Der Natische Knoten

Christian Karn. Mainz.
Die Gelehrten streiten: Was ist Erfolg? Mainz 05 ist einerseits aus zwei von drei Wettbewerben ausgeschieden, spielt andererseits im dritten mit Platz 10 keine Haupt-, aber eine stabile Rolle. Die 05er haben auswärts wenig erreicht, daheim einiges gewonnen. Obwohl ständig bis zu neun Profis fehlten, waren (bis zum jeweiligen Platzverweis) immer elf Spieler mit Bundesliganiveau auf dem Platz, die jedoch nicht immer als Mannschaft Bundesliganiveau erreichten. Der neue Linienplan, in dem wir in Kooperation mit www.fsv05.de die verschiedenen Aufstellungen der vergangenen 24 Spiele zeigen, ist ein großer Knoten, den Martin Schmidt ohnehin im neuen Jahr nicht mehr sehen will. Ob er ihn entwirrt oder einfach durchhaut - wir müssen es abwarten.

Er ist bereits zur Tradition geworden, unser Fahrplan der 05-Profis durch das Halbjahr. So kompliziert, so unübersichtlich wie in der Hinrunde der Saison 2016/17 war er noch nie. Anstelle der üblichen 18 bis allerhöchstens 21 Partien hatten die 05er in nur 121 Tagen 24 Pflichtspiele zu bestreiten - 16 in der Bundesliga, sechs in der Europa League, zwei im DFB-Pokal. Fast exakt alle fünf Tage ein Spiel, das klingt noch nicht so schlimm, aber abzüglich der drei Länderspielwochen ergab es einen engen Zeitplan.

Dementsprechend unübersichtlich wurden die Aufstellungen der 05er. Die Belastungssteuerung erforderte immer wieder eine Pause für die einzelnen Spieler - aber sie war noch lange nicht der einzige Faktor. Dazu kamen Sperren - teils mehr, teils weniger berechtigt, teils begründet durch (tatsächliches oder nur vermeintliches) Fehlverhalten auf dem Platz, teils, weil nicht alle Spieler für den internationalen Wettbewerb gemeldet werden konnten. Dazu kamen Verletzungen. Am Anfang und Ende der Hinrunde fehlten nur vier bzw. fünf Mann, dazwischen in der Regel sieben bis neun - gegen Bremen mussten die 05er auf Gianluca Curci, André Ramalho, Jean-Philippe Gbamin, Suat Serdar, Danny Latza, José Rodríguez, Jairo Samperio und Emil Berggreen verzichten, also unter anderem auf alle Sechser bis auf Fabian Frei. Dementsprechend kompliziert war die Partie, dementsprechend umjubelt der späte Siegtreffer. Auf Schalke waren Gbamin, Serdar und Jairo wieder dabei, dafür fehlten zusätzlich Christian Clemens, Besar Halimi, Gerrit Holtmann und Yoshinori Muto - die Abwehr war komplett, aber im Mittelfeld und Angriff hätte man aus den Verletzten und Gesperrten eine veritable Bundesligamannschaft mit ein paar Ersatzspielern aufstellen können.

Immer anwesend, gesund und spielberechtigt (wenn auch dennoch nicht immer im Kader) waren letztlich nur vier Spieler: Jonas Lössl, Alex Hack, Pablo de Blasis, Yunus Malli, im Grunde auch Karim Onisiwo, der gegen Ingolstadt jedoch nur auf dem Papier im Kader war, tatsächlich längst im Krankenhaus bei der Geburt seines Sohns, im Grunde auch Levin Öztunali, der erst nach dem Pokalspiel in Ingolstadt verpflichtet wurde. Alle anderen Spieler verpassten im Schnitt (!) sieben Spiele - die Langzeitverletzten Berggreen (24), Latza (19), Muto (17), Curci (16) und Clemens (15) reißen den Schnitt natürlich nach oben. Es wird im neuen Jahr auch gerade so weitergehen - Jhon Córdoba, der bereits gelbgesperrt war, muss nun eine Rotsperre absitzen.

Unterm Strich musste Martin Schmidt ihn im Grunde binden, den Natischen Knoten. Es gab kein Spiel, vor dem sich die 05-Aufstellung nicht veränderte, und wenige, bei denen kaum rotiert wurde. Selbst die Abwehr blieb nur zweimal in der gleichen Besetzung - einmal über eine Länderspielpause hinüber mit Jonas Lössl, Giulio Donati, Stefan Bell, Alex Hack und Gaetan Bussmann, die alle international nicht im Einsatz waren, einmal direkt vor der Winterpause mit Lössl, Donati, Bell, Hack und Daniel Brosinski. Das war die Woche, in der Schmidt auch in der übrigen Aufstellung nur eine Position neu besetzte; für André Ramalho kam der zuvor gesperrte Gbamin wieder ins Team.

Der Franzose ist einer der Spieler, die sich ohne Einschränkungen als Stammspieler bezeichnen dürfen. Nur im Pokalspiel in Haching saß Gbamin auf der Bank, ansonsten war er - wenn er nicht gerade verletzt oder gesperrt war - immer in der Startelf. Zumindest nah dran an Gbamins Status waren sonst nur Lössl (1x auf der Bank, im tabellarisch bedeutungslosen letzten Europapokalspiel), Donati (1x gesperrt, 2x auf der Bank), Bell (1x gesperrt, 1x eingewechselt, 2x auf der Bank), Malli (3x eingewechselt, nie gefehlt) und Jhon Córdoba (1x gesperrt, 1x verletzt, 4x eingewechselt). Alles andere änderte sich ständig. Dementsprechend unübersichtlich wurde unser Linienplan. Aber Schmidt will ihn abschaffen, hat längst angekündigt, künftig im einzig verbliebenen Wettbewerb weniger rotieren zu wollen. Mal sehen, wie weit weitere Sperren und Verletzungen dem Trainer die Chance dazu geben.

In diesem sehen Sie wie gehabt alle 05-Profis in fünf Gruppen aufgeteilt: Torhüter, Verteidiger, Stürmer - und zwei Mittelfeldgruppen, nämlich Aufbauspieler wie Gbamin oder Latza sowie Offensivspieler wie Malli, aber auch die Außenstürmer Jairo und de Blasis. Wir haben zusammengestellt, wer an welchem Spieltag von Anfang an spielte, eingewechselt wurde, Ersatzspieler oder verletzt war - wer ausgewechselt wurde, spielte für uns dabei keine Rolle.

In den Spalten sehen Sie die 24 Spiele. Zeilenweise haben wir die Positionen aufgeführt, wobei jede Linie - durchgezogen, geteilt oder gepunktet - einem Spieler entspricht. So können Sie den Weg aller 05-Profis, durch die Hinrunde und mitunter von Position zu Position genau verfolgen.

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