Das Drumherum einfach ausblenden

Jörg Schneider. Mainz.
Das Auswärtsspiel am Samstag beim VfB Stuttgart bringt Alexandru Maxim schon ganz früh in der Saison das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub, in dem der Rumäne viereinhalb Jahre lang spielte und in der vergangenen Saison erheblichen Anteil am Aufstieg der Schwaben hatte. „Er soll mit einem Riesenspaß rein gehen in dieses Spiel und dieses Stadion, wo er erfolgreich war, wo ihn die Zuschauer lieben für das, was er geleistet hat. Er soll befreit aufspielen. Wir haben den Eindruck, dass er damit auch komplett und seriös umgehen kann“, sagt 05-Trainer Sandro Schwarz.

Kreativ, aber auch fleißig in der Arbeit gegen den Ball: Alexandru Maxim überzeugte bisher bei den 05ern. Foto: René VigneronDas erste Auswärtsspiel führt Alexandru Maxim schon direkt zu Beginn der neuen Bundesligasaison zurück in das Stadion, in dem der rumänische Neuzugang des FSV Mainz viereinhalb Jahre lang tätig war. Die Mannschaft von Sandro Schwarz stellt sich eine Woche nach dem unglücklichen und frustrierenden 0:1 im Heimspielauftakt gegen Hannover 96 nun beim VfB Stuttgart vor. Der zweite Aufsteiger hintereinander und eine Partie, in der die 05er aufpassen müssen, nicht einen klassischen Fehlstart hinzulegen. Maxim dürfte dabei unter besonderer Beobachtung stehen.

Für viele in Stuttgart wird die Zeit des 05-Zehners als eine „Zeit der Missverständnisse“ gesehen, wie die „Stuttgarter Nachrichten“ jüngst noch einmal rekapitulierten. Anspruch und Wirklichkeit hätten beim Techniker oft weit auseinandergelegen, die große Zuneigung vonseiten der Anhänger habe dabei in steter Diskrepanz zur Beurteilung durch die insgesamt acht Trainer gestanden, mit denen Maxim beim VfB arbeitete. Maxim wollte sich vor diesem Duell mit seiner Vergangenheit nicht mehr beschäftigen. Der 27-Jährige hat offenbar alle Interviewfragen aus dem Schwabenland abgelehnt.

Bei Sandro Schwarz steht Maxim hoch im Kurs. Der 05-Trainer schätzt seinen Zehner, der beim Pokalspiel in Lüneburg groß aufgetrumpft hatte, gegen Hannover eine sehr gute Halbzeit spielte, sich danach aber zu oft verzettelte, in der zweiten Hälfte nicht mehr so ins Spiel kam, keinen Wege zum gegnerischen Strafraum fand. „Wir gehen mit Sicherheit nochmal kurz in ein persönliches Gespräch rein mit Alex vor dem Spiel“, sagte Schwarz am Donnerstag in der Spieltags-Pressekonferenz. „Er soll, das was da am Samstag passiert drum herum ums Spiel einfach komplett ausblenden, einfach sich auf das Wesentliche besinnen. Auf seine Leistung, auf das, was die Mannschaft betrifft. Da bin ich mir relativ sicher, dass er das auch macht“, so der Trainer. Er habe den Rumänen in den vergangenen sieben, acht Wochen als extrem fleißigen und klaren Spieler erlebt. „Er soll mit einem Riesenspaß rein gehen in dieses Spiel und dieses Stadion, wo er erfolgreich war, wo ihn die Zuschauer lieben für das, was er geleistet hat. Er soll befreit aufspielen. Wir haben den Eindruck, dass er damit auch komplett und seriös umgehen kann.“

"Manchmal zu selbstkritisch"

Das habe der Zehner aber auch bereits unter der Woche im Training bestätigt. „Er soll Spaß haben am Fußballspielen. Das tun, was ihn im Training auszeichnet: Gute Offensivaktionen haben, fleißig bleiben. Ich habe den Eindruck, er ist extrem fokussiert auf das Spiel und freut sich drauf“, sagt der 38-Jährige. Es gehe für den Mittelfeldspieler auch nicht darum, in Stuttgart nun irgendwelche Dinge bewiesen zu müssen. „Er will für Mainz 05 eine gute Leistung bringen.“ Dass der ganze Rummel im Umfeld dem 27-Jährigen zu viel werden könnte, glaubt Schwarz nicht. „Er ist stark und engagiert in der Arbeit gegen den Ball, hat ein gutes Raumverhalten und gute Aktionen auf der Zehnerposition. Er ist von der Persönlichkeit her top integrieret innerhalb der Mannschaft, er ist sehr aufrecht in seiner Haltung und geht selbstbewusst vorneweg.“ Maxim gehe sehr kritisch mit seiner eigenen Leistung um. „Manchmal zu selbstkritisch“, sagt Schwarz. „Trotz allem hat er einen hohen Stellenwert bei uns. Er stellt sich komplett in den Dienst der Mannschaft.“

Der Auftritt in Stuttgart dürfte unter anderen Vorzeichen ablaufen als das erste Heimspiel, in dem der Gegner sehr tief stand, sich rein aufs intensive und geordnete Verteidigen verlegt hatte. „Wir wissen, dass es ein anderes Spiel sein wird von den Schwerpunkten her. Dass wir da schon mehr Räume haben werden, um Umschaltzüge zu starten“, betont der Trainer. Dass sich dies personell auswirkt, dass Schwarz in seiner Aufstellung mehr Sprinter und Umschaltspieler berücksichtigt, will der Coach nicht ausschließen. Bis jetzt waren die 05er zweimal mit derselben Startformation aufgelaufen. Auswahl hat der Coach genug. Möglicherweise rückt auswärts der schnellere Levin Öztunali für Pablo De Blasis in die Anfangsformation als Umschaltspieler. Auch Robin Quaison, der bis jetzt in der Vorbereitung und in seinem Kurzeinsatz gegen die 96er einen guten Eindruck hinterließ, wäre eine Alternative von Beginn an. „Robin ist sehr gut zwischen den Linien. Er kann auf der Bahn, auf der zehn, vorne im Sturm spielen. Er hat eine Qualität, die uns gut tut in der Mannschaft. Er hat eine Schärfe in den Tiefenläufen, auch, um Zug zum Tor zu entwickeln. Er ist flexibel einsetzbar“, sagt Schwarz. Auch Karim Onisiwo und Gerrit Holtmann können beide in der offensiven Umschaltung agieren. „Sie stehen ebenfalls in der Konkurrenz“, so der Coach. Möglicherweise könnte einer von beiden auch als offensiver Außenverteidiger im Auswärtsspiel auflaufen. Eine Variante, die bisher nur in den Testspielen zum Tragen kam.  „Wir müssen darauf achten, Tempo auf dem Platzt zu haben, auch fußballerische Qualität, und wir brauchen eine Top-Abwehrleistung“, betont der 05-Trainer.  

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