Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Und das war viel Ende Mai: Zwei Aufstiege der 05er, zwei Aufstiege ihrer Konkurrenten, verschiedene Geburtstage, darunter der runde Geburtstag eines außergewöhnlichen Stürmers, und natürlich ein Trainer, der erzählte, dass man einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen kann und immer wieder aufstehen.

21. Mai  

Richard Klauss wurde heute vor 74 Jahren geboren.Am heutigen Donnerstag wird Richard Klauss 74 Jahre alt. Der Defensivmann war als Rechtsverteidiger oder rechter Mittelfeldspieler von 1966 bis zum Winter 1969/70 ein wichtiger Leistungsträger beim FSV Mainz 05. Klauss kam seinerzeit bereits als sehr erfahrener Spieler zu den 05ern: Der damals 25-Jährige hatte schon 75 Oberligaspiele für seinen Stammverein Wormatia Worms bestritten, außerdem 55 Regionalligapartien für den BC Augsburg und den TSC Zweibrücken. Für die 05er schoss Klauss in 96 Regionalligapartien 16 Tore; 1968/69, als die 05er ihren Mittelstürmer Charly Tripp und ihren Spielmacher Host Hülß verloren hatten, war der Rheinhesse mit acht Treffern vor dem jungen "Bimbo" Bopp, dem Linksaußen Walter Gaußmann und dem lange verletzten Rechtsaußen Georg Tripp der beste Mainzer Torschütze. 1967 und 1968 hatte Klauss mit den 05ern noch um die Teilnahme an der Bundesliga-Aufstiegsrunde gespielt, diese schließlich aber um fünf bzw. vier Punkte verpasst. Große Teile der Rückrunde 1969/70 verpasste Klauss; nach jener Saison wechselte er in den Wormser Amateurfußball zu TuS Horchheim.

Weitere Ergebnisse am 21. Mai: 

1978: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:2  
1982: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 4:0  
1988: FSV Mainz 05 - Viktoria Aschaffenburg 2:0
1994: Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 0:0  
1997: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 2:1  
2000: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 6:1  
2005: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:2

22. Mai  

Am Freitag vor 90 Jahren kam Karl Döppenschmidt zur Welt.

Am Freitag vor 90 Jahren kam Karl Döppenschmidt zur Welt. Der Verteidiger kam 1950 vom VfB Friedberg zu den 05ern, bestritt mit ihnen in der Hinrunde acht Oberligaspiele, verabschiedete sich aber schon im folgenden Sommer wieder zum Süd-Oberligisten Viktoria Aschaffenburg.

Weitere Ergebnisse am 22. Mai: 

1976: FSV Mainz 05 - SpVgg Fürth 1:5  
1993: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 3:2  

23. Mai  

Der 23. Mai ist einer der größten Feiertage beim FSV Mainz 05: Am Samstag vor elf Jahren schafften die 05er im fünften Versuch endlich den Aufstieg in die Bundesliga. Am letzten Spieltag jener Saison mussten die 05er Eintracht Trier schlagen und hoffen, dass Alemannia Aachen in Karlsruhe nicht gewinnt. Am Bruchweg fiel ein Tor nach dem anderen, zunächst aber nur aus Abseitsstellungen. Erst in der 23. Minute schoss Michael Thurk das erste reguläre Tor - ausgerechnet Thurk, der Stürmer, der schon einen Anschlussvertrag bei Energie Cottbus unterschrieben hatte, bei dem Klub, der ebenfalls aufsteigen wollte, dazu einen eigenen Sieg und Punktverluste der Aachener und der Mainzer brauchte. Als die in jener Saison starken Trierer vehement auf den Ausgleich drängten, entschied ein plötzlicher Doppelschlag das Spiel: Manuel Friedrich schoss nach einem Freistoß das 2:0 und noch mitten im Torjubel schickte Christof Babatz den nächsten Pass in die Spitze; Thurk rannte dem Ball hinterher, traf zum 3:0 und lief direkt durch, sprang über die Werbebande, auf den Zaun, zu den Fans. Dass Karlsruhe noch vor der Pause gegen Aachen das 1:0 geschossen hatte, wusste längst jeder im Stadion; aufgrund einer Falschmeldung glaubten viele sogar an ein 2:0. In der Schlussphase interessierte sich kaum noch einer dafür, was auf dem Mainzer Platz passierte. Linksverteidiger Marco Rose verriet: "Ab der 75. Minute habe ich nur noch gefragt, wie es in Karlsruhe steht." 1:0, immer noch. Es gab erste Sprechchöre am Bruchweg: "KSC! KSC!" In der 82. Minute wurde Michael Thurk ausgewechselt; seinen großen Abschied von Mainz 05 hatte der Torjäger. 

