Das 05-Kalenderblatt: 26. bis 29. Mai

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Heute beginnt es mit einem Volksredner, geht weiter mit einem ehemaligen Phantom und zwei auf jeweils ihre Weise mehr oder weniger legendären Stürmern bis hin zum Bruder eines bedeutenden Nationalspielers.

26. Mai  

Jürgen Klopp verkündet das Mantra des späteren Aufsteigers: Man kann einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen und immer wieder aufstehen. Und die Mainzer werden das zeigen. Foto: imagoHeute vor dreizehn Jahren, am 26. Mai 2003, einen Tag nach dem 4:1 in Braunschweig, das ein großer Sieg und eine viel größere Niederlage zugleich war, hörten die 05-Fans vor dem Staatstheater Jürgen Klopps größte Volksrede. Klopp schnappte sich auf der Bühne das Mikrophon und hob an zu sprechen, wörtlich, nicht nachbearbeitet: "Gestern hab ich mir ja noch überlegt, für was ist das alles gut, und mir ist es eingefallen, für was das gut ist. Irgendjemand hat entschieden, dass irgendwann mal gezeigt werden muss, dass man tatsächlich einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen kann und immer wieder aufstehen kann, und er hat gedacht, es gibt keine bessere Stadt dafür! Oder sagt mir bitte eine Stadt, sagt mir eine Mannschaft, sagt mir irgendwelche Fans auf der Welt, die in der Lage wären, nach so einem Schmerz, wie wir es letztes Jahr hatten, so eine Saison zu spielen wie die letzte, nach so einem Schmerz, wie wir ihn gestern hatten, so eine Saison zu spielen wie die nächste - es gibt keinen anderen Verein außer Mainz 05!" Damit begründete Klopp die Mentalität, die Mainz 05 ein Jahr später in die Bundesliga und noch ein Jahr später in den UEFA-Pokal brachte.

Ergebnisse am 26. Mai:

1929: 1. FC Idar - FSV Mainz 05 2:2  
1989: Rot-Weiss Essen - FSV Mainz 05 3:0  
1991: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 1:1  
2000: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 2:0  
 

27. Mai  

Am Freitag wird Dennis Schmitt 23 Jahre alt. Der Mainfranke spielte von 2008 bis 2014 im 05-Nachwuchs, steigt in letzter Zeit immer wieder auf, trägt dazu jedoch immer weniger bei: 24 Mal spielte der Mittelfeldmann im Mainzer U23-Team, als es die dritte Liga erreichte, nur siebzehn Mal in der Drittliga-Aufstiegssaison der Würzburger Kickers, kein einziges Mal in deren Zweitliga-Aufstiegsjahr.

Ergebnisse am 27. Mai:

1990: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 05 2:0
1995: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 3:1  
 

28. Mai  

Am Samstag vor 105 Jahren kam Hans Kroh zur Welt. Der Allrounder - ursprünglich Außenstürmer, später womöglich nur mangels Alternativen Außenverteidiger - kam 1933 von Viktoria Urberach zu den 05ern, spielte vermutlich zunächst nur in der Reserve, setzte sich aber ab 1935 in der ersten Mannschaft durch. In der Krisenzeit der 05er war er wohl eine der wenigen zuverlässigen Stützen der Mannschaft. Bis 1937 spielte Kroh insgesamt 35 Mal für die 05er, dabei schoss er fünf Tore. 1937 bricht die Berichterstattung über den Verein ab, damit auch die Informationen über Krohs Karriere. Am 3. März 1943 kam Hans Kroh an der Ostfront ums Leben.

Lesen Sie hier mehr über Krohs Wiederentdeckung.

Eine der umstrittensten Figuren des FSV Mainz 05 wird am Samstag 40 Jahre alt: Michael Thurk ist für die einen ein Held, für die anderen ein Verräter, für manche beides. Ein Denkmal mag sich der Frankfurter verdient haben durch die zwei Tore gegen sich selbst und für seinen Verein beim ersten Aufstieg in die Bundesliga, aber vielleicht eins mit Scharnier am Sockel, damit man es leichter umwerfen und wieder aufrichten kann. Fragt man sich ein bisschen quer durch die Welt der 05er, kann man zum Ergebnis kommen, Michael Thurk habe beides verdient.

