Das 05-Kalenderblatt: 22. bis 25. September

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um den Mann für den vorletzten Pass, einen der ersten Profis seiner Generation, einen oft verletzten Pressing- und Konterprofi, ein Tor des Monats und einen Pokalhelden. Und um einen jungen Profi, der ein herausragender Spieler werden kann, aber erst einmal seinen Stammplatz wiederfinden muss.

22. September  

Arno Glesius (am Boden) war eine unglückliche Figur bei Mainz 05: Der Stürmer hätte sicherlich weiterhelfen können, wäre er irgendwann mal wirklich fit gewesen.Heute wird Arno Glesius 52 Jahre alt. Der Winzersohn von der Mosel war um 1990 kein schlechter Bundesligastürmer; als er 1993 vom 1. FC Saarbrücken zu den 05ern kam, war seine große Zeit allerdings schon vorbei. Der damals 27-jährige hatte in den beiden vorausgegangenen Bundesligaspielzeiten wegen Verletzungen nur sechsmal eingesetzt werden können; nur dadurch wurde Glesius für die 05er überhaupt erschwinglich. In Mainz wurde der Stürmer in der Hinrunde regelmäßig eingesetzt, dann warf ihn die nächste Verletzung wieder aus der Bahn.

Glesius hatte etwas, was in Mainz zu jener Zeit neu war, die Ausstrahlung eines Profis, der den Fußball verstanden hatte. Allerdings erreichte er die nötige Fitness nie wieder; insofern war er der Vorgänger von Sven Demandt, von dem sich die 05er ein Jahr später ähnlich viel versprachen und (zunächst) ähnlich wenig bekamen - der Unterschied: Nach sehr langer Anlaufzeit wurde Demandts Wade stabil und der ehemalige Zweitliga-Torschützenkönig noch jahrelang ein wichtiger Mann für die 05er, der das zeigte, was die 05er von seiner Klasse erwartet hatten. Glesius schaffte das nicht. An seinen besten Tagen zeigte er, dass er unter anderen Umständen eine große Hilfe hätte sein können: Der kleine, stämmige, von der Figur her etwas an Gerd Müller erinnernde Glesius war ein engagierter Angreifer, der sich im Strafraum gut bewegte, immer zu antizipieren versuchte, wo ein Ball zu haben sein könnte, sich vom Verteidiger löste, einen guten Abschluss hatte. Aber letztlich reichte es nur noch für 37 Zweitligaspiele in zwei Jahren - und immerhin sieben Tore. Von 2009 bis 2010 war Glesius Vizepräsident seines ersten Profiklubs, des Karlsruher SC.

Benedikt Saller, Dritter von links, war nicht weit davon entfernt, sich in der Bundesliga zu etablieren, schaffte aber letztlich den Durchbruch doch nicht und spielt inzwischen immerhin in der zweiten Liga. Foto: imagoBenedikt Saller wird 25 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler der Mainzer Drittligamannschaft war ein Beispiel dafür, wie schwer es ist, sich in der Bundesliga durchzusetzen. Saller, 2009 aus der U17 des TSV München 1860 verpflichtet und kurzzeitig Juniorennationalspieler, kann eigentlich vieles von allem, was ein Fußballprofi können muss. Vielleicht fehlt dem ehemaligen Außenverteidiger auf dem allerhöchsten Niveau ein bisschen technischer Schliff für die zentrale Position hinter den Spitzen, ein bisschen Aggressivität für die Rolle des Sechsers, ein bisschen Dynamik für die Flügel. Daher fasste der von Thomas Tuchel als "Mann für den vorletzten Pass" gelobte Spieler bei den Profis trotz 16 Bundesliga-Einsätzen (einer von Anfang an) und zwei Toren (ein sehr guter Abschluss in Stuttgart, ein völliger Zufall in Hoffenheim, wo Niklas Süle ihm den Ball überschoss und der Abpraller ins Netz flog) bei den Profis nicht dauerhaft Fuß. Im Drittligateam war der Münchner seit Mitte der Hinrunde 2014/15 klarer Stammspieler im defensiven Mittelfeld. Zur Saison 2016/17 wechselte Saller zum Drittliga-Aufsteiger SSV Jahn Regensburg, mit dem er direkt in die 2. Bundesliga durchmarschierte.

