Das halbe 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Wie jeden Donnerstag hat die nullfünfMixedZone in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Damit wir nicht schon wieder den Rahmen sprengen, gibt es auch diesmal nur ein halbes Kalenderblatt, heute mit dem ersten Eisenmann und dem ewigen Achter, Pokal- und Relegationshelden, einem Interimstrainer und Talentfinder und mit Sami Allaguis Tor des Monats.

24. September  

Am heutigen Donnerstag wird Nils Lihsek, Mittelfeldspieler der aktuellen U17-Bundesligamannschaft des FSV Mainz 05, 16 Jahre alt.

Weitere Ereignisse am 24. September:

1933: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:0  
1950: FSV Mainz 05 - FV Engers 07 3:0  
1961: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 3:0  
1967: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1972: FSV Mainz 05 - VfB Theley 3:0  
1977: Ludwigshafener SC - FSV Mainz 05 0:1  
1978: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:2  
1997: SSV Ulm 1846 - FSV Mainz 05 4:1 (DFB-Pokal)
1999: FSV Mainz 05 - Hannover SV 1:0  
2000: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:0  
2005: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:1  
2011: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:2  
2013: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 0:1 (DFB-Pokal)

25. September  

Ulrich Meyer, der Pokalheld von 1965, wird am Freitag 72 Jahre alt.Am Freitag wird Ulrich Meyer 72 Jahre alt. Der Kreuznacher Außenstürmer spielte nach seinem Wechsel von der dortigen Eintracht im Sommer 1964 zwei Jahre lang für die 05er in der Regionalliga, anschließend noch für den SSV Reutlingen 05 und Tasmania 1900 Berlin. Meyer war ein schneller, beidfüßig guter Angreifer, allerdings mit Schwächen im Abschluss. Langfristiger Stammspieler war er nie bei den 05ern; 1964/65 gehörte die rechte Angrifsseite mal drei Monate lang ihm, 1965/66 setzte er sich letztlich linksaußen durch, auf der einzigen Position, auf der Heinz Baas keine A-Lösung fand. Mit sechs Saisontoren in 19 Spielen hatte Meyer in jenem Jahr auch eine ordentliche Quote; im Jahr zuvor hatte er in 18 Spielen nur einmal getroffen, zum 1:2-Anschluss beim 3:3 im Derby gegen Weisenau.

Und dennoch hatte Ulrich Meyer seine besondere Bedeutung in der Mainzer Vereinshistorie als einer der bedeutendsten Pokalhelden von 1965: Der Rechtsaußen schoss das einzige Tor im Erstrundenspiel gegen den späteren Deutschen Meister Werder Bremen und brachte die 05er beim 2:2 gegen den Titelverteidiger TSV München 1860 in Führung; nach dem späten Ausgleich der "Löwen" warfen die Mainzer den Bundesligisten im Rückspiel in München aus dem Wettbewerb. Erst der 1. FC Nürnberg (0:3) war vor dem damaligen und noch fast fünfzig Jahre lang gültigen Mainzer Rekordpublikum von 24.000 Zuschauern zu stark für die 05er. Es dauerte 35 Jahre, bis die 05er zum zweiten Mal ein Viertelfinale erreichten.

Ein schneller Außenstürmer, egal ob mit dem Ball am Fuß oder unterm Arm: Nicolai Müller, der am Freitag 28 Jahre alt wird.

Nicolai Müller wird 28 Jahre alt. Der Außenstürmer schoss von 2011 bis 2014 in 81 Bundesligaspielen für Mainz 05 21 Tore und debütierte bei einer Amerika-Reise ohne etliche Stammspieler in einer Not-Nationalelf. Der Pressing- und Konterspezialist, einer von vielen Spielern, die aus Fürth nach Mainz kamen, wechselte anschließend zum Hamburger SV, der bisher selten Freude hatte am verletzungsanfälligen Angreifer - es ihm allerdings verdankt, dass die Bundesliga-Uhr immer noch läuft: Im Relegations-Rückspiel gegen den Karlsruher SC schoss Müller in der Verlängerung das entscheidende Tor.

