Das 05-Kalenderblatt: 5. bis 8. Mai

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um mehrere End- und Schlüsselspiele, einen Drittelsturm, einen ewigen Torwart, die zweitmeisten Drittligaspiele und um unbewachtes Bier.

5. Mai  

Manfred Kipp, ein Drittel des 54-Tore-Sturms der Saison 1972/73 hat heute Geburtstag...Heute wird Manfred Kipp 69 Jahre alt. Der Linksaußen wechselte einst als veritabler Torjäger der Regionalliga Berlin (109 Treffer in 159 Spielen für den VfB Hermsdorf und Wacker 04) zu Eintracht Braunschweig, spielte aber in der Bundesliga gar keine Rolle und kam schon ein Jahr später, 1972, zum FSV Mainz 05. In seinem ersten Jahr in Mainz bildete Kipp (17 Saisontore) mit Rechtsaußen Herbert Renner (18 Tore) und Mittelstürmer Gerd Klier (19 Tore) den spektakulären 54-Tore-Sturm, der die 05er zur Südwestmeisterschaft 1973 und in die Bundesliga-Aufstiegsrunde schoss. Schon in der Rückrunde hatte Kipp allerdings nachgelassen; durch die Verpflichtung von Erwin Hohenwarter zur Saison 1973/74 war er fortan fast nur noch Einwechselspieler. Mit nur 27 Jahren wechselte Kipp eine Liga nach unten zu Hassia Bingen.

...ebenso der ewige 05-Torwart "Moppes" Petz.55 Jahre alt wird der Spieler mit der längsten Karriere bei Mainz 05: 17 Jahre liegen zwischen dem ersten und dem letzten Spiel von Manfred "Moppes" Petz. Der Torwart kam 1978 als Siebzehnjähriger von Kastel 06 an den Bruchweg und wurde 1980 als Nachfolger von Kurt Gass, der ebenfalls nach Bingen gewechselt war, so etwas ähnliches wie Stammkeeper der 05er. Völlig unumstritten war Petz nicht. In keiner einzigen Saison stand er von Anfang bis Ende im Tor. Anfang 1985 wurde er von Slobodan Sujica abgelöst. 1986/87, als der Jugoslawe keine Aufenthaltsgenehmigung mehr bekam, von Dieter Ingendae auf die Bank verdrängt, und dann kam Stephan Kuhnert nach Mainz. Dennoch spielte Petz in fast jeder Saison mindestens einmal, wenn auch 1989/90 nur elf Minuten in der bedeutungslosen letzten Partie als Feldspieler. Nur 1990/91 kam er zu gar keinem Liga-Einsatz, 1993/94 hingegen war Petz nach Kuhnerts Verletzung noch einmal Stammkeeper. 1995 schließlich wechselte Petz nach 206 Pflichtspielen für die 05er zum SV Wehen und wurde dort nach zwei Jahren kurzzeitig Trainer. Petz' weitere Karriere: Torwarttrainer bei Eintracht Frankfurt und den Stuttgarter Kickers, Cheftrainer der SpVgg Ingelheim, Torwarttrainer bei Fortuna Düsseldorf, Eintracht Trier und der SV Elversberg, Cheftrainer der U23 des VfL Wolfsburg, wiederum bis zum vergangenen Sommer Torwarttrainer bei Eintracht Frankfurt, seither Scout der Eintracht.

Insbesondere jährt sich aber heute einer der schwärzesten Tage der jüngeren 05-Vergangenheit: In der Saison 2001/02, der ersten vollen Trainersaison von Jürgen Klopp, waren die 05er lange Zeit die alles überragende Mannschaft der 2. Bundesliga. Mit Dimo Wache im Tor, dem alten Robert Nikolic und dem jungen Manuel Friedrich als überragender rechter Abwehrseite, Tamás Bódog und Peter Neustädter links innen und dem aggressiven Markus Schuler als Linksverteidiger, mit Niclas und Dennis Weiland, Sandro Schwarz, Jürgen Kramny und Christof Babatz im Mittelfeld, mit Umschaltspieler Christian Hock und mit dem großartigen Sturmtrio Andrey Voronin (8 Tore), Michael Thurk (12) und Blaise Nkufo (14) spielten die 05er alles in Grund und Boden - bis auf Hannover 96. Mit dem 4:1 gegen den direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld am 31. Spieltag schienen sie den Bundesliga-Aufstieg klar gemacht zu haben. Ein Autokorso rollte durch die Stadt, der Rest sollte Formsache sein. In Duisburg und gegen Fürth spielten die 05er aber nur unentschieden. Und dann kam das entscheidende Spiel bei Union Berlin. Der Berliner Boulevard hatte sich anhand eines frei erfundenen  Klopp-Zitats für dieses Spiel einen Ossi-Wessi-Konflikt ausgedacht. Die Stimmung war feindselig in Köpenick, die 1:3-Niederlage der 05er nicht nur wegen des dadurch verpassten Aufstiegs, sondern auch durch die hässlichen Begleitumstände ein Schock.

