Das 05-Kalenderblatt: 26. bis 28. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um einen der talentiertesten 05-Stürmer, den spätesten Elfmeterpfiff, den schnellsten Doppelschlag, die längste Nachspielzeit, den größten Zirkus, die höchste Niederlage, den ungarischsten Hattrick und einen jungen Torwart.

26. Oktober  

Charly Mähn, bis heute zweitbester Mainzer Torjäger, wird 55 Jahre alt.Einer der talentiertesten Stürmer, die Mainz 05 je hervorgebracht hat, wird heute 55 Jahre alt. Charly Mähn stand bereits 1977 mit den Mainzer B-Junioren im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Am 12. August 1979 stand Mähn erstmals in der Startelf der Oberligamannschaft, wo er sich im Laufe der Hinrunde über einige Einwechslungen schnell als Rechtsaußen etablierte. Schon im zweiten Jahr war Mähn - gleichauf mit dem einmal weniger eingesetzten Siggi Iser - der beste Mainzer Torschütze und erstmals Südwestmeister. Dabei war der schnelle, leichtfüßige Angreifer immer mehr Vorbereiter als Torjäger; seine sehr guten Bilanzen in der Oberliga hingen auch damit zusammen, dass er zu schnell war für die Verteidiger, ihnen einfach weglaufen konnte. 

Mähns erster Versuch, Profi zu werden, scheiterte: Von 1983 bis 1985 spielte er immerhin 56 Mal für den SC Freiburg, schoss dabei neun Tore und wechselte dann zurück nach Mainz. Dort war Mähn weiterhin ein herausragender Spieler, mit dem die 05er schließlich zweimal aufstiegen; 1988/89 fielen sie zurück in den Amateurfußball, 1990/91 setzten sie sich wieder in der 2. Bundesliga fest.

Ein übler Tritt von Freddy Heß beendete am 24. März 1991 die Karriere dieses ausgesprochen guten Fußballers abrupt. Der Verteidiger aus Darmstadt trat Mähn von hinten das Standbein weg und zerstörte das linke Knie: Kreuzband, Innenband, Innenmeniskus waren gerissen, eine Kapsel zertrümmert. Heß sah nicht einmal Gelb, Mähn, heute noch nach "Bimbo" Bopp mit 116 Toren in 323 Spielen der zweiterfolgreichste Mainzer Torjäger, kam nie mehr auf den Platz zurück. Sportlich ist Mähn immer noch. Beim Gutenberg-Marathon belegte er ein paar ordentliche Plätze.

Christian Wetklo fühlte sich heute vor vier Jahren unsterblich - nach einem gehaltenen Elfmeter in der 123. Minute völlig zu Recht! Foto: imagoHeute vor vier Jahren warf Mainz 05 Hannover 96 aus dem DFB-Pokal. In den ersten Minuten der Verlängerung brachte Andreas Ivanschitz die Mainzer in der Landeshauptstadt Niedersachsens in Führung. Ernsthaft in Gefahr geriet der Vorsprung erst in der Nachspielzeit - kein Mensch weiß, wie Felix Brych auf die Idee gekommen ist, den 96ern einen Strafstoß zu geben. Christian Wetklo hielt den Schuss von Didier Ya Konan. In der Liga war Wetklo bis dahin nur Ersatztorwart. Ein gehaltener Elfmeter in der 123. Minute war Grund für Thomas Tuchel, den Gelsenkirchener zum Stammkeeper zu machen.

Weitere Ereignisse am 26. Oktober:

1930: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 2:2  
1952: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 6:0  
1969: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 2:2  
1980: FC St. Wendel - FSV Mainz 05 3:3  
1997: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:5  
2001: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 05 4:1  
2005: VfL Osnabrück - FSV Mainz 05 2:4 n.E. (DFB-Pokal)
2007: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 1:1  
2008: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 0:0  
2013: FSV Mainz 05 - Eintracht Braunschweig 2:0  
2014: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:0  

27. Oktober  

Geburtstage sind am Dienstag nicht verzeichnet, aber eine ganze Reihe denkwürdiger Spiele.

