Das 05-Kalenderblatt: 23. bis 25. November

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um einen populären Serben und einen unpopulären Schweizer, um einen Stamm- und einen Ersatztorwart, um zwei Verteidiger, die keine Ära prägten, und um ein Talent, das früh stecken blieb.

23. November  

Am Montag wird Robert Seib 48 Jahre alt. Der damals 18-Jährige galt 1985/86 als großes Mittelfeldtalent, schaffte aber den Sprung von der 05-Jugend ins Oberligateam nicht, wurde nur zweimal eingewechselt und ging nach der Saison nach Eltville.

Weitere Ereignisse am 23. November:

1974: FSV Mainz 05 - SpVgg Bayreuth 3:0  
1980: FSV Mainz 05 - FC Ensdorf 1:0  
1986: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 3:1  
2008: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 2:2  

24. November  

Seitenwahl im Mannheimer Matsch im Sommer 1961 - rechts der 05-Kapitän Otto Schedler, in der Mitte der spätere Mainzer Bundesliga-Schiedsrichter Max Spinnler.Otto Schedler wird am Dienstag 81 Jahre alt. Der Torwart kam schon als 13-Jähriger zu den 05ern, debütierte am 5. September 1954 bei einem 4:1 gegen Eintracht Bad Kreuznach im Alter von 19 Jahren in der ersten Mannschaft als Vertreter des Stammkeepers Walter Jäschke und wurde seinerseits 1955 Stammtorwart der 05er. Bis zum Ende seiner Karriere im Vertragsfußball im Sommer 1963 war Schedler das nicht immer. Mit dem sechs Monate älteren Franz Schöneck, der ihn kurz nach seinem Debüt schon wieder aus dem Tor verdrängt hatte, lieferte er sich bis 1959 ein enges Duell; der bereits 1998 verstorbene Konkurrent hatte nur 1957/58 einen Vorsprung und wechselte schließlich zum SV Weisenau. Gleichzeitig kam Gerhard Natale von den Offenbacher Kickers und wurde klare Nummer 1 in der Saison 1958/59, aber schon im folgenden Jahr war Schedler wieder Stammkeeper. Horst-Dieter Strich, der (viel) spätere 05-Trainer, löste den nunmehr 27-jährigen Routinier schließlich 1962 endgültig ab; zwar wechselte Strich schon ein Jahr später zum FCK, aber auch Schedler verließ in jenem Jahr nach 145 Oberligaspielen die 05er und schloss sich der FVgg Mombach 03 an.

43 Jahre alt wird am Dienstag Marek Lemsalu. Der Verteidiger mit der Zehnkämpferfigur, gerade erst zu Estlands Fußballer des Jahres gekürt, kam 1996 als zweimaliger Meister von Flora Tallinn - eigentlich als Innenverteidiger, aber eingesetzt wurde Lemsalu lediglich als Linksverteidiger, als Jürgen Klopp sich noch von seinem Kreuzbandriss erholte und Uwe Stöver rechts gebraucht wurde. Nach Klopps Rückkehr blieb Lemsalu zunächst im Team, aber Stöver holte sich bald seinen Stammplatz links hinten zurück und Lemsalu wurde nur noch gelegentlich eingewechselt. Nach einem Jahr und 16 Spielen verließ Lemsalu Deutschland wieder. Technisch war der 86-malige Nationalspieler, der in den folgenden Jahren mit dem FC Flora und mit Levadia Tallinn fünf weitere estnische Meisterschaften gewann, einfach nicht gut genug für die 2. Bundesliga.

Am gleichen Tag wie Lemsalu kam Holger Bernhardt zur Welt, der ehemalige 05-Ersatztorwart, der 1996 von RWO Alzey nach Mainz kam, achtmal in der 2. Bundesliga spielte und die 05er 2000 wieder verließ.

Weitere Geburtstagskinder am Dienstag: Oben Marek Lemsalu und Holger Bernhardt, unten Spasoje Bulajic und Mario Gavranovic.

