Der Topf ist offen zum Reinlangen

Jörg Schneider. Mainz.
Sechs Spieltage vor Ultimo ist für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga noch alles drin - von einem Champions-League-Platz bis Rang acht. Mannschaft und Trainer haben sich darauf eingeschworen, nur noch auf Sieg zu spielen und mit dieser frischen Unbekümmertheit wie beim 4:2-Erfolg gegen den FC Augsburg im Endspurt mitzunehmen, was immer auch möglich ist. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Martin Schmidt. „Wir sind da vorne das unbekümmertste Team. Das wollen wir auch bleiben. Ein kleiner Störgeist, der da bei den anderen reinfunkt.“

Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass für den FSV Mainz 05 im Endspurt der Bundesliga unbelastet von Abstiegssorgen absolut alles möglich ist. Das Team von Martin Schmidt steht mit 44 Punkten auf Platz sechs, punktgleich mit dem FC Schalke 04, einen Zähler hinter Bayer Leverkusen, zwei hinter den Gladbachern und vier hinter dem Tabellendritten Hertha BSC Berlin. Das internationale Geschäft ist greifbar, sogar die Champions League. Doch auch ein Abrutschen auf Platz acht ist möglich. Das verspricht viel Spannung in den verbleibenden sechs Begegnungen.

Ein Muster-Beispiel für ein unbekümmertes Auftreten im Heimspiel war der zweifache Torschütze Pablo De Blasis (hier gegen den EX-05er Markus Feulner).Der furiose 4:2-Erfolg zuletzt gegen den FC Augsburg in der Coface Arena hat eine neue Aufbruch-Stimmung bewirkt. Der Trainer und sein Team haben sich eingeschworen auf die Attacke und sich vorgenommen nur noch auf Sieg zu spielen. Das funktionierte gegen die abstiegsbedrohten Augsburger perfekt. Mit großem Siegeswillen, stabiler Mentalität und viel Überschwang  steckten die 05er den 0:1-Rückstand, später den Ausgleich durch den Ex-Kollegen Ja-Cheol Koo weg und stürmten mit einer Unbekümmertheit, geistiger wie körperlicher Frische zu einem begeisternden Erfolg, der die Mainzer aktuell zu einem der Top-Teams der Liga macht. „Die Einstellung liegt daran, dass wir aufgrund der Tabellensituation eine große Unbekümmertheit an den Tag legen“, sagt der 05-Trainer. „Vor einem Jahr waren wir so in der Geschichte drin, wie Augsburg jetzt. Da standen die da vorne. Unsere Leichtigkeit kommt sicher daher. Wir haben sehr mutig nach vorne gespielt. So, wie wir es auch trainiert haben, mit geradlinigem Umschalt-Konterfußball. In der Teambesprechung vorher haben wir gesagt, wir haben in der Woche so viel Spaß am Fußball gehabt, das zeigen wir auf dem Platz“, berichtet. Das sei ab und an zum Nachteil der Defensive geraten, da sei die Mannschaft vielleicht etwas zu unbekümmert gewesen. „Aber wir können doch auf Sieg spielen in unserer Situation. Ob wir drei Unentschieden holen oder eins gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren, wir spielen auf Sieg. Wenn’s in die Hose geht, versuchen wir es beim nächsten Mal wieder. Unser Ziel sind zunächst die 48 Punkte, dann werden wir sehen, was wir daraus am Schluss kriegen.“ Das könnte einiges sein, vor allem dann, wenn es den 05ern gelingen sollte, den VfL Wolfsburg am Samstag in dessen Stadion auf Distanz zu halten. Sechs Punkte Vorsprung haben die Mainzer vor dem Tabellenachten, der am Mittwochabend noch zuerst sein Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Real Madrid bestreiten muss.

„Man ist kein Spitzenteam, wenn man mal auf Platz fünf oder sechs steht“, erklärt der 48-Jährige. „Wir sind aber auf Augenhöhe mit Klubs, die eigentlich von allem her über uns stehen. Das ist sehr spannend.“ Das liege unter anderem auch daran, dass der 05-Kader in der Breite so gut besetzt sei wie seit Jahren nicht. „Das hilft uns ganz sicher, uns da vorne festzukrallen. Wir sind fast überall gleichwertig aufgestellt, deshalb können wir uns im Moment zu den Spitzenklubs dazu gesellen.“ Doch Mainz bleibe Mainz, sagt Schmidt. „Auch ein achter Platz am Ende wäre immer noch eine Leistung.“

Der Plan lautet allerdings so viel rauszuholen wie irgend möglich. „Ich habe der Mannschaft gesagt: hört nie auf zu träumen. Setzt euch Ziele, die man erreichen kann und an die man glauben kann. Da ist das Team mitten drin“, betont der Schweizer. Seine Profis kriegten es aktuell hin, am Limit zu spielen. Dazu gebe es den einen oder anderen Spieler, der sogar noch drüber gehe. Schmidt spricht von einer Befreitheit im Geiste, von einer Unbekümmertheit ohne Ende. „Wir sind da vorne das unbekümmertste Team. Das wollen wir auch bleiben. Ein kleiner Störgeist, der da bei den anderen reinfunkt.“

Diese Situation schlage sich im täglichen Training nieder. „Nichts zu verlieren haben, viel gewinnen und an den Träumen arbeiten können. Das macht uns aus. Das steckt in allen Spielern im Moment drin. Und das merkt man in der täglichen Arbeit.“ Deshalb müsse am Bruchweg niemand explizit von Europapokal reden. Es gehe darum, Spiel für Spiel seine Arbeit zu machen, weiterhin mit dieser frischen Unbekümmertheit aufzutreten und mitnehmen, was geht. „Die Jungs sollen schon daran denken, was da noch drin liegt. Alles ist offen. Der Topf ist offen. Jetzt kann man da reinlangen“, sagt Schmidt begeistert. „Sechs Spiele vor Schluss ist noch alles möglich. Ich denke, da haben wir sehr viel richtig gemacht.“

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