Der Traum von Solna

Christian Karn. Mainz.
Im vergangenen Herbst qualifizierte sich Julian Baumgartlinger mit der österreichischen Nationalmannschaft in Solna für die Europameisterschaft. Die Chance des Kapitäns, anlässlich des Europa-League-Finales 2017 mit dem FSV Mainz 05 ins schwedische Nationalstadion zurückzukommen, mag immer noch nicht allzu groß sein; durch die Niederlage Werder Bremens im DFB-Pokal ist jedoch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die 05er im Wettbewerb sein werden. Und wer weiß, vielleicht geht's ja in einer frühen Runde gegen AIK Solna...

Bayer Leverkusen ist der große Gewinner des 30. Spieltags. Aber die nächsten drei haben's in sich für den neuen Tabellendritten!Der SV Werder Bremen hat das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München verloren. Das ist eine gute Nachricht für einige ambitionierte Klubs aus der oberen Bundesligahälfte, es bedeutet nämlich, dass sich ein siebter Klub über die Tabelle für Europapokalspiele qualifiziert. Um dabei zu sein, würde es für Mainz 05 also reichen, in den letzten vier Spielen den Vorsprung von aktuell sechs Punkten auf Wolfsburg und Ingolstadt zu verteidigen. Weil aber noch viel mehr möglich ist, als über den siebten Rang in die Qualifikationsrunden zu kommen, wollen wir mal sortieren, welcher Tabellenplatz wohin führen wird:

Erster bis dritter Platz

Die ersten drei Bundesligisten werden ohne weitere Qualifikationsrunden direkt an der Gruppenphase der Champions League teilnehmen. Bayern München und Borussia Dortmund sind bereits sicher qualifiziert, der dritte Platz ist noch frei. Der FSV Mainz 05 zählt noch zu den Kandidaten, allerdings bereits mit erheblichem Rückstand. Sollte Bayern München die diesjährige Champions League gewinnen, demnach als Titelverteidiger und Deutscher Meister oder Vizemeister doppelt qualifiziert sein, würde kein deutscher Klub nachrücken. Statt dessen würde der Europa-League-Sieger aus der Playoff-Runde in die Gruppenphase befördert werden. Im 2016 unwahrscheinlichen Fall, dass dieser dadurch doppelt qualifiziert wäre, würde immer noch gar keiner über irgendeine Tabelle nachrücken, statt dessen würde beginnend von der ersten K.o.-Runde jeweils ein Klub kampflos in die nächsthöhere Runde gehoben.

Vierter Platz

Der Bundesliga-Vierte wird auf jeden Fall in eine Gruppenphase kommen, aber erst im August wissen, ob in der Champions League oder in der Europa League, was sich in einer Playoff-Runde entscheidet. Angesichts der wenig glorreichen jüngeren Europapokal-Vergangenheit würde Mainz 05 nahezu sicher als ungesetzter Klub in die Auslosung gehen, der Gegner wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit der Dritte aus Italien (wahrscheinlich AS Rom) oder Portugal (nahezu sicher FC Porto), der Vierte aus England (aktuell Arsenal, eher Manchester City oder United, vielleicht Liverpool) oder Spanien (höchstwahrscheinlich Villarreal) oder der Europa-League-Sieger; im Wettbewerb sind noch Liverpool, Schachtar Donezk, Villarreal und ein alter Bekannter der 05er, der Sevilla FC. Da die Playoffs in einen Champions-Weg und einen Platzierungsweg aufgeteilt sind, wird der Bundesliga-Vierte keinesfalls gegen den Meister aus irgendeinem Land spielen, nicht mal gegen den aus Gibraltar, sollte der es irgendwie schafften, die drei vorherigen K.o.-Runden zu überstehen.

Der dritte und vierte Platz führen direkt in die Gruppenphase der Europa League. Und früher oder später vielleicht ins Stadion, wo Julian Baumgartlinger im Herbst seinen Nationaltrainer hochleben ließ. Foto: imago

Fünfter und sechster Platz

Als Fünfter oder Sechster - ebenso wie als Vierter im Falle einer Niederlage in den Champions-League-Playoffs - käme Mainz 05 direkt in die Gruppenphase der Europa League. Als einziger von am Ende 48 Teilnehmern steht hierfür bereits der belgische Pokalsieger Standard Lüttich fest, mit dem die Mainzer ja noch eine Rechnung aus der Winterpause offen haben. Weitere Teilnehmer sind beispielsweise der spanische und englische Fünfte, der italienische Vierte und (sofern sie nicht schon in der Champions League spielen) die Pokalsieger aus jenen drei Ländern sowie aus Portugal, Frankreich, Russland, der Ukraine, der Niederlande, der Schweiz und der Türkei. Hätte der SV Werder Bremen den Pokal gewonnen, was ja seit Dienstag ausgeschlossen ist, hätte er einen der beiden Gruppenphasenplätze erhalten und aus der Tabelle wäre nur der Fünfte mitgekommen. Die Pokal-Finalisten Bayern München und Borussia Dortmund sind schon in der Champions League, dadurch rückt ein Bundesligist nach.

Siebter Platz

Der Siebte der Bundesliga hat den längsten Weg in den Europapokal, muss als Einziger durch zwei K.o.-Runden. Schon in der ersten könnte im Extremfall der Sevilla FC der Gegner sein, aber vielleicht auch der weißrussische oder bulgarische Pokalsieger (die beide schon eine Runde früher einsteigen). Für die zweite qualifiziert sich niemand direkt; teilnehmen werden die 29 Sieger der vorherigen Runde sowie die 15 Verlierer der vorletzten K.o.-Runde der Champions-League-Qualifikation, diejenigen also, die es nicht in die Playoffs schaffen, bei denen der Bundesliga-Vierte mitspielt. Für die Verlierer dieser beiden Europa-League-Qualifikationsrunden wird die internationale Saison sofort vorbei sein, nur als zweimaliger Sieger kommt der Bundesliga-Siebte in die Gruppenphase.

Achter Platz und Folgende

Als Bundesliga-Achter könnten sich die 05er in aller Ruhe auf die kommende Saison vorbereiten. Die internationalen Partien, die es vermutlich trotzdem geben würde, wären Testspiele.

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