Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Anfang Juni geht es nur noch um wenige Spiele - zwei davon waren entscheidend. So gab es heute vor 25 Jahren den Erstkontakt mit Jürgen Klopp und zwei Tage später die Rückkehr in den Profifußball. Und demnächst hat ein großer Freistoßkünstler Geburtstag.

4. Juni

Mit zwei Toren in der 86. und 88. Minute schlugen die 05er 1963 den großen 1. FC Saarbrücken 2:1. Während Mittelstürmer Erwin Bader (zweiter von rechts) den Torschützen Vincenz Fuchs fast erdrückt, kommt ganz links Ulrich Rother dazu, der heute vor 78 Jahren zur Welt kam.Der heutige Donnerstag ist der 78. Geburtstag von Ulrich Rother, der als Verteidiger die letzten Oberligajahre des FSV Mainz 05 mitprägte. Rother war einer der wenigen Spieler jener Zeit, die schon weit herumgekommen waren: Einst war er vom FC St. Pauli zur TuS Neuendorf gewechselt, für die er aber nur drei Spiele bestritt. 1959 ging es noch ein Stück den Rhein hinauf nach Mainz. In seiner ersten Hinrunde am Bruchweg spielte Rother noch keine Rolle, aber ab Januar 1960 war er Stammspieler im Team des neuen Trainers Heinz Baas als Rechtsverteidiger in einer Abwehr zunächst mit Libero Norbert Liebeck, Linksverteidiger Helmut Müllges und Vorstopper Willi Jakobi oder Carlo Storck. Die Hinrunde der Saison 1962/63 verpasste der Spezialist für präzise lange Pässe wegen einer schweren Verletzung. Horst Schuch, der ihn bereits im Vorjahr gelegentlich vertreten hatte, etablierte sich als neuer Rechtsverteidiger; Rother spielte nach seiner Rückkehr noch ein halbes Jahr im rechten Mittelfeld und verließ die 05er im folgenden Sommer nach 78 Oberligaspielen und einem Tor.

Weitere Ergebnisse am 4. Juni:

1950: FSV Mainz 05 - FV Engers 07 3:7  
1989: FSV Mainz 05 - Viktoria Aschaffenburg 3:2  
1990: Rot-Weiß Frankfurt - FSV Mainz 05 1:2  
1994: FSV Mainz 05 - Rot-Weiss Essen 1:1  

5. Juni  

Mainz 05 im Jubiläumsjahr 1955. Vorne rechts hat sich der zwei Meter lange Hans Nebelung zusammengefaltet. Der morgige Freitag ist Nebelungs zehnter Todestag.Am Freitag vor zehn Jahren verstarb im Alter von 81 Jahren einer der körperlich größten 05er, der zu seiner kurzen aktiven Zeit am Bruchweg sehr populäre Hans Nebelung. Der aus dem heutigen Sachsen-Anhalt stammende Spieler kam 1954 über den TSV Goslar und den VfB Lübeck nach Mainz. Dort war der fast zwei Meter lange Mann eigentlich für die linke Angriffsseite vorgesehen, wurde aber bald als Nachfolger des Nürnberger Altmeisters "Schorsch" Hagen im linken Mittelfeld, später Mittelläufer - heute würde man ihn "Sechser" nennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde der erfahrene, bereits 30 Jahre alte Nebelung immer stärker und ein Lieblingsspieler des Publikums. Die Mainzer waren daher erleichtert, dass der VfB Lübeck 1955 den Wiederaufstieg verpasste; Nebelung hätte sich sonst wieder seinem alten Verein angeschlossen. Jedoch fiel wenige Wochen später, bereits am dritten Spieltag der Saison 1955/56, der neue Stammtorwart Otto Schedler bei einem Eckball so unglücklich auf das Knie seines Mittelläufers, dass diesem der Meniskus riss. Ein erster Comebackversuch Nebelungs im folgenden Sommer scheiterte. Erst nach zweieinhalbjähriger Verletzungs- und Aufbauphase nahm der Stopper im März 1958 mit 34 Jahren wieder das Training auf. In die Mannschaft kam er nicht mehr zurück. Daher spielte Nebelung nur 31 Mal für die 05er, dabei schoss er ein Tor.

Weitere Ergebnisse am 5. Juni:

1976: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 4:2  
1988: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 4:1  

6. Juni  

Am Samstag wird Nihat Kaplan 42 Jahre alt, der 1989 als 16-Jähriger von Nassau Wiesbaden zu den 05-Junioren kam und von 1992 bis 1994 siebenmal in der zweiten Liga spielte. Später setzte der Mittelfeldspieler seine Karriere im hessischen Amateurfußball bei Eintracht Frankfurt, der SG Egelsbach und der TSG Wörsdorf fort.

