Das 05-Kalenderblatt: 25. bis 28. August

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um das Debüt der Rückennummern und das Comeback der späteren Startrekordler, um einen Erfolgstrainer, der nach Jahrzehnten noch regelmäßig an den Bruchweg kommt, den zweithöchsten Zweitliga- und den einzigen europäischen Auswärtssieg.

25. August: 

Geburtstagskinder am 25. August: Metin Telle......und Nana Bediako.Heute haben ein mehr und ein weniger erfolgreicher Amateurstürmer der 05er Geburtstag: Metin Telle wird 36 Jahre alt. Der Badener mit türkischen Vorfahren, der Jahre zuvor achtmal in der 2. Bundesliga für Alemannia Aachen gespielt hatte, kam 2004 als Torschützenkönig der Oberliga Baden-Württemberg vom FC Nöttingen ins Mainzer Regionalligateam, war aber dort kein Torjäger. In Erinnerung bleibt vor allem der Siegtreffer zum völlig unverdienten 1:0 in der Offenbacher Nachspielzeit. Nach einer Saison schloss sich Telle wieder dem FC Nöttingen an, bei dem er - unterbrochen von dreieinhalb Jahren in der zweiten türkischen Liga - bis 2013 spielte.

Und zwar 2005/06 und 2010/11 zusammen mit einer Mainzer Oberligalegende: Nana Bediako ist bis heute der drittbeste Torjäger, den die 05er von der Oberliga aufwärts in ihrer zweiten Mannschaft hatten. Die 43 Tore des Ghanaers in 137 Ober- und Regionalligaspielen von 2000 bis 2005 - einer Zeit, in der es die heutige U23-Regel noch nicht gab - übertrifft nur Petar Sliskovic; Nej Daghfous schoss ebenfalls 43 Tore, brauchte dafür aber nur 111 Spiele. 2001/02 war Bediako nahe am Profifußball, letztlich reichte es aber nur für sechs Einwechslungen in der 2. Bundesliga. Bediako wird heute 39 Jahre alt.

Immerhin 14 Mal in der Regionalliga spielte schließlich der inzwischen beim SC Verl gelandete Offensivmann Jan-Patrick Kadiata aus Bonn, der heute 27 Jahre alt wird.

Heute vor elf Jahren reiste ein Häuflein Mainzer ins kalte Island und sah im Nationalstadion Laugardalsvöllur zu Reykjavík, wie Michael Thurk und Tom Geißler (letzterer mit seinem einzigen Pflichtspieltor für die 05er) zum 2:0 gegen den ÍB Keflavík trafen. Mit dem gleichen Ergebnis hatten die 05er bereits in Frankfurt das Hinspiel gewonnen. Das isländische Publikum - keine tausend Leute - vermischte sich derweil auf der Haupttribüne mit den 05ern und freundete sich mit diesen an. Höhepunkt war ein gemeinsamer Wechselgesang, bei dem die Mainzer und die Isländer jeweils nicht die eigene Mannschaft, sondern den Gegner hochleben ließen. Nach inzwischen fünf Versuchen ist dieses 2:0 immer noch der einzige Mainzer Pflichtspielsieg im Ausland. Aber vielleicht wird's ja dieses Jahr den nächsten geben.

Weitere Ergebnisse am 25. August:

1929: FSV Mainz 05 - 1. FC Langen 1:2 
1957: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1 
1963: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 0:1 
1968: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 0:3 
1976: FSV Mainz 05 - TuS Landstuhl 3:1 
1979: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 5:1 (DFB-Pokal)
1983: SpVgg Elversberg - FSV Mainz 05 2:2 
1985: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 1:4 
1992: Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 2:1 
2000: Kickers Emden - FSV Mainz 05 0:1 (DFB-Pokal)
2001: FC Erzgebirge Aue - FSV Mainz 05 1:2 n.V. (DFB-Pokal)
2002: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 2:0
2012: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:1
 

26. August: 

Am Freitag vor 43 Jahren ging der SV Alsenborn in Mainz unter. In gewisser Weise waren die Pfälzer der Vorgänger der TSG Hoffenheim: Der in Alsenborn ansässige Ex-Weltmeister Fritz Walter war in den frühen 1960ern beim SVA eingestiegen und hatte den Klub binnen weniger Jahre nahe an die Bundesliga gebracht. Anders als bei den Hoffenheimern war dabei allerdings gar nicht so viel Geld im Spiel; horrende Ablösezahlungen waren damals ohnehin noch nicht erlaubt. Eher stellte der SVA mit guten Arbeitsbedingungen eine Pfalz-Auswahl zusammen, die 1968, 1969 und 1970 Südwestmeister wurde, aber jeweils in der Aufstiegsrunde scheiterte. Bereits 1969 begann der Niedergang mit dem Verkauf des überragenden Spielmachers Lorenz Horr für die damals deutsche Rekordablöse von 336.000 Mark zu Hertha BSC und dem Unfalltod des Trainers Otto Render. Im letzten Regionalligajahr schließlich kassierte Alsenborn in Mainz ein 0:8. Klier, Erwin Hohenwarter, Torben Nielsen, zweimal Renner und dreimal Paul Göppl trafen zum zweithöchsten Mainzer Zweitligasieg - übertroffen nur vom 9:1 gegen die Eisbachtaler Sportfreunde gut einen Monat später. Die Alsenborner Erfolgsgeschichte endete in jener Saison; obwohl sie sportlich qualifiziert waren, wurden die Pfälzer unter dubiosen Umständen nicht in die 2. Bundesliga aufgenommen.

