Die dunklen Jahre

Christian Karn/Oliver Heil. Mainz.
Mainzer Neustadt, Boppstraße 64. Auf dem Geh­weg vor dem Haus erinnern seit März 2013 vier „Stolpersteine“ an die Salomons, die Familie von Eugen Salomon, Gründer des Vereins Mainz 05 und bis 1933 Mitglied des Vor­stands. Am 14. November 1942 wurde Eugen Salo­mon im KZ Auschwitz-Birkenau umgebracht. Seinen Verein gab es da schon lange nicht mehr. 1938 hatte Mainz 05, ge­rade in die dritte Liga abgestiegen, den Spielbetrieb eingestellt. Unfreiwillig. Ein Jahr zuvor hatten die 05er bereits ihr Stadion, das Fort Bingen, verloren, seit 1933 mehrere Angehörige des Vorstands und weitere Mitglieder - vor gut 75 Jahren war der Tief­punkt der Vereinsgeschichte von Mainz 05 erreicht. Nach nur 33 Jahren schien der Verein am Ende. Viel zu selten wird heute, wo die 05er ungeahnte Höhen erklommen haben, an diesen Teil ihrer Geschichte erinnert. Das 05-Fanzine "Die TORToUR" hat ihn im vergangenen Jahr erzählt. Wir veröffentlichen ihn noch einmal im Rahmen der Serie "Geschichten von früher".

Die Stolpersteine für den 05-Chef und seine Familie. Eugen Salomon wurde im Vernichtungslager Birkenau umgebracht; seine Frau Alice und die Kinder Alfred und Erwin überlebten. Foto: Die TORToURMainzer Neustadt, Boppstraße. Schräg gegenüber von Haus Nummer 64 rumpelt heute wie vor 80 Jahren die Straßenbahn zum Hauptbahnhof vorbei. Auf dem Gehweg vor dem Haus erinnern seit März 2013 vier „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig an die Salomons, die Familie von Eugen Salomon (auf dem Mannschaftsbild hinten links), dem Gründer des Vereins* Mainz 05 und bis 1933 Mitglied des Vorstands. Aus dem Haus in der damals gediegen bürgerlichen Wohngegend war Salomon mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Frankreich geflohen. 

Der Deportation und der Ermordung entkam er mit seiner Flucht allerdings nur für ein paar Jahre. Am 14. November 1942 wurde Eugen Salomon im KZ Auschwitz-Birkenau umgebracht. Seinen Verein gab es da schon lange nicht mehr. 1938 hatte Mainz 05, gerade in die dritte Liga abgestiegen, den Spielbetrieb eingestellt. Unfreiwillig. Wegen Schulden von 1.500 Reichsmark beim Deutschen Reichsbund für Leibesübungen war der Klub aus dem organisierten Fußball ausgeschlossen worden. Ein Jahr zuvor hatten die 05er bereits ihr Stadion, das Fort Bingen, verloren, seit 1933 mehrere Angehörige des Vorstands und weitere Mitglieder - vor ziemlich genau 75 Jahren war der Tiefpunkt der Vereinsgeschichte von Mainz 05 erreicht. Nach nur 33 Jahren schien der Verein am Ende. Viel zu selten wird heute, wo die 05er ungeahnte Höhen erklommen haben, an diesen Teil ihrer Geschichte erinnert.

* weitere Recherchen haben ergeben, dass Salomon nicht schon im März 1905 zu den Gründern des damaligen "FC Hassia 05" zählte, sondern erst nach der Gründung, wahrscheinlich schon wenige Wochen später, beitrat. Im Oktober 1905 wurde Salomon zum Vorsitzenden gewählt; an der Transformation des von sich selbst sogenannten "Wilden Gebildes" zu einem ernsthaften Verein und der Aufnahme in die Fußballverbände hatte Salomon in den ersten Monaten der 05er großen Anteil.

