Das Problem mit der Ketchup-Flasche

Jörg Schneider. Mainz.
Die Zuschauer, die am Dienstagmorgen zum Wochen-Trainingsauftakt des FSV Mainz 05 an den Bruchweg gekommen waren, suchten vergebens nach einem neuen Gesicht im Kader des Bundesligisten. Nicolás Castillo, dessen Verein FC Brügge inzwischen gemeldet hat, dass der chilenische Stürmer heute seinen Medizincheck in Mainz absolvieren werde, war jedoch nirgends zu sehen. Und die 05er selbst lassen nach wie vor kein Sterbenswörtchen über einen möglichen Ausleihtransfer des 21-Jährigen verlauten.

Spezialeinheit mit zwei Stürmern: Kasper Hjulmand übte mit Pablo De Blasis (Mitte) und Sami Allagui den Abschluss aus kurzer Distanz. Foto: Jörg Schneider Dass der FSV Mainz 05 die Verpflichtung von Nicolás Castillo offiziell bestätigt, kann nur noch eine Frage von Stunden oder einem Tag sein. Warum sonst sollte der FC Brügge auf seiner Vereins-Homepage melden, dass der 21-jährige chilenische Stürmer des belgischen Erstligisten nach Mainz abgereist sei, um dort seine medizinische Eingangsuntersuchung abzuwickeln? Offiziell tun die Verantwortlichen am Bruchweg jedoch so, als sei ihnen diese Geschichte völlig unbekannt. „Das weiß ich nicht“, sagte Kasper Hjulmand nach dem Vormittagstraining am Dienstag mit einem Anflug von Grinsen im Gesicht. „Dazu kann ich nichts sagen.“ Getreu dem Motto, nichts zu sagen, bis alles vertraglich unter Dach und Fach ist, schweigen sich die 05er bezüglich des wahrscheinlichen dritten Neuzugangs dieser Winterperiode noch beharrlich aus.

Shinji Okazaki wird derzeit inteisv am lädierten Oberschenkel behandelt. Noch gibt es Hoffnung, dass der Torjäger gegen den SC Paderborn spielen kann. Foto: Jörg SchneiderWäre Castillo auf dem Trainingsrasen gewesen, hätte der junge Chilene gleich mitmachen können beim Spezialtraining der 05-Stürmer. Sami Allagui und Pablo de Blasis übten mit Kasper Hjulmand intensiv den Abschluss aus kurzer Distanz im Strafraum. Eine Maßnahme, die sinnvoll erscheint, denn einer der beiden Angreifer könnte beim Rückrundenauftakt am Samstag gegen den SC Paderborn durchaus als Mittelstürmer für die Startelf in Frage kommen. Noch immer ist nämlich nicht klar, ob Shinji Okazaki zum Start einsatzfähig ist. Der japanische Torjäger war bekanntlich am Sonntag mit einer Oberschenkelverletzung vom Asia-Cup zurückgekehrt und wird derzeit intensiv behandelt.

„Es sieht nicht so schlecht aus bei ihm“, sagte der 05-Trainer am Dienstag. „Wir werden in den nächsten Tagen mehr wissen. Aber ob Shinji im ersten, zweiten oder dritten Bundesligaspiel auflaufen kann, wissen wir noch nicht. Wir haben aber die Hoffnung, dass er am Samstag spielt.“ Ja-Cheol Koo ist zum Trainingsauftakt etwas gejoggt. „Wir prüfen bei ihm, was realistisch ist. Vielleicht kann er mit einer Manschette spielen“, sagte Hjulmand. „Wir versuchen alles, dass Ja-Cheol trainieren und spielen kann.“ Der Südkoreaner hat sich ebenfalls bei den Asien-Meisterschaften verletzt und sich einen Bänderriss im Ellenbogen zugezogen.

Der Däne beschäftigte sich eingehend mit den Stürmern im Training, nahm sich Allagui und De Blasis zur Seite, warf den Angreifern Bälle in jeder Höhe zu, die sie aus kurzer Distanz vollstrecken mussten. „Manchmal ist nur ein Gefühl mit dem Ball, nur etwas fehlende Freiheit im Kopf“, sagte der 42-Jährige nachher, was die Stürmer beim Abschluss blockiere. Schon im Test gegen Bayer Leverkusen habe er aber gesehen, dass seine Stürmer jetzt richtig da seien im Strafraum, die richtigen Laufwege anboten. Es gehe nur noch um den letzten Abschluss.

„Das ist wie mit einer Flasche Ketchup“, sagte Hjulmand. „Am Anfang ist es schwierig, wenn’s aber kommt, dann kommt es. So ist es auch bei unseren Stürmern. Ich habe das Gefühl, jetzt kommt es.“

Das Trainingsturnier, das die 05-Profis mit drei Mannschaften auf dem Kleinfeld bestritten, gibt Anlass zur Hoffnung, dass Hjulmands Gefühl richtig ist. Die Abschlussquote, besonders bei Allagui und de Blasis, aber auch bei Jonas Hofmann oder Christian Clemens war zufriedenstellend hoch. Wie überhaupt der Kader einen sehr wachen, konzentrierten und ehrgeizigen Eindruck machte bei dieser Übungsform. Die 05-Profis scheinen heiß auf den Rückrundenauftakt zu sein. So intensiv, mit krachenden Zweikämpfen und hartem, schonungslosen Fight hat die Mannschaft sich im Training nicht immer präsentiert.

„Die Grundspannung in der Mannschaft ist groß“, so der 05-Trainer zufrieden. „Wir wollen loslegen und wünschen uns den Samstag herbei.“

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