Das 05-Kalenderblatt: 7. bis 9. Dezember

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es unter anderem um einen Fußballpionier, einen Finnen, einen Dänen, einen Schweizer, einen Südafrikaner, einen Türken, einen Schalker und einen Hunsrücker.

7. Dezember  

Heute vor elfmal elf Jahren kam einer der wichtigsten frühen Mainzer Fußballpioniere in Mainz zur Welt. Hugo Ries kam 1906 zum damaligen Mainzer FC Hassia 05, als sein FC Viktoria komplett dem jungen Verein beitrat. Ab 1912 spielte der Stürmer über 300 Mal in der ersten Mannschaft. Obwohl er sich 1926 - mittlerweile als Verteidiger - aus dem Spitzensport zurückzog, hängt die erste Blütezeit der 05er in den späten 1920ern unmittelbar mit Ries zusammen: Kurt Diemer (Karriereende 1927), Otto Freitag (Karriereende 1930) und Willi Freitag (Karrieende 1932), die jener 1919 aus Berlin, wo er nach Kriegsende zunächst hängengeblieben war, nach Mainz mitbrachte, waren jahrelang wichtige Stützpfeiler der Mainzer Defensive. Zudem war Ries ein wichtiger Lehrer für den jungen Paul Lipponer, der bald der überragende Torjäger der 05er wurde. Im Alter von 32 Jahren wechselte Ries zum SV Weisenau, den er 1929 als Spielertrainer in die zweithöchste Liga brachte. Als passives Mitglied war Ries bis zu seinem frühen Tod eine große Respektsperson bei den 05ern. Ries verstarb im Alter von nur 37 Jahren am 18. Juli 1932 an den Spätfolgen einer im 1. Weltkrieg erlittenen Gasvergiftung. 

Hugo Ries, Torben Nielsen, Delron Buckley und Danny Latza kamen jeweils an einem 7. Dezember zur Welt.70 Jahre alt wird Torben Nielsen. Der dänische Nationalspieler kam 1972 von B03 Kopenhagen zu den 05ern. Als Stammspieler im defensiven Mittelfeld oder in der Abwehr wurde der schnelle Däne im ersten Jahr Südwestmeister, scheiterte aber mit den 05ern in der Bundesliga-Aufstiegsrunde am Favoriten Fortuna Köln. Nielsen war ein exzellenter Fußballer ohne erkennbare Schwächen, hatte gute Ballkontrolle, Übersicht, Passspiel, war auch eine große Persönlichkeit, an der sich eine Mannschaft aufrichten konnte. Warum er nie in der Bundesliga gespielt hat, fragen sich seinerzeit viele. Bereits nach seiner zweiten Saison wechselte Nielsen zum FK Pirmasens. Für Mainz 05 hatte er in 58 Regionalligaspielen vier Tore geschossen.

Delron Buckley wird heute 38 Jahre alt. Der Südafrikaner kam im Winter 2008/09 als erfahrener Bundesligaprofi von Borussia Dortmund zu den 05ern - dank eines Transfertricks von Christian Heidel: Die auf den letzten Drücker geplante Verpflichtung scheiterte, weil der nichtsahnende Buckley am letzten Transfertag weit weg von allen Faxgeräten war und die 05er daher die Frist um sieben Minuten verpassten. Weil aber der Südwestdeutsche Fußballverband den Vereinen zwölf Stunden mehr Zeit gibt, ließ sich Buckley kurzerhand als Amateur anmelden. Der Linksaußen kam mit großen Vorschusslorbeeren nach Mainz, bereitete tatsächlich im ersten Einsatz ein Tor vor und traf im zweiten Spiel selbst; man sah, dass er schon beim BVB gespielt hatte. Buckley war einer der Schnellsten, die es zu dieser Zeit bei den 05ern gab, von seiner Klasse her ein Spieler weit über Zweitliga-Durchschnitt, aber nicht mehr der Jüngste, schon ein bisschen verletzungsanfällig. Die Hoffnungen erfüllte er nicht. Immerhin schaffte der zweimalige WM-Teilnehmer mit den 05ern den vierten Bundesliga-Aufstieg seiner Karriere; dreimal hatte er die Bundesliga bereits mit dem VfL Bochum erreicht.

Außerdem wird Danny Latza heute 26 Jahre alt. Der zentrale Mittelfeldspieler, der vor etlichen Jahren schon dreimal für Schalke in der Bundesliga spielte, wechselte zur laufenden Saison aus Bochum zu den 05ern und wurde nach der Verletzung von Fabian Frei Stammspieler.

Weitere Ergebnisse am 7. Dezember:

1930: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 3:1  
1952: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 6:0  
1969: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 4:0  
1974: VfR Heilbronn - FSV Mainz 05 2:2  
1980: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 5:3  
1986: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:3  
1997: KFC Uerdingen 05 - FSV Mainz 05 0:1  
2007: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 1:0  
2014: Hamburger SV - FSV Mainz 05 1:2  

8. Dezember  

1965 brach im DFB-Pokalspiel der 05er gegen Werder Bremen das Mainzer Tor zusammen. Als Dritter von rechts betrachtet Manfred Zimmer das Malheur.Am Dienstag vor 81 Jahren kam Gerhard Natale zur Welt. Der Torwart, zuvor nur Nummer 2 in Offenbach, war 1959/60 Stammtorwart der 05er in der Oberliga Südwest. Im zweiten Jahr wurde Natale wieder von seinem Vorgänger Otto Schedler verdrängt, insgesamt spielte er 34 Mal für die Mainzer.

