Das 05-Kalenderblatt: 3. und 4. Februar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In diesen Tagen geht es um einen nur kurzzeitig glücklichen und um einen sehr erfolgreichen Trainer, um einen großen Torjäger und einen beliebten Dribbler und um eine schmerzhafte Nachspielzeit.

3. Februar  

Heute wird Karl-August, genannt Charly Tripp 72 Jahre alt. Der Mittelstürmer war einer der Schlüsselspieler in der erfolgreichen 05-Mannschaft der mittleren 1960er. Der jüngere Tripp kam 1964 als 20-Jähriger vom VfL Marburg zu den 05ern, die bereits ein Jahr zuvor den Marburger Spielmacher Kurt Sauer (inzwischen 24 Jahre alt) geholt hatten, 1966 auch Charlys drei Jahre älteren Bruder, den Rechtsaußen Georg Tripp aus Offenbach verpflichteten.

Die Tripp-Brüder waren in den mittleren 1960ern die Torjäger des FSV Mainz 05. Vierter von links ist "Schorsch" Tripp, Dritter von links sein jüngerer Bruder Charly, der heute 72 Jahre alt wird.Charly Tripp löste sofort den 25-jährigen Erwin Bader - mit 18 Saisontoren ein Leistungsträger des Vorjahres - als Mittelstürmer ab. Bader spielte nur noch viermal für die 05er, verließ dann den Verein, obwohl Tripp zunächst nicht an diese Quote herankam. Dennoch: elf Tore in 25 Einsätzen sind ordentlich für einen jungen Neuling in der Regionalliga. Tripps bedeutendstes Tor im ersten Jahr entschied eins der legendären 05-Spiele der Ära: Im Wiederholungsspiel des DFB-Pokal-Achtelfinales beim hohen Favoriten TSV München 1860 schoss der Stürmer in der 85. Minute nach einem Eckball von Sauer das 2:1.

Tripps großes Jahr bei den 05ern war die Saison 1965/66. In 30 Spielen traf der Hesse 24 Mal, dreimal schaffte er Hattricks: Beim 4:0 gegen den SV Alsenborn, der erst zwei Jahre später zur Südwest-Spitzenmannschaft wurde, beim 6:2 in Weisenau und beim 4:0 gegen den TSC Zweibrücken. Die personell ungeheuer stabile 05-Mannschaft - in einer Zeit, in der es noch keine Auswechslungen gab, absolvierten fünf Mann alle Spiele, zwei fehlten nur einmal, zwei nur fünfmal - wurden die 05er nach einem mäßigen Start durch eine selten unterbrochene Siegesserie Dritter, zwei Punkte fehlten zur Teilnahme an der Bundesliga-Aufstiegsrunde.

Dennoch trennten sich die Mainzer von ihrem erfolgreichen Trainer Heinz Baas. Dessen Nachfolger Kurt Zaro scheiterte, die Mannschaft kam nicht zurecht mit dem ehemaligen Italien-Profi, der anfangs verletzte Tripp schoss kaum Tore. Besser wurde es erst nach dem erneuten Trainerwechsel im November 1966. Schon im ersten Spiel unter dem 05-Idol Walter Sonnenberger gab es den nächsten Hattrick des Mittelstürmers, der am Ende auf 16 Treffer in 23 Spielen kam. Beinahe wäre er nach der Saison der erste 05er gewesen, der zum aufstrebenden Bundesligisten Bayern München gewechselt wäre; der Vertrag war bereits unterschrieben, der Transfer platzte in letzter Sekunde. Und der Mittelstürmer erreichte die alten Quoten nicht mehr, traf nur noch achtmal, wurde von seinem Bruder überflügelt, der sein erstes Jahr in Mainz wegen Verletzungen weitgehend verpasst hatte, im zweiten bereits 18 Saisontore schoss. Und im dritten ohne seinen Bruder spielte: Charly wechselte nach 109 Spielen und 61 Toren für die 05er - nicht zu den Bayern, sondern zur Nord-Spitzenmannschaft VfL Osnabrück. Mit dem VfL wurde er dreimal in Folge Meister seiner Regionalligastaffel, dann zweimal Vizemeister hinter dem FC St. Pauli, 1973/74 schließlich Dritter hinter den Hamburgern und dem Bundesliga-Absteiger Eintracht Braunschweig; den Aufstieg schaffte er jedoch nie. Auch seine Tore wurden seltener - aber 19 Treffer in 149 Partien belegen keinen Einbruch von Tripps Fähigkeiten, vielmehr wurde der Stürmer spätestens im zweiten Jahr beim VfL zum Libero umgeschult. Erst 1973/74 verlor er seine Hauptrolle bei den Niedersachsen. In der 2. Bundesliga wurde er nur noch zweimal aufgestellt, bereits im Herbst 1974 verließ Charly Tripp den Profifußball und wurde Spielertrainer beim Amateurklub VfL Kloster Oesede.