Schiedsrichter Hermann Albrecht pfiff irgendwann das Spiel ab. Ihre Aufgabe hatten die Mainzer erledigt. Aus Karlsruhe hatte man noch nichts Neues gehört. Das Spiel lief noch. Zwei Tore musste Aachen immer noch schießen, um die 05er vom Aufstiegsplatz zu stoßen. Zwei Tore sind eine Menge, aber die 05er hatten das im Vorjahr schon einmal erlebt. Sie waren vorsichtig. Es war recht still am Bruchweg. Man spürte die Nervosität im Stadion, die Angst, einen so furchtbaren Saisonabschluss schon wieder zu erleben. Lange konnte es nicht mehr dauern: Zwei Minuten, drei vielleicht. Eine Ewigkeit. Der KSC spielte mittlerweile in Unterzahl. Das sprach sich herum in Mainz.

Und um 16.48 Uhr, drei Minuten nach dem Schlusspfiff am Bruchweg, war auch in Karlsruhe das Spiel vorbei. Es war beim 1:0 geblieben. Und der FSV Mainz 05 war ein Bundesligist. Der Aufstiegsjubel, der unter den vielen tausend Fans und Freunden der 05er begann, die keine Karte für das Spiel bekommen hatten, auf der Straße vor dem Stadion warteten, das Spiel auf dem Großbildschirm vor dem King-Park-Center verfolgten, und sich sofort ins Stadion übertrug, ist immer noch vielen im Ohr.

Der 23. Mai 2004 war der größte Tag in der Historie des Stadions am Bruchweg. Foto: imago

Weitere Ergebnisse am 23. Mai: 

1973: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 3:0  
1999: Fortuna Düsseldorf - FSV Mainz 05 0:3  

24. Mai  

Und am 24. Mai stiegen die 05er schon wieder auf, am Sonntag vor sechs Jahren. Oder vielleicht doch eine Woche früher; der zweite Bundesliga-Aufstieg ist nicht so einfach genau zu datieren - fragt man einen Mainzer, wann, in welchem Moment, er 2009 in die Bundesliga aufgestiegen ist, wird er es nicht wissen. Es ist unmöglich, diese Frage zu beantworten, weil die einzig richtige Antwort die einzig falsche ist. Die einzig richtige Antwort lautet: Am 24. Mai 2009, mit Abpfiff des letzten Spieltags, als Schiri Manuel Gräfe sich von einer Horde Ultras überrannt sah und schnell das Spiel offiziell beendete. 4:0 gewannen die 05er gegen Rot-Weiß Oberhausen. Ein Punkt hätte auch gereicht. Darin liegt das Problem.

Ein entspannter Aufsteiger: Vielleicht am 24. Mai 2009, vielleicht aber auch schon eine Woche früher, vielleicht einfach über eine ganze Saison hinweg hatte Jörn Andersen die 05er in die Bundesliga zurückgebracht, am Ende konnte der norwegische Trainer einfach in aller Ruhe das Resultat genießen. Foto: imagoEin antiklimatischerer Aufstieg ist vorstellbar. Die Kölner können die Geschichte erzählen, wie sie mal vor dem Videotext aufgestiegen sind; sie sind nicht die einzigen, die ihren Teil früh am Spieltag erledigt hatten, aber noch das Montagsspiel des Konkurrenten abwarten mussten. Bei den 05ern war es das 2:0 in Fürth am vorletzten Spieltag, das die Sache im Grunde klar gemacht hat. Sie waren Zweiter, sieben Punkte vor Platz vier, drei vor dem Relegationsplatz, und mussten diesen Vorsprung halt noch über das Oberhausen-Spiel bringen. Das war Formsache. Das hat nichts mit Arroganz zu tun - zuhause gegen Oberhausen, mit dieser Mannschaft, dieses Spiel konnte man überhaupt nicht verlieren. Das war ausgeschlossen. Zumal Srdjan Baljak in der vierten Minute das 1:0 schoss. Das Ding noch verlieren? Nie im Leben. Zack, stand's 2:0. Wieder Baljak in der 17. Minute. So blöd kann man sich gar nicht mehr anstellen, dieses Spiel zu verlieren.

