Das 05-Kalenderblatt: 26. bis 28. September

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um drei Stürmer der 1970er, den Interimstrainer und den härtesten Mittelfeldspieler der 1990er und um den zweiten der drei topseriösen osteuropäischen Innenverteidiger.

26. September  

Experten unter sich: 05-Vizepräsident Peter Arens, der damalige Zweitliga-Interimstrainer Manfred Lorenz, der heute Geburtstag hat, und der damalige MRZ-Redakteur Jörg Schneider diskutieren das 1:1 gegen Alemannia Aachen aus. Alle drei sind - teils in anderen Rollen - auch sechzehn Jahre später regelmäßig am Bruchweg unterwegs. Foto: imagoHeute wird Manfred Lorenz 68 Jahre alt. Lorenz wurde vor allem als gelegentlicher Interimstrainer der 05-Profis bekannt, aber auch als Architekt des Erfolgs der U23. Als Trainer stieg der ehemalige Finther Coach, der auf gehobener Amateur-Ebene ein glänzender Spieler gewesen sein muss, mit dem 05-Nachwuchsteam aus der B-Klasse bis in die Oberliga auf. 2000 übergab er den Job an Uwe Stöver, seitdem ist Lorenz als Manager der U23 unter anderem dafür verantwortlich, da, wo Bedarf besteht, mit externen Neuzugängen die Kaderplätze zu besetzen, für die es keine eigenen Jugendspieler gibt. In dieser Funktion holte Lorenz bereits einige gute Leute nach Mainz, unter anderem die späteren Profis Nejmeddin Daghfous, Benjamin Kessel, Daniel Buballa, auch Philipp Klement, auch Alexander Hack, der gerade zu den 05-Profis aufsteigt.

In sieben Zweitligaspielen war Lorenz für die 05-Profis verantwortlich. Nach dem Rücktritt von Hermann Hummels verloren die 05er mit ihrem Interimstrainer im April 1995 0:1 gegen den 1. FC Saarbrücken. Nachdem die 05er Hummels' Nachfolger Horst Franz gefeuert hatten, gab es für Lorenz im September 1995 ein weiteres 0:1 bei Fortuna Köln und ein 2:0 gegen Wattenscheid. Anfang 1997 trat Franz' Nachfolger Wolfgang Frank zurück und wieder sprang der Amateurcoach ein - gegen den FC Gütersloh gab es ein überragendes 3:0. Weil auch Franks Nachfolger Reinhard Saftig kein guter Trainer für die 05er war, ging Manfred Lorenz' vierte Zeit mit den 05-Profis über mehrere Wochen, diesmal mit etwas weniger Erfolg: Der FSV Zwickau glich nach 0:2-Rückstand in der 90. Minute zum 2:2 aus, Fortuna Köln schlug die 05er durch ein Tor in der 85. Minute 2:1. Lorenz' letztes Spiel als Interimstrainer folgte erst am 17. November 2000 - 1:1 gegen Alemannia Aachen. Das ergibt eine für die Situation durchaus beachtliche Bilanz von zwei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen, verteilt über etwas mehr als fünf Jahre. Etwas später in jener Saison 2000/01 brauchten die 05er wieder einen Interimstrainer, übertrugen den Job aber diesmal einem Spieler - Jürgen Klopp. Der Rest ist bekannt.

