Das 05-Kalenderblatt: 7. bis 9. Februar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In dieser Woche geht es um zwei große Comebacks und einen großen Verteidiger, um einen Nationalspieler, der sich nicht durchgesetzt hat, den Mainzer mit der kürzesten Profikarriere und den mit der längsten Figur, um einen Manager und einen Mittelstürmer.

7. Februar 

Heute vor 14 Jahren gab es zum (bisher) letzten Mal das gefürchtete Rhein-Neckar-Derby: Waldhof Mannheim gegen Mainz 05. Die 05er lagen schon in der zweiten Minute mit 0:1 zurück, schlugen aber hart zurück: Michael Thurk, Mimoun Azaouagh und Benjamin Auer trafen gegen den Waldhof, Niclas Weiland bei seinem Comeback nach einer Verletzungspause von sechs Monaten gar zweimal. Das 5:1 war der höchste 05-Auswärtssieg seit dem 13. August 1991 und wurde seither nur durch das 6:2 in Bochum am 30. April 2005 übertroffen.

Drei aktuelle oder ehemalige Talente haben heute Geburtstag: Fabian Liesenfeld wird 31 Jahre alt; der gebürtige Mainzer, der in Guldental, Bad Kreuznach und Bingen ausgebildet wurde, spielte von 2005 bis 2008 im offensiven Mittelfeld der Oberligamannschaft der 05er und könnte der Spieler mit der kürzesten 05-Profikarriere sein: Beim 1:1 im Zweitligaspiel in Koblenz zum Rückrundenauftakt 2008/09 wurde er in der 91. Minute eingewechselt.

Ein National-, aber kein Bundesligaspieler: Todor Nedelew ist in Bulgarien erfolgreich, aber nicht in Mainz. Foto: imago24 Jahre alt wird Todor Nedelew, ein durchaus sehr talentierter Fußballer, der wie Ede an einer gewissen Genügsamkeit scheitern könnte. Der bulgarische Nationalspieler kam im Winter 2013/14 von Botew Plowdiw nach Mainz, hatte dort anfangs Schwierigkeiten, sich in die fremde Umgebung zu integrieren, bekam diese einigermaßen in den Griff, hatte Verletzungsprobleme, hatte das Pech, dass die Mannschaft, insbesondere Yunus Malli, ebenfalls stärker wurde, spielte daher nie eine Rolle, wurde 18 Mal in der U23, aber nur zweimal für insgesamt eine gute Viertelstunde in der Bundesliga eingesetzt, saß ansonsten auch nur viermal auf der Bank. Seit Januar 2016 und noch bis Saisonende ist Nedelew als Leihspieler wieder bei Botew und spielt dort eine gute Rolle. Ob eine Rückkehr nach Mainz aber sinnvoll ist, ist fraglich.

21 Jahre alt wird schließlich Aaron Seydel. Der Stürmer, der als Neunjähriger vom FSV Oppenheim zu den 05ern kam, hatte sich in der Drittligamannschaft noch nicht absolut durchgesetzt, als er plötzlich ein Europapokalspieler wurde: Martin Schmidt setzten den langen, aber technisch noch nicht ausgereiften gebürtigen Mainzer in Saint-Étienne auf die Bank, weil er eine Option für Jhon Córdoba brauchte, wechselte ihn ein, stellte ihn beim Auswärtsspiel gegen Hertha BSC sogar in die Startelf - und Seydel schoss prompt sein erstes (und bisher einziges) Bundesligator. Weil die Konkurrenz wieder zahlreicher ist, könnte der Angreifer nach vier weiteren Profi-Einwechslungen erst einmal wieder in der 3. Liga landen - aber seine Karriere ist ja noch jung.

Weitere Ergebnisse am 7. Februar:

1932: FSV Mainz 05 - VfL Neckarau 4:2  
1954: FV Speyer - FSV Mainz 05 2:1  
1960: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:1  
1971: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:3  
1982: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 4:1  
2006: FSV Mainz 05 - Arminia Bielefeld 1:1  
2010: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:0  
2015: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:2 
 

8. Februar  

Morgen würde Gerd Higi, einer der wenigen Ehrenspielführer der 05er, 98 Jahre alt werden. Der Verteidiger ist jedoch bereits vor fast 27 Jahren verstorben. Higi war bereits als Elfjähriger ein 05er, dann jahrzehntelang eine wichtige Figur in mehreren Rollen: 1936/37, als der Vorkriegsspielbetrieb der Mainzer zum ersten Mal zusammenbrach, als 17-jähriger Linksaußen, der bereits beim Debüt seine erste Torvorlage schaffte. Nach dem Krieg war Higi bis 1951 ein routinierter Innenverteidiger; 86 Spiele in der Oberliga ab 1948 sind nachgewiesen, 115 Spiele und zwei Tore sollen es ab 1945 sein. Mit einem letzten Einsatz am vorletzten Spieltag der Saison 1951/52 beendete der Bäckermeister seine aktive Karriere, blieb aber als Spielausschussmitglied bei den 05ern. 