Goldene Zeiten am Fort Bingen

Die Mannschaft des 1. Mainzer FSV 05 im Jahre 1932. Hinten links: der Vereinsvater Eugen Salomon.Der 1. Mainzer FSV 05 - so hieß der Club damals - kam 1919 verhältnismäßig gut aus den Wirren des Ersten Weltkriegs. Eine provisorische Spielgemeinschaft mit dem SV 08 Mainz wurde beibehalten; trotz 26 gefallener Mitglieder - ein Sechstel des Vereins - war eine stabile Basis gegeben. Der 1910 eingeweihte erste eigene Platz war in einen Kartoffelacker umgewandelt worden, das Material der Tribüne und der Umzäunung unter Wert verkauft, aber Privatdarlehen der Mitglieder Eugen Salomon, Fritz Bauer und Wilhelm Müller machten es möglich, auf dem von der Stadt Mainz neu zugewiesenen ehemaligen Exerzierplatz am Fort Bingen einen neuen Sportplatz anzulegen.

Hugo Ries, Mainzer Fußballpionier und schon 1906 als Elfjähriger in die 05-Jugend eingetreten, kam an Weihnachten 1919 aus Berlin zurück und brachte von dort einige Spieler mit, darunter den ehemaligen Nationalverteidiger Kurt Diemer (vier Länderspiele in den Jahren 1912 und 1913) und die Brüder Willi und Otto Freitag.

Erwin Drucker war dort, wo heute die MVB ihre Geschäftsstelle in der Schöfferstraße hat, Inhaber einer Herrenboutique, Wirtschaftschef der 05er - und Jude. Drucker und sein Bruder Siegfried überlebten trotz kurzer KZ-Haft das Dritte Reich; ihre Schwester, Erwins Frau und deren zwei Kinder nicht.

Für das Gastspiel der ungarischen Profimannschaft Vasas Budapest wurde am Fort Bingen 1920 eine neue Tribüne errichtet. Insgesamt 10.000 Zuschauer sahen ein 1:0 und drei Tage später ein 0:0 - spektakuläre Achtungserfolge der Mainzer Amateurkicker. In den folgenden Jahren wurde der FSV mehrmals Kreismeister. 

1925 gelang der Aufstieg in die Bezirksliga - die damals höchste Liga, dort direkt der zweite Platz. 1927, 1932 und 1933 gewannen die 05er die Hessenmeisterschaft. In der Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft waren sie gegen die starken Vereine aus Nürnberg, Fürth, Karlsruhe und Frankfurt freilich chancenlos. 4.000 Zuschauer waren keine Seltenheit am Fort Bingen. Zu Spitzenspielen war das Stadion regelmäßig ausverkauft. 12.000 Zuschauer drängten dann ins Rund.

Der Erfolg war vor allem dem Engagement einiger Mainzer Geschäftsleute zu verdanken. Der ehemalige Erste Vorsitzende Eugen Salomon hatte zwar in der Weltwirtschaftskrise seinen Textilgroßhandel schließen und sich als häufig abwesender Handlungsreisender in die zweite Reihe des Vorstands zurückziehen müssen, blieb aber innerhalb des Vereins eine hochgeachtete Persönlichkeit. So ist er auf Mannschaftsfotos aus den frühen 1930ern als einziger Funktionär neben dem Trainer abgebildet - seinem Beruf entsprechend im feinen Zwirn. Finanz- und Wirtschaftschef des Vereins war Erwin Drucker, Inhaber einer Herrenboutique in der Schöfferstraße. Wichtiger Geldgeber und ebenfalls kurzzeitig Vorstandsmitglied war der Kaufhausbesitzer Carl Lahnstein. Alle drei: Juden.

Sportpolitik im Dritten Reich

Die NS-Sportpolitik schien für den Fußball ein Glücksfall zu sein: War der hochklassige Spielbetrieb zuvor noch auf zahlreiche lokale Ligen mit insgesamt rund 500 Erstligisten ausgedehnt, die in einem dreistufigen System (lokal von August bis Dezember, regional von Januar bis Anfang Mai, erst im Mai und Juni auf nationaler Ebene) den Deutschen Meister ermittelten, entstanden auf Anordnung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten die 16 Gauligen. Es gab nur noch 177 Erstligisten, das Niveau stieg.

