„Das alles hilft uns sehr auf unserem Weg“

Jörg Schneider. Colorado Springs.
Ursprünglich war der Colorado Cup geplant als ein Vorbereitungs-Turnier in Colorado Springs mit dem FSV Mainz 05, Borussia Mönchengladbach, einem MLS-Team, einer lokalen Mannschaft und einem mexikanischen Team. So ganz ist diese Idee des in Frankfurt lebenden Amerikaners Justin Rose, der das 05-Trainingslager organisiert, nicht aufgegangen. Aktuell firmiert jedoch alles, was rund um die 05er in den USA passiert, unter diesem Namen. Die Delegation um Martin Schmidt ist als Botschafter des deutschen Fußballs gekommen, und Rose ist begeistert von der Entwicklungshilfe. „Es gibt keinen besseren Weg, den Fußball hier zu fördern, als es im Moment hier geschieht. Das alles hilft uns sehr auf unserem Weg.“

Geboren in Denver, Colorado, wohnhaft in Frankfurt und 05-Fan: Justin Rose organisiert alles im Rahmen des Mainzer Trainingslagers und will den Fußball in seiner Heimat voran bringen. Foto: Jörg SchneiderJustin Rose ist und war begeisterter Fußballer. Fußball sei sein Leben, sagt der 40-Jährige, der in Denver, Colorado, geboren ist, seit neun Jahren in Frankfurt lebt und dort seine Agentur „JJR Consulting“ betreibt. Zusammen mit seinem Bruder Jason, einheimisch in Colorado Springs, organisiert Rose derzeit das Trainingslager des FSV Mainz 05 in seiner Heimat und alles, was damit zusammen hängt. Vor geraumer Zeit kam der ehemalige amerikanische U21-National- und Olympia-Auswahl-Spieler auf die Idee, Fußball, also den Soccer, wie die Amerikaner sagen, in Colorado populärer zu machen. Rose organisiert Austauschprogramme von Jugendlichen, vermittelt Trainingslager und auch amerikanische Talente. „Wir bringen gute Spieler aus den Staaten nach Deutschland in die Vereine. In der Hoffnung, dass sie in deutschen Klubs lernen, sich vielleicht behaupten und eventuell eine Profi-Karriere anstreben können. „Wenn sie gut sind und sich durchsetzen können, dann wäre das super für die Entwicklung des Fußballs in den USA“, sagt der 40-Jährige.

Diese Entwicklung zu fördern, ist für Rose, der sich selbst als „glühender Fan der Bundesliga und inzwischen auch von Mainz 05 “ bezeichnet, eine Art Lebensaufgabe geworden. Seine Idee war, in seiner Heimat den Colorado Cup zu installieren. Rose sprach die 05er an sowie Borussia Mönchengladbach, versuchte die Klubs vom Konzept Colorado Cup zu überzeugen: Zwei Bundesligisten, ein Team der Major League Soccer, eine lokale Mannschaft aus Colorado sowie ein mexikanisches Team im stark latino-geprägten Südwesten den Landes in einem Saison-Vorbereitungs-Turnier antreten zu lassen. „Ich habe viel mit der DFL gesprochen, habe Termine mit Bundesligisten gemacht. Die Basis-Idee war, Bundesligisten nach Colorado zu schicken“, sagt der frühere Stopper. Colorado Springs sei eine Sportstadt, eine olympische Stadt mit dem großen US-Trainingskomplex und als Standort der meisten Sportverbände. Der Ort biete ideale Trainingsbedingungen in allen Bereichen. „Schalke oder Leverkusen sind nach Florida ins Trainingslager gefahren, aber Colorado ist im Sommer besser vom Klima her. Das Interesse kann zudem größer sein, denn hier leben 30 Prozent deutschstämmige Menschen.“ Die Mainzer waren angetan von Roses Plan. Im Januar war der ehemalige Teammanager Axel Schuster vor Ort und hat sich alles angesehen. Darius Salbert, der neue 05-Teammanager, war vor zwei Monaten zur Inspektion in Colorado Springs, in Vail und Denver. Die Mainzer sagten zu, „doch die Gladbacher entschieden sich leider dafür, ihre Vorbereitung in der Schweiz zu absolvieren“, sagt Rose.

