Die Tücken des Fernsehfußballs

Christian Karn. Mainz.
Man hat sich in den letzten 17 Jahren daran gewöhnt, alle Bundesligaspiele im Fernsehen ansehen zu können. Zwar ist das auch in der heute beginnenden Saison grundsätzlich möglich, doch es ist komplizierter geworden. 38 der 306 Saisonspiele werden nicht mehr vom bisherigen Monopolisten Sky übertragen, sondern von Eurosport (kostenpflichtig) im Internet gestreamt. Wer weiterhin eine Komplettversorgung möchte, braucht nun zwei Abonnements; weiterhin bieten beide Rechteinhaber auch Tagestickets an.

Heute abend beginnt die Bundesligasaison 2017/18 mit einem Heimspiel der Bayern gegen Leverkusen. Das Stadion wird voll sein in München. Und wer das Spiel sehen will, aber kein Ticket hat, kann das ZDF einschalten. Das ist einfach. Die meisten Fernsehbesitzer haben es auf dem zweiten Kanal programmiert. Morgen geht's bei Sky weiter, am Sonntag ebenfalls. Am kommenden Freitag aber, wenn der 1. FC Köln den Hamburger SV empfängt, wird's kompliziert. Eine Woche bleibt den Fernsehfußballfans um herauszufinden, wie sie die Partien des sogenannten Pakets A, das Eurosport erworben hat, auf ihre Bildschirme bekommen. Denn erstmals seit der Komplett-Liveübertragung der gesamten Saison 2000/01 durch den Sky-Vorgänger Premiere kommen nicht mehr alle Spiele vom gleichen Anbieter. Außer, und da wird's schon kompliziert, wenn doch.

Das Fernsehen ist nah dran an der Bundesliga - manchmal zu nah, wie der Kameramann erfuhr, der 2014 beim Mainzer Auswärtssieg in Hoffenheim vom TSG-Kapitän Andreas Beck niedergestreckt wurde. Für die Fans wird's ab sofort komplizierter, die Bundesliga auf dem Bildschirm zu sehen. Foto: imagoFangen wir mit den Grundlagen an: Was ist Paket A? Antwort: Zunächst mal alle Freitagsspiele. Davon gibt's 30 - der fünfte und der 16. Spieltag finden dienstags und mittwochs statt, der 33. und 34. Spieltag wie immer komplett samstags. Da die Saison- und die Rückrundeneröffnung im freien Fernsehen übertragen werden, sind die Zuschauer sogar nur an 28 Freitagen auf Eurosport angewiesen. Dazu kommen die insgesamt fünf Montagsspiele - an den ersten sechs Spieltagen ist kein einziges vorgesehen, weitere Spieltage sind noch nicht terminiert -, dazu kommen die insgesamt fünf frühen Sonntagsspiele, die schon um 13.30 Uhr angepfiffen werden; die TSG Hoffenheim und Hertha BSC sind am vierten Spieltag die ersten, die so früh spielen. Es handelt sich dabei um Ausweichspiele für Europapokalteilnehmer, die nicht zu üblichen Zeiten angestoßen werden. Dazu kommt der Supercup, dazu kommen die Relegationsspiele. 43 Spiele also insgesamt, 45, wenn man die beiden ZDF-Spiele heute abend und zum Rückrunden-Auftakt mitzählt.

Sechs der sieben übrigen Pakete bekommen die Fans weiterhin über das bisherige Sky-Abonnement. Es handelt sich um Paket B (36 Konferenzen - jeweils eine samstags, jeweils zwei an den beiden Dienstag/Mittwoch-Spieltagen), Paket C (alle 176 Spiele, die samstags um 15.30, dienstags und mittwochs angestoßen werden), Paket D (alle 30 Samstags-Spätspiele), Paket E (alle 60 Sonntagsspiele, die um 15.30 oder um 18 Uhr - statt wie bisher 17.30 Uhr - angepiffen werden), Paked F (alle Zweitligaspiele bis auf die Montags- und Donnerstagspartien, insgesamt 281 Spiele), Paket G (eben diese 25 Montags- und Donnerstagsspiele der 2. Liga). Lediglich Paket H (vier Bundesligaspiele am 1., 17. und 18. Spieltag sowie die Relegation zwischen zweiter und dritter Liga) hat sich das ZDF geschnappt. Weiterhin gibt es die Pakete I, J, K, L, M, N und O, die Zusammenfassungsrechte regeln, teilweise nicht verkauft werden konnten, und an dieser Stelle keine Rolle spielen sollen - zusammenfassend sei gemeldet, dass sich die ARD die Pakete I und M und damit den Fortbestand der Sportschau nach bisherigem Muster gesichert hat.

266 Bundesligaspiele und die komplette zweite Liga bleiben also bei Sky. Der bisherige Monopolist ist spürbar nicht glücklich damit, den Rest verloren zu haben. Den Slogan "Alle Spiele, alle Tore" hat der Eurosport-Träger Discovery juristisch verbieten lassen. "Die Preise bleiben stabil", versprach Sky der nullfünfMixedZone. Eine "Fußballshow, wie sie in Deutschland noch nicht zu sehen war" soll es geben, das "ganze Fußballwochenende" werde aus einem neuen Studio "nach amerikanischem Vorbild" in Unterföhrung moderiert.

Kontakt zu Eurosport hat die nullfünfMixedZone trotz intensiver Bemühungen nicht herstellen können. Telefonnummern laufen ins Leere, Mails wurden nicht beantwortet. Wie man tatsächlich ans Paket A kommt, müssen wir uns daher zusammenreimen. Offenbar gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die jedoch noch nicht alle abschließend durchdiskutiert wurden. Wenige Stunden vor der Saisoneröffnung bleiben offenbar immer noch offene Fragen.

Die einfachste Möglichkeit ist offenbar der "Eurosport Player" - ein Tagespass kostet 9,99 Euro, ein Saisonabonnement 59,99 Euro, bis Monatsende reduziert auf 29,99 Euro. Auf diesem Wege werden die Spiele ausschließlich übers Internet übertragen; eine halbwegs moderne Internetverbindung und ein internetfähiges Endgerät (Fernseher, Tablet, Computer) sind Bedingung, eine stabile Flatrate sinnvoll, denn die Datenmengen sind gewaltig. Klassische Fernsehempfänger können mit diesem Angebot nichts anfangen...

...sofern der Kunde nicht ohnehin das HD+-Paket gebucht hat, denn dort ist Eurosport enthalten. Zusätzlich zur nötigen Hardware benötigt der Kunde einen Satellitenempfänger; über andere Vertriebswege wird das Paket nicht gesendet. Weiterhin können Amazon-Prime-Abonnenten für wenig Geld die Eurosport-Spiele über die Amazon-Seiten und -Apps dazubuchen. Es heißt, dass Eurosport und Sky noch über eine Möglichkeit verhandeln, das Paket A auch über die normalen Eurosport-Kanäle auf die Bildschirme zu bringen, aber von einer Einigung ist man am Eröffnungstag offenbar immer noch weit entfernt.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite