De Blasis und Zimling überzeugen im Test

Jörg Schneider. Mainz.
Wettkampf statt Training: Der FSV Mainz 05 hat sich einen Tag nach dem misslungenen Saisonstart mit der 0:1-Niederlage in der Coface Arena gegen den FC Ingolstadt wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis an diesem Wochenende gesichert. In einem kurzfristig vereinbarten Testspiel gegen Rot-Weiß Hadamar besiegte eine aus Reservespielern bestehende 05-Elf im Bruchwegstadion den hessischen Oberligisten mit 3:1 (1:0).

Gut im Zweikampf und mit etlichen gelungenen Ansätzen, doch Yoshinori Muto wirkt angesichts des Drucks, der in Japan auf ihm lastet, etwas übermotiviert und torfixiert. Daneben Danny Latza. Foto: Jörg SchneiderDie Spieler der Startelf absolvierten am Sonntagmorgen ihr Auslaufprogramm in der Halle. Diejenigen, die beim bitteren 0:1-Heimauftakt gegen den FC Ingolstadt nur einen Kurzeinsatz hatten, sowie alle übrigen Profis des FSV Mainz 05 hatten parallel dazu in einem kurzfristig angesetzten Testspiel im Bruchwegstadion die Gelegenheit, sich zu empfehlen. Doch die Gesamt-Leistung des 05-Teams beim 3:1-Sieg gegen den hessischen Oberligisten Rot-Weiß Hadamar war auch nicht gerade eine Offenbarung.

Als „Spiel-Ersatz-Training“ bezeichnete Martin Schmidt die Veranstaltung, die im Vorfeld nicht groß angekündigt worden war. Der 05-Trainer wollte seine Reservisten im Wettkampf sehen und allen über einen längeren Zeitraum Spielpraxis verschaffen ohne groß Aufhebens davon zu machen. „Eine Einheit, ein Spiel, in dem man sich zeigen kann und sehen kann, wo man steht“, sagt Schmidt. Doch solche Test-Begegnungen sind erfahrungsgemäß selten Spiele, in denen sich Spieler unbedingt aufdrängen. Denn die Formation muss oft durchgewürfelt werden. Und nicht jeder spielt auf seiner angestammten Position.

Pablo De Blasis brachte die Mainzer bereits nach drei Minuten mit einem direkt verwandelten Freistoß von der Strafraumgrenze aus flach ins rechte Eck (nach Foul an Yoshinori Muto) in Führung. Todor Nedelew machte es nach 54 Minuten genauso und versenkte ebenfalls einen Freistoß direkt. Der Oberligist verkürzte in der 61. Minute. Ahmet Marankoz nutzte gravierende Abstimmungsfehler in der 05-Abwehr zum 1:2. Nedelew, nach Zuspiel von Ja-Cheol Koo, besorgte mit seinem zweiten Treffer den Endstand in der 70. Minute.

Weitere Mainzer Großchancen vergaben Muto (dreimal) und Niki Zimling. Robin Zentner im 05-Gehäuse verhinderte Schlimmeres, parierte nach der Pause zweimal in höchster Not hinter einer 05-Abwehr, die in der zweiten Hälfte offen wie ein Scheunentor war. Bei einer weiteren Hadamarer Riesenchance waren sowohl Verteidigung als auch Torhüter ausgespielt, doch der Pfosten rettete den Vorsprung.

Leon Balogun musste kurz nach der Pause wegen Rückenbeschwerden aufgeben. Innenverteidiger Henrique Sereno fehlte verletzt. Der Portugiese muss sieben Tage lang wegen einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel pausieren. Und Maximilian Beister fehlte auch im Spiel der Reservisten. Der Stürmer absolvierte nur ein Spezialtraining.

Bemüht, aber überschaubar

Er habe insgesamt eine bemühte, ganz gute Leistung gesehen über längere Zeit, betonte der 05-Trainer. Allerdings habe sein Team zu viele große Chancen zugelassen. In der Phase, als der Gegner zu seinen Gelegenheiten kam, spielten hinten Marcel Costly aus der U23, Gonzalo Jara und Christoph Moritz als Innenverteidiger sowie Joo-Ho Park in der Viererkette. Stark zusammengewürfelt also, dennoch etwas zu offen und unorganisiert. Ein Oberliga-Angriff sollte den Profis nicht solche Probleme bereiten.

Ansonsten zeigte Pablo De Blasis eine sehr ansprechende erste Halbzeit in seinem ersten Wettkampf-Einsatz nach der Verletzung. Das war gut. Ebenso die Vorstellung von Niki Zimling, der in der zweiten Hälfte zusammen mit Danny Latza auf der Doppelsechs spielte und den besten Eindruck in dieser Mannschaft hinterließ. Das war eine konzentrierte Leistung des Dänen mit viel Übersicht und Präsenz im Mittelfeld, energischem Zweikampfverhalten. Angesichts der großen Probleme, die das 05-Team beim misslungenen Saisonstart gegen die Ingolstädter gerade in diesem Bereich offenbarte, war dies sicherlich eine gute Bewerbung von Zimling.

Ansätze kamen von Muto. Der Japaner überzeugte in einigen Eins-gegen-eins-Situationen, vergab aber zu viele Chancen und verzettelte sich hin und wieder. Der Neuzugang scheint sich zu sehr unter Druck, vor allem unter Torerfolgsdruck zu setzen. Auch bei diesem Testspiel waren wieder etliche japanische Kamerateams und Journalisten vor Ort, die wie seit Wochen schon jede Aktion des Stürmers beleuchteten und in die Heimat funkten. Mutos Spiel scheint in dieser Phase unter den enormen Erwartungen, die in Japan auf dem 23-Jährigen lasten, zu leiden. Seine Aktionen wirkten oft etwas egozentrisch. So, als könne ihm nur ein eigener Torerfolg etwas von diesem Druck nehmen.

Mainz 05: Zentner – Jara, Balogun (50. Costly), Zimling, Park – Moritz, Latza – Muto, Nedelew, Koo (70. Klement) – De Blasis (46. Parker).

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