Weitere Ergebnisse am 26. August:

1928: FSV Mainz 05 - SpVgg 04 Arheilgen 2:0
1951: 1. FC Kaiserslautern - FSV Mainz 05 4:2
1956: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 4:1
1962: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 5:2
1978: FC St. Wendel - FSV Mainz 05 1:0
1984: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:0
1990: Rot-Weiss Essen - FSV Mainz 05 2:0
1994: FSV Mainz 05 - Hansa Rostock 2:2
1995: SC Neukirchen - FSV Mainz 05 2:2 n.V., 3:4 n.E. (DFB-Pokal)
 

27. August  

Man kann es nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Aber wahrscheinlich sehen wir auf diesem Mannschaftsbild von 1950 hinten von links die Nummern 9 und 7, dann zwei nicht eingesetzte Spieler, dann die Nummern 6, 5, 11 und 8, vorne die Nummern 2, 1 und 3 aus dem ersten Spiel des FSV Mainz 05 mit Rückennummern. Der Vierer und der Zehner sind nicht abgebildet.Eine Selbstverständlichkeit des neuzeitlichen Fußballs wird am Samstag in Mainz 66 Jahre alt: Am 27. August 1950 empfingen die 05er zum Auftakt der neuen Oberligasaison Wormatia Worms zum Rheinhessenderby (und verloren gegen den späteren Südwest-Vizemeister 1:2). Das damals noch Besondere an der Partie: Zum allerersten Mal spielten die 05er mit Nummern auf dem Rücken. Wer welche Rückennummer trug, ist nicht mit Sicherheit überliefert; vermutlich aber spielten die 05er von 1 bis 11 in der Reihenfolge Dieter Schaak, Karl Döppenschmidt, Gerd Higi, Hermann Höffner, Alfred Schöppler, Erich Reith, Josef Meinhardt, Franz Kircher, Horst Lebefromm, Willi Petrauschke (der Torschütze zum 1:1), Walter Neumann. Feste Rückennummern gab es damals natürlich noch nicht; die setzten sich erst im Laufe der 1990er nach und nach durch. Die 05er schlossen sich diesem Trend 1996 an.

Zwei Geburtstagskinder der 05er waren bei diesem Spiel schon auf der Welt. Herbert Dörenberg wird 71 Jahre alt. Der in unmittelbarer Nachbarschaft Mönchengladbachs geborene und aufgewachsene Verteidiger kam 1967 im Alter von knapp 22 Jahren ins Rhein-Main-Gebiet. Dörenberg spielte zunächst fünf Regionalligasaisons für Opel Rüsselsheim, wechselte dann zum SV Darmstadt 98, mit dem er 1978 als Meister der 2. Bundesliga Süd aufstieg. Dörenberg kam jedoch nicht mit in die Bundesliga, sondern wechselte zum Zweitliga-Absteiger VfR Bürstadt, mit dem er in seinem letzten Jahr als Spieler den Wiederaufstieg schaffte. Als Trainer hielt Dörenberg den VfR 1979/80 in der 2. Liga.

Herbert Dörenberg, einst Trainer der Mainzer Amateurmeisterschaftself und immer noch regelmäßig am Bruchweg auf der Tribüne, wird 71 Jahre alt.Als Nachfolger von Horst Hülß wurde Herbert Dörenberg 1980 Trainer der 05er. Im zweiten Jahr erreichte er den bis dahin größten Erfolg der Klubgeschichte: die deutsche Amateurmeisterschaft. Die starke Mannschaft hatte der damalige 05-Chef Jürgen Jughard allerdings bekanntlich mit veruntreutem Geld aufgebaut; als die Blase 1982 platzte, fielen die 05er in eine ihrer größten Krisen. Die Mannschaft war daraufhin nicht nur durch die lange Vorsaison körperlich, sondern auch physisch am Boden, "praktisch untrainierbar", wie Dörenberg im Herbst sagte. Bereits Ende Februar 1983 kündigte der Trainer seinen Abschied zum Saisonende an. Ein paar Tage später eskalierte ein Streit zwischen Dörenberg und Manager Helmut Höfels, worauf der Trainer die 05er vorzeitig verließ. In den folgenden Jahren trainierte Dörenberg unter anderem die Amateure Eintracht Frankfurts, EIntracht Bad Kreuznach, die SpVgg Bad Homburg, den SV Wehen, den FSV Frankfurt und die Eisbachtaler Sportfreunde. Darüber hinaus arbeitete er von 1967 bis 2006 als Lehrer. Als Zuschauer und Scout sieht man Herbert Dörenberg bis heute regelmäßig am Bruchweg.