Tschammers Aufstieg zum Spitzenfunktionär ist undurchsichtig. Tonangebend im deutschen Sport war zuvor der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen (DRA) als Dachorganisation der meisten Verbände. Der wurde im April 1933 vom Reichsinnenminister Wilhelm Frick gekapert - der Vorsitzende Theodor Lewald wurde als „Halbjude“ abgesetzt, der SA-Gruppenführer Tschammer, Rittergutsbesitzer aus der Oberlausitz, ohne vorhergehende Wahl zum Nachfolger berufen. Im Mai löste dieser ohne den laut Satzung notwendigen Beschluss der Mitglieder den DRA rechtswidrig auf. Erst im Sommer 1934 wurde der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL) gegründet, bis dahin hatte Tschammer, inzwischen zum Reichssportführer ernannt, das alleinige Sagen.

Ein Führererlass im Dezember 1938 machte den DRL zu einer Unterorganisation der NSDAP. Die meisten Fachverbände, 1940 auch der DFB, wurden aufgelöst oder in Fachämter des nun „Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen“ (NSRL) genannten Verbands umgewandelt; wenige bestanden unter dessen Kontrolle scheinautonom weiter. Nach dem Krieg wurde die Partei mit allen angeschlossenen Einrichtungen von der US-Militärregierung aufgelöst, damit automatisch auch der NSRL.

Die Gleichschaltung 1933

Im April 1933 wählten die Vereinsmitglieder von Mainz 05 zum letzten Mal vor dem Zweiten Weltkrieg einen ordentlichen Vorstand. Dabei wurde das Gremium von 1931 weitestgehend bestätigt - die Namen Salomon, Drucker und Lahnstein fehlten allerdings. 

Jean Laufer war bereits vor dem Dritten Reich 05-Präsident und wurde auf der Gleichschaltungsversammlung im Amt bestätigt.

Eine im August hastig einberufene außerordentliche Mitgliederversammlung bestimmte schon das nächste Präsidium. Die Quellenlage zu diesen Vorgängen ist dünn: Nachkriegsfestschriften gehen über jene Jahre nicht weiter als nötig ins Detail, zeitgenössische Tageszeitungen sind unzuverlässig.

Klar ist, dass diese Versammlung die Gleichschaltung der 05er bedeutete. Dem Mainzer Anzeiger kann man entnehmen, dass nur wenige Mitglieder anwesend waren. Jean Laufer wurde als Vorsitzender bestätigt, einige Herren aus dem bisherigen Vorstand bekamen wichtigere Positionen anvertraut. Der Anzeiger stellte die Versammlung ins (politisch) rechte Licht: „Direktor Laufer würdigte in begeisternden Worten die begrüßenswerte Umformung des deutschen Sports und seine Eingliederung in den nationalsozialistischen Staat. [...] Herzliche Schlußworte des neuen Führers von Mainz 05, das mit großer Begeisterung gemeinsam gesungene Deutschland- und Horst-Wessel-Lied und das donnernde ‘Sieg Heil’ auf den jungen Reichskanzler Adolf Hitler beendeten die Gleichschaltungsversammlung bei Mainz 05, dessen feierliche Weihe ein besonderes Ehrenblatt in der Geschichte von Mainz 05 einnehmen wird.“

