Das 05-Kalenderblatt: 4. bis 6. April

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es unter anderem um zwei der großen 05-Legenden und eine vom SC Neukirchen, um einen Verteidiger, der in den Urlaub durfte, einen Stürmer, vor dem sich der Hertha-Torwart erschrak.

4. April  

Eine der großen Legenden des FSV Mainz 05 wird heute 52 Jahre alt - wobei Michael Müller gar kein so großer 05er hätte werden dürfen: Eigentlich gehörte der Mann in die Bundesliga. Und wäre wohl auch früh in der Bundesliga angekommen, hätte er sich dafür nicht von seinem sicheren Job bei der Polizei trennen müssen; das wollte Müller nicht.

Im überragenden Transfersommer 1985, als mit Michael Schmitt, Hendrik Weiß, Micky Becker und dem Rückkehrer Charly Mähn vier weitere langjährige Leistungsträger kamen, hatte der 21-jährige Müller den kürzesten Weg: Zuvor hatte er für den DJK/BSC Mainz gespielt, hinter dem Bruchweg auf dem Platz der Kirche, in etwa dort, wo heute die Kunstrasenplätze der 05-Junioren liegen. Beim Debüt war das junge Talent noch Stürmer (und bereitete beim 2:0 in Worms das Führungstor vor), schnell aber war Müller Stammspieler in der Innenverteidigung, zunächst meist als Manndecker neben Libero Bernd Münch, nach dessen verletzungsbedingtem Karriereende Anfang 1990 selbst dauerhaft als freier Mann; lediglich Vlado Kasalo verdrängte Müller 1992 vorübergehend.

Geburtstagskinder am Montag: Michael Müller, Jürgen Losekam und Marcel Kärcher.In der Oberliga war Müller sowieso ein absoluter Ausnahmekicker, aber auch nach dem Zweitliga-Aufstieg einer der herausragenden Spieler auf seiner Position. Erst 1995 ging seine Ära langsam zu Ende; die Hinrunde verpasste Müller komplett, in der Rückrunde dagegen schaffte er es mit Anfang 30 noch mühelos, sich auf den neuen Viererketten-Fußball von Wolfgang Frank einzustellen und die Saison fest als rechter Innenverteidiger zu Ende zu spielen. Nach 352 Pflichtspielen (übertroffen nur von Dimo Wache) und 44 Toren (darunter einigen Elfmetern und Freistößen - dreimal traf Müller so 1990 beim 3:2 gegen den VfL Osnabrück) verließ der langjährige Abwehrchef 1996 die 05er; nach jeweils einem Jahr als Spieler und als Co-Trainer beim SV Wehen kam er 1998 noch einmal zurück, um mit den 05-Amateuren in die Oberliga aufzusteigen. Erst 2000 beendete Müller als 36-Jähriger seine aktive Laufbahn. Sein Sohn Tim findet derweil gerade bei der Mainzer U23 den Weg in den Erwachsenenfußball.

50 Jahre alt wird heute Jürgen Losekam, ein solider Manndecker, der in den 1990ern beim SC Neukirchen als selbstbewusster Anführer eine ähnliche Bedeutung hatte wie Müller bei den 05ern, selbst aber in Mainz nicht zurecht kam. Losekam war schon 29 Jahre alt, als Horst Franz ihn 1995 nach Mainz holte, zu alt, um den Sprung in den Profifußball noch zu schaffen. Bis zum siebten Spieltag war der Neuzugang auf der linken Abwehrseite mehr oder weniger gesetzt - einmal wurde er eingewechselt -, dann wurde Franz entlassen und Interimstrainer Manfred Lorenz musterte Losekam schon wieder aus. Bald spielte dieser wieder für Neukirchen.

22 Jahre alt wird schließlich Marcel Kärcher, der von 2010 bis 2013 für die U17, U19 und U23 der 05er stürmte, dabei großes Verletzungspech hatte und schließlich zurück zu seinem Stammklub FSV Frankfurt wechselte.

Ergebnisse am 4. April:

1954: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1  
1957: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1965: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 0:1  
1971: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 0:1  
1988: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 0:1  
1997: FSV Mainz 05 - VfB Lübeck 1:1  
1999: Hannover 96 - FSV Mainz 05 3:2  
2003: FSV Mainz 05 - Wacker Burghausen 2:0  
2015: Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:0  

5. April  

Am Dienstag wird Markus Ott 52 Jahre alt. Der Offensivspieler rückte 1981 aus dem eigenen Nachwuchs in die erste 05-Mannschaft auf und setzte sich im Herbst 1982 im Alter von gerade mal 18 Jahren auf der rechten Seite durch. 1983/84 war er mit zwölf Saisontoren der zweitbeste 05-Torjäger hinter dem gleichaltrigen Armin Maier; die beiden jungen Torjäger sowie die 18-jährigen Guido Schäfer und André Häuser bildeten die talentierte Offensive, die Mainz 05 auf dem Tiefpunkt der Vereinsgeschichte vor noch größerem Unheil bewahrte.