Und viele 05-Fans dachten: Was machen wir jetzt noch 73 Minuten lang? Pfeif doch einfach ab, Schiri. Das interessiert doch niemanden mehr. Selbst die allerletzten Zweifler waren in der 65. Minute überzeugt, als Aristide Bancé das 3:0 drauflegte - und vier Minuten danach das 4:0. Das Publikum wurde ungeduldig. Allen Bitten zum Trotz hielt der Q-Block es irgendwann nicht mehr aus. Die Nachspielzeit lief noch lange nicht, da turnten schon die ersten über den Zaun, bald war kein Halten mehr. Immer mehr Leute kletterten aus dem Block - aber bewiesen doch noch ein Stück Restdisziplin: Die meisten blieben hinter der Werbebande, ein paar standen schon davor, aber das Spielfeld war ziemlich lange tabu.

Trotzdem gab es einige, die damit nicht glücklich waren. Pfiffe waren zu hören im Stadion, gerichtet gegen die Voreiligen, die die paar Minuten doch auch noch hätten warten können. Irgendwann rannten die ersten los. Eine Sekunde später pfiff Gräfe sicherheitshalber ab, sofort verschwand der Schiri in der Menge.

Todesangst, um kurz die Brücke nach Düsseldorf 2012 zu schlagen, hatte natürlich keiner, weder Gräfe noch die RWO-Spieler. Die Meute wollte kein Blut, sie wollte feiern. Der entscheidende Unterschied zu Düsseldorf: Ein Tor mehr oder weniger wäre auch egal gewesen.

Die Stimmung war dennoch seltsam. Zu viele wussten nicht so recht, was sie mit der Situation anfangen sollten. Eher der Form halber begaben sich auch die übrigen Zuschauer von den Tribünen auf den Rasen. Trainer Jørn Andersen, der stolze Wikinger, posierte auf dem Plexiglas-Spielertunnel, Aristide Bancé und Chadli Amri spielten ein bisschen mit einer algerischen Flagge. Die 05er waren wieder ein Bundesligist. Und mussten sich jetzt überlegen, was sie mit dem angebrochenen Abend noch anfangen würden.

Zwei Jubilare am 24. Mai: Gerald Girrbach und Herbert Ilsanker werden in der Summe 111 Jahre alt.Für zwei Ex-Spieler dürfte die Entscheidung an jenem Tag nicht so schwer gewesen sein. Gerald Girrbach wurde an jenem 24. Mai 57 Jahre alt, dieses Jahr also 63. Der Stürmer kam 1972 vom Karlsruher SC zu Mainz 05, spielte selten, schoss in acht Regionalligaspielen kein Tor, gehört aber dennoch zur Südwestmeistermannschaft von 1973. Im Laufe der Saison 1973/74 schloss sich Girrbach dem Regionalliga-Konkurrenten SV Alsenborn an; bei dessen 0:8-Niederlage in Mainz am dritten Spieltag war er zum letzten Mal im 05-Trikot eingewechselt worden. Mit Westfalia Herne spielte Girrbach 1975/76 in der 2. Bundesliga. Später wurde der Stürmer ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann.