Ganz so groß dürfte die Begeisterung unter den 05ern nicht gewesen sein. Die magere Beteiligung an der Versammlung, die (anfängliche) Weigerung, das Stadion 1932 für eine Großveranstaltung der NSDAP mit Hitlers Beteiligung zur Verfügung zu stellen, die schriftliche Aussage eines Parteimitglieds, „daß ich besonders hier [bei Mainz 05] gegen das Judentum vorging, das sich damals sehr reichlich in den Vorstand eingeschlichen hatte, um die Jugend in ihrem jüdisch-marxistischen Geist zu erziehen“ und weitere gesicherte Fakten deuten zumindest an, dass der Rechtsruck im Verein eben nicht von der Mehrzahl der Mitglieder getragen wurde. Wie viele jüdische Angehörige mit der Gleichschaltung von Mainz 05 aus dem Verein ausgeschlossen wurden, lässt sich nicht rekonstruieren. Mitgliederlisten jener Jahre, die man mit Adressbüchern, standesamtlichen Aufzeichnungen, Emigrations- oder Deportationslisten abgleichen könnte, gibt es nicht.

Letzte sportliche Erfolge 1933 - 35

Als Meister der letzten Saison der Bezirksliga Hessen war Mainz 05 für die Gauliga Südwest qualifiziert, eine von 16 neu eingerichteten obersten Spielklassen in Deutschland. Der bis dahin arg aufgeblähte Spielbetrieb mit 500 Erstligisten wurde durch die Reform von 1933 deutlich übersichtlicher. Unter Paul Oßwald, damals auch noch Assistent von Reichstrainer Otto Nerz und späterer Frankfurter Meistercoach, absolvierten die 05er einige spektakuläre Spiele und schlugen daheim am Fort Bingen unter anderem den 1. FC Kaiserslautern 8:2 und Eintracht Frankfurt 7:3. Eine ganze Saison lang konnten die Mainzer auf diesem Niveau allerdings nicht mithalten. Am Ende stand der Abstieg. Großes Pech und einige Verletzungen verhinderten im Folgejahr haarscharf den direkten Wiederaufstieg im Duell mit Opel Rüsselsheim.

Der Niedergang

Ab 1935 sank das sportliche Leistungsvermögen der 05er rasant. Jugendspieler mussten die nun immer größeren Lücken in der Elf füllen, halfen allesamt nicht weiter und wurden schnell durch den nächsten Nachwuchskicker ersetzt. Auch die Trainingsbeteiligung ließ zu wünschen übrig. Zum letzten Spiel der Saison 1936/37 trat Mainz 05 gar nicht mehr an. 

1937 verloren die 05er ihr selbst errichtetes Stadion am Fort Bingen, musste vorübergehend auf den Platz des MTV 1817 ausweichen und stieg ab.In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit wollten sich die 05er noch einmal zusammenreißen, um mittelfristig wieder in die Gauliga zu kommen. Die Aufbruchstimmung im Verein wich im Sommer 1937 aber blankem Entsetzen: Das gesamte Sportgelände am Fort Bingen wurde beschlagnahmt und im Handumdrehen eingeebnet - zugunsten des Neubaus einer Kaserne, dem heutigen Forum und der Alten Mensa der Universität. Als „Entschädigung“ für das Stadion mit seiner Tribüne, den Umkleidekabinen und drei Spielfeldern gab es „lächerliche 3.000 Reichsmark“, wie die Chronisten 1955 notierten. Die Mannschaft musste auf den Platz des TV 1817 an der Pariser Straße ausweichen und stieg prompt in die dritte Liga ab.

Eine weitere Reform schien die sportliche Rettung zu bringen. 1938 sollten wie in vielen Städten auch in Mainz mehrere konkurrierende Klubs zu einem großen Stadtverein vereint werden. Mainz 05 sollte mit der Sportgemeinde Mainz und Herta BSC, einem Altstadtverein mit kommunistischen Wurzeln, fusionieren. Die 05er stimmten dem Plan zu (Einzelheiten der Entscheidung sind nicht überliefert), doch die Herta weigerte sich. Die Strafe für die geplatzte Fusion folgte auf dem Fuß: Im August 1938 wurden die 05er wegen Schulden von 1.500 Reichsmark vom Spielbetrieb ausgeschlossen. „Wer den aufgeschlossenen [...] Ausführungen des stellvertretenden Kreisführers [...] unbeeinflußt zu folgen vermochte, der wurde den Eindruck nicht los, daß sich Mainz 05 noch immer nicht von seiner Huldigung an eine Vergangenheit freizumachen versteht“, ätzte darauf der Anzeiger. Der Versuch, Mainz 05 zu einem nationalsozialistischen Vorzeigeverein zu machen, war spätestens jetzt gescheitert.

