Das 05-Kalenderblatt: 9. bis 11. Mai

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um den Krieger aus Chocó, den Tempodribbler in Heidesheim, dem Phantom aus Dänemark, einige weitere Spieler, aber auch einen wichtigen Heimsieg und eine schmerzhafte Auswärtsniederlage.

9. Mai  

Otto Freitags Geburt ist heute 119 Jahre her......die von Friedhelm Aust 65 Jahre.Ein bedeutender Mann aus der Frühzeit des FSV Mainz 05 würde heute Geburtstag haben. Allerdings ist der Berliner Verteidiger Otto Freitag bereits 1982 in seiner Wahlheimat Mainz verstorben. Freitag, wie sein zwei Jahre älterer Bruder Willi und der Ex-Nationalspieler Kurt Diemer einer der Kicker, die 1919 vom Mainzer Fußballpionier Hugo Ries aus Berlin an den Rhein gelockt wurden, war lange ein Leistungsträger und ein Kopf der Mannschaft. Seinen letzten Einsatz hatte Otto Freitag 1930 beim 0:5 bei Alemannia Worms - ein Ergebnis, das nur durch die Verletzung des Verteidigers so deutlich ausfiel. Nach seinem Karriereende wurde Freitag Wirt im Vereinsheim der 05er. Heute würde er 119 Jahre alt werden.

Friedhelm Aust hätte heute seinen 65. Geburtstag. Der Verteidiger aus dem Rheinland, der 1972 mit der Erfahrung von zehn Bundesligaspielen für Eintracht Frankfurt zu den 05ern wechselte, aber kein Stammspieler wurde, an der Südwestmeisterschaft 1973 und der Zweitliga-Qualifikation 1974 nur marginale Anteile hatte, ist jedoch im vergangenen Juni verstorben.

Ergebnisse am 9. Mai:

1965: BSC Oppau - FSV Mainz 05 4:1  
1971: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:4  
1981: Eisbachtaler Spfr. - FSV Mainz 05 3:2  
1999: Rot-Weiß Oberhausen - FSV Mainz 05 2:1  
2015: VfB Stuttgart - FSV Mainz 05

10. Mai  

Man kann's nicht oft genug zeigen: Elkin Sotos 1:0 gegen den HSV vor zwei Jahren. Foto: imagoMorgen jährt sich die zweite sportliche Europapokal-Qualifikation des FSV Mainz 05 zum zweiten Mal. Am letzten Spieltag mussten die 05er den minimalen Vorsprung auf den FC Augsburg verteidigen. Gegen den HSV schoss Elkin Soto früh das 1:0, aber die gegen den Abstieg kämpfenden Hamburger glichen schnell aus. Augsburg wiederum lag in Frankfurt zurück, glich ebenfalls aus. Yunus Malli brachte die 05er erneut in Führung, auch der FCA schoss das 2:1. In Mainz erhöhte Shinji Okazaki auf 3:1, Hamburg verkürzte nur noch auf 3:2.

Außerdem hat ein Phantom Geburtstag: Emil Berggreen wird 23 Jahre alt. Der dänische Stürmer wechselte im Winter von Eintracht Braunschweig zu den 05ern, wurde seither aber noch nicht oft gesehen. Nach einer kleinen Operation sollte der Neuzugang eigentlich im März ans Mannschaftstraining herangeführt werden, aber es dauert und dauert offenbar.

Weitere Ergebnisse am 10. Mai:

1964: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 1:5  
1970: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 1:0  
1975: FSV Mainz 05 - Stuttgarter Kickers 1:0  
1987: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:5  
1992: FSV Mainz 05 - Hallescher FC 1:0  
1998: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 1:3  
2009: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 2:0  

11. Mai  

Auch kurz vor dem 46. Geburtstag noch torgefährlich: Der große Techniker Fabrizio Hayer beim Spiel der Traditionsmannschaft in der Bundesliga-Halbzeit.Am Mittwoch stehen einige Geburtstage an. Der Älteste wäre Heinrich Emrich; der Angreifer, der 1949 und 1951/52 in acht Spielen für die 05er ein Tor schoss, wurde vor 91 Jahren geboren.

Sieben Jahre später kam Heinrich Schaum zur Welt. Der Offensivmann kam 1959 von den Offenbacher Kickers zu den 05ern und schoss als Halbrechter in 25 Spielen fünf Tore. Bereits 1960 verließ Schaum die 05er wieder.

Fabrizio Hayer wird 47 Jahre alt. Der Mittelfeldtechniker spielte bereits als Zehnjähriger für die 05er, wurde in Kaiserslautern, Karlsruhe und Essen Profi und kam nach dem endgültigen Zweitliga-Aufstieg der 05er, 1990, an den Bruchweg zurück. Von 1994 bis 1997 spielte Hayer für Waldhof Mannheim, danach zwei weitere Jahre für die 05er - immer mit dem Handicap, zehn Jahre zu früh zur Welt gekommen zu sein: Von der Anlage war Hayer ein Spielmacher, der außer Kopfbällen - dafür war er zu klein - alles konnte. Hayer war wendig, technisch perfekt, ein Tempodribbler mit gutem Passspiel, aus dem Spiel heraus und mit Freistößen torgefährlich. Im 4-4-2 der 1990er war er als zentraler Mittelfeldspieler, dessen Stärken in den Halbräumen lagen, zu weit vom Tor entfernt. Im 4-2-3-1 der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart hätte er mit dem richtigen Verein weit mehr als seine zwei Bundesligapartien für den KSC absolvieren können. Mit 434 Profispielen in der Bundesliga, 2. Liga, Regionalliga und im DFB-Pokal, davon 182 für die 05er, und 62 Toren kann Hayer auch so auf eine sehr ordentliche Karriere zurückblicken. Heute ist der Offensivkünstler Gastronom in Heidesheim.