Sechseinhalb Jahre lang spielte der "Killermichel" für die 05er, unterbrochen von einem halben Jahr in Cottbus. Thurk kam als bereits 23-jähriger Amateurkicker vom SV Jügesheim und ging mit 30 Jahren zu seinem Herzensklub - so sagte er -, zum Erstligaverein seiner Heimatstadt, zu Eintracht Frankfurt. Eine lebende Legende im 05-Team war er damals schon, und die Legendenbildung ging los mit seinem ersten Tor: 1999/00, in seiner ersten Saison in Mainz, wurde er nur sporadisch eingewechselt, traf in der Liga noch überhaupt nicht, dafür aber im DFB-Pokal gegen Hertha BSC. Der erste Treffer des kleinen schmalen Renners war der Ausgleich und machte die dramatische Verlängerung, in der neun Mainzer elf Berliner aus dem Pokal warfen, erst möglich. 

Im zweiten Jahr war Thurk schon Stammspieler, zeigte aber schon eine Eigenschaft, die er erst im letzten Jahr als Mainzer ablegte: Er schoss viele Tore, aber nicht gleichmäßig über die Saison verteilt; es gab Phasen mit vielen Treffern, aber auch lange Serien ohne Treffer. In denen Thurk als Renner, als Pressingmaschine, als ekliger Gegenspieler, auch als Provokateur trotzdem seinen Wert hatte. Fünf Tore in vier Wochen waren mitentscheidend für den Nichtabstieg 2001, nur ein Tor in den letzten fünf Spielen nicht der entscheidende Faktor, aber sicherlich ein Faktor für den Nichtaufstieg 2002. 

Noch schwer lädiert im Gesicht, aber endlich wieder glücklich: Michael Thurk nach seinem verspäteten ersten Bundesligator gegen den SC Freiburg. Foto: imagoDie Saison 2003/04 war das erfolgreichste Mainzer Jahr des Torjägers Thurk. 13 Treffer schoss der Stürmer - aber zehn davon in der Hinrunde. In der Rückrunde lange nichts. Worauf die 05er kurz vor Saisonende verkündeten, seinen Vertrag nicht zu verlängern, Thurk bei Energie Cottbus unterschrieb, als die 05er den Aufstieg abgehakt hatten, und auf einmal ein ganz persönliches Problem bekam: Die 05er waren plötzlich wieder ein Aufstiegskandidat, Cottbus aber auch, nur einer konnte es schaffen. Thurk löste das Dilemma mit drei entscheidenden Toren. Eins gegen Unterhaching, zwei im Endspiel gegen Eintracht Trier, alle drei für seinen alten Verein, gegen seinen neuen, im Grunde gegen sich selbst. Nach dem letzten Abpfiff war Thurk als einziger 05er inmitten der Aufstiegsjubler todunglücklich, wollte nicht nach Cottbus, musste aber.

Und wurde dort nicht glücklich. Auch wegen einer fürchterlichen Verletzung - nach einem Allerweltsfoul fiel Thurk mit dem Gesicht aufs Knie des unbeteiligten Gegenspielers Claus Grzeskowiak, biss diesem eine Sehne durch (Karriereende); zwei seiner Zähne blieben in Grzeskowiaks Knie stecken. Im Winter holten die 05er den unter Heimweh und allem Möglichen leidenden Thurk zurück. Einen Teil der Ablöse hätte er selbst zahlen sollen, aber nach sechs Rückrundentoren und dem Nichtabstieg übernahmen die 05er seinen Anteil. Thurk entwickelte sich zum Bundesliga-Torjäger, wurde von Jürgen Klopp nach zwei Treffern gegen Borussia Mönchengladbach flapsig für die WM ins Gespräch gebracht, und vielleicht war das nicht geschickt. Vielleicht war das der Auslöser zum Streit zwischen den beiden Hälften der einstigen Fahrgemeinschaft, die täglich zusammen aus Frankfurt nach Mainz pendelte. Der Frankfurter Gassenbub, der auch in allerbesten Zeiten nie so ganz pflegeleicht war, fühlte sich von Klopp nicht hinreichend wertgeschätzt, sah außerdem die Chance, noch einmal für die gerade wieder aufgestiegene Eintracht zu spielen, und mobbte sich im Trainingslager aus seinem Vertrag. 