Ein Jahr später wiederholte sich wiederum das Bielefeld-Spiel. Wieder war es der viertletzte Spieltag, kam ein direkter Aufstiegskonkurrent nach Mainz: Eintracht Frankfurt. Wieder - aber das sollte nicht spielentscheidend sein, sondern nur eine Parallele - war auch der Mainzer Lieblingsschiedsrichter dabei, der hoch angesehene Franz-Xaver Wack. Und wieder gewannen die 05er: Markus Beierle hatte die Eintracht in Führung gebracht, Christof Babatz und ein Eigentor von Beierle das Spiel gedreht, Alex Schur zum 2:2 ausgeglichen - und Benjamin Auer in der 89. Minute das 3:2 zum Derbysieg gegen die Eintracht geschossen. Die vermeintliche Vorentscheidung - aber dann verloren die 05er das kuriose Spiel in Ahlen (0:2 nach 11 Minuten, 3:2 bis in die 90., 3:4 bei Abpfiff). Das 5:1 gegen den VfB Lübeck und das 4:1 in Braunschweig reichten nicht zum Aufstieg, weil die Eintracht in der letzten Sekunde ihrer Saison das entscheidende Tor zu viel schoss.

Weitere Ergebnisse am 5. Mai:

1929: FSV Mainz 05 - VfR Mannheim 3:3
1963: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 4:0  
1984: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 7:2  
1996: SpVgg Unterhaching - FSV Mainz 05 0:0  
2007: VfB Stuttgart - FSV Mainz 05 2:0  
2012: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 0:3  

6. Mai  

Am Freitag wird Niki Wiedmann 27 Jahre alt. Der Rechtsverteidiger spielte wegen Verletzungen von 2011 bis 2013 nur zwölfmal für die Mainzer Regionalligamannschaft und wechselte dann in die Bayernliga zum TSV Rosenheim.

Ergebnisse am 6. Mai:

1973: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 1:1  
1979: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 3:2  
1989: FSV Mainz 05 - Fortuna Düsseldorf 2:2  
1990: FSV Mainz 05 - SV Leiwen 2:0  
1995: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 1:0  
2001: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:0  
2006: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 1:0  
 

7. Mai

Der junge Werner Orf am Anfang seiner 05-Karriere.Am Samstag wird Werner Orf 59 Jahre alt. Der gebürtige Heidesheimer kam 1976 als 19-Jähriger vom TSV Schott zu den 05ern und war - unterbrochen von zwei Jahren beim Zweitligisten SpVgg Fürth - bis 1986 eine wichtige Stütze in der Defensive des damaligen Oberligisten FSV Mainz 05, zunächst im defensiven Mittelfeld, dann als Rechtsverteidiger, Libero und schließlich wieder defensiver Mittelfeldspieler. 1986 wurde Orf vom reichen hessischen Landesliga-Aufsteiger SpVgg Eltville abgeworben, aber seine Nachfolger Bernd Münch und Michael Schuhmacher waren schon da. Nach seinem Karriereende begann Orf eine lange Laufbahn als Amateurtrainer. Orfs 239 Drittligaspiele (24 Tore) übertraf bei den 05ern nur Charly Mähn (256/102).

34 Jahre alt wird Fatih Sözen. Der Stürmer spielte von 1998 bis 2003 für die U19 und die Amateure des FSV Mainz 05, mit denen er 2001, 2002 und 2003 den Südwestpokal gewann, 63 Oberligaspiele (12 Tore) und jeweils drei Regionalliga- und DFB-Pokalspiele bestritt.

Und 30 Jahre alt wird Sascha Esser, 2004/05 Stammspieler in der Innenverteidigung der Mainzer A-Junioren, später Oberliga-Kicker in Bad Kreuznach und Hauenstein.