Vor 52 Jahren gewannen die 05er 4:2 beim Ludwigshafener SC. Die Partie war schon nach zehn Minuten entschieden: Erst überlief Kurt Sauer aus dem linken Mittelfeld heraus die Abwehr und legte seinem Nebenmann Manfred Zimmer das 1:0 auf (4.). Den Anstoß des LSC fingen die 05er direkt ab. Linksaußen Vincenz Fuchs nahm den langen Schlag von Libero Norbert Liebeck und erhöhte noch in der gleichen Minute auf 2:0 - das ist der schnellste verzeichnete Doppelschlag der 05er. In der 9. Minute schoss Rechtsaußen Manfred Nehren wiederum nach Voarbeit von Sauer und Zimmer das 3:0. Erst in der zweiten Hälfte schoss Zimmer auch das vierte Mainzer Tor.

Vor 24 Jahren gab es die längste Nachspielzeit: Rot-Weiß Erfurt war zu Gast am Bruchweg, es war das Rückspiel von Jürgen Klopps Vier-Tore-Partie. 2:1 stand es kurz vor Schluss für die Thüringer. Tommi Paavola hatte die 05er in Führung gebracht, Jörg Schmidt (per unberechtigtem Elfmeter) und der damalige Erfurter Zeljko Buvac noch vor der Halbzeit das Spiel gedreht. Das Drama begann in der 89. Minute mit einem angeblichen Foul an Frank Möller. Elfmeter für Mainz! Genauso unberechtigt wie der für Erfurt in der 17. Minute. Und ein Riesentheater; die Erfurter waren nicht glücklich mit der Entscheidung des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Dieter Birlenbach aus Hattenheim. Armin Romstedt, der 35-jährige Routinier, holte sich glatt Rot, weil er den Rheingauer beleidigte. In der 92. Minute erst schoss "Schorsch" Müller. Und Peter Disztl hielt den Elfmeter. Die Erfurter freuten sich aber nur kurz über den Auswärtssieg - Birlenbach ließ den Strafstoß wiederholen. Heiko Räthe war zu früh im Strafraum. Ordner mussten auf den Platz, um die Tumulte zu beruhigen, Räthe sah ebenfalls Rot (93. Minute). Erst in der 96. Minute hatte sich alles wieder leidlich beruhigt und nicht Müller, sondern Klopp schoss das 2:2. Erst in der 99. Minute pfiff Birlenbach das Spiel ab.

