Die andere Hälfte des 05-Kalenderblatts

Christian Karn. Mainz.
Am Donnerstag hat die nullfünfMixedZone schon in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Allerdings haben wir erst einmal nur die Hälfte verraten. Heute sei nachgereicht: Das Debüt des Visionärs, das mittlere Drittel des 54-Tore-Sturms, ein Zuschauerrekord und ein unvollendetes Talent.

28. September  

Der zweite von drei gleichwertigen Torjägern in der Saison 1972/73: Herbert Renner, der heute 69 Jahre alt wird.Am 28. September kamen binnen weniger Jahre drei mehr oder weniger bedeutende Mainzer Angreifer der frühen 1970er Geburtstag. Der Prominenteste ist sicherlich der Fürther Herbert Renner, ein Stürmer mit einem letztlich nicht ganz passenden Namen: Herbert Dribbler wäre treffender gewesen. Der flexible Angreifer, der 1968 mit dem FC St. Gallen den Schweizer Pokal gewonnen hatte, kam drei Jahre später vom 1. FC Nürnberg nach Mainz, begann als Mittelstürmer, tauschte aber schon nach zwei Spielen seinen Platz mit einem weiteren Neuzugang, dem bisherigen Linksaußen Gerd Klier. Jener musste noch lange mit dem eher aus der Tiefe kommenden als ganz vorne spielenden Jürgen Richter um den Platz im Sturmzentrum kämpfen, schoss aus unterschiedlichen Positionen bereits seine ersten 21 Tore. Herbert Renner legte ihm einige davon auf und traf selbst zwölf Mal.

1972 kamen zwei weitere Stürmer dazu: Rechtsaußen Jochen Dries, der Renner auf die linke Seite schob, aber nach einem Autounfall monatelang fehlte, und Manfred Kipp, der links stürmte, als Renner wieder nach rechts durfte. Damit war der gefürchtete 54-Tore-Sturm komplett, der die Regionalliga Südwest in Stücke schoss: Links der immer zum Tor ziehende Kipp (17 Treffer), in der Mitte der Strafraumwühler Klier (19 Treffer), der Chancen nutzte, die Geringere nicht mal als solche erkannten, rechts der bewegliche Renner (18 Treffer) - drei Mann, die allerdings auch ständig rochierten, auch im Verbund mit offensiven Mittelfeldspielern und gar Verteidigern (Herbert Scheller, der in die Abwehr versetzte Richter, später Günther Rybarczyk) die gegnerische Abwehr überrannten. Renner war dabei der Solist, ein Stürmer, der nach Pässen aus der Tiefe durchaus mal vor dem Abschluss zwei, drei Verteidiger loswerden konnte. Die 05er wurden so Südwestmeister, verpassten aber den Aufstieg in die Bundesliga.

Bereits 1973/74 fiel der 54-Tore-Sturm auseinander. Manfred Kipp verlor seinen Stammplatz an den neu verpflichteten Österreicher Erwin Hohenwarter, der im Abschluss weniger gefährlich war, aber ein glänzender Techniker und ein erstklassiger Vorbereiter. Klier steigerte sich dadurch auf 28 Saisontore, Renner - wieder auf die linke Seite gewechselt - traf 16 Mal. Die 05er qualifizierten sich so für die 2. Bundesliga, in der auch Renner nicht mehr ganz so regelmäßig eingesetzt wurde, immerhin in 29 Spielen (zwei davon als Libero!) neun Tore schoss. Nach jener Saison wechselte der Fürther zu Bayern Hof. Heute wird der Torjäger 69 Jahre alt.

Ebenfalls ein Geburtstagskind am heutigen Montag: Willi Ritz wird 64 Jahre alt.