Spasoje Bulajic wird am Dienstag 40 Jahre alt. Der slowenische WM-Teilnehmer (zwei Einsätze 2002) kam nach jenem Turnier vom 1. FC Köln als Nachfolger des zu Werder Bremen gewechselten Toptalents Manuel Friedrich zu den 05ern. Die jugoslawische Schule sah man dem Innenverteidiger an: Bulajic war ein harter Zweikämpfer, aber auch ein technisch guter Abwehrspieler; athletisch, kopfballstark, sachlich, schnörkellos, routiniert, daher sofort Stammspieler, wenn auch nicht so unverzichtbar, wie er zunächst wirkte: Als Bulajic wegen einer Verletzung wochenlang ausfiel, übernahm Mathias Abel, der Neuzugang aus Borussia Dortmunds Oberligamannschaft, der eigentlich nur bei den 05-Amateuren hatte spielen sollen, und wurde selbst Stammspieler. Als Bulajic wieder fit war, wechselte Abel aus der Innenverteidigung auf die rechte Abwehrseite.

Bulajic hätte lange wichtig für die 05er sein können. Eine psychische Krankheit verhinderte die erhoffte Ära: Nach 21 Einsätzen im ersten Jahr spielte der Slowene in der zweiten Saison nur noch zweimal in der 2. Bundesliga, ansonsten häufig im Regionalligateam. Bulajic verabschiedete sich 2004 aus Mainz, bekam aber in seinem Heimatland die Depressionen in den Griff und spielte ab 2005 noch einige Jahre in Zypern.

26 Jahre alt wird schließlich Mario Gavranovic. Der Schweizer kam 2011 als Leihspieler von Schalke 04 zu den 05ern, galt als großes Mittelstürmertalent, half aber überhaupt nicht weiter. Gavranovic präsentierte sich durchaus als technisch guter Mann, hatte aber kein Zweikampfverhalten, keinen Durchsetzungswillen und keine Lernbereitschaft. Auch die Demut dem Spiel und der Mannschaft gegenüber, die Thomas Tuchel immer forderte, fehlte Gavranovic, der schnell erfuhr, aber nicht einsehen wollte, wie tödlich das bei diesem Trainer ist. Nach einem ordentlichen und fünf schlechten Spielen schickten die 05er den Schweizer am Saisonende wieder zurück; beim FC Zürich zeigt er seither, dass er grundsätzlich durchaus ein brauchbarer Spieler sein kann.

Weitere Ereignisse am 24. November:

1935: FSV Mainz 05 - FV Biebrich 02 3:3  
1962: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 2:0  
1963: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1  
1973: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:0  
1984: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:3  
1990: FSV Mainz 05 - Preußen Münster 0:0  
1995: VfL Bochum - FSV Mainz 05 3:0  
2001: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 0:1  
2012: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:2  
2013: Werder Bremen - FSV Mainz 05 2:3  

25. November  

Am Mittwoch hat der Mann mit dem schwächsten, aber auch präzisesten Schuss der 2. Bundesliga Geburtstag. Srdjan Baljak wird 37 Jahre alt. Der Serbe ist ein Stürmer mit einer ungewöhnlichen Karriere: Abgesehen von jeweils einem halben Jahr in Japan und in Aserbaidschan kam Baljak erst als 28-Jähriger aus seinem Heimatland heraus und auch in der jugoslawischen und später serbischen ersten Liga hatte er lediglich 31 Mal gespielt. Mit 18 Toren für den Aufsteiger Banat Zrenjanin, der so als Neunter von zwölf Klubs in der Liga blieb, wurde er 2007 völlig überraschend serbischer Torschützenkönig, worauf die 05er den kleinen, etwas schmächtig wirkenden Glatzkopf kurzerhand nach Deutschland holten.