Morgen vor fünf Jahren gewann der FSV Mainz 05 bei Bayern München. Sami Allaguis Tor des Monats mit der Hacke brachte die 05er in Führung. Dann bauten Bo Svensson einen Svensson, die immer mal wieder gesehene überraschende Kopfballrückgabe gegen Christians Wetklos Laufrichtung zum 1:1. Das einzige Erfolgserlebnis der Bayern gegen die gnadenlos und hochintelligent pressenden Mainzer - und in der Schlussphase schoss Adam Szalai das 2:1. Schiedsrichter Babak Rafati kam dem Drängen des Stürmers, schon in der 77. Minute abzupfeifen nicht nach, aber das war auch kein Problem für die Mainzer, die halt noch dreizehn Minuten länger bereits die ballführenden Innenverteidiger der Bayern unter Druck setzten, Steilpässe ins Seitenaus und andere Ballverluste erzwangen. In der Sieben-Siege-Rekord-Startserie der 05er war das das sechste Kapitel.

Weitere Ereignisse am 25. September:

1927: VfL Neu-Isenburg - FSV Mainz 05 7:4  
1932: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 3:1  
1960: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 0:0  
1965: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 0:0  
1966: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 1:3  
1992: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 2:1  
1994: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 0:2  
2012: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 3:0  

26. September  

Experten unter sich: 05-Vizepräsident Peter Arens, der damalige Zweitliga-Interimstrainer Manfred Lorenz, der am Samstag Geburtstag hat, und der damalige MRZ-Redakteur Jörg Schneider diskutieren das 1:1 gegen Alemannia Aachen aus. Alle drei sind - teils in anderen Rollen - auch fünfzehn Jahre später regelmäßig am Bruchweg unterwegs. Foto: imagoAm Samstag wird Manfred Lorenz 67 Jahre alt. Lorenz wurde vor allem als gelegentlicher Interimstrainer der 05-Profis bekannt, aber auch als Architekt des Erfolgs der U23. Als Trainer stieg der ehemalige Finther Coach, der auf gehobener Amateur-Ebene ein glänzender Spieler gewesen sein muss, mit dem 05-Nachwuchsteam aus der B-Klasse bis in die Oberliga auf. 2000 übergab er den Job an Uwe Stöver, seitdem ist Lorenz als Manager der U23 unter anderem dafür verantwortlich, da, wo Bedarf besteht, mit externen Neuzugängen die Kaderplätze zu besetzen, für die es keine eigenen Jugendspieler gibt. In dieser Funktion holte Lorenz bereits einige gute Leute nach Mainz, unter anderem die späteren Profis Nejmeddin Daghfous, Benjamin Kessel, Daniel Buballa, auch Philipp Klement und Alexander Hack, die gerade die Chance bekommen, zu den 05-Profis aufzusteigen.

In sieben Zweitligaspielen war Lorenz für die 05-Profis verantwortlich. Nach dem Rücktritt von Hermann Hummels verloren die 05er mit ihrem Interimstrainer im April 1995 0:1 gegen den 1. FC Saarbrücken. Nachdem die 05er Hummels' Nachfolger Horst Franz gefeuert hatten, gab es für Lorenz im September 1995 ein weiteres 0:1 bei Fortuna Köln und ein 2:0 gegen Wattenscheid. Anfang 1997 trat Franz' Nachfolger Wolfgang Frank zurück und wieder sprang der Amateurcoach ein - gegen den FC Gütersloh gab es ein überragendes 3:0. Weil auch Franks Nachfolger Reinhard Saftig kein guter Trainer für die 05er war, ging Manfred Lorenz' vierte Zeit mit den 05-Profis über mehrere Wochen, diesmal mit etwas weniger Erfolg: Der FSV Zwickau glich nach 0:2-Rückstand in der 90. Minute zum 2:2 aus, Fortuna Köln schlug die 05er durch ein Tor in der 85. Minute 2:1. Lorenz' letztes Spiel als Interimstrainer folgte erst am 17. November 2000 - 1:1 gegen Alemannia Aachen. Das ergibt eine für die Situation durchaus beachtliche Bilanz von zwei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen, verteilt über etwas mehr als fünf Jahre. Etwas später in jener Saison 2000/01 brauchten die 05er wieder einen Interimstrainer, übertrugen den Job aber diesmal einem Spieler - Jürgen Klopp. Der Rest ist bekannt.