Die Frisur von Brian May, die Rückennummer von seinem Ankunftsdatum in Deutschland und die Grätsche von, nun ja, Bruno Akrapovic - in der Summe einer der besten zentralen Zweitliga-Mittelfeldspieler seiner Zeit.Ebenfalls heute hat einer der gefürchtetsten Mittelfeldarbeiter der 1990er Geburtstag: Bruno Akrapovic wird 49 Jahre alt. Der Bosnier, der am 8.8.1988 nach Deutschland kam und sich nie von der Rückennummer 8 und seiner damaligen Frisur mit den langen Locken trennte, spielte von 1994 bis 1997 bei den 05ern. Über Arminia Hannover, den 1. SC Göttingen 05 und TuS Celle kam Akrapovic als Wolfsburger in die 2. Bundesliga. Bereits beim VfL war er ein harter, giftiger Zweikämpfer im zentralen Mittelfeld, aber auch ein Spieler mit strategischem Geschick, ein Beherrscher des Raums, trotz seiner Rückennummer der Inbegriff des Sechsers zu einer Zeit, in der es diesen Begriff noch gar nicht gab. Im Transfersommer 1994 war Akrapovic einer von mehreren Volltreffern der 05er - gleichzeitig kamen Christian Hock, Thomas Ziemer, Peter Neustädter und Abderrahim Ouakili. Akrapovic wurde sofort der Chef im Mittelfeld, schoss beim Debüt schon sein erstes Tor - und 1996 noch eins; offensiv trat der Kämpfer fast nie in Erscheinung. Dafür bildete er ab der Saison 1995/96 mit Lars Schmidt einen der besten Mittelfeldwälle der 2. Bundesliga. Das Duo Akrapovic/Schmidt war kaum zu überwinden, auch darum starteten die 05er vom letzten Platz der zweiten Liga durch und wären binnen eineinhalb Jahren um ein Haar in der Bundesliga gelandet.

Nach dem verpassten Aufstieg wechselte Akrapovic zum reichen, ambitionierten Regionalligisten Tennis Borussia Berlin, mit dem er in die 2. Liga aufstieg, aber nicht in der Bundesliga ankam - der Kollaps des Geldgebers und die Lizenzverweigerung kamen dazwischen. Aber Energie Cottbus, gerade selbst aufgestiegen, holte den inzwischen 32-Jährigen in die höchste Liga, wo er zwei Jahre lang ein wichtiger Führungsspieler war, wie auf seinen vorherigen Stationen ein extrem zuverlässiger Kämpfer, an dem sich die Mitspieler auch mal aufrichten konnten.

Weitere Ereignisse am 26. September:

1926: FSV Mainz 05 - FV 03 Saarbrücken 1:0  
1948: SG Gonsenheim - FSV Mainz 05 4:0  
1971: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 4:2  
1976: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:4  
2004: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:1  
2009: Werder Bremen - FSV Mainz 05 3:0  
2014: FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim 0:0  
2015: FSV Mainz 05 - Bayern München 0:3
 

27. September  

Vier Ex-05er haben am Dienstag Geburtstag, drei von ihnen spielten keine große Rolle. Mathias Kiefer, der zuvor in Hong Kong gespielt hatte und 1983/84 den gerade nicht unumstrittenen Manfred Petz sechsmal im Mainzer Tor vertrat, wird 57 Jahre alt. Der bosnische Mittelfeldspieler Jasmin Jankovic, der Mitte der 1990er jahrelang immer mal wieder in Testspielen der 05-Profis eingesetzt wurde, aber den Sprung aus der zweiten Mannschaft nicht schaffte, wird 43 Jahre alt. Kwasi Heiser, 2000/01 im Oberligakader der 05-Amateure, aber wesentlich wichtiger später für die TSG Wörsdorf, wird 36 Jahre alt.

Wie die beiden anderen nie einer für den Vordergrund, in der Reihe der topseriösen, stillen, harten, zuverlässigen osteuropäischen Innenverteidiger des FSV Mainz 05 der Verbinder zwischen Peter Neustädter und Nikolce Noveski: Tamás Bódog, fünfter von links, nach seinem letzten vollen Bundesligaspiel. Foto: imagoUnd dann gibt es da noch einen gewissen Tamás Bódog. Der große, stabile Ungar war nicht der größte Techniker, aber als eisenharter Athlet und topseriöser Profi ein wertvoller Verteidiger für die 05er. Bódog hatte jahrelang in Ulm gespielt, war aus der Regionalliga in die Bundesliga aufgestiegen, hatte nach dem Abstieg aber keinen Vertrag mehr bekommen. Der inzwischen fast 30-jährige Verteidiger kickte ein paar Wochen beim Oberligisten SpVgg Au, dann holten ihn die 05er als Ersatz für den verletzten Jürgen Klopp in den Profifußball zurück. Als Rechtsverteidiger war Bódog jedoch keine große Hilfe, nach ein paar schlechten Spielen musterten die 05er den Neuzugang schon wieder aus.

