Die Fehlerkette endet in der Mitte

Christian Karn. Mainz.
Nach zwei von drei Spieltagen der Gruppe A darf Chile optimistisch sein, die K.o.-Runde der Copa América zu erreichen. Das spektakuläre 3:3 gegen Mexiko reicht den Gastgebern jedoch nicht, um bereits jetzt für das Viertelfinale qualifiziert zu sein. Gonzalo Jara vom FSV Mainz 05 machte zumindest beim 0:1 nicht die beste Figur, war aber nur der Schlusspunkt einer Fehlerkette. Mit den anderen beiden Toren hatte Jara wenig zu tun.

Bei der Copa América in der Gruppenphase auszuscheiden, ist nicht leicht: Die ersten beiden Teams jeder Vierergruppe kommen ins Viertelfinale, ebenso die zwei besten der drei Gruppendritten. Die chilenische Nationalmannschaft mit Gonzalo Jara vom FSV Mainz 05 in der Innenverteidigung hat nach einem 3:3 gegen Mexiko im zweiten von drei Vorrundenspielen vier Punkte. Das sollte reichen, selbst bei einer Niederlage in der noch fehlenden Partie gegen Bolivien, die ganz überraschend zum Topspiel der Gruppe wird.

Die Bolivianer sind durchaus berüchtigt für eine gewisse Heimstärke: In ihren Hochgebirgsstadien schlugen sie in den vergangenen sechs Jahren unter anderem Uruguay 4:1, Brasilien 2:1, Argentinien 6:1. Auswärts, im Flachland, hatten die Bolivianer seit einem 1:0 in Venezuela im März 2008 gar nichts mehr gewonnen, bis zum 3:2 gegen Ecuador in der chilenischen Küstenstadt Valparaíso wenige Stunden vor der Partie Chiles gegen Mexiko. Damit war bereits klar: Erst in der Nacht auf Samstag wird die Gruppe A entschieden.

Gonzalo Jara (hier gegen den Brasilianer Neymar) konnte seine starke Leistung aus dem Auftaktspiel nicht wiederholen, wurde aber von seiner linken Abwehrseite oft alleingelassen. Foto: imagoIn Santiago war Chile die klar überlegene Mannschaft gegen die Mittelamerikaner. Mangelnde Konsequenz vor dem Tor und Schwächen auf der linken Abwehrseite kosteten den zweiten Sieg im Turnier. Das zeigte sich bereits beim 0:1 in der 21. Minute: Nach einer Balleroberung im Mittelfeld machten die Mexikaner das Spiel breit. Miiko Albornoz von Hannover 96, der linke Mann in der chilenischen Dreierkette, versuchte noch, den letzten Querpass mit der Hand zu stoppen, hatte dabei aber noch Glück, den Ball für den Torschützen Vicente Vuoso nur erreichbarer zu machen. Der zentrale Verteidiger Jara war zu weit weg vom Stürmer des Chiapas FC; der Mainzer musste zwei Mann gleichzeitig decken und entschied sich für keinen der beiden.

Die Führung hielt aber nur eine Minute. Dann schon schlug Charles Aránguiz (SC Internacional/Brasilien) einen Eckball auf den Elfmeterpunkt, den der freistehende Arturo Vidal (Juventus Turin) nahe am linken Pfosten ins Tor köpfte. Gary Medel (Inter Milan) war parat, um den Ball notfalls ins Tor abzulenken, wurde aber nicht gebraucht. Weil jedoch Vidal sieben Minuten später selbst nicht ins Kopfballduell mit Atlético Madrids Raúl Jiménez ging, führte Mexiko ebenfalls nach einem Eckball erneut. 

Und kurz vor der Halbzeit glich Chile zum zweiten Mal aus, mit fast einer Kopie des 1:1. Die Flanke kam fast von der gleichen Stelle, allerdings aus dem Spiel heraus von Vidal nach Doppelpass mit seinem Vereinskollegen Mauricio Isla. Eduardo Vargas (SSC Neapel) köpfte den Ball wiederum vom Elfmeterpunkt wiederum flach am linken Pfosten zum 2:2 ein.

In der 55. Minute gingen die Chilenen in Führung. Gerado Flores, der offensiv starke Rechtsverteidiger von Cruz Azul, stellte sich im Zweikampf gegen Arturo Vidal zu ungeschickt an; Vidal verwandelte den fälligen Elfmeter mühelos. Aber auch diese Führung hielt nicht: Nach einem langen Flugball von Adrián Aldrete (Santos Laguna) stand die chilenische Abwehr unordentlich: Jara und Albornoz stellten zwar Vuoso abseits, aber Medel stand ein paar Meter weiter zu tief und nahm an der ganzen Szene gar nicht teil. Jara sprintete zwar dem Torschuss noch nach, hatte aber keine Chance mehr, den Ball vor der Linie zu erreichen (66.).

Es gab weitere Höhepunkte in einem aufregenden, wilden, attraktiven, schnellen Spiel. Die Chilenen mühten sich ab gegen die mexikanische Fünferkette, die auch ohne ihren Chef Rafael Márquez (inzwischen Hellas Verona) stabil stand, durchdrangen den Block oft nur mit Standards, aber auch mit Aktionen des überragenden Alexis Sánchez. Der Arsenal-Stürmer hatte Chancen, Jorge Valdivia (SE Palmeiras/Brasilien) hatte Chancen. Zwei Tore wurden den Chilenen aberkannt; bei Valdivias Treffer in der 64. Minute war der Vorbereiter Vidal abseits, bei Sánchez' Tor in der 80. Minute der Schütze selbst - eine Sache von Zentimetern.

Aber auch Mexiko hatte in der Schlussphase weitere Möglichkeiten. Die Mittelamerikaner profitierten vor allem davon, dass Marcelo Díaz vom HSV auf der linken Seite die Defensivarbeit verweigerte. Das verwehrte dem überforderten, wie gewohnt etwas zu kopflos, zu wenig umsichtig spielenden Albornoz die Entlastung, wodurch wiederum Jara gleichzeitig die eigene Arbeit machen und die Fehler seines Nebenmanns korrigieren musste, sich zu oft ins Niemandsland locken ließ und weitere Löcher aufriss. Besser wurde das erst nach Díaz' Auswechslung in der 71. Minute; Eugenio Mena (Cruzeiro EC/Brasilien) brachte mehr Stabilität. "Wir werden Zeit haben, diese Fehler zu korrigieren", sagte Chiles Trainer Jorge Sampaoli. Womöglich durch einen anderen Linksverteidiger; mit Mena und dem erfahrenen Jean Beausejour (CSD Colo-Colo) gibt es gute Alternativen für Díaz.

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