Vier Jahre jünger ist Akin Kilic. Der türkische Stürmer, der in der Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte und im Westerwald seine ersten Oberligatore schoss, kam 2002 zu den 05-Amateuren, bei denen er zunächst nur Joker war und sich am siebten Spieltag in Eisbachtal bei seinem ersten Startelf-Einsatz schwer am Knie verletzte - der Schaden war ähnlich groß wie vor ein paar Wochen bei Elkin Soto. Kilic schaffte ein bemerkenswert schnelles Comeback, etablierte sich aber nicht mehr im Team und verließ die 05er im Sommer wieder.

Noch ein Jahr jünger ist der Wiesbadener Christian Berger, der von 2002 bis 2004 in drei Oberligapartien und einem halben Regionalligaspiel im Tor der 05-Amateure stand.

Heute und übermorgen vor genau 25 Jahren begegnete der FSV Mainz 05 zum ersten und zweiten Mal einem jungen Stürmer namens Jürgen Klopp. Gegen sein Team, Rot-Weiß Frankfurt, schafften die 05er den vorzeitigen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga.

An jenem Tag, an dem Kaplan zur Welt kam, am 6. Juni 1973, fand in der Müngersdorfer Radrennbahn eins der größten Skandalspiele der 05er statt. Die Partie zwischen Fortuna Köln und den 05ern war das Spitzenspiel der Bundesliga-Aufstiegsrunde. In der hitzigen Atmosphäre entwickelte sich ein chaotisches Spiel, das kurz vor der Halbzeit eskalierte: Der Mainzer Libero Herbert Scheller und der riesige Kölner Vorstopper Gerd Zimmermann rasselten ineinander; wahrscheinlich hat einer den anderen umgetreten, aber so genau wurde das nie aufgeklärt. "Beide sind zum Ball gegangen. Hinterher haben beide auf der Erde gelegen. Der Schiedsrichter hat mit der Roten Karte herumhantiert und niemand wusste, was Sache war", kommentierte der 05-Kapitän Willi Löhr die Szene. Scheller jedenfalls fragte Löhr, ob nur Zimmermann heruntergeflogen sei oder auch er selbst, worauf der Kapitän sagte: Spiel weiter. Erst in der Halbzeit merkte der Schiedsrichter, dass die Mainzer noch zu elft waren; Scheller wurde daraufhin lange gesperrt. Und da die Fortuna dieses vorentscheidende Spiel 3:0 gewann, verpassten die 05er den Aufstieg.

17 Jahre später, längst in der Drittklassigkeit gelandet, empfingen die 05er am Bruchweg in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga die SG Rot-Weiß Frankfurt. Zwei Tage vorher hatten sie das Hinspiel in Frankfurt 2:1 gewonnen. Ein Frankfurter Stürmer urteilte damals: "Schade war's. Wir haben zwei dumme Tore kassiert. Die Mainzer waren doch nur optisch die bessere Mannschaft. Im Rückspiel schlagen wir sie und dann steigen wir als Zweiter auf." Der Name des schlecht gelaunten, aber zweckoptimistischen Angreifers: Jürgen Klopp. Am 6. Juni 1990 gewannen die 05er das Rückspiel 3:1. Bereits nach 48 Sekunden lief Charly Mähn in einen zu kurzen Rückpass und schoss mit einem Heber an den Innenpfosten das 1:0. Weitere Tore von Olaf Kirn und Norbert Hönnscheidt sicherten den Mainzern bereits im vierten von sechs Aufstiegsrundenspielen die Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Ein weiteres Ergebnis am 6. Juni:

1993: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 2:0  

7. Juni  

Helmut Wagner, der am Sonntag 56 Jahre alt wird, war in den frühen 1980ern ein wichtiger Offensivspieler der 05er.Am Sonntag haben drei Ex-05er Geburtstag. Bereits 56 Jahre alt wird Helmut Wagner, einst ein torgefährlicher Techniker, der 1981 vom FK Pirmasens in die neue Mainzer Spitzenmannschaft kam, 1982 im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft (3:0 gegen die Amateure Werder Bremens) das 1:0 vorbereitete und auch nach dem Jughard-Skandal und dem Zusammenbruch des neuen Reichtums blieb. In den drei Jahren bis zu seinem Wechsel zu Borussia Neunkirchen schoss der flexible Offensivmann in 94 Oberligaspielen 19 Tore.