Entwicklungshelfer in Sachen Fußball: Die 05-Trainer Martin Schmidt und Stephan Kuhnert sowie Pablo de Blasis mit amerikanischen und mexikanisch-stämmigen Kindern, die am Trainings-Camp des Mainzer NLZ in Colorado Springs teilnehmen. Foto: Jörg SchneiderSo ist vom Colorado Cup nicht mehr sehr viel übrig geblieben. Die 05er spielen gegen das einheimische Team der Colorado Springs Switchbacks und den mexikanischen Zweitligisten Leones Negros. Für die 05er zwei Begegnungen, die eher Testspiel- als Turniercharakter haben. Dennoch firmiert alles, was in diesen Tagen in Colorado fußballtechnisch passiert, unter dem Namen Colorado Cup: Die Mainzer Entwicklungshilfe mit der 05er Fußballschule und dem NLZ, die Trainingscamps für Kinder anbieten, das Trainingslager der Profis, die Öffentlichkeitsarbeits- und Marketing-Geschichten, die die Mainzer Delegation in der Stadt und im Umfeld absolviert.

Alles dient dem Soccer-Fortbildungs-Programm. Auch wenn es nur ein Anfang, einer erster Schritt sei, sagt Rose, beide Seiten profitierten von diesem Projekt. Die Mainzer könnten sich einen neuen Markt erschließen und neue Fans gewinnen. Und in Colorado Springs sei man geradezu begeistert davon, das Knowhow eines etablierten Bundesligisten und dessen Nachwuchsförderung vermittelt zu kriegen. „Ich habe diese Sache ein Jahr lang vorbereitet“, sagt Rose. „Wir haben sehr viel Medienarbeit gemacht in englischer und in spanischer Sprache. Wir haben den Fußballverband hier mit ins Boot genommen, Radio und Zeitungen versucht dafür zu interessieren.“ Der Sender ESPN überträgt die beiden 05-Testspiele live im Abendprogramm im Südwesten. „Wir haben viel getan. Jetzt ist es auch für uns spannend zu sehen, welche Bilanz wir nachher ziehen können.“

Die DFL in Deutschland hat das Ganze ebenfalls unterstützt. Die 05er sind als Botschafter der DFL nach Colorado gereist und haben vor Ort Werbefilme und Präsentationen produziert. Insgesamt gehören 50 Personen zum Stab der Rose-Brüder, die in diesen Tagen an den Standorten Vail und Colorado Springs alles dafür tun, die deutschen Gäste zu betreuen und den Leuten in Colorado den Fußball näher zu bringen. Zum Colorado Cup gehören deshalb auch Spiele von Nachwuchsmannschaften der Jungen und Mädchen, die im Vorprogramm der 05-Testspiele in jeweiligen All-Star-Teams gegeneinander antreten und von den Trainern des Mainzer NLZ betreut werden. „Mein Traum war immer, in der Bundesliga zu spielen. Heute spiele ich bei den Alten Herren in Frankfurt“, sagt Rose, der sich in den 90er Jahren als Innenverteidiger im amerikanischen Soccer gewisse Meriten verdiente. Den Traum von der Bundesliga konnte sich der 40-Jährige nicht erfüllen. An dem anderen Traum, in seiner Heimat den Fußball besser zu etablieren und nach europäischem Vorbild zu fördern, arbeitet Justin Rose akribisch weiter. „Wir brauchen das Wissen von Fachleuten wie bei Mainz 05, um voran zu kommen. Wie wir spielen, welche Wege wir beschreiten müssen. Motiviert sind wir genug. Es gibt keinen besseren Weg, Soccer hier zu fördern, als es im Moment geschieht. Deutsche Trainer, die ihr Wissen vermitteln, diese Nachwuchs-Camps, die Profis hier spielen zu sehen. Das alles hilft uns sehr auf unserem Weg.“

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