An Girrbachs 15. Geburtstag, also vor 48 Jahren, kam Herbert Ilsanker zur Welt. Der österreichische Torhüter war in den späten 1990ern eine der tragischen Figuren der 05er: 1998 kam er von Austria Salzburg an den Bruchweg, zunächst als Stammtorwart anstelle des noch verletzten Dimo Wache, und als der ab Ende September wieder spielte, als sein Ersatzmann. Als Wache sich beim Auswärtsspiel in St. Pauli erneut schwer verletzte, konnte Ilsanker nicht übernehmen, weil Wolfgang Frank schon dreimal ausgewechselt hatte. Von der folgenden Partie gegen Energie Cottbus spielte Ilsanker nur die erste Viertelstunde, dann musste auch er mit einer schweren Verletzung aufgeben. Es blieb sein letztes Spiel als Fußballprofi. Ilsankers Sohn Stefan, seinerzeit Jugendspieler bei Mainz 05, ist heute österreichischer Nationalspieler.

Weitere Ergebnisse am 24. Mai:

1975: SpVgg Bayreuth - FSV Mainz 05 4:1  
1981: Viktoria Herxheim - FSV Mainz 05 1:6  
1996: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 2:2  

25. Mai  

Am 25. Mai hingegen stiegen die 05er nicht auf, und den Grund haben wir am 23. Mai angedeutet: Tore in der Nachspielzeit eines anderen Spiels. 2003 war das und die 05er hatten im Fernduell mit Eintracht Frankfurt um den dritten Aufstiegsplatz genau eine Aufgabe: Um ein Tor höher gewinnen als der Konkurrent.

Ihr Spiel gewannen die 05er hoch. Benjamin Auer schoss vier Tore bei Eintracht Braunschweig. Die Eintracht mühte sich derweil ab gegen den SSV Reutlingen 05. Zwischenstände: Nach 20 Minuten 2:0 in Braunschweig und 1:1 in Frankfurt. Zur Halbzeit 2:0 und 3:1, aber in der 61. Minute schon wieder 4:0 und 3:3. In der 80. Minute 4:1 und 3:3. Dann Abpfiff in Braunschweig. Und ungefähr in der gleichen Sekunde 5:3 für die Eintracht.

Noch stehen die 05er auf einem Aufstiegsplatz. Aber gleich passiert die Katastrophe. Doktor Gerlach, von Axel Schusters Kappe halb verdeckt, wird es als erster wissen. Foto: imago

Kein Problem soweit. 4:1 und 5:3, damit standen die 05er am Ende ihrer Saison auf einem Aufstiegsplatz. Das Problem: Die Frankfurter Saison war noch nicht vorbei. Und so standen die Mainzer Spieler, Trainer, Betreuer in einem großen Kreis Arm in Arm auf dem Braunschweiger Fußballplatz, hielten sich gegenseitig fest und starrten gebannt den Teammanager Axel Schuster an, denn der stand in der Mitte und hatte eine Telefon-Direktverbindung ins Frankfurter Stadion - die einzige Informationsquelle an jenem Nachmittag.

Die einzige nachvollziehbare Informationsquelle, denn warum Klaus Gerlach auf einmal zusammensackte, "Nein, bitte nicht!" schrie, einen Moment bevor der entsetzte Schuster das Telefon sinken ließ, woher der Mannschaftsarzt eine Sekunde vor Schuster vom Frankfurter 6:3 wusste, das ist eines der großen Rätsel dieses Tages. Der Teammanager seinerseits musste nur den Kopf schütteln. Die Mannschaft verstand auch so: Ein Jahr nach dem Fiasko von Köpenick wieder kein Aufstieg. Ein Tor hat gefehlt.

Kurios: Im Hinspiel gegen die Eintracht, die aus Braunschweig, 3:1 für die Mainzer, war der Anschlusstreffer ebenfalls tief in der Nachspielzeit gefallen. Jürgen Klopp hatte das mit einem unvergesslichen Satz kommentiert: "Das interessiert mich überhaupt nicht!" Der 05-Trainer konnte nicht ahnen, was ein halbes Jahr später passieren würde.

