Die Bayern hatten für alles eine Lösung

Jörg Schneider/Christian Karn. München.
5-4-1, nach der Halbzeit 5-3-2, am Ende ein klassisches 4-4-2: Der FSV Mainz 05 versuchte es mit drei verschiedenen Grundformationen beim Spiel in München. Alle drei Varianten verhinderten jedoch nicht, dass der extrem starke und spielfreudige FC Bayern in allen Phasen der Partie zu hochkarätigen Torchancen kam und am Ende einen deutlichen 4:0-Erfolg einfuhr. Für das Team von Sandro Schwarz war der Rekordmeister in dieser Form eine Nummer zu groß. „Wenn die Bayern eine solche Lust haben und so gut drauf sind, dann kann es eklig werden“, sagte Sandro Schwarz, der mit seinem Team am Mittwoch zu Hause gegen die TSG Hoffenheim die nächste schwere Aufgabe vor der Brust hat.

Im Hinblick darauf, dass in dieser ersten Englischen Woche der Bundesliga noch zwei weitere Spiele folgen, zwei Heimspiele gegen die TSG Hoffenheim am Mittwochabend und gegen Hertha BSC am Samstag, in denen der FSV Mainz 05 dringend punkten will und muss, wollte Sandro Schwarz in München personell nicht volles Risiko gehen. Der 05-Trainer verzichtete in seiner Aufstellung zunächst auf Yoshinori Muto, der unter der Woche wegen einer Grippe wenig trainiert hatte. Das Argument, der Japaner würde sich vorne gegen die Bayern-Nationalspieler Jerome Boateng und Mats Hummels in der Innenverteidigung zu sehr aufreiben und verausgaben, könnte dann nicht fit genug sein für die Partie gegen die Hoffenheimer, in der Muto stärker benötigt und gefordert sein wird, ist nachvollziehbar. Eigentlich sollte Karim Onisiwo stattdessen als vorderster Stürmer auflaufen, doch der Österreicher zog sich im Abschlusstraining eine Rückenprellung zu und musste passen. Also schickte Schwarz Robin Quaison ins Rennen, der dann auch in der Anfangsphase zwei veritable Torchancen erhielt, die der Schwede allerdings vergab.

Danny Latza, vom Sieg gegen Leverkusen mit einer Wadenverletzung belastet und in der München-Vorbereitung ohne die nötigen Trainingseinheiten, blieb zunächst ebenfalls auf der Bank. Der 05-Trainer setzte erneut auf die veränderte Grundordnung mit drei Innenverteidigern, die in der Allianz Arena jedoch nicht in der Offensiv-Version als Dreierkette  agierte, sondern von Anfang an eine Fünferkette war mit fünf Abwehrspielern auf einer Linie. Die 05er spielten ein 5-4-1 gegen das flexible 4-3-3 der Münchner. Giulio Donati und Daniel Brosinski rückten also tiefer als gegen Leverkusen nach hinten, Levin Öztunali und Pablo De Blasis besetzten das äußere Mittelfeld. Das funktionierte nur in der Anfangsphase ganz gut, als die Mainzer das Bayern-Kombinationsspiel noch eindämmen konnten und einige Balleroberungen hatten. Brosinski profitierte von einem Thiago-Fehlpass und prüfte schon früh Manuel Neuer, Fabian Frei erpresste weit vorne den Ball und ermöglichte die gute Gelegenheit für Quaison. Öztunalis Tiefenpass nach Balleroberung brachte später die zweite gute Chance für den Mittelstürmer. De Blasis hatte noch eine Abschlussmöglichkeit nach einer Brosinski-Verlagerung. Damit waren die Offensiv-Bemühungen der 05er vor der Pause ausgeschöpft.

