Das merkwürdige Verhalten unterklassiger Torhüter

Christian Karn. Mainz.
Zwei Aufbauspieler des FSV Mainz 05 haben einen weiteren Schritt in Richtung Europameisterschaft gemacht. Julian Baumgartlinger und die österreichische Nationalmannschaft entschieden das 5:0 in Liechtenstein früh, während die Schweden beim 2:0-Pflichtsieg in Moldawien nur in der ersten Hälfte große Mühe hatten. Ein kurioser Torwartfehler begünstigte die Skandinavier, während die beiden Patzer des Liechtensteiner Keepers keine Auswirkungen aufs Resultat hatten.

Die österreichische Nationalmannschaft mit Julian Baumgartlinger vom FSV Mainz 05 im zentralen Mittelfeld ist zur Halbzeit der Qualifikationsgruppe G der Europameisterschaft in Frankreich wieder einen großen Schritt nähergekommen. Durch das 5:0 in Vaduz gegen Liechtenstein haben die Österreicher inzwischen 13 von möglichen 15 Punkten gesammelt. Zweiter, ebenfalls ungeschlagen, aber mit vier Punkten weniger, sind die Schweden mit dem 05-Linksverteidiger Pierre Bengtsson, der beim mühevollen Pflichtsieg in Moldawien auf der rechten Seite verteidigte, auch dort seine Vorstöße hatte.

Der Mainzer Außenverteidiger Pierre Bengtsson (links, hier gegen André Schürrle im Spiel gegen Deutschland) bereitete beim 2:0 gegen Moldawien die erste große Chance der Schweden vor. Foto: imago

In einem Spiel, das nach einem kurzen frühen Schreckmoment, einer guten Torchance für Moldawien, fast nur noch in der schwedischen Offensive stattfand, war der 05-Profi an der ersten Torchance beteiligt. Jedoch köpfte der junge Stürmer Isaac Kiese Thelin die Flanke von Bengtssons am langen Pfosten etwas zu sehr gegen die Laufrichtung des Torwarts. Es wäre eine wunderbare Vorlage für einen mitgelaufenen Kollegen am anderen Pfosten gewesen, aber den gab es nicht, so dass sich im Rücken des Angreifer von Girondins Bordeaux Zlatan Ibrahimovic fürchterlich aufregte (23.).

Kiese Thelin vergab nach einem Querpass des schwedischen Topstars auch die zweite Torchance in der 35. Minute - die langen Intervalle zwischen den Möglichkeiten zeigen, wie sehr sich die Schweden gegen dieses 0:0 mühen mussten. Die letzte Durchschlagskraft war einfach nicht da.

Bis Sekunden nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte Ibrahimovic seine Sammlung kurioser Treffer erweiterte, um das passive Kopfballtor aus 23 Metern: Der Torjäger von Paris Saint-Germain stand eigentlich nur am Strafraumeck herum, bekam aber einen harten Schuss des moldawischen Torwarts, der eigentlich als Flugball in den Angriff gedacht war, an den Schädel. Der Abpraller passte exakt ins kurze Eck.

Es war die einzige Schwäche, die der Keeper zeigte. Ihm war es zu verdanken, dass in der restlichen Spielzeit nur ein weiterer Treffer fiel, wieder durch Ibrahimovic, der in der 84. Minute einen umstrittenen Foulelfmeter verwandelte. Der schwedische Innenverteidiger Andreas Granqvist sah in der Nachspielzeit Gelb-Rot.

Am Dienstagabend, 19.30 Uhr, treffen die Schweden in einem Freundschaftsspiel auf Iran.

Absicherung beim Pflichtsieg

Julian Baumgartlinger durfte sich währenddessen im ausverkauften Rheinpark von Vaduz über fünf Tore freuen; beteiligt war der 05-Profi an keinem davon. Auch in diesem Spiel hatte der Außenseiter die erste Chance, aber Österreich erledigte die Pflichtaufgabe zügig. Der Doppelschlag des Stuttgarters Martin Harnik (nach feinem Doppelpass mit der Hacke des Bremers Zlatko Junuzovic, 14.) und des Australien-Profis Marc Janko (nach einem Angriff über den Münchner David Alaba und den ehemaligen Bremer Marko Arnautovic, der inzwischen für Stoke City spielt, 16.) stellte frühzeitig klar, wer die Punkte bekam. Zweimal hatten die Österreicher den Gastgeber einfach überrumpelt; wenn die Angreifer das Tempo anzogen, konnte die Abwehr Liechtensteins nicht mithalten.

Ein Distanzschuss von Alaba (59.), ein Zusammenspiel von Vorbereiter Janko und Torschütze Junuzovic (74.) und eine Wühlerei durch den Strafraum mit Abschluss von Arnautovic in der Nachspielzeit erhöhten auf 5:0.

Peter Jehle kann man für die Tore keinen großen Vorwurf machen. In zwei weiteren Szenen hatte der Torwart Liechtensteins allerdings großes Glück. In der 33. Minute verlor Jehle die Kontrolle über einen einfachen Ball, eilte hinterher, griff an der Kugel vorbei und brachte statt dessen Junuzovic zu Fall. Und fast sah es nach Mitleid aus, als Alaba den folgenden Elfmeter deutlich neben das Tor schob. Kurz vor Schluss dotzte ein Schuss des Debütanten Marco Djuricin vom Torwart gegen den Pfosten, zurück zum Torwart und schließlich ins Tor, aber: Abseits.

Baumgartlinger hielt derweil routiniert als defensiver Sechser hinten den Verbund zusammen, ermöglichte dem Offensivsechser und Spielmacher David Alaba die Vorstöße in den Angriff.

Eine Stunde nach den Schweden spielt auch Österreich am Dienstag wieder. Ihr Gegner ist Bosnien-Herzegowina.