Die meisten 05-Spieler flohen nun in die Kabine. Einzelne blieben draußen und wollten hämischen, schadenfrohen Braunschweiger Fans an den Kragen, mussten mühsam zurückgehalten werden. Sven Christ stellte sich als einziger Spieler den Kamerateams; 05-Präsident Harald Strutz, als Häuflein Elend auf dem Rasen sitzend und einen aufdringlichen Kameramann verscheuchend, war jahrelang im Trailer der DSF-Zweitliga-Übertragungen zu sehen. Aber schon in der Pressekonferenz redete Jürgen Klopp seinen Verein schon wieder stark. Seinen größten Auftritt hatte der 05-Trainer aber erst tags drauf.

Die Frankfurter wiederum feierten an jenem Tag ihren zweiten Aufstieg an einem 25. Mai. 1998 brauchten sie nur einen Punkt, um vorzeitig die Rückkehr in die Bundesliga klar zu machen, und die Gäste im Waldstadion waren damals die 05er. Diese hatten mit einem Doppelschlag (Christian Hock und Peter Neustädter in der 62. und 65. Minute) das 0:2 ausgeglichen und waren drauf und dran, in Führung zu gehen, als die Eintracht-Fans kurzerhand mit einem Platzsturm im Waldstadion für den vorzeitigen Abpfiff sorgten. Einzelne 05er kamen nicht ohne kleinere Blessuren in die Kabine.

Drei 05er schließlich haben am 25. Mai Geburtstag.

69 Jahre alt wird Herward Koppenhöfer. Als ganz erfahrener Bundesligamann mit 213 Partien für den 1. FC Kaiserslautern, Bayern München (mit denen er 1971 trotz einer Roten Karte im Finale Pokalsieger und 1972 Deutscher Meister war), den VfB Stuttgart, die Offenbacher Kickers und Hertha BSC in seiner Biographie kam der damals 28-jährige Verteidiger 1974 zum FSV Mainz 05. Koppenhöfer war jahrelang ein wichtiger Leistungsträger im 05-Team, anfangs als Linksverteidiger, nach der Lizenzrückgabe 1976 als Libero. Erst im Sommer 1982 beendete der spielstarke Verteidiger im Alter von 38 Jahren seine Karriere; das letzte Spiel hatte er allerdings schon im Januar 1981 bestritten. Es war Koppenhöfers 185. Partie für die 05er, für die der verbissene Zweikämpfer und Dauerläufer in der 2. Bundesliga, der Amateurliga und der Oberliga Südwest sowie im DFB-Pokal auflief.

Drei Jubilare am 25. Mai: Herward Koppenhöfer, Blaise Nkufo und Christian Demirtas werden in der Summe 140 Jahre alt.40 Jahre alt wird Blaise Nkufo, der Schweizer aus Kinshasa, der erste große 05-Torjäger im 21. Jahrhundert. Nkufo, im Kongo geboren, aber früh in die Schweiz gekommen, war 25 Jahre alt, als ihn die 05er im Winter 2000/01 vom FC Luzern verpflichteten. Der bullige Mittelstürmer war vor allem ein Meister darin, Bälle abzuschirmen; eine seiner legendärsten Szenen hatte Nkufo in Ulm, wo er sekundenlang alleine mit dem Ball zwischen vier Ulmer Abwehrspielern stand, auf nachrückende Mitspieler warten musste und den Fünfkampf gewann, den Ball so lange verteidigte, bis die Kollegen da waren und er das 1:0 einleiten konnte. Und im zweiten Jahr, in dem er 14 Saisontore schoss, drei davon beim vermeintlich vorentscheidenden 4:1-Sieg gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld am 31. Spieltag, war er der große Hoffnungsträger fürs Endspiel: Nach der Bielefeld-Partie war der "Büffel" angeschlagen, das 1:1 in Duisburg hatte er ganz verpasst, beim 1:1 gegen Fürth wurde er nur eingewechselt und am letzten Spieltag bei Union Berlin saß er zunächst auch nur auf der Bank. Aber als Union 1:0 führte, machte sich der Stürmer zur Einwechslung bereit und der ganze Gästeblock wusste: Nkufo kommt! Jetzt wird alles gut! Tatsächlich brauchte der Torjäger nur sieben Minuten für den Ausgleich - und doch wurde gar nichts gut, die Berliner gewannen trotzdem 3:1, die 05er stiegen nicht auf. Und Nkufo, immer etwas sensibel, immer etwas eigenwillig, dabei intelligent, kultiviert, und in seinem Gesamtpaket vielleicht bis heute der beste neuzeitliche 05-Mittelstürmer, wechselte in die Bundesliga zu Hannover 96. Dort scheiterte Nkufo; bei Twente Enschede wurde er ab 2003 zum großen Idol: Mit 114 Toren in 223 Spielen bis 2010 ist Blaise Nkufo Rekordtorjäger des Klubs, in seinem letzten Spiel gewann Twente erstmals die niederländische Meisterschaft. Bei einem seiner Spiele würdigten ihn die "Meenzer Metzger" mit einem Transparent: "Heaven is a Blaise on Earth".