Vorne rechts kniet einer der größten 05er von allen, der Ehrenspielführer Gerd Higi, der morgen vor 98 Jahren zur Welt kam.Im Laufe der Saison 1954/55 löste er den erfolglosen Emil Izsó als 05-Trainer ab, beendete die Niederlagenserie prompt im Januar mit einem 9:0 gegen die Spfr. Saarbrücken (bis 1979 der höchste 05-Sieg in einem Ligaspiel), musste aber bald auf seinen ehemaligen Partner in der Innenverteidigung verzichten: Jupp Amadori, der Standardschütze und Abwehrroutinier, kündigte bereits im Februar seinen Vertrag. Mit einer zu alten Mannschaft blieben die 05er lange im Abstiegskampf, retteten sich am vorletzten Spieltag durch ein völlig unerwartetes 3:2 nach 0:2 bei der Spitzenmannschaft der TuS Neuendorf. In den beiden folgenden Jahren blieb Higi ehrenamtlicher 05-Trainer, dann legte er das Traineramt aus beruflichen Gründen nieder. Der ewige 05er blieb jedoch im Spielausschuss, wurde bald dessen Vorsitzender und war in den 1970ern noch zweimal Interimstrainer seines Vereins; in er zweiten Liga gab es für ihn jeweils zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen.

Kurzzeitig war Higi Scout des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern; als er 1971 zu den 05ern zurückgekommen war, brachte er als Chef der Jugendabteilung die brachliegende Nachwuchsarbeit wieder in Gang. 1977 führte das zu Ergebnissen: Die U19 mit Rudi Collet, Ali Oehrlein, Günther Martin, Werner Reinhard, Sigi Iser und Axel Brummer standen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft (4:1 und 0:4 gegen den MSV Duisburg), ebenso die U17 mit Rechtsaußen Charly Mähn. Brummer und Collet schafften es in die Bundesliga, Oehrlein schaffte es in die 2. Liga, Mähn wurde seinerseits eine 05-Legende.

Uwe Stöver, einst Profi, Marketingchef, Nachwuchstrainer der 05er, seit Mai 2016 Sportdirektor des FCK, wird morgen 50 Jahre alt.Außerdem wird Uwe Stöver morgen 50 Jahre alt. Der Wuppertaler kam 1995, als Holger Greilich die 05er verlassen hatte und Michael Müller verletzt war, vom VfL Bochum an den Bruchweg, in den Profifußball gekommen worden war er bei Bayer Leverkusen - allerdings erst mit Mitte 20; Stöver war einer von den Spätstartern, spielte wahrscheinlich auch deshalb nicht lange in der Bundesliga. FÜr damalige 05-Verhältnisse war der Verteidiger eine große Nummer, allerdings brauchte er eine Weile, um in Mainz ein Leistungsträger zu werden. Wegen Verletzungsproblemen hatte Wolfgang Frank, der erst ein paar Wochen nach Saisonbeginn die 05er übernahm, schnell keine Geduld mehr mit dem verletzungsanfälligen Stöver, sortierte ihn vorübergehend aus. Erst zum Saisonende hin wurde der Sommer-Neuzugang Stammspieler, nicht auf seiner klassischen Position als Manndecker neben einem Libero, sondern als Linksverteidiger - obwohl er ein Rechtsfuß war, machte Stöver das gut, verstand die Viererkette sofort, war ein Stabilisator in einer Mannschaft, die sich in einer überragenden Rückrunde vor dem unabwendbar geglaubten Abstieg rettete.