In der Schlussphase jener Saison kam aber Klopp, inzwischen zum Trainer befördert, auf die Idee, Bódog in die Innenverteidigung zu stellen. Ein paar Mal lief der Ungar noch außen auf, aber bald setzte er sich als zentraler Abwehrspieler durch. Eine schweren und ein paar kleine Verletzungen setzten den über 30-jährigen Eisenmann zwar hin und wieder außer Gefecht, aber davon abgesehen war er Stammspieler bis zum Aufstieg und darüber hinaus, in insgesamt 79 Zweitligaspielen hinten kompromisslos und stabil, vorne mit seinem starken Kopfball durchaus torgefährlich. Bódogs größter Moment hingegen war völlig untypisch: Gegen den VfB Lübeck nötigte Niclas Weiland den Innenverteidiger zu einem Solo über den ganzen Platz; Bódog musste an der Mittellinie loslaufen und hatte nur noch den Torwart vor sich. Der Weg war weit, das Stadion staute Bauklötzer, und sollte die Legende, dass Torjäger Andrey Voronin nicht mitlief, sondern vor Lachen auf Höhe Trainerbank stehenbleiben musste, nicht stimmen, so wäre sie gut erfunden. Bódog jedenfalls stapfte zielstrebig immer weiter und schoss den Ball gegen die Laufrichtung des Torwarts ins Tor. "Ich habe mir noch überlegt, ob ich ihn ausspielen soll", verriet Bódog später, "schieben war, glaube ich, die bessere Idee."

Nikolce Noveski, der (damals noch) blasse Neuzugang aus Aue, beendete ein paar Wochen nach dem Aufstieg Bódogs Karriere. Im Training rasselten die beiden Verteidiger heftig ineinander, Noveskis Ellbogen war noch härter als der Schädel des Eisenmanns. Mit Jochbeinbruch fiel der Ungar, der das zweite Mainzer Bundesligator geschossen hatte, lange aus und Klopp war gezwungen, den 25-jährigen Mazedonier, der an den ersten sieben Spieltagen keine Minute gespielt hatte, sechsmal sogar nur auf der Tribüne gesessen hatte, zum Stammspieler zu machen. Noveski nutzte die Chance überragend, war fortan zehn Jahre lang unumstrittener Leistungsträger, Kapitän und Idol, Bundesliga-Rekordspieler, eine noch größere 05-Legende als seine Vorgänger. Bódog saß in der Rückrunde wieder regelmäßig auf der Bank, kam aber nur noch zu fünf Einwechslungen und einem letzten 90-Minuten-Spiel als Vertreter des gelbgesperrten Manuel Friedrich. Morgen wird Bódog 46 Jahre alt.

Weitere Ereignisse am 27. September:

1931: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 4:1  
1953: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:0  
1959: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 3:1  
1970: FSV Mainz 05 - Gummi Mayer Landau 1:1  
1975: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 3:3  
1981: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 0:1  
1986: SC Birkenfeld - FSV Mainz 05 1:0  
2007: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 3:0  
 

28. September  

Der zweite von drei gleichwertigen Torjägern in der Saison 1972/73: Herbert Renner, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird.Am 28. September kamen binnen weniger Jahre drei mehr oder weniger bedeutende Mainzer Angreifer der frühen 1970er zur Welt. Der Prominenteste ist sicherlich der Fürther Herbert Renner, ein Stürmer mit einem letztlich nicht ganz passenden Namen: Herbert Dribbler wäre treffender gewesen. Der flexible Angreifer, der 1968 mit dem FC St. Gallen den Schweizer Pokal gewonnen hatte, kam drei Jahre später vom 1. FC Nürnberg nach Mainz, begann als Mittelstürmer, tauschte aber schon nach zwei Spielen seinen Platz mit einem weiteren Neuzugang, dem bisherigen Linksaußen Gerd Klier. Jener musste noch lange mit dem eher aus der Tiefe kommenden als ganz vorne spielenden Jürgen Richter um den Platz im Sturmzentrum kämpfen, schoss aus unterschiedlichen Positionen bereits seine ersten 21 Tore. Herbert Renner legte ihm einige davon auf und traf selbst zwölf Mal.