Genau zwei Jahre jünger ist Roland Bott. Der Mittelfeldspieler rückte 1969 aus dem eigenen Nachwuchs ins Regionalligateam der 05er auf und war bis 1972 in 38 Spielen dabei.

48 Jahre alt wird Aurel Silviu Panait. Der Linksverteidiger kam 1996 als viermaliger rumänischer Meister mit Steaua Bukarest sowie Kurzzeit-Nationalspieler nach Deutschland, spielte zunächst für den Wuppertaler SV in der Regionalliga und wechselte im Dezember 1997 zu den 05ern. Neun Spieltage lang war Panait hinten links gesetzt; dabei war der Rumäne nicht nur mit seinem langen schwarzen Zopf eine auffällige Erscheinung, sondern als technisch starker Verteidiger auch ein wichtiger Spieler für die 05er. Ein Muskelbündelriss setzte Panait jedoch früh langfristig außer Gefecht. Nach seiner Genesung wechselte der Rumäne zurück nach Wuppertal, später spielte er noch für den SV Wehen und den BFC Dynamo.

Weitere Ergebnisse am 27. August:

1961: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 0:0  
1967: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 4:0  
1989: FSV Mainz 05 - FSG Schiffweiler 3:0  
1991: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:0  
2006: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 1:1  
 

28. August  

Zwei Viererpacks jähren sich am Sonntag. Genau 56 Jahre ist der große Auftritt eines ehemaligen B-Nationalstürmers beim SV Niederlahnstein her - Erich Bäumler traf viermal binnen einer halben Stunde. Der Angreifer bekam beim 4:1-Sieg sogar fünf Scorerpunkte; zum 2:0 verwandelte Bäumler in der 8. Minute einen Elfmeter nach Foul an ihm selbst. Und mit ein bisschen Kreativität kann man Bäumler auch als Vorbereiter des 4:0 in der 33. Minute benennen: Wieder Elfmeter - diesmal nach Foul an Manfred Nehren -, Bäumler schoss, der Torwart parierte, Bäumler traf im Nachschuss.

Exakt 50 Jahre später spielten die 05er beim VfL Wolfsburg. Bei den Niedersachsen drehte sich alles um die Bundesliga-Rückkehr des Brasilianers Diego, der nach den Treffern von Edin Dzeko (23., 28.) bereits in der 30. Minute das 3:0 schoss. Ein Debakel für die 05er! Oder?

Morten Rasmussens 1:3 in der 39. Minute nahm der VfL halt hin. Elkin Sotos Anschlusstor in der 48. Minute machte die Wolfsburger schon ein bisschen nervöser. In der 58. Minute schlug André Schürrle auf dem linken Flügel seinen damals noch nicht weltberühmten Haken und schoss den Ball ins lange Eck - 3:3.

Nicht nur Thomas Tuchel ist ganz aufgeregt: Noch ein paar Minuten, dann ist das größte Bundesliga-Comeback des FSV Mainz 05 geschafft! Foto: imago

Und Thomas Tuchel wollte noch mehr. Der 05-Trainer brachte kurz nach dem Ausgleich einen frischen Stürmer, Adam Szalai für Rasmussen. Und in der 75. Minute kam Niko Bungert für Lewis Holtby. Ergebnis halten? Stärkung der Defensive? Mitnichten! Bungert bildete mit Nikolce Noveski und Bo Svensson eine Dreierkette, beide Außenverteidiger rückten vor ins Mittelfeld. Ihr Auftrag: Das Momentum nutzen, das Spiel vollends kippen lassen! Radoslav Zabavnik, der Ex-Rechtsverteidiger, schlug in der 85. Minute die entscheidende Flanke. Szalai nahm den Ball an. Manndecker Simon Kjaer fiel auf die Körpertäuschung des Ungarn herein, blockierte einen Schussweg, für den Szalai sich überhaupt nicht interessierte, machte diesem das Tor weit auf für den Siegtreffer. Die 05er brachten das 4:3 über die Zeit; es war das erste Mal seit 78 Jahren und sieben Tagen, dass sie auswärts nach einem Drei-Tore-Rückstand gewonnen hatten und das erste Mal seit 1991, dass dies einem Bundesligisten gelungen war. Das größte Mainzer Comeback in der Bundesliga war der zweite und möglicherweise wertvollste von sieben 05-Auftaktsiegen in der Saison 2010/11, in der die 05er an jedem einzelnen Spieltag auf einem Europapokalplatz standen.

Weitere Ereignisse am 28. August:

1927: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:0  
1932: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:0  
1955: FSV Mainz 05 - SpVgg Andernach 2:3  
1966: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 0:2  
1974: FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 0:1  
1976: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:0  
1977: SV Guntersblum - FSV Mainz 05 0:3 
1982: 1. FC Köln (A) - FSV Mainz 05 1:3 (DFB-Pokal)
1983: FSV Mainz 05 - FC St. Wendel 2:0  
2004: Hertha BSC - FSV Mainz 05 1:1  
2005: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 2:0  
2009: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 2:0  
2011: Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:1  

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