Der Weg nach Europa

Christian Karn. Mainz.
Nicht nur im Abstiegskampf, auch im Europapokal-Rennen ist drei Spieltage vor dem Ende der Saison 2014/15 noch alles offen. Wie im Abstiegskampf gibt es Spitzenkandidaten und in beiden Tabellenregionen ist im Hintergrund der FSV Mainz 05 noch in Reichweite. Haben die 05er noch realistische Chancen, international zu spielen? Kurze Antwort: Eher nicht, solange keine ungewöhnlichen Dinge passieren. Der ausführlichen Antwort nähern wir uns hier in vier Prognosen mit unterschiedlichen Spielregeln an.

Die Ausgangslage im Europapokal-RennenDie Fakten, soweit bekannt: 

Drei Bundesligisten spielen in der Champions League, ein weiterer vielleicht, und zwar dann, wenn er die Qualifikationsrunde übersteht. Diese vier Bundesligisten heißen Bayern München, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Einzig die Bayern haben die Gruppenphase jetzt schon in der Tasche. Jeder der drei anderen kann noch auf Platz 4 landen. Der Abstand zwischen den Vierten und Fünften ist unüberbrückbar, darum ist die Champions League uns fortan egal.

Drei Bundesligisten spielen in der Europa League beziehungsweise in der Qualifikation dazu, ein weiterer vielleicht, und zwar dann, wenn er die Champions-League-Qualifikationsrunde verliert. Die drei anderen sind der DFB-Pokalsieger und der Bundesliga-Fünfte, die sich direkt für die Gruppenphase qualifizieren, sowie der Sechste, der zwei K.o.-Runden überstehen muss, wenn er in die Gruppenphase will.

Sollte sich eine Mannschaft doppelt für die europäischen Wettbewerbe qualifizieren, rückt der Bundesliga-Siebte nach. Das ist der Fall, wenn der VfL Wolfsburg den DFB-Pokal gewinnt, das ist auch der Fall, wenn Borussia Dortmund den Pokal holt und gleichzeitig in der Bundesliga noch Fünfter oder Sechster wird. In beiden Fällen bekommt auch der zweite nur über die Tabelle qualifizierte Bundesligist den Platz in der Gruppenphase und der Siebtplatzierte muss durch die K.o.-Runden.

Theoretisch gibt es noch acht Mannschaften, die Fünfter werden können, eine weitere, die Platz 6 noch erreichen kann, keine weitere, die auf den siebten Platz kommen kann. Hertha BSC (8 Punkte Rückstand auf Platz 7, 9 auf Platz 6) bräuchte freilich ein Wunder, Köln und Frankfurt (6 bzw. 7 Punkte Rückstand) auch. Europapokalspiele in Mainz (5 Punkte Rückstand auf Platz 7, 6 auf Platz 6) sind ebenfalls nicht mehr überragend wahrscheinlich.

Wie wahrscheinlich?

Wagen wir eine Prognose, legen wir sie konservativ an. Spielregeln: Höher platzierte Mannschaften schlagen niedriger platzierte Mannschaften 1:0 bei mehr als drei Punkten Vorsprung in der Tabelle; bei drei oder weniger Punkten Unterschied enden die Spiele 0:0. In diesem Szenario holte Schalke noch neun Punkte und bliebe Fünfter. Augsburg holte nur noch drei Punkte und verlöre den sechsten Platz an die TSG Hoffenheim (sechs Punkte), die außerdem Werder Bremen (4 Punkte) überholte. Dortmund bliebe mit vier Punkten Neunter, Mainz 05 mit sechs Punkten Zehnter. Eintracht Frankfurt (ein Punkt) und der 1. FC Köln (0 Punkte) würden noch den Platz tauschen, aber das wäre nicht mehr relevant.

Modifizieren wir die Prognose durch den Abstiegskampf-Bonus: Jeder ab Platz 14 gewinnt jedes Heimspiel gegen eine besser platzierte Mannschaft ab Platz 9. Dadurch ändert sich in der Tabelle von Platz 1 bis 10 überraschend: Gar nichts. Schalke und Hoffenheim wären weiterhin Fünfter und Sechster, Augsburg würde weiterhin auf Wolfsburgs Pokalsieg hoffen, Bremen und Dortmund würden im oberen Mittelfeld feststecken - alle wären von der Modifikation überhaupt nicht betroffen. Lediglich die Mainzer würden nicht sechs, sondern nur noch einen Punkt holen, aber trotzdem Zehnter bleiben. Außerdem würden Köln und Frankfurt den Platz nicht tauschen, weil der FC mit einem 0:0 aus Mainz zurückkäme, und ganz unten würde nicht Hannover, sondern Freiburg zusammen mit dem VfB Stuttgart absteigen, Hannover statt Freiburg Relegation spielen.

Modifizieren wir die Prognose aber noch einmal, setzen wir das ungeschriebene Gesetz des letzten Spieltags in Kraft ("Es kommt sowieso anders"), drehen wir alle Ergebnisse des 34. Spieltags einfach mal um. Das wäre schlecht für Hoffenheim, denn jetzt würde Augsburg doch Sechster bleiben, Werder Siebter und Dortmund würde noch an Hoffenheim vorbei kommen. Die Mainzer wären: Immer noch Zehnter. Und der VfB würde sich retten, Freiburg in die Relegation schicken und Paderborn sowie Hannover in die 2. Bundesliga.

Letzte Prognose: Konservative Grundregeln plus Gesetz des letzten Spieltags, aber diesmal ohne Abstiegskampf-Bonus: Hoch gewinnt gegen niedrig, drei Punkte Unterschied ergeben ein Unentschieden, der letzte Spieltag wird umgedreht. Auf diese Weise würde Mainz 05 Siebter werden und Gefahr laufen, Ende Juli unter schwierigen Umständen (Leistungsträger abgegeben, Neuzugänge noch nicht da) eine K.o.-Runde gegen den polnischen Vizemeister spielen zu müssen. Bedingung dafür wäre allerdings der Pokalsieg des VfL Wolfsburg und ein Mainzer Sieg bei den Bayern.

Fazit: Nach 31 Spieltagen spricht nicht viel für eine Europapokal-Teilnahme der 05er. Aber wir werden die Situation in der kommenden Woche nochmal neu bewerten.

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