Vier Jahre jünger ist Bernd Gersdorf - allerdings handelt es sich nicht um den großen Braunschweiger Torjäger Gersdorff, der einst in einer halben Saison für die Eintracht 35 Tore schoss, sondern um einen annähernd gleichnamigen Angreifer vom TSV Mommenheim, der 1989 zu den 05ern wechselte, in der Hinrunde dreimal spielte und sich im Winter wieder seinem Ex-Verein anschloss.

Vor diesem Moment fürchteten sich die gegnerischen Torhüter: Daniel Gunkel schießt einen Freistoß. Nikolce Noveski und Milorad Pekovic lassen es sich nicht anmerken, aber wahrscheinlich wissen sie schon: Auch René Adler hat keine Chance. Foto: imagoGrößeren, aber ebenfalls flüchtigen Erfolg bei den 05ern hatte Daniel Gunkel, der 35 Jahre alt wird. Der Frankfurter Sohn eines ivorischen Diplomaten und einer deutschen Mutter hatte schon für etliche Vereine gespielt, als er 2007 von Energie Cottbus zu den 05ern wechselte. Gunkel war sofort ein absoluter Leistungsträger im 05-Team, vor allem aber ein unglaublicher Freistoßschütze. Am 3. Spieltag schoss Gunkel gegen Borussia Mönchengladbach seine ersten beiden direkten Freistöße ins Tor, am 4., 7., 26. Spieltag weitere. Gunkels Bilanz im ersten Jahr: Neun Tore, zwölf Vorlagen - eine Menge für einen defensiven Mittelfeldspieler. Im zweiten Jahr, der Aufstiegssaison 2008/09, hatte Gunkel jedoch erhebliche Verletzungsprobleme. In der Bundesliga-Hinrunde 2009/10 war er bereits nur noch gelegentlicher Einwechselspieler; im Winter wechselte er nach vier Erst- und 31 Zweitligaspielen mit insgesamt zehn Toren zur TuS Koblenz in die 2. Bundesliga. Am ersten Spieltag allerdings rettete Gunkel noch rasch Thomas Tuchels ersten Punkt als Cheftrainer durch das Tor zum 2:2-Endstand gegen Bayer Leverkusen. Einen direkten Freistoß.

Weitere Ergebnisse am 7. Juni:

1975: FSV Mainz 05 - VfR Heilbronn 4:1  
1998: SV Meppen - FSV Mainz 05 0:3  

8. Juni

Am 8. Juni sind bei Mainz 05 keine Ereignisse von größerem Belang verzeichnet...

9. Juni  

Vier Spieler, die am 9. Juni zur Welt kamen: Oben Toni Burghardt (* 1942) und Otto Addo (* 1975), unten Daniel Ischdonat (* 1976) und Daniel Bohl (* 1994)....weil alle erst am 9. Juni Geburtstag haben. 1942 kamen an diesem Tag gleich zwei spätere 05-Spieler zur Welt: Toni Burghardt und Walter Gaußmann. Der hochtalentierte Verteidiger Burghardt wechselte 1962 von Bayer Leverkusen an den Bruchweg. In der Oberliga wurde er nur 15 Mal eingesetzt, im zweiten Jahr in der Regionalliga war er bis zu seinem Platzverweis am 33. Spieltag als überragender Vorstopper ein unumstrittener Leistungsträger. Jedoch blieb Burghardt nicht lange bei den Mainzern: Über die Regionalligisten 1. FC Pforzheim und 1. FC Saarbrücken kam er 1968 in die Bundesliga; für den Meidericher SV spielte er bis 1971 60 Mal. Nach seinem Karriereende bei Eintracht Bad Kreuznach arbeitete Burghardt unter anderem als Cheftrainer für Hannover 96, Tennis Borussia Berlin und Rot-Weiß Oberhausen.

Walter Gaußmann kam erst 1965 vom 1. FC Langen nach Mainz. Der Angreifer sollte den Linksaußen Vincenz Fuchs ersetzen, der zum Meidericher SV gewechselt war, schaffte das aber zunächst ebenso wenig wie sein Konkurrent Horst Klinkhammer. Gaußmann spielte im ersten Jahr nur sechs Partien. 1966/67 war er hingegen Stammspieler, 1967/68 oft verletzt, 1968/69 wiederum Stammspieler auf dem linken Flügel. Nachdem er in seiner fünften Saison nur noch zweimal eingewechselt worden war, verließ Gaußmann die 05er 1970 nach 64 Regionalligaspielen und 17 Toren.