Die Frisur von Brian May, die Rückennummer von seinem Ankunftsdatum in Deutschland und die Grätsche von, nun ja, Bruno Akrapovic - in der Summe einer der besten zentralen Zweitliga-Mittelfeldspieler seiner Zeit.Ebenfalls am Samstag hat einer der gefürchtetsten Mittelfeldarbeiter der 1990er Geburtstag: Bruno Akrapovic wird 48 Jahre alt. Der Bosnier, der am 8.8.1988 nach Deutschland kam und sich nie von der Rückennummer 8 und seiner damaligen Frisur mit den langen Locken trennte, spielte von 1994 bis 1997 bei den 05ern. Über Arminia Hannover, den 1. SC Göttingen 05 und TuS Celle kam Akrapovic als Wolfsburger in die 2. Bundesliga. Bereits beim VfL war er ein harter, giftiger Zweikämpfer im zentralen Mittelfeld, aber auch ein Spieler mit strategischem Geschick, ein Beherrscher des Raums, trotz seiner Rückennummer der Inbegriff des Sechsers zu einer Zeit, in der es diesen Begriff noch gar nicht gab. Im Transfersommer 1994 war Akrapovic einer von mehreren Volltreffern der 05er - gleichzeitig kamen Christian Hock, Thomas Ziemer, Peter Neustädter und Abderrahim Ouakili. Akrapovic wurde sofort der Chef im Mittelfeld, schoss beim Debüt schon sein erstes Tor - und 1996 noch eins; offensiv trat der Kämpfer fast nie in Erscheinung. Dafür bildete er ab der Saison 1995/96 mit Lars Schmidt einen der besten Mittelfeldwälle der 2. Bundesliga. Das Duo Akrapovic/Schmidt war kaum zu überwinden, auch darum starteten die 05er vom letzten Platz der zweiten Liga durch und wären binnen eineinhalb Jahren um ein Haar in der Bundesliga gelandet.

Nach dem verpassten Aufstieg wechselte Akrapovic zum reichen, ambitionierten Regionalligisten Tennis Borussia Berlin, mit dem er in die 2. Liga aufstieg, aber nicht in der Bundesliga ankam - der Kollaps des Geldgebers und die Lizenzverweigerung kamen dazwischen. Aber Energie Cottbus, gerade selbst aufgestiegen, holte den inzwischen 32-Jährigen in die höchste Liga, wo er zwei Jahre lang ein wichtiger Führungsspieler war, wie auf seinen vorherigen Stationen ein extrem zuverlässiger Kämpfer, an dem sich die Mitspieler auch mal aufrichten konnten.

Weitere Ereignisse am 26. September:

1926: FSV Mainz 05 - FV 03 Saarbrücken 1:0  
1948: SG Gonsenheim - FSV Mainz 05 4:0  
1971: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 4:2  
1976: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:4  
2004: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:1  
2009: Werder Bremen - FSV Mainz 05 3:0  
2014: FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim 0:0  

27. September  

Vier Ex-05er haben am Sonntag Geburtstag, drei von ihnen spielten keine große Rolle. Mathias Kiefer, der zuvor in Hong Kong gespielt hatte und 1983/84 den gerade nicht unumstrittenen Manfred Petz sechsmal im Mainzer Tor vertrat, wird 56 Jahre alt. Der bosnische Mittelfeldspieler Jasmin Jankovic, der Mitte der 1990er jahrelang immer mal wieder in Testspielen der 05-Profis eingesetzt wurde, aber den Sprung aus der zweiten Mannschaft nicht schaffte, wird 42 Jahre alt. Kwasi Heiser, 2000/01 im Oberligakader der 05-Amateure, aber wesentlich wichtiger später für die TSG Wörsdorf, wird 35 Jahre alt.

Wie die beiden anderen nie einer für den Vordergrund, in der Reihe der topseriösen, stillen, harten, zuverlässigen osteuropäischen Innenverteidiger des FSV Mainz 05 der Verbinder zwischen Peter Neustädter und Nikolce Noveski: Tamás Bódog, fünfter von links, nach seinem letzten vollen Bundesligaspiel. Foto: imagoUnd dann gibt es da noch einen gewissen Tamás Bódog. Der große, stabile Ungar war nicht der größte Techniker, aber als eisenharter Athlet und topseriöser Profi ein wertvoller Verteidiger für die 05er. Bódog hatte jahrelang in Ulm gespielt, war aus der Regionalliga in die Bundesliga aufgestiegen, hatte nach dem Abstieg aber keinen Vertrag mehr bekommen. Der inzwischen fast 30-jährige Verteidiger kickte ein paar Wochen beim Oberligisten SpVgg Au, dann holten ihn die 05er als Ersatz für den verletzten Jürgen Klopp in den Profifußball zurück. Als Rechtsverteidiger war Bódog jedoch keine große Hilfe, nach ein paar schlechten Spielen musterten die 05er den Neuzugang schon wieder aus.

In der Schlussphase jener Saison kam aber Klopp, inzwischen zum Trainer befördert, auf die Idee, Bódog in die Innenverteidigung zu stellen. Ein paar Mal lief der Ungar noch außen auf, aber bald setzte er sich als zentraler Abwehrspieler durch. Eine schweren und ein paar kleine Verletzungen setzten den über 30-jährigen Eisenmann zwar hin und wieder außer Gefecht, aber davon abgesehen war er Stammspieler bis zum Aufstieg und darüber hinaus, in insgesamt 79 Zweitligaspielen hinten kompromisslos und stabil, vorne mit seinem starken Kopfball durchaus torgefährlich. Bódogs größter Moment hingegen war völlig untypisch: Gegen den VfB Lübeck nötigte Niclas Weiland den Innenverteidiger zu einem Solo über den ganzen Platz; Bódog musste an der Mittellinie loslaufen und hatte nur noch den Torwart vor sich. Der Weg war weit, das Stadion staute Bauklötzer, und sollte die Legende, dass Torjäger Andrey Voronin nicht mitlief, sondern vor Lachen auf Höhe Trainerbank stehenbleiben musste, nicht stimmen, so wäre sie gut erfunden. Bódog jedenfalls stapfte zielstrebig immer weiter und schoss den Ball gegen die Laufrichtung des Torwarts ins Tor. "Ich habe mir noch überlegt, ob ich ihn ausspielen soll", verriet Bódog später, "schieben war, glaube ich, die bessere Idee."

Nikolce Noveski, der (damals noch) blasse Neuzugang aus Aue, beendete ein paar Wochen nach dem Aufstieg Bódogs Karriere. Im Training rasselten die beiden Verteidiger heftig ineinander, Noveskis Ellbogen war noch härter als der Schädel des Eisenmanns. Mit Jochbeinbruch fiel der Ungar, der das zweite Mainzer Bundesligator geschossen hatte, lange aus und Klopp war gezwungen, den 25-jährigen Mazedonier, der an den ersten sieben Spieltagen keine Minute gespielt hatte, sechsmal sogar nur auf der Tribüne gesessen hatte, zum Stammspieler zu machen. Noveski nutzte die Chance überragend, war fortan zehn Jahre lang unumstrittener Leistungsträger, Kapitän und Idol, Bundesliga-Rekordspieler, eine noch größere 05-Legende als seine Vorgänger. Bódog saß in der Rückrunde wieder regelmäßig auf der Bank, kam aber nur noch zu fünf Einwechslungen und einem letzten 90-Minuten-Spiel als Vertreter des gelbgesperrten Manuel Friedrich. Am Sonntag wird Bódog 45 Jahre alt.

Weitere Ereignisse am 27. September:

1931: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 4:1  
1953: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:0  
1959: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 3:1  
1970: FSV Mainz 05 - Gummi Mayer Landau 1:1  
1975: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 3:3  
1981: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 0:1  
1986: SC Birkenfeld - FSV Mainz 05 1:0  
2007: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 3:0  

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