Karl Krämer, Laufers Nachfolger als 05-Vorsitzender, durfte im Fusionsverein RSV Mainz 05 Stellvertreter des Vereinschefs Theo Edinge, seines einstigen Kassenwarts, bleiben.Schließlich gelang nach langwierigen Verhandlungen der Anschluss an den Reichsbahn-TSV, dank alter Verbindungen, denn dessen Vorsitzender war der ehemalige 05-Kassenwart Theo Edinge. Die Basis des Fusionspartners war überhaupt nicht erfreut über die jüdische Vergangenheit der 05er, nahm sie aber doch auf. Edinge wurde Vorsitzender des neuen Reichsbahn SV Mainz 05, sein Stellvertreter der bisherige 05-Chef Karl Krämer. Der Fusionsverein bezog das 1929 eröffnete städtische Bruchwegstadion, das damals den Namen eines 1932 von Jungkommunisten totgeschlagenen und anschließend zur NS-Ikone erhobenen Hitlerjungen trug: „Herbert-Norkus-Kampfbahn“.

1941 spielte der RSV Mainz 05 noch einmal um den Aufstieg in die erste Liga. Ein geordneter Spielbetrieb war im Krieg bald unmöglich. Die Mannschaft veränderte sich ständig, gerade in Mainz stationierte Soldaten wurden flugs in den Kader aufgenommen und verschwanden ebenso rasch wieder. Die letzten Fußballspiele in Mainz fanden im Herbst 1944 statt. Dann ging die Stadt im Bombenkrieg unter. 

Am Ende: Nichts

Schon kurz nach Kriegsende versuchten übriggebliebene 05er, den Verein neu zu gründen. Die französische Militärregierung untersagte das zunächst, erteilte aber im November 1945 unter gewissen Einschränkungen die Erlaubnis. Von der einstigen Größe der 05er war jedoch nichts mehr übrig: Kein Stadion, kein Vermögen. Eugen Salomon war tot, sicherlich nicht als einziger 05er in einem KZ ermordet. Carl Lahnsteins Kaufhaus lag in Trümmern, er selbst immerhin war der Ermordung entkommen und lebte in New York. Erwin Drucker und sein Bruder Siegfried waren 1938 kurzzeitig im KZ gelandet, dann aber lebend aus dem Land geworfen worden und in Kuba untergekommen. Ihre Schwester, Erwins Frau und deren zwei Kinder starben ab 1941 in verschiedenen Vernichtungslagern.

Einige Spieler waren im Krieg gefallen, darunter Jakob Schneider, der Kopf der Gauligamannschaft von 1933/34. Auch der Abwehrspieler und Gelegenheitstorwart Philipp Schildge kamen nicht aus dem Krieg zurück; ob, wann und wo er gefallen ist, konnte nie festgestellt werden. Andere Spieler, darunter der langjährige Linksverteidiger Karl Kast, blieben lange in Gefangenschaft. Clemens Weilbächer, mit 178 Einsätzen einer der wichtigsten Spieler in den Jahren um 1930, wurde bereits Mitte 1946 von den Sowjets freigelassen, starb aber wenige Wochen nach seiner Heimkehr bei einem Unfall. Georg Neise, der junge Torjäger der letzten Saison am Fort Bingen, kehrte erst 1949 aus der Gefangenschaft zurück, schoss sofort wieder Tore, verließ die 05er aber nach einem halben Jahr. Von den elf Spielern der A-Jugendmannschaft von 1939 überlebten nur fünf den Krieg. In der Boppstraße 64 ging das Leben weiter. Als eines von wenigen in der Straße hatte das Haus den Krieg überstanden.

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