Zirkus am düsteren Bruchweg: Moussa Latoundji (zweiter von links) hat schon Gelb-Rot und gibt immer noch keine Ruhe. Rechts ahnen Mimoun Azaouagh und Michael Thurk, dass es noch ein bisschen dauern wird, bis es weiter geht. Foto: imagoVor zwölf Jahren wurde bei einem 4:1 gegen Energie Cottbus ebenfalls lange kein Fußball gespielt und wieder hing das zusammen mit einem Elfmeter. Aber von vorne: Michael Thurk wollte gegen Energie nach 18 Minuten einen Elfmeter, bekam ihn aber nicht. Zwanzig Sekunden später führte Energie 1:0. Es vergingen keine anderthalb Minuten, dann wurde Christoph Teinert gefoult. Im Strafraum oder knapp daneben? Schwer zu sagen. Diesmal gab es Elfmeter und aufgeregte Proteste der Cottbuser. Lange nach dem Foul erst schoss Thurk - und Georg Koch hielt. Sein Verteidiger Robert Vágner köpfte den Abpraller ins Aus und Schiri Uwe Kemmling ließ den Elfmeter wiederholen. Vágner war viel zu früh im Strafraum. Wieder Proteste. Fast drei Minuten nach dem Foul schoss Toni da Silva im zweiten Versuch das 1:1. Aber es ging noch lange nicht weiter. Moussa Latoundji hatte schon zwischen den Elfmetern für sein minutenlanges Lamentieren Gelb gesehen, hatte sich immer noch nicht beruhigt, applaudierte Kemmling höhnisch - Gelb-Rot. Woraufhin der Schiedsrichter Mühe hatte, die Kollegen des Mittelfeldspielers loszuwerden. Energie-Präsident Dieter Krein stand auf dem Platz. "Der hatte noch nicht Gelb!", brüllte er. Ein Irrtum. "Diesen Schiedsrichter kennen wir! Das ist ein ganz großer Lump!", schimpfte der Co-Trainer. Platzverweis. Schwerstarbeit für Kemmling. Sechs Minuten nach dem Foul an Teinert ging es mit Anstoß weiter - vierzig Sekunden lang. Dann rannte Energie-Kapitän Christian Beeck abseits des Geschehens Marco Walker über den Haufen, so weit nichts Dramatisches. Beide kamen aber zu Fall und Beeck trat nach. Der Schiedsrichter-Assistent sah es, Beeck wusste das und ließ sich erst einmal minutenlang behandeln, ehe Kemmling ihm Rot zeigen konnte. Im Fernsehen lief die ganze Zeit oben rechts die Uhr mit. 18:59 zeigte sie beim Foul an Teinert, 28:12, als Kemmling nach dem zweiten Platzverweis das Spiel wieder freigab. Fußball gespielt wurde in dieser Spanne 40 Sekunden lang. Danach aber wieder ernsthaft. Cottbus spielte das Spiel diszipliniert zu Ende, verlor 1:4 in einer merkwürdigen Atmosphäre am dunklen Bruchweg, wo das Flutlicht an jenem Montagabend durch einen technischen Defekt nicht mit voller Kraft lief. "Du hast den ganzen Abend lang das Gefühl, du musst dich für diesen Sieg entschuldigen", wunderte sich schließlich Klopp.

Vor neun Jahren gingen die in jener Bundesliga-Hinrunde überforderten 05ern gegen Werder Bremen 1:6 unter. Miroslav Klose und Aaron Hunt trafen jeweils zweimal, jeweils vom jeweils anderen vorbereitet. Die Brasilianer Diego und Naldo schossen die weiteren Tore zur höchsten Mainzer Bundesliga-Niederlage. Mimoun Azaouagh traf zwischendrin per Freistoß zum 1:3.

Und vor drei Jahren schossen die 05er dank Adam Szalais Hattrick die TSG Hoffenheim 3:0 ab.

Weitere Ereignisse am 27. Oktober:

1929: 1. FC Langen - FSV Mainz 05 2:3  
1957: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:2  
1968: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 2:2  
1985: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 2:1  
1996: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 0:0  
2004: FSV Mainz 05 - Hansa Rostock 3:1  
2010: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 2:1 (DFB-Pokal)

28. Oktober  

Robin Zentner hat am Mittwoch Geburtstag.Am Mittwoch wird Robin Zentner 21 Jahre alt. Der Rüdesheimer, der 2006 aus Eltville zu den 05ern kam, stand 36 Mal für die U23 im Regional- oder Drittligator, saß fünfmal in der Bundesliga auf der Bank und ist aktuell an Holstein Kiel ausgeliehen.

Weitere Ereignisse am 28. Oktober:

1928: FSV Mainz 05 - VfL Neu-Isenburg 4:1  
1934: FSV Mainz 05 - TuRa Kastel 5:2  
1951: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 2:1  
1956: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 2:1  
1962: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 1:1  
1979: FSV Mainz 05 - FC Ensdorf 2:0  
1984: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 1:3  
1990: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 3:0  
2000: FSV Mainz 05 - SSV Ulm 1846 0:3  

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