Danny Latza brachte in der zweiten Hälfte mehr Struktur ins Mainzer Spiel - entscheidend herumreißen konnte der Joker die Partie aber auch nicht. Foto: imagoDie Bayern brauchten einige Minuten bis zur totalen Entfaltung ihrer Dominanz. Dann aber rollte die Ballbesitz-Maschinerie mit Tempo und großer Variabilität, die 05-Profis liefen fast nur noch hinterher. „Wir wollten, sind angelaufen, waren schon aktiv und haben nicht nur hinten drin tief verteidigt“, sagte Schwarz nachher. „Die Abstände waren aber zu groß, so, wie wir angelaufen sind.“ Die Innenverteidiger der Bayern konnten im Spielaufbau meist ungehindert bis in die Mainzer Hälfte vordringen, dort wechselten sich die Außenverteidiger der Münchner ab als Unterstützer der Doppelsechs Thiago und Vidal, dort zog Thomas Müller als Achter zu oft ungestört seine Kreise. Die Mainzer Sechser Frei und Serdar kamen fast gar nicht in die Zweikämpfe. Vor allem Serdar suchte oft vergeblich die Position und den Zweikampf. Die Kombinationen der Münchner waren zu schnell für die 05er. „Wir wollten an die 30 Prozent Ballbesitz kommen, am Ende sind es 25 Prozent geworden. Es war klar, dass wir viel laufen mussten und viel hinterherlaufen“, so der 05-Trainer. Doch sein Team lief dabei zu oft ohne jeglichen  Zugriff hinterher.

Möglicherweise wäre die Variante von Anfang an mit drei Sechsern zu spielen, die Schwarz angedacht, sich aber dagegen entschieden hatte und erst in der zweiten Halbzeit ausprobierte, besser gewesen, um im Zentrum mehr Balleroberungen zu kriegen. „Hinterher kann man darüber diskutieren. Man weiß es nicht. Wir haben uns dafür entschieden, hier im 5-4-1 anzutreten. Ich glaube nicht, dass es nur daran lag. Von der Aufstellung her waren wir schon mutig. Du kannst es so interpretieren, dass wir mit zwei Halbstürmern und einem Stürmer gespielt haben“, erklärte der Coach.

Das größte Problem der Mainzer blieb bis zum Schlusspfiff das Bayern-Spiel über die Flügel. Auf Außen gelang es praktisch nie, Arjen Robben und Kingsley Coman oder später Franck Ribéry entscheidend zu stören. Die Bayern stellten dort durch Joshua Kimmich und Rafinha oder dem rausrückenden Müller immer Überzahlsituationen her, denen die 05er nicht gewachsen waren. Dazu kam die individuelle Klasse der Bayern-Stars im eins gegen eins. So fielen die Tore, so erspielten sich die Münchner ihre Vielzahl an Tormöglichkeiten. Das wurde auch mit der Hereinnahme von Latza als zusätzlichem Sechser nicht besser. „Wir wollten einen Balleroberer mehr im Zentrum und zwei Spitzen, um mehr Druck auf Hummels und Boateng zu bekommen. Das war der Hintergedanke“, erklärte Schwarz diese 5-3-2-Variante, die zumindest drei eigene Torchancen ermöglichte: Die Aktion von Öztunali ans Außennetz, den scharfen Distanzschuss von Frei, den Neuer gerade so parierte und die Muto-Chance am Ende, die knapp am Tor vorbeistrich. Da hatte der 05-Coach schon auf eine Viererkette umgestellt, nachdem Brosinski und Abdou Diallo angeschlagen hatten ausgewechselt werden müssen.

Die Mainzer hätten ein frühes Tor gebraucht, um den Spielverlauf zu verändern. Das gelang nicht. Auch nicht der mögliche Treffer, der das Ergebnis und die Niederlage etwas geschönt hätte. Eine Chance, auch nur an mehr zu schnuppern, war jedoch gegen die Bayern in dieser Form nie da. „Wir haben uns nicht nur verbarrikadiert hinten drin und es über uns entgehen lassen. Das war nicht so“, sagte der Trainer. „Wir dürfen aber nicht vergessen, wo wir gespielt haben. Wenn die Bayern eine solche Lust haben und so gut drauf sind, dann kann es eklig werden.“ Der 38-Jährige wollte hinterher gar nicht groß darüber diskutieren, was die Mannschaft hätte anders und besser machen können.  „Wir hätten ein frühes Tor machen können, klar. Dann läuft es vielleicht etwas anders. So aber war es echt schwierig. Die Bayern hatten für alles immer eine Lösung.“

► Alle Artikel zum Spiel bei Bayern München

► Zur Startseite