Neun Jahre jünger ist Christian Demirtas. Der Verteidiger aus Offenbach spielte ab 2002 für Mainz 05, erst in der U19, dann im Ober- und Regionalligateam, im Februar 2005 erstmals in der Bundesliga. Insgesamt absolvierte Demirtas bis 2009 54 Erst- und 24 Zweitligaspiele für die 05er, außerdem sechs im DFB-Pokal und drei im UEFA-Cup. Über den Karlsruher SC und Carl Zeiss Jena wechselte der Aramäer 2012 nach Schweden zum Syrianska FC, später zum SV Wiesbaden. Vor kurzem wurde Demirtas mit den Würzburger Kickers Meister der Regionalliga Bayern. 

Weitere Ergebnisse am 25. Mai:

1978: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 5:2  
1985: Werder Bremen (A) - FSV Mainz 05 2:1  
1993: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 3:5  
1994: FSV Mainz 05 - SV Meppen 3:0  
1997: KFC Uerdingen 05 - FSV Mainz 05 0:1  

26. Mai  

Jürgen Klopp verkündet das Mantra des späteren Aufsteigers: Man kann einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen und immer wieder aufstehen. Und die Mainzer werden das zeigen. Foto: imagoAm 26. Mai 2003, einen Tag nach der Niederlage in Braunschweig, hörten die 05-Fans vor dem Staatstheater Jürgen Klopps größte Volksrede. Klopp schnappte sich auf der Bühne das Mikrophon und hob an zu sprechen, wörtlich, nicht nachbearbeitet: "Gestern hab ich mir ja noch überlegt, für was ist das alles gut, und mir ist es eingefallen, für was das gut ist. Irgendjemand hat entschieden, dass irgendwann mal gezeigt werden muss, dass man tatsächlich einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen kann und immer wieder aufstehen kann, und er hat gedacht, es gibt keine bessere Stadt dafür! Oder sagt mir bitte eine Stadt, sagt mir eine Mannschaft, sagt mir irgendwelche Fans auf der Welt, die in der Lage wären, nach so einem Schmerz, wie wir es letztes Jahr hatten, so eine Saison zu spielen wie die letzte, nach so einem Schmerz, wie wir ihn gestern hatten, so eine Saison zu spielen wie die nächste - es gibt keinen anderen Verein außer Mainz 05!" Damit begründete Klopp die Mentalität, die Mainz 05 ein Jahr später in die Bundesliga und noch ein Jahr später in den UEFA-Pokal brachte.

Weitere Ergebnisse am 26. Mai:

1929: 1. FC Idar - FSV Mainz 05 2:2  
1989: Rot-Weiss Essen - FSV Mainz 05 3:0  
1991: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 1:1  
2000: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 2:0  

27. Mai  

Am Mittwoch schließlich wird Dennis Schmitt 22 Jahre alt. Der Mainfranke spielte von 2008 bis 2014 im 05-Nachwuchs, stieg im vergangenen Sommer mit der U23 in die 3. Liga auf und schickt sich nun an, das mit den Würzburger Kickers zu wiederholen.

Weitere Ergebnisse am 27. Mai:

1990: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 05 2:0
1995: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 3:1  

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