Der Chef ist wieder da

Christian Karn. Mainz.
Mit fünf Punkten aus drei Spielen ist der SV Darmstadt 98 zuhause gut in seine insgesamt vierte Bundesligasaison gekommen. Auswärts dagegen gelang den heutigen Gästen des FSV Mainz 05 noch gar nichts: drei Niederlagen, 0:9 Tore, Tabellenletzter. Im vierten Versuch ist immerhin der Kapitän und Abwehrchef wieder dabei, Aytac Sulu, der wegen einer Wadenverletzung lange gefehlt hatte. Auch der Stammtorwart Michael Esser ist offenbar wieder fit und sollte spielen können.

Es ist ein sehr altes Derby, das Spiel zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SV Darmstadt 98, der alten hessisch-großherzoglichen Residenzstädte, aber eins, das nie eine richtige Tradition entwickelte. Gelegentliche Häufungen des Duells, nämlich acht Spiele (darunter vier Mainzer Heimsiege) von 1927 bis 1932, zwei gemeinsame Saisons in den 1970ern, vier um 1990 und die bisher zwei, ab heute nachmittag drei Partien nach dem Darmstädter Comeback vor gut einem Jahr, ließen nie eine Gewöhnung zu. Die Bilanz mit 14 05-Erfolgen gegenüber sechs Siegen der "Lilien" ist deutlich, zu sagen hat sie nichts.

Nun, im 25. Pflichtspiel, werden die Darmstädter versuchen, in der Tabelle zu den 05ern aufzuschließen. Diese könnten sich schon mit einem 1:0 die Eintracht und den siebten Platz schnappen. Ein Erfolg wäre der erste Mainzer Saisonsieg in der Opel Arena seit dem Testspiel gegen Liverpool - seitdem gab es zwei Unentschieden und die Niederlage gegen Leverkusen, jedes Mal nach teils deutlicher 05-Führung. Die Darmstädter warten noch aufs erste Auswärtstor und den ersten Auswärtspunkt.

Alles spricht dafür, dass die "Lilien" die Mission wieder mit ihrem neuen Stammtorwart angehen werden. Für Michael Esser, der zuletzt wegen einer Schulterprellung hatte ausgewechselt werden müssen, kam die Länderspielpause zur rechten Zeit. Der 28-jährige, fast zwei Meter große Ex-Bochumer, der zuletzt in der österreichischen Bundesliga für Sturm Graz spielte, trainiert seit Mittwoch wieder mit der Mannschaft. Sein 23-jähriger Vertreter Daniel Heuer Fernandes wird daher wohl wieder auf der Bank sitzen.

Beim Saisondebüt gleich wieder im Mittelpunkt: Aytac Sulu soll auch heute in Mainz seine Mannschaft zusammenhalten. Foto: imagoIn der Abwehr sind die Darmstädter heilfroh über die Rückkehr von Aytac Sulu. Der Kapitän hatte die erste Saisonphase wegen einer Wadenverletzung verpasst. Sulus Comeback gegen Werder Bremen hat zwar an der Quote von exakt zwei Gegentoren pro Spiel nichts geändert, kurz vor Schluss musste sich Heuer Fernandes gar sehr strecken, um ein Eigentor des Innenverteidigers zu verhindern, aber als Kommandant, als Sortierer, als Abwehrchef brachte der 30-Jährige wieder etwas mehr Ordnung in die Darmstädter Defensive. Immanuel Höhn, der gebürtige Mainzer, hat durch Sulus Rückkehr seinen Stammplatz vorerst verloren; zweiter Innenverteidiger dürfte weiterhin der serbische Schwede Alexander Milosevic sein, der Neuzugang von Besiktas, der zuletzt an Hannover 96 ausgeliehen war. An den Seiten werden Florian Jungwirth und Fabian Holland verteidigen. Ersterer war in der vergangenen Hinrunde Stammspieler auf der Ersatzbank, in der Rückrunde regelmäßiger Rechtsverteidiger der Darmstädter, Holland spielte links, wenn der nach Bremen zurückgekehrte Luca Caldirola in der Innenverteidigung gebraucht wurde.

Im defensiven Mittelfeld gibt es für die 05er nichts Neues. Peter Niemeyer und Jerome Gondorf werden wohl spielen, das war auch in der vergangenen Saison zweimal der Fall. Auch den Rechtsaußen Marcel Heller, Torschütze bei der 2:3-Niederlage der Darmstädter gegen die 05er vor einem Jahr, kennt man in Mainz schon lange. Die restliche Offensive ist neu. Der ungarische Zehner Laszlo Kleinheisler wurde bei Werder Bremen hoch gelobt bei seinem Debüt im Januar, aber danach kam nicht mehr viel. Sein einziger Startelf-Einsatz für Werder endete mit einem 1:5 in Gladbach, im Abstiegskampf spielte Kleinheisler keine Rolle mehr. In Darmstadt hat sich der Leihspieler schon fest etabliert. Vor ihm ist mit Antonio Colak zu rechnen, der im vergangenen Jahr beim 1. FC Kaiserslautern kein Stammspieler war, der in Bremen vor der Länderspielpause das dritte und vierte Saisontor der Darmstädter geschossen hat. Weil der linke Flügel seit einigen Wochen dem Slowenen Roman Bezjak gehört, dürfte Colak der einzige Darmstädter Torschütze in der Startelf sein; Sandro Sirigu, der das 1:0 gegen die Eintracht geflankt hat, ist immerhin regelmäßig im Kader, Denys Oliynyk dagegen, der ukrainische Torschütze aus dem Spiel gegen Hoffenheim, hat es erst zweimal auf die Bank geschafft. Dort sitzt auch seit dem vierten Spieltag Sven Schipplock herum, der Neuzugang aus Hamburg, der bis dahin in 249 Spielminuten keinen einzigen Torschuss abgegeben hatte, in der Länderspielpause beim 7:0 gegen Viktoria Aschaffenburg viermal traf.

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