Weitere Ereignisse am 22. September:

1929: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 2:1  
1935: SV Flörsheim - FSV Mainz 05 1:0  
1957: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 0:1  
1963: BSC Oppau - FSV Mainz 05 2:2  
1968: FSV Mainz 05 - SpVgg Weisenau 3:0  
1984: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 1:2  
1985: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 3:7  
2001: FSV Mainz 05 - LR Ahlen 5:1  
2002: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 1:4  
2012: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 2:0

23. September

Am Samstag vor 91 Jahren kam Franz Crochet zur Welt. Der Torwart spielte von 1949 bis 1952 17 Mal für die erste Mannschaft der 05er, wenn der jeweilige Stammtorwart - anfangs Dieter Schaack, der 1951 mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister wurde, dann Rudolf Tannhoff - nicht zur Verfügung stand.

Ergebnisse am 23. September:

1928: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 4:1 
1934: SV Kostheim 12 - FSV Mainz 05 0:1 
1951: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:3 
1962: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:1  
1973: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 2:0  
1979: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 4:2  
1989: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 1:3 (DFB-Pokal)
1991: FSV Mainz 05 - VfL Osnabrück 3:2  
1995: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 2:0  
2006: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 1:1  
2007: Offenbacher Kickers - FSV Mainz 05 2:0  
2008: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 3:1 (DFB-Pokal)
2014: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:2  
2015: Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 1:0
 

24. September  

Am Sonntag wird Nils Lihsek, Mittelfeldspieler der aktuellen U19-Bundesligamannschaft des FSV Mainz 05, 18 Jahre alt.

Ergebnisse am 24. September:

1933: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:0  
1950: FSV Mainz 05 - FV Engers 07 3:0  
1961: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 3:0  
1967: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1972: FSV Mainz 05 - VfB Theley 3:0  
1977: Ludwigshafener SC - FSV Mainz 05 0:1  
1978: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:2  
1997: SSV Ulm 1846 - FSV Mainz 05 4:1 (DFB-Pokal)
1999: FSV Mainz 05 - Hannover SV 1:0  
2000: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:0  
2005: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:1  
2011: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:2  
2013: FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 0:1 (DFB-Pokal)
2016: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 2:3
 

25. September  

Ulrich Meyer, der Pokalheld von 1965, wird am Montag 74 Jahre alt.Am Montag wird Ulrich Meyer 74 Jahre alt. Der Kreuznacher Außenstürmer spielte nach seinem Wechsel von der dortigen Eintracht im Sommer 1964 zwei Jahre lang für die 05er in der Regionalliga, anschließend noch für den SSV Reutlingen 05 und Tasmania 1900 Berlin. Meyer war ein schneller, beidfüßig guter Angreifer, allerdings mit Schwächen im Abschluss. Langfristiger Stammspieler war er nie bei den 05ern; 1964/65 gehörte die rechte Angrifsseite mal drei Monate lang ihm, 1965/66 setzte er sich letztlich linksaußen durch, auf der einzigen Position, auf der Heinz Baas keine A-Lösung fand. Mit sechs Saisontoren in 19 Spielen hatte Meyer in jenem Jahr auch eine ordentliche Quote; im Jahr zuvor hatte er in 18 Spielen nur einmal getroffen, zum 1:2-Anschluss beim 3:3 im Derby gegen Weisenau.

Und dennoch hatte Ulrich Meyer seine besondere Bedeutung in der Mainzer Vereinshistorie als einer der bedeutendsten Pokalhelden von 1965: Der Rechtsaußen schoss das einzige Tor im Erstrundenspiel gegen den späteren Deutschen Meister Werder Bremen und brachte die 05er beim 2:2 gegen den Titelverteidiger TSV München 1860 in Führung; nach dem späten Ausgleich der "Löwen" warfen die Mainzer den Bundesligisten im Rückspiel in München aus dem Wettbewerb. Erst der 1. FC Nürnberg (0:3) war vor dem damaligen und noch fast fünfzig Jahre lang gültigen Mainzer Rekordpublikum von 24.000 Zuschauern zu stark für die 05er. Es dauerte 35 Jahre, bis die 05er zum zweiten Mal ein Viertelfinale erreichten.