In der folgenden Fast-Aufstiegssaison 1996/97 war Stöver wegen weiterer kleiner Verletzungen kein absoluter Stammspieler, aber während Jürgen Klopps Kreuzbandriss als Rechts-, danach wieder als Linksverteidiger sehr regelmäßig dabei. Und wäre sicherlich noch länger ein Leistungsträger gewesen, hätte sein Knie das zugelassen. Im Laufe seiner Karriere aber musste Stöver sieben Mal operiert werden, daher schaffte er nur 122 Partien im Profifußball, davon 45 für Mainz 05. 1997/98 spielte er bereits nur noch am ersten Spieltag mit, im Folgejahr gab es einen fünf Minuten kurzen, erfolglosen Comebackversuch. Aber auch nach seinem Karriereende blieb Stöver im Fußballgeschäft, war zunächst Marketingchef und Nachwuchstrainer der 05er, dann Amateurcoach und Nachwuchschef beim 1. FC Kaiserslautern, Geschäftsführer beim SV Wehen, zuletzt sechs Jahre lang Manager des FSV Frankfurt. Warum die Bornheimer ihn kurz vor Ende der Saison 2014/15 feuerten, verstand keiner so ganz; Stöver hatte jahrelang die bemerkenswerte Fähigkeit, immer sehr günstige, erfahrene Spieler zu finden, die den FSV ordentlich in der zweiten Bundesliga halten. Seit Mai ist der Ex-Verteidiger nun Sportdirektor beim FCK.

Ergebnisse am 8. Februar:

1953: FV Speyer - FSV Mainz 05 0:1  
1970: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 7:1  
1981: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 6:0  
2009: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 2:2  
2014: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:0  

9. Februar  

Am 3. Februar 1963 gewann Mainz 05 im tiefen Abstiegskampf völlig überraschend 2:1 beim 1. FC Saarbrücken - Ausgleich und Siegtor fielen erst in der 86. und 88. Minute. Hier gratulieren die Kollegen dem Siegtorschützen Vincenz Fuchs, Zweiter von rechts ist Erwin Bader, der am Donnerstag vor 78 Jahren geboren wurde.Vor einer Woche haben wir Charly Tripp zum Geburtstag gratuliert, nun seinem direkten Vorgänger als Mittelstürmer der 05er: Erwin Bader kam am Donnerstag vor 78 Jahren zur Welt. Die 05er holten den damals 22-jährigen Angreifer 1961 aus der Nachbarschaft, vom TSV Trebur. Zwar schoss der neue Mann schon beim Debüt sein erstes Tor, den 2:1-Siegtreffer beim späteren Absteiger Südwest Ludwigshafen, ein Torjäger wurde er jedoch nicht sofort. Mit sechs Saisontoren in allerdings auch nur 19 Spielen stand Bader im ersten Jahr klar im Schatten seiner Nebenleute, dem Rechtsaußen Erich Bäumler, einem Ex-Nationalspieler, und des Linksaußen Vincenz Fuchs, der mit ihm aus dem hessischen Amateurfußball gekommen war, vom SV Kriftel. Beide trafen jeweils zwölfmal. Auch im zweiten Jahr schaffte Bader den Durchbruch noch nicht, freilich fehlte ihm und seinen Kollegen die Unterstützung aus dem Mittelfeld; Bäumler war weg, Fuchs schoss immerhin zehn Tore, Bader trug sechs Treffer zur zweitschwächsten Offensive der Liga bei. 

Dann aber holten die 05er zwei neue Umschalter: Kurt Sauer aus Marburg und den kürzlich verstorbenen Günther Dutiné aus Aschaffenburg. Davon profitierte der Angriff wesentlich: Fuchs schoss 20 Tore, Manfred Nehren als neuer Rechtsaußen 14 (und damit mehr als in den 58 Spielen seit seinem Wechsel nach Mainz vier Jahre zuvor), Erwin Bader im Sturmzentrum 18 in 32 Spielen.

Den Durchbruch bedeutete das jedoch nicht. Bereits im folgenden Jahr war Charly Tripp als neuer Mittelstürmer da, Bader spielte nur noch viermal für die 05er und verließ dann den Verein.

Am Donnerstag jährt sich außerdem zum 13. Mal eins der legendärsten Mainzer Zweitligaspiele: 0:2 lagen die 05er am 9. Februar 2004 zur Halbzeit gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Alemannia Aachen zurück - völlig verdient nach einer fürchterlichen Leistung. Neuzugang Markus Dworrak erzählte nachher, er hätte mit einem Kabinendonnerwetter gerechnet und sei total irritiert gewesen von Jürgen Klopps Zuversicht in der Halbzeitpause. Der Trainer redete sein Team so stark, dass der Sieg eine Selbstverständlichkeit wurde. Manuel Friedrich traf zum Anschluss, Dworrak selbst erzwang das Eigentor zum Ausgleich, Christof Babatz schoss das Siegtor. Und Klopp redete davon, das Spiel in die Geschichtsbücher genagelt zu haben.

Weitere Ergebnisse am 9. Februar:

1936: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:2  
1958: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 1:1  
1969: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:3  

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