1984 versuchte Ott den Sprung in Richtung Bundesliga; das funktionierte aber nicht: Bei Eintracht Frankfurt spielte der Offensivmann keine Rolle. Daher kam er 1985 schon wieder zurück, musste aber eine lange Wechselsperre absitzen und schaffte es nicht mehr an während seiner Abwesenheit verpflichteten Michael Schuhmacher, Micky Becker und Charly Mähn vorbei. 1986 verließ Ott die 05er nach 86 Oberligaspielen und 19 Toren endgültig.

Geburtstagskinder am Dienstag: Markus Ott, Mike Duhaney und Adriano Grimaldi42 Jahre alt wird Mike Duhaney. Der Linksverteidiger aus San Diego, durchaus ein erfahrener Spieler in der Major League Soccer für die Tampa Bay Mutiny, die NY/NJ Metro Stars und Columbus Crew, kam 2002 als 28-Jähriger nach Mainz, machte beim 2:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen und beim 1:3 gegen die SpVgg Greuther Fürth keinen ganz schlechten Eindruck, wurde aber ansonsten einfach nicht gebraucht. Marco Rose, ebenfalls neu, war Stammspieler, Duhaney letztlich wohl einfach nicht gut genug für die Zweitliga-Spitze.

25 Jahre alt wird schließlich ein talentierter Mittelstürmer, dessen Revier aber wohl doch eher zwischen der zweiten und dritten Liga lag. Adriano Grimaldi kam 2009 als 18-Jähriger von Sachsen Leipzig, wurde auch direkt in die Bundesliga geworfen, sorgte dort beim Debüt schon nach Sekunden für Aufsehen: In einem gewohnt trüben Heimspiel gegen Hertha BSC stemmten sich die 05er nicht mal mit aller Gewalt gegen die Heimniederlage; der junge Italiener aus Göttingen aber, ein bemerkenswert athletischer Hüne, stürmte von der Seitenlinie auf Jaroslav Drobny zu, nötigte den Hertha-Torwart zum Abschlag ins Seitenaus, weckte damit die Mannschaft, die das Spiel schließlich 2:1 gewann; dabei holte Grimaldi noch den Elfmeter zum Ausgleich heraus. Meistens aber spielte der Mittelstürmer doch in der zweiten Mannschaft, zweimal gar noch in der U19. 2011 gaben die 05er Grimaldi in untere Profiligen ab; bei Fortuna Düsseldorf und beim SV Sandhausen spielte er keine Rolle, in Osnabrück (2012-14) schon eher. Im Januar wechselte Grimaldi vom 1. FC Heidenheim, wo er vor allem Einwechselspieler war, zum Drittligisten Preußen Münster.

Ergebnisse am 5. April:

1953: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 0:3  
1959: FSV Mainz 05 - Spfr. Saarbrücken 4:2  
1964: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 2:0  
1970: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:3  
1975: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:0  
1981: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:1  
1986: TuS Mayen - FSV Mainz 05 0:2  
1987: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:0  
1994: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 0:1  
1998: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 1:3  
2004: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 0:0  
2014: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:0  

6. April  

Mainz 05 1945 - hinten mit in doppeltem Wortsinne hoher Stirn der Defensivallrounder Erich Reith.Am Mittwoch vor 95 Jahren kam Erich Reith zur Welt. Der große, massive, kantige Postbeamte gehörte zur ersten Nachkriegsgeneration der 05er; als Abwehrchef oder im linken defensiven Mittelfeld, 1950/51 sogar als allerdings weiterhin defensiv denkender Halbstürmer, schließlich nach Gerd Higis Karriereende als Linksverteidiger war Reith bis 1952 ein wichtiger Leistungsträger der 05er. Erst 1953 verließ Reith im Alter von 32 Jahren nach 150 Spielen und für einen Defensivspieler dieser Zeit bemerkenswerten dreizehn Toren die Oberliga; im letzten Jahr war er nicht mehr regelmäßig gebraucht worden. Sein vorletztes Tor, bereits Ende 1949, brachte ihm gar eine Urlaubsreise ein; ein Mainzer Reisebüro hatte dem ersten Torschützen im Spiel gegen den FK Pirmasens acht Tage Ferien in den Alpen ausgelobt und als binnen zweier Minuten erst Josef Meinhardt und dann Reith die Tore zum 2:0-Sieg schossen, bezahlte der Sponsor kurzerhand beiden den Urlaub.

Otto Freitag, lange Jahre Abwehrchef und Vereinswirt der 05er.Am Mittwoch vor 34 Jahren verstarb schließlich einer der ganz großen 05er. Otto Freitag, geboren im Mai 1897 in Berlin, war mit seinem älteren Bruder Willi und weiteren Spielern 1919 vom Mainzer Fußballpionier Hugo Ries aus der Hauptstadt an den Rhein gelockt worden und war bis zu seiner Verletzung im August 1930 als vorbildlicher Kämpfer mit überragendem Stellungsspiel ein wichtiger Leistungsträger in der Abwehr. Bereits als Aktiver übernahm der jüngere Freitag das Vereinslokal der 05er, das er jahrzehntelang führte.

Ergebnisse am 6. April:

1952: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 2:2  
1985: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 2:0  
1991: Blau-Weiß 90 Berlin - FSV Mainz 05 2:1  
1996: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:2  
2008: FSV Mainz 05 - SV Wehen 3:0  

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