Ein schneller Außenstürmer, egal ob mit dem Ball am Fuß oder unterm Arm: Nicolai Müller, der am Montag 30 Jahre alt wird.Nicolai Müller wird 30 Jahre alt. Der Außenstürmer schoss von 2011 bis 2014 in 81 Bundesligaspielen für Mainz 05 21 Tore und debütierte bei einer Amerika-Reise ohne etliche Stammspieler in einer Not-Nationalelf. Der Pressing- und Konterspezialist, einer von vielen Spielern, die aus Fürth nach Mainz kamen, wechselte anschließend zum Hamburger SV, der seither nur phasenweise Freude hatte am verletzungsanfälligen Angreifer - es ihm allerdings verdankt, dass die Bundesliga-Uhr immer noch läuft: Im Relegations-Rückspiel gegen den Karlsruher SC schoss Müller in der Verlängerung das entscheidende Tor. Aktuell fehlt Müller seinem Team wegen einer ebenso tragischen wie kuriosen Verletzung - Kreuzbandriss beim Torjubel.

22 Jahre alt wird Jean-Philippe Gbamin. Der von der Elfenbeinküste stammende hochtalentierte, wenn auch noch etwas zu impulsive junge Franzose könnte bei den 05ern ein außergewöhnlicher Abwehr- und Mittelfeldspieler werden, wenn er nicht zwischenzeitlich für sehr viel Geld weggekauft wird. Seit seinem Wechsel aus der zweiten französischen Liga nach Mainz vor gut einem Jahr wurde der junge Gbamin bereits 27 Mal in der Bundesliga eingesetzt. An Toren war er noch nicht beteiligt, doch zeigte er schon, mit Übersicht, gutem Passspiel und einer gewissen Eleganz viel Ordnung in ein Fußballspiel bringen zu können. Nicht weniger als drei (teils freilich überzogene) Platzverweise sind die andere Seite der Geschichte - Gbamins Selbstbeherrschung war im vergangenen Jahr noch nicht ausgeprägt genug. In der laufenden Saison konnte der Franzose wegen einer Verletzung erst zweimal mitspielen. Es wird interessant, ob er sich im Mittelfeld gegen Suat Serdar und Danny Latza durchsetzt, ob er in der Abwehr Leon Balogun seinen Platz streitig macht oder ob es zurück zur Viererkette geht und sich möglicherweise ganz andere Perspektiven für den jungen Spieler eröffnen.

Am Montag vor sieben Jahren gewann der FSV Mainz 05 erstmals bei Bayern München. Sami Allaguis Tor des Monats mit der Hacke brachte die 05er in Führung. Dann bauten Bo Svensson einen Svensson, die immer mal wieder gesehene überraschende Kopfballrückgabe gegen Christians Wetklos Laufrichtung zum 1:1. Das einzige Erfolgserlebnis der Bayern gegen die gnadenlos und hochintelligent pressenden Mainzer - und in der Schlussphase schoss Adam Szalai das 2:1. Schiedsrichter Babak Rafati kam dem Drängen des Stürmers, schon in der 77. Minute abzupfeifen nicht nach, aber das war auch kein Problem für die Mainzer, die halt noch dreizehn Minuten länger bereits die ballführenden Innenverteidiger der Bayern unter Druck setzten, Steilpässe ins Seitenaus und andere Ballverluste erzwangen. In der Sieben-Siege-Rekord-Startserie der 05er war das das sechste Kapitel.

Weitere Ergebnisse am 25. September:

1927: VfL Neu-Isenburg - FSV Mainz 05 7:4  
1932: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 3:1  
1960: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 0:0  
1965: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 0:0  
1966: FSV Mainz 05 - SV Weisenau 1:3  
1992: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 2:1  
1994: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 0:2  
2012: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 3:0 

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