Gleichzeitig mit Renner waren zwei weitere Nürnberger Spieler nach Mainz gekommen: Der Lahnsteiner Verteidiger Willi Löhr, der bald 05-Kapitän wurde und heute noch beim Verein ist, und der Mittelfeldmann Dieter Grow, der am heute 64 Jahre alt wird. Dieser setzte sich nicht durch in Mainz, spielte nur sieben Mal in der Regionalliga und verließ die 05er bereits 1972 wieder.

Am gleichen Tag Grow kam Willi Ritz zur Welt, der auch bis 1971 in Nürnberg spielte, allerdings von dort erst zur TuS Neuendorf, später zu Alemannia Aachen und erst im Winter 1974/75 nach Mainz. Ritz war ein wertvoller Ergänzungsspieler, bis auf eine kurze Phase als Linksaußen in der Rückrunde 1975/76 nie fest auf einer Position, sondern in schnellem Wechsel auf sämtlichen Angriffs- und Mittelfeldpositionen regelmäßig im Einsatz. In 39 Zweitligaspielen schoss Ritz zehn Tore. Nach der Lizenzrückgabe verließ der Angreifer die 05er. Bei Waldhof Mannheim setzte er sich nicht durch, auf der anderen Seite bei Südwest Ludwigshafen war er noch jahrelang ein Leistungsträger. Ritz verstarb am 18. Februar dieses Jahres im Alter von 63 Jahren.

Weitere Ereignisse am 28. September:

1930: FSV Mainz 05 - 1. FC Langen 2:2  
1952: FV Engers 07 - FSV Mainz 05 2:5  
1958: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 2:1  
1969: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 0:1  
1980: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 2:2  
1991: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1  
1997: SG Wattenscheid 09 - FSV Mainz 05 1:1  
1998: SSV Ulm 1846 - FSV Mainz 05 4:2  
2008: FC Augsburg - FSV Mainz 05 0:2  
2013: Hertha BSC - FSV Mainz 05 3:1  

29. September  

Drei Leistungsträger und ein unvollendetes Talent: Von links Bernd Münch, Frank Reiss, Michael Schmitt und Patrick Mohr, der am Dienstag 50 Jahre alt wird. Foto: imagoAm morgigen Dienstag hat Patrick Mohr Geburtstag, der ehemalige Mittelfeldspieler wird 50 Jahre alt. Der Rheinhesse aus der Verbandsgemeinde Wörrstadt, Jugendspieler bei der SG Vendersheim/Gau-Weinheim und beim 1. FC Kaiserslautern, kam 1987 mit 21 Jahren und der Erfahrung von sieben Erstligaspielen für den FCK nach Mainz. "Paddy" Mohr war ein guter Techniker mit einem feinen linken Fuß, ein Ballvirtuose, ein großes Talent, machte aber letztlich zu wenig aus seinen großen Möglichkeiten. Auf allen Positionen auf dem linken Flügel, zunächst als Stürmer, dann als klassischer Außenbahnspieler, gelegentlich auch als Verteidiger, bestritt Mohr binnen vier Jahren nur 43 Oberligaspiele (7 Tore) und 30 Zweitligaspiele (3 Tore) für die 05er, bereits ab 1989 wurde er fast nur noch eingewechselt, weil Guido Schäfer und Olaf Kirn ihn überholt hatten. Mohr beendete seine Profikarriere schon mit 25 Jahren, später wurde er Briefträger.

