„Das kann und muss das Team leisten“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit dem 0:1 bei Borussia Mönchengladbach, der dritten Niederlage in Folge, hat sich der FSV Mainz 05 in eine gefährliche Tabellensituation in der Bundesliga gebracht. Der Tabellenelfte muss schnellstens die Kurve kriegen, um nicht weiter abzurutschen. „In den zwei ausstehenden Spielen ist ganz klar ein Heimsieg und ein Auswärtspunkt gefordert. Das kann das Team leisten, das muss das Team leisten“, sagt Martin Schmidt vor dem Heimspiel am Samstag gegen den Hamburger SV und dem Derby kommenden Dienstag bei Eintracht Frankfurt.

Für die Profis des FSV Mainz 05 ist die letzte Arbeitswoche dieses Fußballjahres angebrochen. Die Vorbereitungen am Bruchweg auf die Partie am Samstag in der Opel Arena gegen den Hamburger SV und das Derby nächsten Dienstag bei Eintracht Frankfurt laufen auf vollen Touren. Zwei Spiele noch, in denen die Mannschaft von Martin Schmidt zeigen muss, ob sie in der Lage ist, sich wieder zu fangen, ob sie mit   einer soliden, komfortablen Ausgangsposition in die kurze Winterpause gehen kann. Oder ob sie mit einer noch ungemütlicheren Drucksituation ins neue Jahr startet im Heimspiel im Januar gegen den 1. FC Köln, das die Vorrunde abschließt.

Nach der abgesessenen Sperre soll Jhon Cordoba dem 05-Angriff im Spiel gegen den Hamburger SV wieder mehr Leben einhauchen. Foto: Ekkie VeyhelmannDas 0:1 am Sonntag in Mönchengladbach, die dritte Niederlage in Folge, hat die Gesamtlage etwas verschärft. Unnötig und zu billig gaben die 05er die Punkte ab. Ein Fakt, der schon auf die Spiele zuvor gegen den FC Bayern und in Berlin zutraf. In allen drei Begegnungen wäre mehr drin gewesen, wenn die eigene Leistung gestimmt hätte. Doch die Mainzer wurden jeweils ihren eigenen Ansprüchen nicht gänzlich gerecht. „Wir müssen jetzt schleunigst die Punkte holen, die wir uns als Ziel gesetzt haben“, sagt der 05-Trainer. „Über die 20-Punkte-Marke kommen. Das müssen wir erreichen, sonst wird es in der Winterpause in der zweiten Tabellenhälfte eine ganz kompakte Geschichte geben. Wenn man bedenkt, dass solche Größen wie Gladbach und Wolfsburg noch hinter uns sind, ist das eine gefährliche Tabellenlage.“ Schmidts Ansage an seine Profis lautet deshalb: „In den zwei ausstehenden Spielen ist ganz klar ein Heimsieg und ein Auswärtspunkt gefordert. Das kann das Team leisten, das muss das Team leisten.“ Man habe sich im Sommer zusammen das Ziel gesetzt, mindestens 20 Zähler bis Weihnachten einzufahren. „Das ist möglich. Dann sind wir im Fahrwasser wie letztes Jahr. Trotz der erhöhten Beanspruchung der vergangenen Wochen und Monate ist das immer noch erreichbar. Wir hätten es uns leichter machen können, wenn wir in Berlin und Gladbach, wo Punkte drin waren, etwas geholt hätten. Jetzt müssen wir das in den letzten zwei Spielen des Jahres nachholen. Dann hätten wir im letzten Vorrundenspiel im neuen Jahr zu Hause gegen Köln die Möglichkeit, das Ergebnis vom Vorjahr zu wiederholen. Im Moment sind wir drei Punkte hinten dran.“

24 Punkte im ersten Saisonabschnitt waren im vergangenen Jahr die Basis für die erfolgreiche Rückrunde. Dieses Ergebnis kann die Mannschaft wiederholen, dafür muss sie aber noch einiges tun. „Dass es Durchhänger und Ergebniskrisen geben kann in dieser Halbserie, war uns bewusst“, sagt der Coach. „Die hatten wir letztes Jahr auch zweimal. Deshalb müssen wir jetzt Ruhe bewahren, das, was im Moment fehlt, aufarbeiten und trainieren, klaren Kopf behalten, nicht nervös werden. Und das, was im Moment fehlt, richtig gute Leistungen sowohl in der Abwehr als auch im Angriff zu zeigen, auf den Platz bringen und die Punkte holen.“

Überzeugung und Effizienz schüren

Schmidt und dessen Kader haben sich Anfang dieser Woche intensiv mit der Niederlage im Borussia-Park beschäftigt und in der Analyse bewusst die Fehlentscheidung um das nicht gegebene Tor von Pablo De Blasis zum 1:1-Ausgleich ausgeklammert. „Wir müssen uns auf die reine Leistung konzentrieren“, sagt der 49-Jährige. „Die hat nicht gereicht, um zu gewinnen, sondern sie war so, dass wir verloren haben. Es kommt im Nachhinein kein Schiedsrichter und sagt, für Berlin oder Gladbach gibt’s doch noch was. Die Punkte sind weg. Die Diskussion um den Schiri gibt uns nichts unter der Woche, die darf uns nicht berühren. Das Tor, das er uns genommen hat, hätte einzig und alleine zum Punktgewinn geführt. Wir wollten aber gewinnen. Und wir hätten gewinnen müssen, denn im Laufe des Spiels verstärkte sich der Eindruck, dass ein Punkt in diesem Spiel zu wenig war. Wir müssen eindeutig mehr machen, um solche Spiele gewinnen zu können. Wir müssen nach vorne wieder kreativer und aggressiver werden. Defensiv stabil sein, vorne mehr tun. Das ist wie aus- und einatmen. Es braucht beides, aber beides zur gleichen Zeit geht nicht. Du musst eine Balance haben. Du kannst nicht an dem Einen arbeiten und das Andere weglassen.“

Im Training dieser Woche steht neben der üblichen Grundlagenarbeit im Defensivverhalten die Umschalt- und Angriffsarbeit eindeutig im Vordergrund. „Wir müssen vor allem in der Effizienz vorne, an der Gier, Tore erzielen zu wollen unsere Schwerpunkte setzen.“ Das eigene Spiel, so der Trainer, sehe ganz gefällig aus, das Team sei defensiv stabiler geworden. Die Gladbacher seien bis zu dieser Partie das Team gewesen, das die meisten Chancen in der Liga herausgearbeitet habe, die 05er die Mannschaft, die die meisten Chancen zugelassen habe. „Das hat das Spiel nicht wiedergegeben. Wir haben gut gestanden, gut verteidigt und im Verlauf der Partie gemerkt, dass da viel mehr drin ist, dass da viel mehr drin sein muss. Doch so richtig willig waren wir eigentlich erst nach dem doofen Gegentor. Erst da hat man gesehen, wenn man wirklich mit aller Überzeugung vorne ein Tor erzielen will, dann kann das klappen. Diese Überzeugung müssen wir schüren.“

Schmidt hat den Profis in der Video-Analyse die eigenen Angriffe zusammengeschnitten. „Das sind alles Chancen bis zum Sechzehner.“ Bis dahin funktionierte der Spielaufbau von hinten heraus und auch die Umschaltung nach Balleroberungen. Doch am Strafraum war meist Feierabend. Falsche Entscheidungen. Querpass statt Torschuss oder umgekehrt. Da fehlte der Angriffsreihe erneut die Power, die Überzeugung und letztlich die fußballerische Qualität.

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