Einer, der es geschafft hat: Daniel Buballa (vorne, hier im Zweikampf mit dem heutigen Mainzer Leon Balogun) entwickelte sich bei der U23 der 05er vom Ober- zum Zweitligaspieler. Foto: imagoDaniel Buballa wird 26 Jahre alt. Der rheinländische Linksverteidiger kam im Winter 2010/11 aus der Oberliga zu den 05-Amateuren, spielte in eineinhalb Jahren 43 Mal in der Regionalliga und wechselte dann weiter nach oben: Für den VfR Aalen und den FC St. Pauli bestritt Buballa inzwischen deutlich mehr als 100 Zweitligaspiele.

24 Jahre alt wird Jaineil Hoilett. Der Mittelfeldspieler kam 2009 im Zusammenhang mit der erhofften Verpflichtung seines zwei Jahre älteren Bruders David zu den 05ern, als dieser in England keine Arbeitsgenehmigung bekommen sollte und sein Stammverein, die Blackburn Rovers, ihn hätten abgeben müssen. David Hoilett durfte letztlich doch in der Premier League spielen. Jaineil blieb in Mainz und bestritt 45 U19-Spiele (8 Tore) und 43 Regionalligapartien (2 Tore) für die 05er. Über die zweite Mannschaft des FSV Frankfurt kam der jüngere Hoilett zur Saison 2015 zum FC Dallas, stand aber beim Tabellenführer der Western Conference noch bei keinem Spiel im Kader.

Und 23 Jahre alt wird der Krieger aus Chocó, dem Departamento der kolumbianischen Pazifikküste. Der furchtlose Stürmer, der als einziger Nicht-Münchner einen Siegtreffer bei den Bayern geschossen hat. Der mit seinem Tor die Europa-League-Qualifikation gesichert hat. Dessen Wucht viele Verteidiger nur mit Fouls abfangen können. Der dafür sogar manchmal einen Freistoß bekommt:

Jhon Córdobas herausragende Qualität: Nicht die geringste Angst vor dem Zwei-, Drei-, Vierkampf.Der kolumbianische Juniorennationalspieler Jhon Andrés Córdoba Copete. Die 05er holten den jungen Angreifer auf Leihbasis vom Granada CF; eine Rolle spielte er in Mainz zunächst nicht. Es gab Verletzungsprobleme, gelegentliche Einwechslungen in der Hinrunde, einen ersten eindrucksvollen Startelf-Einsatz zum Rückrundenauftakt in Ingolstadt, wo Córdoba mehrere Verteidiger gleichzeitig beschäftigte, was der Rest der Mannschaft nicht zu nutzen vermochte - und dann die Verletzung von Yoshinori Muto. Córdoba ist seither Stammspieler und hat mit fünf Rückrundentoren gezeigt, dass er in der Bundesliga angekommen ist. Auf gut fünf Millionen Euro ist die Kaufoption dotiert, die die 05er in den nächsten Tagen sicherlich ziehen werden.

Weiterhin ist der Mittwoch der elfte Todestag von Arno Butterweck. Der Mittelfeldspieler, Jahrgang 1941, galt in den späten 1950ern als Toptalent des FSV Mainz 05, entwickelte aber nicht den vollendeten Ehrgeiz, kam daher nicht dauerhaft im Vertragsfußball an und spielte von 1958 bis 1960 nur 13 Mal in der Oberliga.

Schließlich wird eins der mysteriöseren Spiele des FSV Mainz 05 genau acht Jahre zurückliegen. Am 11. Mai 2008 stieg das Spitzenspiel des vorletzten Zweitliga-Spieltags: 1. FC Köln gegen Mainz 05. Jürgen Klopp setzte überraschend die Stammspieler Elkin Soto, Miroslav Karhan und Srdjan Baljak auf die Bank. Der FC gewann 2:0 und stieg in die Bundesliga auf; die 05er verpassten eine Woche später trotz eines 5:1 gegen den FC St. Pauli den direkten Wiederaufstieg und verloren dadurch ihren langjährigen Trainer, der zu Borussia Dortmund wechselte. Der Hintergrund der ungewöhnlichen Aufstellung wurde nie endgültig aufgeklärt; wahrscheinlich hat Klopp in seinem vorletzten Spiel aber einfach nur übertaktiert und sich damit verzockt.

Weitere Ergebnisse am 11. Mai:

1969: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 0:3  
1980: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 5:0  
1986: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 1:0  
1991: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 1:1  
1993: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 0:0  
1997: SpVgg Unterhaching - FSV Mainz 05 0:0  
2013: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 2:4  

 

► Alle Artikel zur Historie

 

► Zur Startseite