1972 kamen zwei weitere Stürmer dazu: Rechtsaußen Jochen Dries, der Renner auf die linke Seite schob, aber nach einem Autounfall monatelang fehlte, und Manfred Kipp, der links stürmte, als Renner wieder nach rechts durfte. Damit war der gefürchtete 54-Tore-Sturm komplett, der die Regionalliga Südwest in Stücke schoss: Links der immer zum Tor ziehende Kipp (17 Treffer), in der Mitte der Strafraumwühler Klier (19 Treffer), der Chancen nutzte, die Geringere nicht mal als solche erkannten, rechts der bewegliche Renner (18 Treffer) - drei Mann, die allerdings auch ständig rochierten, auch im Verbund mit offensiven Mittelfeldspielern und gar Verteidigern (Herbert Scheller, der in die Abwehr versetzte Richter, später Günther Rybarczyk) die gegnerische Abwehr überrannten. Renner war dabei der Solist, ein Stürmer, der nach Pässen aus der Tiefe durchaus mal vor dem Abschluss zwei, drei Verteidiger loswerden konnte. Die 05er wurden so Südwestmeister, verpassten aber den Aufstieg in die Bundesliga.

Bereits 1973/74 fiel der 54-Tore-Sturm auseinander. Manfred Kipp verlor seinen Stammplatz an den neu verpflichteten Österreicher Erwin Hohenwarter, der im Abschluss weniger gefährlich war, aber ein glänzender Techniker und ein erstklassiger Vorbereiter. Klier steigerte sich dadurch auf 28 Saisontore, Renner - wieder auf die linke Seite gewechselt - traf 16 Mal. Die 05er qualifizierten sich so für die 2. Bundesliga, in der auch Renner nicht mehr ganz so regelmäßig eingesetzt wurde, immerhin in 29 Spielen (zwei davon als Libero!) neun Tore schoss. Nach jener Saison wechselte der Fürther zu Bayern Hof. Der Torjäger wird am Mittwoch 70 Jahre alt.

Der 2015 verstorbene Willi Ritz kam am Mittwoch vor 65 Jahren zur Welt.Gleichzeitig mit Renner waren zwei weitere Nürnberger Spieler nach Mainz gekommen: Der Lahnsteiner Verteidiger Willi Löhr, der bald 05-Kapitän wurde und heute noch beim Verein ist, und der Mittelfeldmann Dieter Grow, der am nun 65 Jahre alt wird. Dieser setzte sich nicht durch in Mainz, spielte nur sieben Mal in der Regionalliga und verließ die 05er bereits 1972 wieder.

Am gleichen Tag wie Grow kam Willi Ritz zur Welt, der auch bis 1971 in Nürnberg spielte, allerdings von dort erst zur TuS Neuendorf, später zu Alemannia Aachen und erst im Winter 1974/75 nach Mainz. Ritz war ein wertvoller Ergänzungsspieler, bis auf eine kurze Phase als Linksaußen in der Rückrunde 1975/76 nie fest auf einer Position, sondern in schnellem Wechsel auf sämtlichen Angriffs- und Mittelfeldpositionen regelmäßig im Einsatz. In 39 Zweitligaspielen schoss Ritz zehn Tore. Nach der Lizenzrückgabe verließ der Angreifer die 05er. Bei Waldhof Mannheim setzte er sich nicht durch, auf der anderen Seite bei Südwest Ludwigshafen war er noch jahrelang ein Leistungsträger. Ritz verstarb am 18. Februar 2015 im Alter von 63 Jahren.

Weitere Ereignisse am 28. September:

1930: FSV Mainz 05 - 1. FC Langen 2:2  
1952: FV Engers 07 - FSV Mainz 05 2:5  
1958: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 2:1  
1969: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 0:1  
1980: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 2:2  
1991: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1  
1997: SG Wattenscheid 09 - FSV Mainz 05 1:1  
1998: SSV Ulm 1846 - FSV Mainz 05 4:2  
2008: FC Augsburg - FSV Mainz 05 0:2  
2013: Hertha BSC - FSV Mainz 05 3:1  

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite