Das fünfhundertste Tor, der zweite Sieg

Christian Karn. Mainz.
Eine unüberwindbare, dreiköpfige Innenverteidigung, ein aufmerksamer Video-Assistent, ein Jubiläumstor und ein uninspirierter Gegner waren die entscheidenden Aspekte beim zweiten Saisonsieg des FSV Mainz 05. Am Ende in Überzahl brachten die 05er das 1:0, das Pablo de Blasis eingangs der zweiten Hälfte per Elfmeter erzielt hatte, souverän über die lange Nachspielzeit. Die Leistung der Mainzer war nicht so spektakulär wie am Mittwoch gegen Hoffenheim, gegen Hertha BSC war sie gut genug für einen nur einmal kurz gefährdeten 1:0-Heimsieg.

FSV Mainz 05 - Hertha BSC 1:0 (0:0)

Samstag, 23. September 2017, 23.517 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Adler - Gbamin, Bell, Diallo - Donati, Latza, Frei (69. Serdar), Brosinski - de Blasis, Maxim (59. Öztunali) - Muto (87. Fischer).
Reserve: Zentner, Balogun, Quaison, Kodro. Trainer: Schwarz.

Hertha BSC: Jarstein - Weiser, Langkamp, Rekik, Plattenhardt - Skjelbred (60. Darida), Lustenberger - Leckie (72. Esswein), Duda (72. Stocker), Kalou - Ibisevic.
Reserve: Kraft, Pekarík, Stark, Haraguchi. Trainer: Dárdai.

Schiedsrichter: Stieler (Obertshausen).

Tore: 1:0 de Blasis (54., Foulelfmeter, Rekik an Muto).

Gelbe Karten: de Blasis, Muto, Öztunali - Langkamp, Rekik, Plattenhardt.

Rote Karte: Ibisevic (89., Schiedsrichter-Beleidigung).

Mit einem Geduldspiel hat der FSV Mainz 05 seinen zweiten Saisonsieg geschafft. Nach einer unansehnlichen ersten Hälfte reichte gegen die erst in den letzten zehn Minuten hin und wieder nicht ganz ungefährliche Hertha BSC ein Elfmeter, den Tobias Stieler nach Intervention des Video-Assistenten pfiff, den Pablo de Blasis zum 1:0-Endstand ins Tor schoss. Viel mehr Torchancen hatten auch die 05er nicht; weil aber vor allem die drei Innenverteidiger Jean-Philippe Gbamin, Stefan Bell und Abdou Diallo die vollkommene Lufthoheit hatten, brauchten sie diese nicht.

Ein bisschen Rotation gab es am Ende der englischen Woche. Abdou Diallo (nach Verletzung), Fabian Frei, Alexandru Maxim und Pablo de Blasis kamen für Leon Balogun, Suat Serdar, Viktor Fischer und Levin Öztunali in die Mannschaft - alle vier waren im Kader. Das 3-4-2-1-Spielsystem behielt Sandro Schwarz bei.

Das Spiel - aber das war zu erwarten - hielt einem Vergleich mit der Hoffenheim-Partie nicht stand. 15 lange Minuten waren irgendwann vorbei und bis auf ein Gelb-Foul von Pablo de Blasis, einen viel zu überhastet ausgeführten Freistoß und einen Fehler von Jean-Philippe Gbamin, den René Adler locker ausbügelte, war rein gar nichts passiert. Hertha stand gar nicht mal so tief, spielte aber von Anpfiff an auf Zeit, spielte hinten herum, näherte sich nur halbherzig dem 05-Strafraum, klemmte die 05er vom Hertha-Tor ab. Die fanden keine Lücken, keine Spielzüge, überließen ihrerseits den Berlinern den Ball. So war die erste Torchance ein Standard, ein 22-Meter-Freistoß von Daniel Brosinski, halblinks und eine Torchance im weitesten Sinne - der linke Flügelmann schoss den Ball in die Mauer (20.). Der folgende Eckball sah schon gefährlicher aus, aber einen Abschluss gab's nicht. Und beim folgenden Einwurf brachte Mitchell Weiser es fertig, den Ball im Abgrund der doppelten Werbebande verschwinden zu lassen und einen neuen zu brauchen.