74 Jahre alt wird Manfred Zimmer. Der Hunsrücker war in den 1960ern selten ein klarer Stammspieler bei den 05ern, aber unterm Strich ein wichtiger Mann im Mittelfeld. Zunächst stand ihm Carlo Storck im Weg; als das, was man heute "Sechser" nennen würde, war der Offenbacher einer der ganz bedeutenden Schlüsselspieler im 05-Team jener Jahre. Zimmer war Storcks Kronprinz; als dieser in die Abwehr zurückgezogen wurde, kam er selbst als Absicherung der offensiven Mittelfeldspieler (meist Kurt Sauer und Günter Dutiné) zum Einsatz. In zehn Jahren spielte Zimmer 148 Mal für die 05er und schoss als Defensiv- und Aufbauspieler bemerkenswerte 17 Tore.

Weitere Ergebnisse am 8. Dezember:

1935: FSV Mainz 05 - SV Mörfelden 3:0  
1957: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 4:2  
1963: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 4:1  
1968: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 2:0  
1984: FC St. Wendel - FSV Mainz 05 0:1  
1985: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:0  
1991: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 2:1  
1995: FSV Mainz 05 - VfB Lübeck 0:1  
2001: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 3:2  
2003: SpVgg Unterhaching - FSV Mainz 05 1:1  

9. Dezember  

Geburtstagskinder am 9. Dezember: Tommi Paavola, Frank Grimm, Sven Christ und Hasan Ali Kaldirim.

Am Mittwoch vor 51 Jahren spielte die Regionalliga Südwest ausnahmsweise in Hessen: Das im November ausgefallene Spiel der 05er gegen den 1. FC Saarbrücken sollte an einem Mittwochabend nachgeholt werden, aber am Bruchweg gab es kein Flutlicht. 4000 Zuschauer - mehr als damals normalerweise die 05-Heimspiele besuchten - sahen eine 0:1-Niederlage der 05er im Scheinwerferlicht des Wiesbadener Stadion an der Berliner Straße.

Vier Ex-05er haben am Mittwoch Geburtstag. Glatte 50 Jahre alt wird Tommi Paavola. Der schnelle Konterstürmer aus Finnland, der 1990 mit Hessen Kassel aus der 2. Bundesliga abgestiegen (und auch dort schon kein Torjäger gewesen) war, kam im Oktober 1991 aus der finnischen Liga zu den 05ern, um sie im Abstiegskampf zu retten. Technisch und im Abschluss war Paavola aber nicht gut genug. In nur neun Spielen traf er zweimal für die Mainzer, dann wechselte er zum zweiten Mal nach Belgien zum KSC Lokeren. In seiner Heimat spielte der A-Nationalspieler Finnlands noch bis 2009, zunächst lange in der ersten Liga, zuletzt im Hallenfußball. 

Sven Christ wird 42 Jahre alt. Der Abwehrspieler aus der Schweiz ist eine Legende beim FC Aarau, für den er 220 Mal in der höchsten Liga spielte; bei den 05ern verteidigte er von 2001 bis 2003 in der 2. Bundesliga. Christ hatte eine gute Ausstrahlung, keine schlechte Technik, einen sehr guten Kopfball und eine gewisse Eleganz, war nebenher auch ein exzellenter Klavierspieler, nur im Zweikampf war er etwas zu zaghaft. Daher war er kein absoluter Stammspieler; in zwei Jahren setzten ihn die 05er 31 Mal ein, ehe er zurück nach Aarau wechselte.

Ebenfalls 42 Jahre alt wird Frank Grimm, einer der vielen Spieler, die die Jügesheimer Legende "Django" Mann den 05ern empfahl. Anders als beispielsweise Michael Thurk oder Abderrahim Ouakili war der Amateurspieler von Eintracht Frankfurt und ehemalige Landesliga-Torjäger aber nicht gut genug für die 2. Liga. Bei neun Einsätzen in der Saison 1995/96 wurde Grimm viermal ein- und sechsmal ausgewechselt, dann setzte er seine Karriere wieder im Amateurfußball fort.

26 Jahre alt wird der türkische A-Nationalspieler Hasan Ali Kaldirim. Der gebürtige Neuwieder kam 2009 vom FCK II zur Mainzer Regionalligamannschaft. Dem fußballerisch gute Linksverteidiger fehlte allerdings etwas die tuchelsche Demut; bereits nach einem halben Jahr verließ er Mainz wieder zu Kayserispor. Seit 2012 spielt Kaldirim für den Spitzenklub Fenerbahce SK, wo er allerdings nur im ersten Jahr Stammspieler war.

Weitere Ergebnisse am 9. Dezember:

1928: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 5:0  
1934: FSV Mainz 05 - SV Gonsenheim 6:1  
1951: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 4:2  
1962: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 1:2  
1973: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 5:4  
1979: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 1:0  
1990: FSV Mainz 05 - VfB Oldenburg 2:0  
2006: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:1  
2012: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 2:0  

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