Die gefürchtetste Offensive der 2. Bundesliga im Mainzer Aufstiegsjahr 2008/09: Von links Srdjan Baljak (11 Tore/9 Vorlagen), Aristide Bancé (14/3) und Markus Feulner (7/15). Foto: imagoDer laufstarke, schnelle, leichtfüßige, bewegliche Angriffsallrounder brauchte lange, um sich auf die 2. Bundesliga einzustellen. Schon im ersten halben Jahr stand er hin und wieder in der Startelf, war aber kaum an Toren beteiligt. Den Durchbruch schaffte Baljak im letzten Saisonspiel: Beim 5:1 gegen den FC St. Pauli, das zum Aufstieg gereicht hätte, wenn nicht die TSG Hoffenheim Fürth geschlagen hätte, schoss der Serbe sein viertes, fünftes und sechstes Saisontor. Schon ein paar Wochen vorher, beim 6:1 gegen den SC Paderborn 07, hatten die 05-Fans nicht etwa den Hattrick-Schützen Félix Borja zur Humba auf den Zaun bestellt, sondern seinen Sturmpartner Baljak, der das 1:0 geschossen hatte, aus Respekt für eine grandiose Leistung in diesem Spiel, die vom "kicker" mit einer glatten Eins bewertet wurde. "Das war für mich das schönste Gefühl überhaupt", sagte Baljak. "Wegen solcher Momente spielt man Fußball. Das gibt mir unheimlich viel Kraft für weitere gute Spiele."

Im zweiten Jahr war Baljak in hohem Maße mitentscheidend für den Wiederaufstieg der 05er. Der Serbe hatte das Auge für die offene Schussbahn und die Technik, um den Ball mit der linken Innenseite ungeheuer präzise genau dahin zu schieben, wo der Torwart nicht mehr herankam. Die Bilanz im zweiten Jahr in Deutschland: Elf Tore, neun Vorlagen. Darunter das 1:0, das 2:0 und der Pass zum 3:0 beim 4:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen, das am letzten Spieltag die letzten Zweifel am Aufstieg beseitigte.

Bei den 05-Fans war Baljak längst sehr beliebt; seine Bedeutung für das Publikum ist vergleichbar mit der seines Fast-Landsmanns Milorad Pekovic. Auch Baljak war bei den 05ern eine sehr klare, ehrliche, intelligente, Persönlichkeit, pfiffig, lustig, freundlich. Als er im folgenden Winter mitten aus dem andalusischen Trainingslager zum MSV Duisburg wechselte, verabschiedete er sich mit Handschlag von allen mitgereisten Fans - und wurde in Duisburg ein noch viel größerer Volksheld, in nur einem halben Jahr der beste Saisontorschütze des MSV, ab Sommer Mannschaftskapitän.

Die 05-Fans waren untröstlich, Baljak verloren zu haben, aber in der Bundesliga hatte er sich nicht durchgesetzt. Ursprünglich war er eingeplant als Nebenmann von Aristide Bancé, aber dann fiel er im Sommertrainingslager vom Fahrrad, brach sich das Schlüsselbein, fiel wochenlang aus - ein Glücksfall letztlich für André Schürrle, der mit der Erfahrung von gerade mal einem Testspiel mit den Profis und einem Südwestpokalspiel mit den 05-Amateuren in die Bundesliga geworfen werden musste, weil sonst niemand mehr da war, und sofort Stammspieler wurde. Baljak spielte nur vier Mal in der Bundesliga. 2013 verließ er den MSV zu Wormatia Worms, 2014 wechselte er zum TSV Schott, für den er bis heute Tore schießt - erst an diesem Wochenende wieder eins beim 9:1 gegen den SVN Zweibrücken. Sein Versprechen beim Abschied von den 05ern, seinen Lebensmittelpunkt in Rheinhessen zu behalten, hat er also nicht gebrochen.

Weitere Ereignisse am 25. November:

1979: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1996: FSV Mainz 05 - KFC Uerdingen 05 3:1  
2006: Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:0  

 

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