Vor genau 28 Jahren, am 7. Mai 1988, gewannen die 05er 3:2 gegen Eintracht Trier. Nach zwölf Jahren in der Drittklassigkeit war das die Vorentscheidung zur Südwestmeisterschaft und ein wichtiger Schritt zum Wiederaufstieg. Obwohl sie bis dahin wenige Punkte verloren hatten, standen die 05er lange deutlich hinter den Trierern. Dann aber verlor der souveräne Tabellenführer überraschend beim Tabellenletzten Rot-Weiß Hasborn und zuhause gegen den FSV Saarwellingen, während die 05er eine große Siegesserie starteten. Vor dem direkten Duell am vorletzten Spieltag waren sie nur noch wegen der Tordifferenz Zweiter. Vor deutlich mehr als den 7000 zahlenden Zuschauern glich der wankende Spitzenreiter die beiden Mainzer Führungstore durch Norbert Hönnscheidt jeweils aus, aber auf Charly Mähns Tor zum 3:2 fanden die Trierer keine Antwort mehr. Am letzten Spieltag verteidigten die 05er mit einem 1:0 bei Südwest Ludwigshafen die Tabellenführung. In der Summe weit über 30.000 Zuschauer besuchten anschließend die drei Heimspiele in der erfolgreichen Aufstiegsrunde.

Zwölf Jahre später steckten die 05er mal wieder tief im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Die Wende - wie immer nach einer happigen Niederlage in Fürth - begann am 7. Mai 2000 mit einem 2:0 gegen die Stuttgarter Kickers, bei dem Peter Neustädter zwei indirekte Freistöße im Kickers-Strafraum verwandelte.

Das passiert, wenn man das eigene Bier nicht bewacht: Die deutschen Meister Mehmet Scholl (verdeckt), Sebastian Deisler und Roy Makaay sprengen die Mainzer Nichtabstiegsfeier und eröffnen die gemeinsame Party der Bayern und der 05er. Foto: imagoAm 7. Mai 2005, also vor genau elf Jahren, kam Bayern München zum ersten Mal zu einem Bundesligaspiel nach Mainz. Benjamin Auer und Michael Thurk trafen zum 1:1 und 2:2, aber letztlich gewannen die Bayern 4:2. Den 05ern war's egal - dank der Ergebnisse der Konkurrenz stand an diesem Nachmittag zwei Spiele vor dem Ende seiner ersten Bundesligasaison fest, dass es ein zweites Erstligajahr für den vermeintlichen "Absteiger Nummer 1" geben würde.

Und heute vor fünf Jahren gewannen die 05er im letzten Heimspiel Manuel Neuers als Schalker Torwart 3:1 in Gelsenkirchen. Die Treffer von André Schürrle, Lewis Holtby und Nikolce Noveski (drei weitere Tore gegen die hinten weit offenen Schalker zählten teils zu Recht nicht) sicherten schon im vorletzten Saisonspiel die erste sportliche Europapokal-Qualifikation der 05er.

Weitere Ergebnisse am 7. Mai:

1950: FSV Mainz 05 - VfR Kirn 3:1  
1967: FSV Mainz 05 - Germania Metternich 2:0  
1970: ASV Landau - FSV Mainz 05 1:1  
1972: Gummi Mayer Landau - FSV Mainz 05 3:0  
1978: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 1:1  
1983: SV Leiwen - FSV Mainz 05 4:3  
1993: SV Meppen - FSV Mainz 05 0:0  
1994: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 2:0  
2004: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 2:0  
2008: FSV Mainz 05 - Alemannia Aachen 0:1 
 

8. Mai  

Sergej Schukow wird am Sonntag 49 Jahre alt.Sergej Schukow wird am Sonntag 49 Jahre alt. Der russische Mittelfeldspieler sollte schon im Winter 1992/93 das Mainzer Mittelfeld verstärken; weil die Teamärzte aber einen Kniescheibenbruch nicht erkannt hatten und Schukow fitspritzen wollten, debütierte der Russe erst im August. Schukow wäre wohl ein sehr guter Zweitligaspieler geworden, hätte er nicht wegen dieser und weiterer Verletzungen in zwei Jahren nur 37 Mal gespielt (und dabei zwei Tore geschossen).

Ergebnisse am 8. Mai:

1966: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 2:1  
1976: Bayern Hof - FSV Mainz 05 4:3  
1982: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 1:2  
1986: Eisbachtaler Spfr. - FSV Mainz 05 0:2  
2010: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 0:0  

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