An Mohrs 40. Geburtstag stellte Mainz 05 einen Zuschauerrekord auf. Zum ersten Mal sahen mehr als 24.000 Fußballfreunde ein Heimspiel der 05er; der 40 Jahre alte Rekord aus dem Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg am 27. Februar 1965 war durch die 33.400 Menschen, die das Spiel gegen den FC Sevilla sehen wollten, um fast 40 Prozent überboten. Möglich wurde das freilich nur durch den Umzug in die Frankfurter Arena; in Mainz passten nur 20.300 Zuschauer ins Stadion, durch das Stehplatz-Verbot im UEFA-Pokal sogar noch deutlich weniger. Bereits die Nürnberger Zahl war nur durch eine Zusatztribüne hinter der damals noch nicht überdachten Gegengerade möglich. Mainzer Tore sahen die 33.400 ebensowenig wie die 24.000 - damals endete das Spiel 3:0 für den "Club", diesmal 2:0 für die Andalusier. Der aktuelle Rekord liegt bei 34.000 aus den bislang 28 ausverkauften Bundesligaspielen in der Coface Arena. Es könnte sein, dass die Partie gegen Sevilla bis heute die mit den meisten 05-Fans im Stadion ist. Gegen den VfL Wolfsburg waren im März 32.236 Zuschauer da und die wenigsten drückten den Gästen die Daumen. Auch die Spanier hatten 2005 nicht die größte Entourage, aber die Dunkelziffer der neutralen Besucher lässt sich nicht mal schätzen.

Weitere Ereignisse am 29. September:

1935: FSV Mainz 05 - FVgg Mombach 03 0:0  
1957: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:0  
1968: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 3:2  
1974: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 05 1:2  
1996: FSV Mainz 05 - FSV Zwickau 1:1  
2003: FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 1:1  

30. September  

Der Meister und sein doppelter Musterschüler: Wolfgang Frank, der am Mittwoch vor 20 Jahren erstmals die 05er in einem Ligaspiel betreute, mit Jürgen Klopp.Am Mittwoch vor 20 Jahren begann bei Mainz 05 eine neue Zeitrechnung - nur ahnte das damals noch keiner. Die 05er spielten in Wolfsburg und holten am zehnten Spieltag ihren fünften Punkt jener Zweitligasaison; Abdul Ouakili und Christian Hock trafen bei jenem 2:2 zum Ausgleich und zur Führung der Mainzer. Ein Punkt im Abstiegskampf, dem ein 3:1 gegen Haching, ein 1:6 in Jena, ein 4:2 gegen Chemnitz, ein 0:2 in Bielefeld folgten. 

Erst im Rückblick bekam die Partie in Wolfsburg ihre Bedeutung. Gar nicht mal, weil es das erste Spiel von Lars Schmidt war, der in der 70. Minute eingewechselt wurde und erst im November zum zweiten Mal eingesetzt wurde. Sondern weil es das Debüt von Wolfgang Frank als 05-Trainer war, der erste Einsatz des Visionärs, der es zwar selbst nicht schaffte, die Mainzer in die Bundesliga zu bringen, sie nicht mal dauerhaft aus dem Zweitliga-Abstiegskampf herausholte, der aber die ein paar Jahre später von seinem Musterschüler Jürgen Klopp weitergeführte Entwicklung anstieß, die aus dem genügsamen, selbst innerhalb der Stadt nicht allzu attraktiven Zweitliga-Klub einen ambitionierten, nach Größerem strebenden Verein machte. Nichts von dem, was Mainz 05 heute im Fußball bedeutet, würde es wahrscheinlich heute geben, hätte nicht am Mittwoch vor 20 Jahren erstmals dieser kleine Mann aus Reichenbach die 05er dirigiert.

Genau 17 Jahre später übrigens kamen die 05er wieder mal nach Wolfsburg und gewannen - was dort öfter mal passierte. Andreas Ivanschitz bereitete beim 2:0-Sieg die Tore von Junior Diaz und Adam Szalai vor.

Weitere Ereignisse am 30. September:

1928: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 2:1  
1934: FSV Mainz 05 - Germania Okriftel 3:3  
1951: SV Weisenau - FSV Mainz 05 2:4  
1956: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 4:2  
1973: FC Ensdorf - FSV Mainz 05 0:0  
1989: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken (A) 6:1  
1990: TSV Havelse - FSV Mainz 05 1:2  
1993: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 1:2  
2001: SV Babelsberg 03 - FSV Mainz 05 0:1  
2002: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:0  
2006: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:1  
2007: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 1:0  

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