu entscheiden. Die brutale Effizienz, die in München zum Erfolg geführt hatte, fehlte diesmal allerdings. Dafür wertete die halbstündige Vorstellung, die das Team nach dem Platzverweis von Giulio Donati in Unterzahl bot, den Punktgewinn insgesamt noch auf. Mehr war gegen diese unangenehmen Darmstädter am Ende einer sowohl physisch, als auch mental höchst anstrengenden Woche nicht möglich.

„Den Punkt nehmen wir gerne mit“, sagte Fabian Frei. „Ich glaube vor einer Woche hätten wir es unterschrieben, wenn uns jemand gesagt hätte, wir holen sieben Punkte aus den drei Spielen.“ Mit dem 3:1 gegen Bayer Leverkusen, dem 2:1 bei den Bayern und diesem 0:0 gegen den Aufsteiger hat das Team von Martin Schmidt sein Punktekonto innerhalb von acht Tagen auf 40 Zähler aufgestockt. 40 Punkte nach 25 Spieltagen. Das gab es in den bisher zehn Mainzer Bundesliga-Spielzeiten erst zweimal. In der Saison 13/14 waren es 41. In der Runde 10/11 hatten die 05er zu diesem Zeitpunkt 43 Punkte gesammelt. „Wir machen momentan wirklich sehr vieles gut“, betonte der 05-Trainer nach dem Unentschieden. „So können wir mit der Rückrunde bisher sehr zufrieden sein.“ Die Politik der kleinen Schritte mit dem Abarbeiten von selbst gesteckten Zwischenzielen funktioniert prächtig.

Nach der Winterpause hatte man sich intern darauf eingeschworen, so schnell wie möglich die 30-Punkte-Marke zu knacken. Das nächste Zwischenziel war einen der großen der Liga zu schlagen in dem aktuellen Fünferblock. Ein Vorhaben, das in der Vorrunde nicht gelungen war. Diesmal gelang es sogar zweifach. Jetzt ist die 40er-Grenze erreicht. „Das sind alles so Entwicklungsschritte, die das Team macht und gemacht hat. Und die uns mit einem guten Gefühl die nächsten Ziele in Angriff nehmen lassen“, sagte der 05-Trainer, der schon die nächste Vorgabe parat hat. „Jetzt wollen wir die Hinrunde bestätigen. Dafür fehlen uns noch acht Punkte.“ 24 Punkte brachte die erste Halbserie, 48 Zähler sollen es bald werden. Wo das am Ende hinführt in der Tabelle, spielt dabei erst einmal keine Rolle. „Wir können uns nun auf neue Dinge einschwören“, erklärte Leon Balogun nach dem 0:0. „Was man sagen kann ist, dass natürlich jeder gerne die Saison möglichst weit oben abschließen möchte. Aber wo es am Ende hingeht, müssen wir sehen.“

Grinsender Blick auf die Tabelle

Es bringe nichts, sich auf ein Ziel festzulegen, das in weiter Ferne liege. „Im Moment dürfen wir grinsen, wenn wir auf die Tabelle schauen“, sagte Fabian Frei. „Das ist nicht schlecht, wie es im Moment läuft. Wir wollen es aber nicht überbewerten. Wir wissen, woher wir kommen. Natürlich genießen wir den Blick auf die Tabelle. Ich würde lügen, wenn es nicht so wäre, aber wir lassen uns nicht verrückt machen“, so der Schweizer. „Man hat gesehen, dass wir auch noch viel Arbeit vor uns haben und dass die Punkte nicht von alleine kommen. Darum heißt es weiterarbeiten, dann schauen wir mal.“

Der fünfte Platz ist eine schöne Momentaufnahme, die sich die Mannschaft durch entsprechende Leistungen verdientermaßen geschaffen hat. Eine komfortable Grundlage, um in diesem Stil weiterzumachen. Denn die Aufgaben werden nicht leichter. Im vielzitierten Fünferblock, den die Mainzer bisher so erfolgreich abgearbeitet haben, folgen nun zwei schwere Auswärtsbegegnungen. Am Sonntag wartet in Dortmund das nächste Spitzenteam der Liga. Eine Woche später geht’s nach Bremen, wo dann wieder ein Gegner auf knallharten Abstiegskampf gepolt ist. „Und das Unangenehme an einem Fünferblock ist, dass danach schon wieder der nächste Fünferblock kommt“, sagte der 05-Trainer.

Seine Mannschaft gehe jedoch mental gestärkt und mit einem selbstbewussten Gefühl aus dieser Englischen Woche heraus, betonte der 48-Jährige. Es gehe nun aber weiterhin verstärkt darum, hart dafür zu arbeiten, um die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Die Handlungs- und Prozess-Ziele, die die Verbesserung und Weiterentwicklung des eigenen Spiels ermöglichten. Die Mentalität beizubehalten, um die angestrebten 48 Punkte so schnell wie möglich zu erreichen. Und wenn dann noch Spieltage übrig bleiben, um noch mehr zu schaffen? „Ich habe so viele Ziele gesammelt und aufgeschrieben“, sagte Schmidt. „Die gehen uns nicht aus.“

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