Aus einem langen Lauf von Diallo, der ein Tempo in die Partie brachte, das Yoshinori Muto mit einem missglückten Pass wieder herausnahm, entwickelte sich in der 36. Minute der erste ernsthafte Torabschluss der Partie, ein Kopfball des Japaners, der viel Platz hatte, aber das Tor deutlich verfehlte. Es war weiterhin kein gutes Bundesligaspiel, es war ein Kick ohne Höhepunkte.

Die zweite Hälfte begann mit einem Kopfball von Frei, der präzise, aber ohne Wucht zum Torwart kam (50.) - ein Anfang. Zwei bis vier Minuten darauf die Schlüsselszene: Karim Rekik drückte mit dem Ellbogen voran im Strafraum Muto weg. Schiedsrichter Tobias Stieler pfiff nicht das Foul von Rekik, sondern das - deutlich spätere - Mittelfeldfoul der Mainzer. Von den 05ern heftig bestürmt und vom Fernsehassistenten beraten ließ sich der Schiedsrichter schließlich vom Bildschirm an der Mittellinie überzeugen: Gelb für Karim Rekik - und für Muto, mutmaßlich wegen unbotmäßigen Protests. De Blasis schoss, traf ins rechte Eck (54.). Erstmals wurde damit in einem 05-Spiel der Fernsehbeweis benutzt, um eine Entscheidung zu revidieren - und de Blasis' Treffer war zugleich das 500. Bundesligator der 05er.

Ein rundes Jubiläum, vor allem aber ein wichtiger Siegtreffer: Pablo de Blasis' 1:0. Foto: imagoDer Dosenöffner, der Spielöffner? Nennenswert besser wurde das Spiel erst einmal nicht. Der erste Torabschluss der Hertha kam in der 64. Minute und ging ins Seitenaus. Der zweite war vielversprechender, Vedad Ibisevic stand auf einmal von Weiser steil angespielt wenige Meter vor Adler. Und schoss vorbei (67.). Ein Indikator dafür, dass die Berliner im letzten Viertel tatsächlich ein bisschen angriffslustiger wurden, ein bisschen mehr Tempo machten, ein bisschen auch damit Räume öffneten. In der 71. Minute hatte de Blasis links ein bisschen Platz, sein Volleyschuss aber verfehlte das lange Eck.

Adler hatte in der 83. Minute den ersten Torschuss zu halten. Stocker schoss, der 05-Torwart legte sich horizontal in die Luft, parierte auf seine mittlerweile gewohnt spektakuläre Art zur Ecke. Die sah gefährlicher aus, als sie war. Hertha rannte weiterhin nicht mit vollendeter Überzeugung, vollendeter Wucht an - am Ende in Unterzahl: Vedad Ibisevic, bisher Torjäger außer Dienst, sah in der 89. Minute Rot für etwas, das zunächst nicht erkennbar war - vermutlich hat er, als er sich über seine blutende Augenbraue bei Stieler beklagte und den das nicht interessierte, das Falsche gesagt. Die Nachspielzeit war noch einmal lang, fünf Minuten. Sie war hektisch, weil auch Hertha noch einen Elfmeter wollte, wurde noch etwas länger, weil es noch eine ausführliche Verletzungsunterbrechung gab. War mit einem letzten herausgeköpften Freistoß schließlich zu Ende. Mainz 05 hat den zweiten Saisonsieg, den zweiten Heimsieg, war nicht in der Lage, die gute Leistung gegen Hoffenheim zu wiederholen, aber was sie auf den Platz brachten, reichte gegen den uninspirierten Gegner.

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