Bei der Eintracht scheiterte Thurk letztlich. Als Stürmer des FC Augsburg wurde er hingegen noch einmal ein Volksheld, Zweitliga-Torschützenkönig und Bundesliga-Aufsteiger. Mit dem 1. FC Heidenheim stieg Thurk im vergangenen Jahr als 38-Jähriger in die 2. Bundesliga auf. Seither ist Thurk vereinslos, aber so ganz beendet hat einer der interessantesten Stürmer dieses jungen Jahrhunderts seine Karriere noch nicht. Mit 64 Toren in 202 Spielen in den beiden Bundesligen, im DFB- und im Europapokal ist Thurk heute noch der größte Mainzer Torjäger im Profifußball. 

Sami Allaguis Spezialität: Tore im ersten Spiel für den neuen Klub. Das klappte auch in der vergangenen Saison in Berlin. Foto: imagoExakt zehn Jahre jünger ist Sami Allagui, der ebenfalls zur Legende hätte werden können. Der in Belgien zum Profi ausgebildete Deutsch-Tunesier aus Düsseldorf kam 2010 über Carl Zeiss Jena und die SpVgg Greuther Fürth zu den 05ern. Im ersten Jahr schoss er schon zehn Tore, größtenteils spektakuläre, elegante Kunstwerke: Allagui zog im Zweifel den Heber dem Schuss gegen die Laufrichtung vor und hatte die nötige Technik, um das auch zu schaffen. Sein Tor des Monats beim Auswärtssieg gegen die Bayern schoss er mit der Hacke und in Gladbach schickte er nach einer sagenhaften 70-Meter-Flanke von Christian Fuchs den Ball erst senkrecht in die Luft, um den Torwart darunter durchlaufen zu lassen, ehe er ihn mit dem Kopf, bedrängt von zwei Verteidigern, ins Herz der ins Tornetz eingearbeiteten Borussia-Raute bugsierte. In der Rückrunde seines zweiten Jahres in Mainz spielte Allagui aber schon keine große Rolle mehr. Mit Hertha BSC stieg er darauf in die Bundesliga auf; im vergangenen Sommer holten die 05er den Angreifer noch einmal als Leihspieler zurück. Noch einmal durchgesetzt hat er sich nicht. Verletzungsbedingt spielte Allagui nach seiner Rückkehr nach Berlin keine Rolle mehr, sein Vertrag bei der Hertha wurde aber vor kurzem erst verlängert.

Jurij Krause wird am Samstag 32 Jahre alt. Der Defensivmann war im Oberligajahr 2007/08 und anschließend zwei Jahre lang in der Regionalliga ein Führungsspieler der Mainzer U23. Der Mittelfeldspieler Frederic Brill, der von 2010 bis 2012 in der U19 und der U23 der 05er wichtig war, seitdem für den FSV Frankfurt, Fortuna Köln, Waldhof Mannheim und Hessen Kassel knapp hundert weitere Regionalligaspiele absolvierte, wird 24 Jahre alt.

Ergebnisse am 28. Mai:

1950: SpVgg Andernach - FSV Mainz 05 5:4  
1978: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:1  
1981: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 0:1  
1982: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:4  
1999: FSV Mainz 05 - KFC Uerdingen 05 3:0  
 

29. Mai  

42 Jahre alt wird am Sonntag Serjik Teymourian. Der iranische Mittelfeldspieler bestritt von 1998 bis 2000 sechs Zweitligaspiele für die 05er. Sein Bruder Andranik hat die größere Karriere mit bislang 97 A-Länderspielen. 

Mark Schäfer, von 2008 bis 2011 U17- und U19-Spieler der 05er, wird schließlich 23 Jahre alt.

Weitere Ergebnisse am 29. Mai:

1976: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 5:2  
1988: FV 09 Weinheim - FSV Mainz 05 4:3  
1994: FC Hansa Rostock - FSV Mainz 05 2:3  

 

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