Die üblichen Lücken gegen Hoffenheim?

Christian Karn. Mainz.
120 Tage ohne ein Heimspiel haben beim Mainzer Publikum in dieser ewig langen Sommerpause zumindest keine so großen Entzugserscheinungen verursacht, dass es dem FSV Mainz 05 heute die Bude einrennen würde. Gerade mal 25.000 Karten hatten die 05er bis Freitag verkauft. Dabei lohnte es sich für ihre Fans in der Regel, die Spiele gegen den heutigen Gegner zu sehen: Gegen die TSG Hoffenheim gab es zwar die höchste Niederlage, die die 05er in der Coface Arena kassierten, aber auch zwei der drei Heim-Hattricks und - noch am Bruchweg - den Startrekord.

Drei Tore schoss Adam Szalai 2012 gegen die TSG Hoffenheim. Mitgekriegt haben es nur 28.067 Zuschauer - heute dürften es noch weniger werden. Foto: imagoSeit 120 Tagen, seit jenem 0:0 gegen Hertha BSC am letzten Spieltag der vergangenen Saison, als er den Spagat schaffte, gleichzeitig den Platz in der Europa-League-Gruppenphase zu sichern und dem noch lange nicht ernsthaft einsatzbereiten Elkin Soto sein Comeback- und Abschiedsspiel zu schenken, wartet der FSV Mainz 05 auf ein Heimspiel. Das ist ein Vierteljahr. Das reicht - wie Benedikt Höwedes 2015 vorführte - um eine schwere Sprunggelenksverletzung (Innen- und Syndesmosebandanriss inklusive Begleitschäden) auszukurieren und wieder zu spielen. Das ist eine Zeit, in der bei den 05ern ein neuer Sportdirektor die Arbeit aufnahm und der Mannschaft ein neues Gesicht gab, viele junge Spieler aus dem In- und europäischen Ausland holte, einen deutschen, einen französischen und einen ehemaligen spanischen U21-Nationalspieler, alle schon erfahren, alle 20, 21 Jahre jung, dazu das vielleicht größte junge Offensivtalent der 2. Bundesliga, den ersten 05-Brasilianer seit einem knappen Jahrzehnt und den dritten dänischen Nationaltorwart. Eine Zeit, in der das Stadion einen neuen Namen bekam. In der man sich in schneller Folge großer Sorge (wer sind die Sechser?) und großer Euphorie (wer sind die Europapokalgegner?) hingeben konnte. Heute, am 120. Tag, ist die Wartezeit vorbei. Um 17.30 Uhr spielt Mainz 05 in der Opel Arena gegen die TSG Hoffenheim. Es ist höchste Zeit.

Oder? So sehr scheinen viele Zuschauer die Bundesliga noch nicht zu vermissen. Lediglich 25.000 Karten waren bis Freitag verkauft, ab zwölf Uhr sind an beiden Mainzer Stadien noch Tickets in allen Kategorien zu haben. Horden von Scouts aus dem In- und Ausland werden Lücken auf den Tribünen füllen, so dass es sicher wenigstens keinen Arena-Minusrekord geben sollte. Der liegt (in der Bundesliga) bei 25.187 Zuschauern, die vor knapp drei Jahren das 2:2 gegen Hoffenheim sahen, bei dem Heinz Müller jeden Schuss ins Tor ließ und Yunus Malli in der Nachspielzeit den Punkt rettete.

Es wäre andernfalls der zweite Sieg der TSG in Mainz gewesen. Sei es am Bruchweg, sei es in der Arena - viel ging hier noch nicht für die Hoffenheimer. Zwar sind die Zeiten, in denen sie als Regionalligist eine 0:7-Testspielniederlage mit Gegentoren von Stefan Kühne und Igoris Morinas kassierten, lange vorbei, aber auch als Zweitligist gab es für die TSG nur ein 1:1, als Bundesligist in sieben Spielen vier Niederlagen: Die 05er gewannen zuhause gegen Hoffenheim 2:1 nach schnellen Toren von Andreas Ivanschitz (6.) und Aristide Bancé (11.), dann 4:2 in jenem berühmten Spiel, das den Bundesliga-Startrekord einstellte, 3:0 durch drei Treffer von Adam Szalai, 3:1 durch drei Treffer von Yunus Malli. Zwei Unentschieden gab's, nach dem erwähnten 2:2 ein unansehliches 0:0. Und als einzigen groben Ausrutscher eine 0:4-Heimniederlage der 05er, durch drei auf diese oder jene Weise zufällige Tore: Erst ließ sich Eugen Polanski leichtfertig den Ball abpressen, dann gab es einen zweifelsfrei unberechtigten Elfmeter, das 0:4 war das in solchen Spielen geradezu obligatorische Noveski-Eigentor nach grobem Fehler der Kollegen. Vielleicht liegt's ja daran, dass so wenige Karten verkauft wurden. 31.500 Zuschauer sahen jenen ersten Auftritt der Hoffenheimer in der Arena. So viele kamen nie wieder zu dieser Partie.

Aber vielleicht sind die 05er ja seit Freitag noch ein paar Karten losgeworden, vielleicht stehen die Zuschauer am Bruchweg und an der Arena-Kasse noch einmal Schlange. Sicherlich werden sie nicht alle lieber aufs zweite Heimspiel warten. Das folgt zwar schon am Donnerstag gegen die AS Saint-Étienne, aber die Europapokal-Historie der 05er spricht nicht dafür, dass es am Donnerstag um 19 Uhr allzu voll sein wird. Den Mainzer Europapokal-Rekord zumindest würden die 05er im ersten internationalen Heimspiel seit 777 Tagen (so lange hat Owen Hargreaves mal Manchester United gefehlt) schon mit dem Hoffenheim-Publikum um mehr als ein Drittel steigern. Der liegt bei gerade mal 18.287 Zuschauern. Und die UEFA-Regularien kommen den 05ern insofern entgegen, dass das Stadion durch das Stehplatz-Verbot schon mit 26.600 Zuschauern ausverkauft wäre.

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