Am Aufstiegstag mit Mainz 05 saß Jörn Andersen strahlend auf dem Plexiglasdach des Spielertunnels am Bruchweg. Kurz vor dem ersten Bundesligaspiel trennten sich die 05er von ihrem norwegischen Aufstiegstrainer. Foto: imago53 Jahre alt wird heute Jörn Andersen. Der grimmige Wikinger schrieb 1989/90 Geschichte. Mit für seine Verhältnisse überragenden 18 Saisontoren für Eintracht Frankfurt wurde der große, athletische Norweger erster ausländischer Torschützenkönig der Bundesliga. Andersen war zwar technisch etwas limitiert, aber wuchtig, kopfballstark, ein Mittelstürmer mit Abstauberinstinkt, ein Torjäger allerdings auf dem höchsten Niveau selten; 67 Tore in 243 Bundesligaspielen sind ordentlich, jedoch hielt Andersen seine Quote nicht konstant. Als Trainer ist der einstige Nationalspieler eine der tragischeren Figuren. 2003/04 brachte Andersen Rot-Weiß Oberhausen trotz immenser Finanzprobleme - RWO hatte nicht mal einen Trikotsponsor - mit einer Mannschaft, der man diese Leistung nicht zugetraut hätte, sehr nahe an den Aufstieg in die Bundesliga, am Ende fehlten ein Punkt und elf Tore auf Mainz 05. Mit den Mainzern schaffte er 2009 diesen Aufstieg vor allem dank seines Siegeswillens. Auch auswärts waren immer drei Punkte Andersens Ziel, tatsächlich wurden die 05er Vizemeister mit viel mehr Pech, als die noch besser platzierten Freiburger hatten, mit einer geradezu absurden Serie von groben Schiedsrichterfehlern, auch mit selbst verschuldeten und geradezu unerklärlichen Punktverlusten am Bruchweg, aber auch mit einer Auswärtsbilanz, wie man sie im deutschen Profifußball ganz selten erlebt hatte: drei Niederlagen, drei Unentschieden, gewaltige elf Siege. Andersen war's, der dann, als es wirklich zählte, den ersten 05-Sieg in Fürth holte, Andersen war's, der die 05er unter anderem gegen Schalke 04 und den 1. FC Köln erstmals ins DFB-Pokal-Halbfinale und dort in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen in die Verlängerung brachte.

Allerdings hatte nicht nur der Ansatz zu dieser Partie die 05-Verantwortlichen nervös gemacht, Zweifel waren da, ob man Andersen die Bundesliga zutrauen dürfe. Tatsächlich wurde der Trainer zwischen dem Pokal-Erstrundenaus in Lübeck und dem ersten Spieltag entlassen, Thomas Tuchel kurzfristig befördert - und dessen Erfolge mit Mainz 05 stehen für sich.

Auch in seiner übrigen Trainerkarriere hatte Andersen wenig Glück. Nach der WM 2006 war er ein Kandidat für die Co-Trainer-Position der deutschen Nationalmannschaft unter Joachim Löw, er selbst sagt, er hätte den Job nicht bekommen, weil er Ausländer ist. 2006 verließ er Skoda Xanthi bereits vor dem ersten Spiel, weil der griechische Klub in der Saisonvorbereitung seine Zusagen nicht eingehalten habe. Bei AE Larisa, ebenfalls in Griechenland, war nach 22 Tagen und vier Niederlagen Schluss. Auch beim Karlsruher SC hatte Andersen keinen Erfolg. Zuletzt trat er in diesem Winter wegen mangelnder Perspektive und mit der Begründung, den Verein nicht weiter finanziell belasten zu wollen, beim inzwischen insolventen österreichischen Zweitligisten Austria Salzburg zurück.

23 Jahre alt wird Sebastian Gärtner, der in der vergangenen Saison acht Drittligaspiele für die 05er bestritt.

Ergebnisse am 3. Februar:

1929: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 0:0  
1935: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 1:1  
1952: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 4:3  
1957: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:2  
1963: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 2:1  
1974: Gummi Mayer Landau - FSV Mainz 05 3:0  
1980: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 3:2  
1985: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 3:2  
2002: FSV Mainz 05 - VfL Bochum 1:1  
2003: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 2:1  
2007: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 0:0  
2015: Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:1  