40 Jahre alt wird Otto Addo. Der in Hamburg geborene Ghanaer etablierte sich bei Hannover 96 im Profifußball und wurde 2002 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister. Die überragende Karriere, zu der Addo vielleicht das Zeug gehabt hätte, blieb dem offensiven Mittelfeldspieler jedoch verwehrt: Etliche Kreuzbandrisse zerstörten ihm die Saisons 2001/02 bis 2004/05. Nach der x-ten Wiedergenesung schloss sich Addo vor zehn Jahren den 05ern an, für die er in eineinhalb Jahren aber nur 17 Mal in der Bundesliga spielte, oft nur eingewechselt wurde. Ein Jahr nach dem ordentlichen WM-Auftritt mit Ghana wechselte Addo zurück in seine Heimatstadt Hamburg, wo er für die zweite Mannschaft eingeplant war, überraschend noch viermal in der Bundesliga spielte und ab 2009 zunächst als Co-Trainer, dann als Chef die U19 trainierte.

Ein Jahr jünger ist Daniel Ischdonat. Der in Leverkusen geborene und bei Bayer 04 ausgebildete Torwart war bereits eine Legende bei Eintracht Trier, als er 2006 - an seinem 30. Geburtstag - einen Vertrag bei den 05ern bekam. Ischdonat war zunächst nur die Nummer 3 im 05-Tor; dennoch stand er in der zweiten Saison 31 Mal im Zweitligakader der 05er und doppelt so oft im Tor wie die beiden oft und lange verletzten Konkurrenten Dimo Wache und Christian Wetklo. In zwei Spielen war Ischdonat sogar einer von extrem wenigen Torhütern, die berichten durften, Wache sei ihr Backup gewesen. Der SV Sandhausen verpflichtete Ischdonat später eigentlich als Torwarttrainer, machte ihn aber drei Jahre lang zum Stammkeeper, der erst 2013 nach 85 Zweit-, 53 Dritt- und 205 Regionalligaspielen seine Karriere beendete.

Seinen 21. Geburtstag schließlich kann Daniel Bohl am Dienstag feiern, der aggressive Sechser der Drittligamannschaft, der vor fünf Jahren vom 1. FC Saarbrücken zu den 05ern kam, in 126 Spielen für die U17, U19 und U23 45 Gelbe und drei Gelb-Rote Karten sah und nicht nur mit dem 1:0 gegen den Chemnitzer FC am letzten Spieltag der nun abgelaufenen Saison einen großen Beitrag dazu leistete, dass die 05er auch im kommenden Jahr in der Dritten Liga spielen.

An Bohls zweitem Geburtstag kam für die 05er der größte Abstiegskampf von allen zu einem erfreulichen Abschluss. Im Herbst 1995 hatte Wolfgang Frank die 05er auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga übernommen und im weiteren Verlauf der Hinrunde auch nicht vom letzten Platz wegbekommen. In der dreimonatigen Winterpause krempelte Frank alles um. Entscheidend: Er schaffte den Libero ab und installierte nicht die allererste, aber eine der ersten Viererketten im deutschen Profifußball. Der Rückstand zu den Nichtabstiegsplätzen wurde immer kleiner, aber das Programm war hart: An den letzten vier Spieltagen mussten die 05er gegen die drei späteren Aufsteiger spielen. Und gewann 2:0 gegen Arminia Bielefeld, 3:0 beim MSV Duisburg, der dank der Ergebnisse der Konkurrenz trotzdem nach dem Spiel feiern durfte, und am letzten Spieltag vor unglaublichen 12.000 Zuschauern am erstmals seit Ewigkeiten wieder ausverkauften Bruchweg durch ein Tor von Marco Weißhaupt 1:0 gegen den VfL Bochum. Keine Mannschaft der 2. Bundesliga holte in dieser Rückrunde mehr Punkte als die 05er; genauso viele wie sie sammelte der Hinrunden-Vorletzte Fortuna Köln. An jedem Spieltag der Saison standen die Mainzer auf einem Abstiegsplatz - nur nicht am vorletzten und am letzten.

Weitere Ergebnisse am 9. Juni:

1979: SpVgg EGC Wirges - FSV Mainz 05 1:2  
1991: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 0:2  

10. Juni  

Am 10. Juni stehen nur zwei Spiele von überschaubarer Bedeutung im Kalender:

1973: FSV - Karlsruher SC 4:1  
1990: 1. FC Schweinfurt 05 - FSV 1:0  

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