4. Februar  

Der ehemalige 05-Trainer Paul Oßwald (links, mit dem großen Fritz Walter) würde am Donnerstag 111 Jahre alt werden. Foto: imagoAm Donnerstag würde Paul Oßwald 111 Jahre alt werden. Der Thüringer war bereits mit Mitte 20 ein sehr erfolgreicher Trainer, gewann 1930 und 1932 mit Eintracht Frankfurt die Süddeutsche Meisterschaft und wurde 1932 Deutscher Vizemeister wegen eines 0:2 gegen Bayern München. In der Vorbereitung auf die WM 1934 war Oßwald Assistent des Reichstrainers Otto Nerz, nebenher betreute er die Südwestauswahl und war 1933/34 Trainer des FSV Mainz 05. In seiner weiteren Karriere wurde Oßwald 1938 Südwestmeister mit der Eintracht, 1949 und 1955 Südmeister sowie 1950 Deutscher Vizemeister mit den Offenbacher Kickers, 1959 schließlich endlich Deutscher Meister mit Eintracht Frankfurt; Gegner im Finale war sein Ex-Klub, den er erst ein Jahr zuvor verlassen hatte, der Nachbar aus Offenbach. 1960 schließlich stand Oßwald mit der Eintracht im Europapokal-Finale (3:7 gegen Real Madrid). Außerdem war er der Mitbegründer des Bundes Deutscher Fußballlehrer. Oßwald verstarb am 10. November 1993 im Alter von 88 Jahren.

29 Jahre alt wird Christian Grimm. Der Mittelfeldmann aus Frankenthal spielte von Januar 2008 bis 2011 für die Mainzer U23, schloss sich dann nach 95 Ober- und Regionalligaspielen und 14 Toren der SV Elversberg an. Seit vergangenem Sommer spielt Grimm für den FK Pirmasens.

Pablo de Blasis warf Mainz 05 2014 mit Asteras Tripolis aus dem Europapokal. Wenige Tage später war der Argentinier selbst ein 05er. Foto: imagoPablo de Blasis wird am Donnerstag 28 Jahre alt. Das Los brachte den kleinen Argentinier im Juli 2014 zum ersten Mal mit Mainz 05 in Verbindung: De Blasis spielte als dauerrennender Mittelstürmer beim Mainzer Europapokalgegner Asteras Tripolis, schoss im Rückspiel (3:1 für die Griechen) eher zufällig mit einer abgerutschten Flanke das 1:0 und bereitete das 2:1 vor. Und obwohl sich das Mainzer Publikum eher in den belgischen Rechtsaußen Zigui Badibanga verliebt hatte, verpflichteten die 05er kurz nach dem Ausscheiden dessen Kollegen, einen der vielen Argentinier im Asteras-Team.

Eine Rolle spielte de Blasis in Mainz erst einmal gar nicht. Dreimal war er nur eingewechselt worden, ehe er zum Hinrundenfinale gegen Bayern München überraschend in der Startelf stand, mit den 05ern äußerst unglücklich durch einen Treffer von Arjen Robben in der Nachspielzeit 1:2 verlor, aber mit seinem unkonventionellen Spiel überzeugte. De Blasis ist auf dem Flügel eher ein offensiver Mittelfeldspieler als ein Außenstürmer, ein Kombinationsspieler, Dribbler und Hakenschläger, einer, der seine Gegenspieler verrückt machen kann, trotz seiner gerade mal 165 Zentimeter Körperlänge bemerkenswert kopfballstark, jederzeit unberechenbar, allerdings nicht allzu effizient: In 36 Spielen kommt de Blasis bisher auf drei Tore und immerhin sieben Vorlagen. Seinen nie absolut sicheren Stammplatz hat der beliebte Argentinier momentan an Christian Clemens verloren, zur erweiterten Startelf der 05er gehört er weiterhin.

18 Jahre alt wird der Offensivspieler Nico Möller, der im vergangenen Sommer von der Mainzer U17 zur U19 aufrückte.

Zehn Jahre liegt heute schließlich eins der schlimmsten Mainzer Bundesligaspiele zurück. Dabei hatte die Partie in Bremen überragend begonnen: Keinem Geringeren als dem von Werder ausgeliehenen Mohamed Zidan gelang nach 13 Sekunden die 05-Führung. Dann aber verletzte sich der Mainzer Torwart Dimo Wache schwer. Zwar fiel Sekunden nach der langen Spielunterbrechung gar das 2:0 durch Niclas Weiland. Aber als in der langen Nachspielzeit der ersten Hälfte auch noch Nikolce Noveski minutenlang eine Platzwunde genäht bekommen musste, drehte Werder das Spiel mit Toren in der 39., 45+3. und 45+5. Minute. In der zweiten Hälfte fiel nur noch das 4:2.

Weitere Ergebnisse am 4. Februar:

1934: FSV Mainz 05 - FSV Frankfurt 3:1  
1962: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 5:1  
1973: FV Speyer - FSV Mainz 05 1:1  
1984: FC St. Wendel - FSV Mainz 05 2:2  
2008: TuS Koblenz - FSV Mainz 05 1:1  
2012: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:1  

 

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